Welches Potential noch immer in ihm steckte, konnte
er nach dem letzten GP-Lauf 1992 in Kyalami/Südafrika zeigen, als er
die 500er Werks-Honda von Wayne Gardner ausführlich testen durfte. Nach
drei Jahren saß der schnelle Ami erstmalig wieder im Sattel einer 500er
GP-Maschine. Mit seiner besten Zeit von 1:40,18 min (Gardner schaffte im
Rennen 1:39,95 min und wurde
zweiter bei diesem GP) lag Freddie Spencer nur einige zehntel Sekunden
über dem Rundenrekord. Mit dieser Zeit hätte er im Training den
dritten Startplatz erreicht! Doch bis es wieder soweit sein wird, und
Freddie Spencer alle versägt, wird noch viel Wasser den Mississippi
runter fließen müssen. Wenn er allerdings in der Comeback-Saison den Konkurrenten zeigt, wo der Hammer hängt,
werden später alle sagen, ja das haben wir ja schon immer..., - wenn
aber nicht, oh, dann ist es auch nicht so schlimm, denn schließlich
haben wir ja schon immer gewusst... So oder ähnlich war die Stimmung im
Herbst 1992.
„Daytona Speed-Week
1980“
Doch
genug der Spekulation. Blättern wir den Kalender ins Jahr 1980 zurück.
Damals habe ich zum ersten
Mal das 200-Meilen-Rennen von Daytona besucht. Mit großer Spannung habe
ich dieser Reise entgegen gefiebert. Schließlich wusste ich, dass bei
diesem Rennspektakel alles, was Rang und Namen hat, vertreten sein wird.
In der „Lightweight“ (Klasse bis 250 ccm) waren neben dem
amerikanischen Star Eddie Lawson - er wurde 1984, 1986, 1988 und 1989
Weltmeister in der 500er Klasse - und Co, der Deutsche GP-Rennfahrer Toni
Mang - er wurde in diesem Jahr zum ersten Mal 250 ccm Weltmeister - die
Publikumsmagnete. Im 200-Meilen-Formel-1 Rennen drehte sich alles um den
zweifachen 500er Weltmeister Kenny Roberts. Ihn galt es zu schlagen. Das
Aufgebot gegen „King Kenny“ war gigantisch. Gut 150 (!) Teilnehmer
hatten in dieser Klasse gemeldet. Darunter die Weltklassefahrer Graeme
Crosby, Boet van Dulmen, Gene Romero, Marc Fontan, Patrick Pons und
viele mehr. Ein Großteil der Starter beteiligte sich auch im
100-Meilen-Superbike Rennen. Einige dieser Fahrer kannte ich bereits von
den europäischen Rennstrecken, viele amerikanische Namen waren mir
jedoch unbekannt.
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Graeme Crosby
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King Kenny
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In
den USA ist vieles anders als im alten Europa. Die Entfernungen sind
gewaltig, die Autos um etliches größer, viele Geschäfte haben 24
Stunden geöffnet, übernachtet wird im Motel und das Frühstück gibt
es im Restaurant. Bezahlt wird mit Kreditkarte und jede Bedienung
bekommt einen Tip, rund 15% Trinkgeld vom Preis. Wer einmal in Amerika
war, wird diese Eindrücke so schnell nicht vergessen. Wer aber
ausgerechnet in der „Speed-Week“ und der gleichzeitig stattfindenden
„Bike-Week“ nach Daytona Beach/Florida kommt, versteht die Welt
nicht mehr. Der „Kulturschock“ ist vorprogrammiert.
