Moto-GL-Kaleidoskop
Beobachtungen und Notizen aus dem Fahrerlager und von der Strecke
 
Matthias Schmitt

DHM-Meister 2017 bei den Solisten

Matthias Schmitt Beim letzten Lauf der zurück liegenden Saison konnte Matthias Schmitt seinen bis dahin herausgefahrenen Vorsprung in der Jahres-Klassen-Wertung in E behaupten, also den „Sack zu machen“ und Erster werden. Darüber hinaus gelang es ihm zugleich, auch die DHM-Meisterschaft bei den Solofahrern zu erringen; das ist keine Selbstverständlichkeit, weil – wie allenthalben bekannt – die Jahres-Klassen-Besten nach etwas anderen Prinzipien ermittelt werden als die „Meister aller Meister“ (hie Punktevergabe nach den Abstufungen 25-20-16-13-11 usw. gemäß der Plätze 1, 2, 3, usw., dort ausschließlich Abfolge nach den Differenz-Zeit-Punkten). Zupass kam ihm bei diesen Resultaten, dass seinem härtesten Konkurrenten in E, Gerhard Fischer, der mit ihm bis dahin etwa gleichauf lag, nach Trainingsbestzeit im ersten Wertungslauf von Oschersleben der Motor platzte und er deshalb „die Waffen strecken“ musste. Das mindert die Leistung von Matthias natürlich nicht, zumal er bereits vorher absolut authentisch bekundet hatte, „niemals einen Konkurrenten *in der Box überholen*“ zu wollen. Zudem ist der besagte Erfolg keineswegs eine Überraschung: Matthias, der 2006 in die Szene eintrat, ist seitdem bereits zweimal Jahres-Klassen-Bester gewesen (2010 in BCE und 2015 in E); in den 11 zurückliegenden Jahren war er – von einer Ausnahme abgesehen – immer unter den ersten Drei in der Endabrechnung gewesen. Entsprechend zahlreich sind in seinem Zuhause die Pokale und Kränze.
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Als gelernter Kfz-Schlosser sozusagen „von Haus aus“ schon immer für Motorräder und das Schrauben daran interessiert, gab ihm Willy Bleifuß, den er wiederholt anlässlich des Schottenring Grand Prix traf, Ende 2005 den Tip, dass die Sarolea von Gerd Erb zum Verkauf stünde. Dieses Gerät, eine langhubige 34B von 1934, Leistung gut 15 PS bei knapp 7.000 Umdrehungen, erwies sich freilich anfangs als wenig zuverlässig. Es bedurfte grundlegender Überholungsarbeiten, bis die Maschine standfesschmittMatthias SaroleaFahrerlagert war – und auch diese Bilanz überzeugt am Ende nachhaltig: In keinem der seit 2007 bestrittenen *Wertungs-*Läufe (nicht eingeschlossenen also: Freies und Pflichttraining) führte ein mechanischer Defekt zum Ausfall – einmal mehr beweist das die sinnige Richtigkeit der Regel: „To finish first, you must first finish!“

Noch etwas anderes zeigt sich an diesem „Fall“: Häufig kommen Fahrer mehr oder weniger zufällig zu ihrer ersten Renn-Maschine und bleiben dann über Jahre dieser Marke treu (und häufig auch dem Typ), wobei sie dafür im Laufe der Zeit eine exzellente Schrauber-Kompetenz entwickeln. Dementsprechend finden sich mehrere Motoren und unzählige Ersatzteile von Sarolea in der heimischen Werkstatt von Matthias.

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L1110918Das zurückliegende Jahr ist für ihn aber noch aus einem anderen Grund von herausragender Bedeutung: Seine Partnerin Renate Schaub, die seit einigen Jahren durch ihre beeindruckenden Fotos von der Szene bekannt ist, wurde auf ihrer 250er Honda in Klasse U Zweite in der Jahres-Klassen-Wertung – und das gleich im aller-ersten Jahr ihrer Teilnahme! Ihr fröhlicher Jubel bei der Preisverleihung etwa in Metz, wo sie in der Tagewertung Zweite wurde und natürlich auch in Schotten bei der abschließenden Meister-Feier waren beispiellos. Diese Unbefangenheit, die in bemerkenswertem Kontrast zu den gewöhnlich coolen Reaktionen der männlichen Gilde bei ähnlichen Ereignissen steht, hat viele nachhaltig beeindruckt.

L1110921Auch Renate hat eine zweirädrige Vergangenheit. An deren Anfang stand eine heißersehnte und durch harte Arbeit zusammengesparte Ciao von Piaggio (in oranger Farbe), am Ende eine Suzuki Bandit – aber getoppt wurde alles von eben der Einzylinder-Honda CB 250 RS, die ihr von ihrem „Chefmechaniker“ Matthias aufgebaut und rennfertig gehalten wurde. Durch den zeitgleichen Erfolg der beiden sind sie damit gewiss – ohne dass dadurch die Gespann-Ersten in der DHM (Christoph Schlosser/Beate Preuß) irgendwie hintangestellt würden - das „Pair of the Year“ – allen einen herzlichen Glückwunsch!
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Text: Manfred Amelang
Fotos: Schmitt (1), Leger (1), Amelang 
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