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Motorrad-Leidenschaft liegt in den Genen

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SchekFriedrichshafen - Während andere Männer in seinem Alter allenfalls wehmütig von ihren Erfolgen und Abenteuern erzählen, lebt Herbert Schek (79) seine Leidenschaft und sein unbestrittenes Können im Motorrad-Geländesport seinen Nachkommen in der Sommersaison noch beinahe wöchentlich vor. Das prägt: Seit fünf Jahren balanciert auch Enkelin Julia (14) beim MSC Amtzell im Trial-Parcours ihre Maschine über Hindernisse und möchte später Enduro fahren.

Zuhause im elterlichen Hof, neben dem gleichnamigen Motorradhaus in Wangen, ist Julia Schek schon im Alten von sieben Jahren auf einem kleinen Motorrad "herumgedüst". Zwei Jahre später hat Vater Alex Schek-Popp, Trainer beim MSC Amtzell, seiner Tochter vorgeschlagen, beim Schnupper-Training des Vereins auf eine Trialmaschine zu steigen. "Weil ich eine Schek bin, haben sie mir gleich die stärkste Maschine gegeben. Mit der kam ich aber nicht zurecht und bin gleich mal am nächsten Baum gelandet", erzählt Julia lapidar von ihrem eher unrühmlichen Anfang, in die Fußstapfen von Großvater und Mutter Cornelia Schek zu treten.


Doch ihr fast drei Jahre jüngerer Bruder Max, der aufgrund seines Alters noch nicht zum Trial-Training zugelassen war, spornte sie an, indem er jede ihrer Trainingsstunden sehnsüchtig auf dem Fahrrad begleitete. So hat die Schülerin der Wangener Johann-Andreas-Rauch-Realschule in den vergangenen Jahren auf dem Parcours in Amtzell und bei Wettbewerben in Süddeutschland und in der Schweiz ihre Erfahrungen gesammelt. Dass sie auch mal blaue Flecken und Prellungen vom Training oder einem Wettbewerb mit nach Hause bringt, gehört für die 14-Jährige dazu. Was dem sportlichen Mädchen am Trial gefällt? "Es hat nicht nur mit Gas geben zu tun, sondern auch mit Verstand", sagt sie.

Während andere Mädchen in ihrer Klasse eher Theater spielen, steht Julia im Tor der Mädchen-Handballmannschaft des MTG Wangen und kann eben auch den Luftfilter oder eine Zündkerze an ihrem Motorrad wechseln. "Ich bin schon ehrgeizig und muss meine Grenzen austesten", gibt der Teenager zu. Wenn etwas im Wettbewerb oder Training nicht geklappt habe, weil sie zu abgekämpft gewesen sei, dann müsse sie es das nächste Mal gleich wieder versuchen. Der Biss für ein Ziel auch härter zu kämpfen, scheint in der Familie zu liegen. Nur so konnten Großvater Herbert oder Mutter Conny bei der Paris-Dakar und bei Rennen in Marokko oder Ägypten nicht nur durchkommen, sondern auch punkten.

15 Mal ist Herbert Schek die Paris-Dakar gefahren, das letzte Mal 1998. Nicht etwa fehlende körperliche Fitness, sondern eher Probleme mit den Augen, haben ihn damals von den großen mehrtägigen Wüsten-Rallyes Abstand nehmen lassen, die er teilweise gemeinsam mit seinen Töchtern Patricia und Cornelia gefahren ist. Gerührt sei er gewesen, als der mittlerweile verstorbene Paris-Dakar-Sieger Fabrizio Meoni einmal zu ihm gesagt habe, er dürfe noch nicht aufhören, er sei doch ein Vorbild für alle, erzählt Schek. Schmunzelnd erzählt der Geländefahrer auch, dass ihn seine Töchter Patricia und Cornelia bei der Pharaonenrallye in Ägypten 2005 mit ihren WM-Platzierungen auf den 21. Platz und damit aus der WM-Wertung verdrängt haben.

Aufs Altenteil hat sich der Gelände-Europameister und Gewinner der Marathon-Wertung bei der Paris-Dakar danach aber nicht zurückgezogen. Noch immer verlädt er in der Sommersaison beinahe jedes Wochenende eines seiner 16 lang gedienten Motorräder, um an einem Classic-Geländerennen teilzunehmen. Die fährt er noch immer mit der gleichen Begeisterung wie seinen ersten Motorsportwettbewerb, den er 1951 in Isny auch gleich gewann. "Kaum hatte ich den Einser-Führerschein mit 18 Jahren, habe ich ein paar Tage später an dem Skijöring teilgenommen. Mein Skifahrer hatte ziemlich Stehvermögen", erinnert sich Herbert Schek an diesen Wettbewerb. 30 Mark Siegprämie hat er damals eingestrichen. Das war zu dieser Zeit für einen Automechaniker ein Wochenlohn. Für Herbert Schek zeichnete sich da ab, dass sich im Motorsport Geld verdienen lässt.
Der zähe Allgäuer - mehr als einmal hat er sich Hüfte, Schultern und andere Knochen gebrochen - betreibt nun im 61. Jahr Motorsport. Zu den großen Momenten in all dieser Zeit zählen für ihn der Sieg der Sechstagefahrt in England 1971 auf seinem eigenen Motorrad, einer Schek-BMW. Einen Winter lang hatte er getüftelt und das Gewicht des BMW-Werksmotorrades auf 130 Kilo abgespeckt, um nicht noch einmal von Fahrern auf leichteren Maschinen abgehängt zu werden. Später bestätigten Hubert Auriol und Gaston Rahier mit Siegen bei der Paris-Dakar die Qualität der weiterentwickelten Schek-BMW.

Wann er mit dem Geländesport aufhört, muss eine genauere Definition seiner Aussage: "Ich höre mit 80 auf" bringen. "Das sehen meine Frau und ich nämlich unterschiedlich. Sie meint, ich höre mit meinem 80. Geburtstag am Ende des Jahres auf. Für mich bedeutet meine Aussage, dass ich nach meinem 81. Geburtstag aufhöre", gesteht die Offroad-Legende.

Am Ende seines aktiven Motorsport-Lebens - egal ob dies 2012 oder erst ein Jahr später sein wird - steht dann jedoch eine Bilanz, die sich nach Meinung vieler Motorrad-Geländefahrer sehen lassen kann:

Gelände-Europameister 1980 (auf BMW), Gelände-Europa-Cup-Sieger 1967 (auf Maico), Deutscher Geländemeister 250 cm³ 1962, 1964, 1965, 1967, 1969 (auf Maico), Deutscher Geländemeister 350 cm³ 1968 (auf Jawa), Deutscher Geländemeister über 500 cm³ 1970, 1971, 1972 (auf BMW) und 1974 und 75 (auf Maico), Deutscher Mannschaftsmeister 1968, 1973, 1975; 25 Sechstagefahrten (von 1965 bis 1981) mit zwölf Gold-, sechs Silber- und einer Bronzemedaille; 15 Teilnahmen an der Rallye Paris-Dakar (von 1981 bis 1998), Gewinner der Marathon-Wertung bei der Paris-Dakar 1984


Fotos + Text: Messe Friedrichshafen| www.motorradwelt-bodensee.de

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