Im
sonst so idyllischen Urlauberparadies dreht sich gut zwei Wochen alles
nur noch um die Biker und Racefans. Der Stadtkern, die Main Street und
die gut 40 km lange befahrbare Beach ist fest in Bikerhand. Die
Knieschleifer und Rennfreaks dagegen tummeln sich einige Meilen vor der
Stadt im „Daytona International Speedway“. Beim 200-Meilen-Rennen
von Daytona gelten eigene Spielregeln. Bereits am Montag vor dem
eigentlichen Rennwochenende beginnen die ersten Trainingsläufe. Genügend
Zeit, sich im Fahrerlager umzusehen und Kontakte zu knüpfen. Wie oft im
Leben helfen Zufälle, die richtigen Leute kennen zu lernen. Bei mir war es
Dieter Guttner (er ist der Bruder von Fred Guttner alias Siegfried Güttner,
Redakteur bei MOTORRAD, der 1975 beim 200-Meilen-Rennen auf den 5. Platz
fuhr) aus Detroit, ein 45jähriger deutschstämmiger Rennfahrer, der
bereits seit zehn Jahren in Amerika lebt und arbeitet. Von ihm erfuhr
ich vom verzwicktem AMA (American Motorcyclist Association) Reglement,
er stellte mir alle möglichen Rennfahrer und wichtigen Leute vor, und
machte mich mit dem 18 Jahre alten, oder besser gesagt jungen, Freddie
Spencer bekannt. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich von diesem Burschen
noch nie etwas gehört. Doch in den USA hatte er bereits seinen ´nickname´
„Fast Freddie“ weg. Mit 17 war er 250er AMA-Champion, und in der
AMA-Superbike-Meisterschaft belegte er in der Schlusswertung den dritten
Rang. In Daytona hatte das Multitalent aus den Südstaaten bei seinem
ersten internationalen Rennen gleich in drei Klassen - 250er „Ligthweight“,
Superbike und Formel 1 - genannt.
Nun
muss ich aber zugeben, dass neben den vielen Eindrücken für mich
damals Freddie Spencer nur einer unter vielen anderen war. Mein
Hauptinteresse galt Toni Mang, der in der 250er Klasse hinter
Eddie Lawson den 2. Platz erreichte. Nur um eine Radlänge geschlagen,
belegte dieser „Fast Freddie“ mit seiner privaten Yamaha in diesem
Rennen den 3. Platz. Für das Superbike-Rennen wurde der talentierte
Nachwuchs-Pilot von Honda-Amerika für 40.000 Dollar (!) engagiert. Das
entgegengebrachte Vertrauen enttäuschte der Teenager aus Shreeveport
nicht. Hinter Suzuki Werksfahrer Graeme Crosby landete er auf dem 2.
Platz. Im 200-Meilen-Rennen, der Formel 1, setzte Spencer seine private
750er Vierzylinder-Zweitakt-Yamaha ein. Mit der zweitbesten
Trainingszeit schockte er die gesamte Konkurrenz, nur Yamaha-Werksfahrer
„King Kenny“ war etwas schneller. Doch im Rennen sollte es nicht
sein, ein Kurbelwellenschaden zwang den Heißsporn vorzeitig zur
Aufgabe. Dennoch, was das junge Renntalent an diesem Wochenende gezeigt
hatte, hinterließ große Anerkennung.
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Freddy Spencer
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Dieter Güttner
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Für
mich waren die Tage in Daytona Beach wie verflogen. Falls ich nächstes
Jahr wieder kommen würde, lud mich Dieter Guttner ein, sollte ich etwas
länger in den Staaten bleiben und ihn im Anschluss an das Rennen in
Daytona zu dem zweiten Lauf der AMA-Meisterschaft nach Talladega/Alabama
begleiten. Dankend nahm ich das Angebot an. Ob ich jedoch jemals wieder
nach Daytona fliegen würde, stand zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch
nicht fest. Doch der „Bike-Week“ Bazillus hatte mich unwiderruflich
befallen. Kaum war Silvester `80 auf `81 vergangen, wurde der Flug in
die Staaten gebucht. Dieses Mal gleich für vier Wochen. Außer Daytona
stand ein Harley-Davidson Werksbesuch in York/Pennsylvania, die Tour mit
meinem neuen Rennfreund Dieter Guttner quer durch die Staaten nach
Talladega, sowie ein Besuch eines alten Freundes und
zweifachen AMA-Sidebike-Champions Larry Coleman in Kalifornien im
Programm.
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Fast Freddy 1981
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Unser Toni Mang 1981
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King Kenny Roberts sen.1981
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Freddy Spencer, Larry Coleman + Gerdi
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„Good
morning America 1981“
Die
Szene in Daytona war mir bei meinem zweiten Besuch nun bedeutend besser
vertraut. Viele der vor einem Jahr kennen gelernten Leute traf ich
wieder, auch Dieter Guttner war im amerikanischen Renn-Mekka. Neben dem
traditionellen 200-Meilen-Rennen hatte die Superbike-Klasse inzwischen
einen enormen Stellenwert eingenommen. Honda, Kawasaki und Suzuki sowie
etliche namhafte Tuner engagierten sich mit großem Aufgebot in dieser
populären Rennklasse. Freddie Spencer hatte mittlerweile einen festen
Platz im Team von Honda-Amerika gefunden. Er startete bei dem
200-Meilen-Rennen, wo er 3. wurde und beim ersten Lauf zur
AMA-Superbike-Meisterschaft, das er ebenfalls mit dem 3. Rang beenden
konnte.
