"Die gelbe Invasion"
|
|
|
Hier hatte man sich auf englische Bikes spezialisiert, allen vorweg BSA. Anfang der Sechziger war die Edelmarke sogar weltweit größter Motorradhersteller.
Die Geschäftsräume bei Louis waren modern und großzügig eingerichtet, kein Vergleich zu vielerorts üblichen Hinterhofschrauberbuden, die es noch zur Genüge gab. Als hanseatischer Kaufmann hatte Detlev Louis seinen Betrieb picobello durchorganisiert. Diese Gründlichkeit war offensichtlich auch japanischen Geschäftsleuten aufgefallen. Ende 1967 standen jedenfalls plötzlich drei Herren aus dem Land der aufgehenden Sonne im Geschäft. Was sie auf dem Herzen hatten, teilten sie Detlev Louis unumwunden mit, sie suchten für Deutschland einen potentiellen Kawasaki Importeur. Schnell wurde man sich handelseinig, und bereits ab Frühjahr 1968 konnte der Hamburger fünf Kawasaki Modelle anbieten: F2/175, A1 250 Samurai, A7 350 Avenger, W1 650 und W2SS 650. Bei der F2 handelte es sich um die 175 ccm drehschiebergesteuerte Einzylinder-Zweitakt-Einstiegsdroge in die Kawa-Welt. Einstiegsdroge deswegen, weil die beiden anderen Zweitaktgeschosse A1 und A7 süchtig machen konnten. Süchtig nach Beschleunigung und Geschwindigkeit.
Die 250er A1 leistete 31 PS und war knapp 170 km/h schnell, die 350er
A7 mit satten 42 PS rannte sogar 185 Sachen. Nachdem Klacks im Sommer
1968 die A1 getestet hatte, hielt er mit seiner Meinung natürlich nicht
hinter dem Berg: "...Diese Drehschieber aber hatten unsere
Motorradbegeisterten schon wieder ganz wild gemacht, und es wehten
gleich die tollsten Sagen durch die Lande, sodass in den
Gesprächsrunden plötzlich die schlitzgesteuerten Zweitakter von Suzuki
und Yamaha unter ferner liefen eingestuft waren. Mensch, zwei
Drehschieber! Für jeden Zylinder einen - ! Das klang nach verkappter
Rennmaschine...".
Genau das Gegenteil waren die 650er W1 und W2SS. Hierbei handelte es
sich um freche BSA A7 Kopien, die in Japan zwar hohes Ansehen
genossen, sonst allerdings nur müdes Lächeln verursachten. Mit den
Zweitaktern ließ sich ein gutes Geschäft machen, von den 650er
Dampfhämmern brachte man nur sieben Fahrzeuge an den Mann.
Bei der Zulassung, auch die Kawas
mussten jeweils per Einzelabnahme
durch den TÜV gebracht werden, und dem Vertrieb profitierte Detlev
Louis von seiner langjährigen Erfahrung mit den englischen Bikes. Ein
Teil der Händlerschaft ließ sich als Kawasaki-Partner gewinnen, andere
wurden angeworben. Zu den Pionieren gehörten Spaett in München,
Heinrich Ronsdorf in Schwelm, Reinhard Scholtis in Köln,
Motorrad-Bangert in Bielefeld und Motor-Rauscher in Weißenberg.
Der Name Kawasaki stand von Anfang für starke und schnelle
Maschinen. Es sollte aber noch dicker kommen. Anfang 1969 brachten die
Japaner die 500 H1 "Mach III" auf den Markt. Wieder ein
Zweitakt-Geschoss, nun aber mit 500er schlitzgesteuertem
Dreizylinder-Motor, 50 PS stark und 200 km/h schnell. Wau!
Schon am 16. April scheuchte Klacks eine Testmaschine von Detlev Louis
über den Nürburgring. Es war die "stärkste Serien-500er, die der
Markt zu bieten hatte". Auch kein Wunder, denn "...aus dem
Stand kam man bis 100 km/h in einer Zeit unter fünf Sekunden... "
und "...was natürlich einen gewitzten Fahrer notwendig machte, der
mit dem aufsteigenden Vorderrad fertig werden konnte...". Etwas
Vergleichbares hatte es bisher noch nicht gegeben. Ein
Straßenrennmotorrad für Jedermann und das zu einem Preis von nur 4300
Mark
Das war aber längst nicht alles, was 1969 auf uns zukam. Zeitgleich
hatte Honda die CB 750 Four fertig. Bereits Anfang 1968 war die
Honda-Niederlassung von Hamburg nach Offenbach-Rumpenheim umgezogen.