Nach dem Spektakel in Daytona besuchte ich das
Harley-Werk in York und trudelte danach Mittwochabend bei Dieter Guttner
in Detroit ein. Was es für einen Privatfahrer heißt, in Amerika Rennen
zu fahren, konnte ich am nächsten Wochenende hautnah miterleben. Im
Gegensatz zu normalen Werkstagen beendete Dieter am Freitag nicht erst
um 18 Uhr, sondern bereits um 16 Uhr, seine Arbeit als Werkzeugmacher in
einer Detroiter Firma. Wenig später setzten wir uns in seinen Van, den
wir schon am Donnerstagabend beladen hatten, und kutschierten Richtung Süden
nach Talladega/Alabama. Gut 1400 Kilometer Highway lagen vor uns. Mit
eingeschaltetem Radardetektor preschten wir mit 70 Meilen pro Stunde
(das erlaubte Speedlimit lag bei 55 mp/h, 88 km/h !) durch die
Dunkelheit. Nach 1000 Kilometern und neun Stunden Nonstopp-Fahrzeit
legten wir die erste Tankpause ein. Während der verwunderte Tankwart
knapp 300 Liter „unleaded gas“ in den 300-Liter-Spezial-Tank füllte,
stärkten wir uns mit Hamburger und eiskalter Coke. Kurz nach fünf Uhr
morgens waren wir am Ziel unserer Reise - dem Rennoval von Talladega.
Im
Vergleich zu Daytona spielte sich der zweite Lauf zur AMA-Meisterschaft
in Talladega unter „Ausschluss der Öffentlichkeit“ ab, nur wenige
Zuschauer waren da. Die mitten in der Provinz gelegene, schnellste
Rennstrecke der Welt ist kein Publikumsmagnet. Amerikanische Sportfans
interessieren sich für Football, Golf und wer weiß für was sonst
noch, Motorradsport steht in der Beliebtheitsskala hinten an.
Die Atmosphäre im Fahrerlager war ausgesprochen
freundlich und familiär. Jeder kannte jeden, kaum ein Journalist oder
Fotograf drängelte sich in den Boxen um die Rennteams. Gab es für mich
in Daytona kaum die Möglichkeit, in aller Ruhe mit dem Honda-Team von
Freddie Spencer in Kontakt zu kommen, war in Talladega hierfür genügend
Zeit. Ohne Starallüren erzählte der 19jährige Newcomer, wie er zum
Rennenfahren gekommen war. „Den Motorradbazillus habe ich von meinem
Dad geerbt. Er selbst war früher Rennfahrer und nahm mich bereits als
Dreikäsehoch zu den Rennveranstaltungen mit. Mit acht Jahren baute er
mir eine 80er Dirt-Track Rennmaschine zusammen. Mit diesem Minibike habe
ich etliche Jugendwettbewerbe gewonnen. Als ich zwölf Jahre alt war,
kletterte ich zum ersten Mal auf eine 250er Yamaha Straßen-Rennmaschine.
Aber mein Lieblingssport blieben damals die Dirt Track - und Moto Cross
Rennen. Bei diesen Rennen habe ich auch das optimale Driften mit dem
Hinterrad gelernt, was wir heute bei den Superbike-Rennen in jeder Kurve
machen“, plauderte „Fast Freddie“ weiter aus dem Nähkästchen.
„Mit 17 Jahren, also vor zwei Jahren, habe ich meine erste komplette
Straßensaison gefahren. Ohne die finanzielle und tatkräftige Unterstützung
meiner Eltern sowie meines Tuners Erv Kanemoto, ein phantastischer
japanischer Techniker, der bereits seit Jahr und Tag in den Staaten
lebt, wäre diese Saison aber niemals möglich gewesen. Ihnen habe ich
viel zu verdanken. In der 250 ccm Klasse habe ich die US-Meisterschaft
gewonnen und bei den Superbikes habe ich im Finale den dritten Rang
erreicht.“
Wie ernst der Rennprofi bereits damals seinen neuen
Job nahm, zeigt ein Blick auf sein Trainingsprogramm und die
Lebensweise. Der strenggläubige Baptist hielt sich mit Rennradfahren,
Krafttraining, Waldläufen und Basketballspiel fit. Dieses
Konditionsprogramm hatte ein von Honda engagierter Sportarzt
ausgearbeitet. Von Disco-Rummel oder Kneipensitzen hielt er nichts, außerdem
darf man in den USA sowieso erst mit 21 dieses Vergnügen genießen.
„Im Mai `79 habe ich meine High School-Ausbildung
abgeschlossen und meinen Traumberuf als Profi-Rennfahrer ergriffen“,
beschrieb der Superbike-Pilot seinen Werdegang weiter. „Bei Honda
bekomme ich ausgezeichnetes Material, und darüber hinaus ist die
Betreuung vorzüglich. Meine Mechaniker lesen mir jeden Wunsch von den
Augen ab. In diesem Jahr wollen wir die AMA-Superbike-Meisterschaft
gewinnen. Doch mein größter Traum ist es, Weltmeister in der 500ccm
Klasse zu werden. Doch bis es soweit ist, muss ich noch viel lernen“,
beschloss der bescheidene, aber ebenso ehrgeizige Ami das Gespräch.
Für die Vorbereitung seiner Superbike-Rennmaschinen
war ein Team hochqualifizierter Fachleute zuständig. Boss des
Honda-Racingteams war der Ende der sechziger Jahren aus Deutschland
ausgewanderte Udo Gietl. Als zweiter Mann in der Technikercrew agierte
Mike Velasco, von dem wir später noch einiges hören werden.
Schon im nächsten Jahr sollte sich der Wunsch von
Freddie Spencer erfüllen. Unterstützt von Erv Kanemoto erhielt der
siegeshungrige Asphaltcowboy 1982 einen Platz im Honda 500-GP-Werksteam.
Mit der neu entwickelten NS 500 Rennmaschine, die von einem
Dreizylinder-Zweitakt-Motor beschleunigt
wurde, bestritt das Renngenie aus Shreeveport seine erste GP-Saison. Im
Gegensatz zu den "alten Rennfüchsen" musste er aber erst alle
Rennstrecken kennen lernen, die Rennmaschine auf den jeweiligen Kurs
abstimmen, sich darüber hinaus mit den vielen Fremdsprachen
auseinandersetzen und immer die richtige Währung im Portemonnaie haben,
alles Dinge, die für den jungen Mann aus der Neuen Welt vollkommen neu
waren. Doch Freddie Spencer wurde mit der Herausforderung fertig. Zwei
Mal konnte er einen GP-Lauf gewinnen und am Schluss der Saison landete
er auf dem dritten Platz in der Weltmeisterschaftswertung.
Doppelsieg 1983: 500er WM-Titel für Freddie Spencer und Honda
Gerade
21 Jahre alt, ließ „Fast Freddie“ 1983 alle Weltklassefahrer hinter
sich. Er verwies seinen
Landsmann „King Kenny“ Kenny Roberts mit nur zwei Punkten Rückstand auf den zweiten Rang in der WM
und holte sich damals als jüngster 500er Weltmeister aller Zeiten, und
gleichzeitig auch zum ersten Mal für Honda, den begehrten Titel in der
Königsklasse. Zwar reichte es im nächsten Jahr nur für den vierten
Platz in der 500er WM - sein Landsmann Eddie Lawson wurde Champion -
doch das große Jahr stand noch bevor. Honda hatte 1985 eine schlagkräftige
250 ccm Rennmaschine auf die Räder gestellt, die Spencer neben der
500er Klasse einsetzen sollte. Alle Kritiker, die am Anfang der Saison
behaupteten, Freddie Spencer wird dieses Rennjahr nie durchstehen, und
sagten, er wird an der Doppelbelastung scheitern, wurden letztendlich Lügen
gestraft. Überlegen gewann der jetzt 23jährige Honda-Werksfahrer in
diesem Jahr die 250er und 500er Weltmeisterschaft! Ein Erfolg, den
sicherlich so schnell kein Rennfahrer wiederholen wird. Mit diesem
Doppelsieg hatte Spencer im Prinzip alles erreicht, wovon er immer geträumt
hatte. Er war weltberühmt, hatte sich inzwischen ein beachtliches
Bankkonto angelegt, war mit „Miss Louisiana“ befreundet und war
bereits zu Lebzeiten eine Legende.