Verantwortlich für den Motorradbereich war inzwischen bereits
erwähnter Wolfgang Murrmann.
Im Vergleich zu heute waren Ende der Sechziger pompöse
Pressevorstellungen kein Thema. Ganz im Gegenteil. Als im Februar 1969
die erste CB 750 Four nach Rumpenheim kam, durfte oder anders gesagt,
sollte keiner damit fahren. Sie war als Ausstellungsmaschine bei den
Händlern bereits fest verplant. Doch irgendwie hatte es Klacks spitz
bekommen. In einer "Nacht-und-Nebel-Aktion" und dazu bei
Schneetreiben jagte der Obertester die taufrische Maschine über die
Autobahn.
|
|
In seinem Bericht schrieb er "vom Ritt auf einer
Apollo-8-Rakete", schwärmte von der sagenhaften Beschleunigung,
dem vibrationsarmen Motorlauf des Vierzylindertriebwerkes und der
scharfen Scheibenbremse am Vorderrad.
Jetzt fehlte eigentlich nur noch Yamaha mit einer heißen Neuigkeit.
Und die kam Anfang 1970 in Form der XS 1. Nach britischem Vorbild
hatten die Yamaha Techniker ihr erstes Viertakt-Motorrad als 650er
OHC-Parallel-Twin konzipiert. Diese XS 1 mit einer wunderschönen
Duplex-Trommelbremse im Vorderrad sollte allerdings das einzige Exemplar
bleiben, das nach Deutschland kam. Um so verständlicher, dass sich die
Mitsui Leute kaum für einen Testbericht begeistern konnten. Dennoch
schaffte es Klacks mit einer List, die Herrschaften samt des neuen
Dampfhammers an den Nürburgring zu locken: Ein Baron Rotschild aus
Paris wollte unbedingt die neue Yamaha Probefahrten. Anstelle des
superreichen Adligen stand jedoch Klacks am verabredeten Treffpunkt.
Nachdem die Finte aufgeflogen war, lachten alle und Manfred Weihe
stellte sich sogar spontan als Fotomodell zur Verfügung.
Das neue Jahrzehnt hatte gut begonnen. Motorräder genossen langsam
aber sicher einen anderen Stellenwert. Es waren keine "Arme-Leute-Fahrzeuge"
und "alte Stinkemöhren" mehr, sondern Sportgeräte, mit denen
sich in der Freizeit tolle Abenteuer erleben ließen. Für die
Heizerfraktion gab es die Kawasaki Mach III, für die Gentlemen die
Yamaha XS 2, Nachfolgerin erwähnter XS 1 und wer
Business-Klasse fahren wollte, stieg auf die Honda CB 750 Four.
Denn dieses Motorrad setzte tatsächlich neue Maßstäbe und wurde so
zum ersten "Meilenstein in der Motorradgeschichte".
Eine Vierzylinder-Großserienmaschine mit so geballter Technik hatte
es schließlich noch nie gegeben. In einer Zeit, als "Schrauben am
Straßenrand" noch gang und gäbe war, überzeugte die CB 750 Four
durch unverwüstliche Zuverlässigkeit. Wolfgang Murrmann hoffte im
ersten Jahr 30 CB 750 verkaufen zu können, am Ende waren es fast
400 Maschinen. Aber auch nur deswegen, weil man einfach nicht mehr
herbei brachte.
Wo man ganz und gar nicht in die Puschen kam, war bei Suzuki. Capri
Agrati in Köln wurstelte vor sich hin, nichts ging. Was die Marke
unbedingt brauchte, war schleunigst ein neuer Importeur. Die Weichen
hierfür waren bereits Ende 1969 gestellt.
Fritz Röth, wir kennen ihn bereits als einen der ersten Honda Händler,
hatte sich seit 1964 als Moto Guzzi Importeur einen guten Namen gemacht.
Gemeinsam mit Frankonia-Inhaber Wildberger, er war für den
Suzuki-Import in der Schweiz zuständig, reiste der Odenwälder nach
Hamamatsu ins Suzuki-Stammwerk. Als er zurückkam, war der Vertrag
unterschrieben. Da aber gut Ding Weile braucht, dauerte es noch bis Ende
1971, bis die Firma Zweirad Röth in Hammelbach offiziell als Suzuki
Generalimporteur starten konnte. Für die Saison 1972 standen acht
Modelle im Angebot.
In der Viertelliterklasse gab es den Twin T 250, dann folgten
die Dreizylinder-Modelle GT 380, GT 550 und GT 750, auch
als "Wasserbüffel" bekannt. Sondermodelle waren die RV 50
und RV 90, niedliche Knubbel-Bikes mit dicken Ballonreifen. Für
die aufkommende Geländefraktion gab es die Enduros TS 125 und TS 250.
Den Vertrieb verknüpfte man mit den rund 100 Moto Guzzi-Vertragshändlern.
Alle Suzukis wurden von Zweitaktmotoren angefeuert, die robust,
langlebig und unkompliziert waren. Und wenn doch mal etwas kaputt ging,
waren sie schnell repariert. Beispielhaft war das Baukastensystem, es
sparte bei den Händlern Lagergröße und Kosten für die Ersatzteile.
Nun waren die "vier Großen" eigentlich komplett. Honda in
Rumpenheim bei Offenbach, der Yamaha-Vertrieb im Hause Mitsui in Düsseldorf,
die Technik bei Manfred Weihe in Löhne, Kawasaki bei Detlev Louis in
Hamburg und seit neuestem Suzuki bei Fritz Röth im Odenwald. Doch das
eigentliche Geschäft ging jetzt erst richtig los. Ein wahrer
Motorrad-Boom war entstanden, kaum ein anderer Wirtschaftszweig konnte
von Jahr zu Jahr über 200 Prozent Zuwachsrate vermelden. Da kam keiner
mit, weder BMW noch die italienische, und die englische
Motorradindustrie schon ganz und gar nicht. Die waren eh schon pleite.
Und weil das Ganze für die Europäer so fürchterlich schlimm war,
sprach man plötzlich von der "gelben Gefahr".
Der japanische Vormarsch war jedoch nicht mehr zu bremsen. 1974
wechselte Honda zum zweiten Mal den Geschäftssitz und zog von
Rumpenheim nach Offenbach in die Sprendlinger Landstraße 166. Ende 1975
kündigte Kawasaki Detlef Louis den Importeursvertrag und eröffnete ab
1976 eine eigene Werksniederlassung in Frankfurt, die seit 1981 in einem
Neubau in Friedrichsdorf beheimatet ist. Bei Suzuki sollte der Auftritt
der Japaner noch etwas dauern. Zunächst verlagerte Fritz Röth 1976 den
Importsitz auf Drängen des Mutterhauses in Japan von Hammelbach nach
Heppenheim und gründete die "Suzuki Motor Deutschland". Aber
bereits am Ende der Saison stieg Röth, mehr oder weniger unfreiwillig,
aus dem Geschäft aus. In Japan war man nämlich der Meinung, mit einem
neuen Partner mehr Motorräder in Deutschland verkaufen zu können. In
der deutschen "Suzuki Motor Handels GmbH", die zu 50 Prozent
von Otto de Crignis, dessen Familie ein großes Autohaus in München
besaß, und zur anderen Hälfte vom niederländischen Suzuki Importeur
Louwman gehalten wurde, wehte ab 1977 ein frischer Wind.
Rückwirkend darf aber von der Arbeitsdevise "Quantität statt
Qualität" gesprochen werden. Bei über 60 Modellen verloren nicht
nur die Händler, sondern auch die Macher in der Zentrale, die
inzwischen in München residierte, den Überblick. Ab Anfang der
Achtziger rutschte "die große Suzuki-Familie", wie zu Röths
Zeiten immer gesagt wurde, immer tiefer in die Krise. Als Ausweg blieb
nur der Eingriff vom Stammwerk. Ab Oktober 1984 kam das Management
direkt aus Japan und brachte mit einem kleinen Stab engagierter
Mitarbeiter die neugegründete "Suzuki Motor GmbH
Deutschland", nun wieder mit Sitz in Heppenheim, in frisches
Fahrwasser. Der Erfolg spricht für diese Entscheidung.
Bei Yamaha blieb im Prinzip eigentlich alles, wie es immer war. Die
Technische Abteilung sitzt weiterhin in Löhne, nur die Verwaltung hat
mittlerweile ihre neuen Büros in Neuss bezogen.
Trotz der gewaltigen Expansion auf dem deutschen Motorradmarkt sind
die ehemaligen "Macher" bis auf den Tag ihrem Beruf treu
geblieben. Wolfgang Murrmann ist immer noch für Honda in Offenbach
beratend tätig, Manfred Weihe ist Vizepräsident der "Yamaha Motor
Deutschland GmbH" in Neuss, die Firma Detlev Louis in Hamburg gehört
zu den größten Motorradzubehörgrossisten in Europa und Fritz Röth
pflegt weiterhin sein erfolgreiches Motorradgeschäft mit Importhandel
verschiedener Marken in Hammelbach im Odenwald
"Die vier großen Japaner"
HONDA - "Meilenstein in der Motorradgeschichte"
Honda hat allen Grund zur Freude. 1998 feierte der weltgrößte Motorradhersteller den 50. Geburtstag, kurz zuvor lief das 100 millionste Zweirad vom Band! Davon waren fast 30 Millionen nur Mopeds vom Typ "Cub". Als Soichiro Honda 1946 den Grundstein für sein Imperium legte, baute er Mopeds. 1948 wurde die "Honda Motor Company" gegründet, bald folgten Leichtmotorräder und Lastendreiräder. Doch der ehrgeizige Firmenchef wollte mehr. In Folge eroberte er den japanischen, asiatischen, amerikanischen, europäischen und schließlich den Weltmarkt. Soichiro Honda hatte immer und für alles den richtigen Riecher. Bald gab es für jede Klasse und jede Marktnische ein Honda-Motorrad.
Richtig bekannt wurde Honda mit der CB 750 Four. Sie war 1969 das erste Großserienmotorrad mit 750er Vierzylinder-Triebwerk und der erste "Meilenstein" in der Motorradgeschichte. Weitere sollten folgen. Dazu gehörten: GL 1000 Gold Wing, CBX 1000, CX 500 Turbo, CB 900 Bol d'Or, VF 750, RC 30, RC 45 und CBR 900 RR, um nur die wichtigsten zu nennen.
Ohne Honda wäre die heutige Motorradwelt nicht die, die sie geworden ist. Der unermüdliche Firmengründer starb im August 1991. Sein Erbe ist in guten Händen: Weltweit ist Honda mit Abstand die Nummer eins.
YAMAHA - "Vom Piano zur R1"
Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in Japan über 100 Motorradhersteller. Davon sind lediglich vier übrig geblieben, Yamaha ist der zweitgrößte. Begonnen hat bei Yamaha alles 1887 mit Musikinstrumenten, erst nach dem Krieg legte man mit der Motorradproduktion los. Von 1955 bis 1970 produzierte das Werk ausschließlich schnelle Zweitakt-Maschinen mit maximal zwei Zylindern und 350 Kubik. 1970 kam die 650er XS1 auf den Markt
|
|
Yamahas erster Viertakt-Twin hatte die englische Triumph Bonneville zum
Vorbild. Bald war die Modellpalette buntgemischt, sie reichte von
kleinen 50er Zweitakt-Mopeds bis zum großvolumigen
Vierzylinder-Viertakt Boliden.
Im Rennsport heizte Yamaha dem ärgsten Rivalen Honda mächtig ein.
Das hat sich bis heute nicht geändert
Immer größere Auflagen für die Zulassungsfähigkeit von
Zweitaktern ließen bei Yamaha die Köpfe rauchen. Was Ende 1984 dabei
herauskam, wurde zur Viertakt-Sensation: Die FZ 750. Ein Supersportbike
mit Fünf-Ventil-Technik, die Genesis-Generation war geboren.
Momentaner Höhepunkt in dieser Evolution ist die R1.
Suzuki
SUZUKI Bikes mit dem scharfen „S“ Suzuki blieb seinen
Prinzipien lange treu. Von Firmenbeginn 1952 bis 1976 baute der drittgrößte
japanische Motorradhersteller nur Zweitakt-Maschinen mit Ein-, Zwei- und
Dreizylinder-Motoren. Der dickste Brummer war der „Wasserbüffel“ GT
750. Eng verbunden ist Suzuki mit Deutschland. Nachdem Ex-MZ-Werksfahrer
Ernst Degner aus der DDR in den Westen geflüchtet war, erhielt er eine
Anstellung in der Suzuki-Versuchsabteilung, wurde Werkspilot und 1962
erster 50 Kubik-Weltmeister!
Der nächste Knaller wurde 1984 die GSX-R 750. Ein Rennmotorrad für die
öffentliche Straße, und plötzlich sprach alle Welt nur noch vom
Superbike.
Suzuki lässt heute keine Wünsche offen. Puristen, Tourer, Enduro,
Chopper, Cruiser, Sportler, Hypersportler und Roller, das Angebot ist
vielseitig.
KAWASAKI - "Immer eine Nasenlänge voraus"
"Stärker, schneller, besser", so die Firmenphilosophie.
Zwar ist Kawasaki in der "japanischen Viererbande" der
kleinste Hersteller, doch das betrifft nur die Motorradproduktion. Die
"Kawasaki Heavy Industries Ltd." baut Ozeanriesen, Flugzeuge,
Hubschrauber, Schienenfahrzeuge, Kraftwerke, und sogar in der
Weltraumtechnik ist man erfolgreich tätig.
Einstieg ins Motorradgeschäft war eine Notlösung. Nach dem Krieg
durfte das Werk nämlich keine Flugzeuge bauen, die freien Kapazitäten
wurden ab 1949 als Zulieferer für die Motorradbranche ausgelastet.
Anfang der Sechziger kaufte man Meguro, damals hinter Honda zweitgrößte
japanische Motorradmarke. Auf einen Schlag konnte Kawasaki eine
Modellpalette von 50 bis 500 Kubik anbieten. Doch nicht genug damit. Der
500er Twin wurde auf 650 Kubik aufgebohrt und Mitte der 60er Jahre als
W1 Exportbike in den USA angeboten. Dummerweise handelte es sich bei
diesem Dampfhammer um eine waschechte BSA-Kopie. Der Flop war
vorprogrammiert.
Dafür saß der zweite Streich. Die 250er A1 und 350er A7
Zweitakt-Drehschieber-Bikes waren echte Raketen. Was jedoch 1968 präsentiert
wurde, übertraf alles: Die H1 "Mach III", eine 500er
Dreizylinder-Zweitaktmaschine mit 60 PS und 200 Sachen Spitze. Und 1972
war es um die Vernunft endgültig geschehen: Kawa brachte die 900 Z1
"Super4" auf den Markt.
Das Versprechen, keine Maschinen über 750 Kubik zu bauen, war gebrochen. Die Z1 war ein Bike, dem bald der Name "Frankensteins Tochter" verliehen wurde. Auch kein Wunder. Der 900er Vierzylinder-Motor war bärenstark und sauschnell, nur Fahrwerk und Bremsen kamen nicht ganz mit.
Kawa machte aber trotzdem seinen Weg. 1978 kam die Z 1300 mit
6-Zylindermotor raus, keine andere Serienmaschine war größer, schwerer
und stärker, und 1984 war die GPZ 900 R mit 240 km/h schnellstes Straßenmotorrad.
Ein Ende der Gigantomanie war und ist bis heute nicht in Sicht. Auch in
den kleinen Klassen versucht Kawa die Konkurrenz immer wieder zu übertrumpfen.
Mit Erfolg. "Schneller, stärker, besser", nichts hat sich geändert,
David gegen Goliath.
Text : Winni Scheibe

www.classic-motorrad.de
Classic
Motorrad ©1999 All rights reserved.