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Erv Kanemoto
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Freddy Spencer GP Jugoslawien 1985
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Doch
nach dem märchenhaften Aufstieg folgte der abgrundtiefe Absturz. In den
nächsten vier Jahren blieben die Erfolge aus. Immer wieder klagte der
Ex-Weltmeister über Schmerzen in der rechten Hand. Die Ärzte tippten
auf Sehnenscheidenentzündung und ordneten entsprechend die Behandlung
an. Doch alle Bemühungen halfen nichts. Der Zauber hatte den
amerikanischen Wunderknaben verlassen. Er baute Stürze, blieb
unentschuldigt den Rennen fern und zog sich immer mehr aus dem
Rampenlicht zurück.
Die Presseveröffentlichungen bestätigten
inzwischen, was jeder dachte oder wusste: der Stern von Freddie Spencer
war untergegangen. Seine Sponsoren, Fans, aber auch GP-Insider waren
sich darüber klar, „Fast Freddie“ war auf Nimmerwiedersehen
verschwunden. Kein ruhmreicher Abgang für den einstigen Superstar.
Doch das Märchen wäre kein Märchen, wenn es
bereits jetzt schon zu Ende wäre. Eine Wirbelsäulenoperation beendete
das Problem mit dem tauben, oft gefühllosen Handgelenk, für das
jahrelang eine Sehnenscheidenentzündung verantwortlich gemacht wurde.
Doch inzwischen glaubte kein Mensch mehr an „Fast Freddie“. Fragte
jemand nach dem ehemaligen Weltmeister, lautete die Antwort: „who is
Freddie Spencer?“
Ende 1990 kehrte Spencer zu seinen Ursprüngen zurück.
Mike Velasco, ehemaliger Cheftechniker im Racing-Team von Honda Amerika,
hatte inzwischen in Anaheim bei L.A. seine Firma „Two Brother Racing“
eröffnet und speziell für Freddie Spencer eine Honda RC 30
hergerichtet. Mit dieser Rennmaschine bestritt der Wiedereinsteiger die
US-Superbike-Meisterschaft. Mit mäßigen Ergebnissen - er fuhr zwischen
dem 6. und 10. Platz herum - sammelte der Speedking von einst neues
Selbstvertrauen. Bis April 1992 musste Spencer aber noch warten, ehe er
mit dieser von "Two Brother Racing" gesponsorten Honda RC 30
einen Lauf zur US-Superbike-Meisterschaft in Texas gewinnen konnte. Das
war sein erster Sieg seit August 1985! Im Juli `92 bekam „Fast
Freddie“ eine weitere Chance. Beim dritten Lauf zur
Langstrecken-Weltmeisterschaft in Suzuka/Japan belegte das Team Spencer/Tsuruta
vor 135.000 begeisterten Zuschauern mit einer `91 RVF Werks-Honda den
vierten Platz. Der Bann schien gebrochen. Freddie Spencer war wieder
"in". Als er nach dem letzten GP in Kyalami Wayne Gardners
500er Werks-Honda testen durfte, war die Sensation perfekt. Mit einer
sensationellen Rundenzeit, die im Training für den dritten Startplatz
gereicht hätte, meldete sich der Ex-Weltmeister nachhaltig zurück. Ermöglicht
hatte diese Testfahrt sein Entdecker und alter Freund Erv Kanemoto. Bei
diesem Auftritt zeigte sich der Ex-Weltmeister von einer ganz neuen
Seite, er war wie ausgewechselt. Vergessen waren die Marotten und Unpünktlichkeiten
in den letzten GP-Jahren. Aus dem jugendlichen Superstar der achtziger
Jahre war ein erwachsener Mann geworden.
Doch irgendwie sollte es nicht sein. In seiner Comeback-Saison 1993
brachte es „Fast Freddie“ lediglich auf zwei WM-Punkte und landete
am Ende nur auf Rang 39 in
der 500er Weltmeisterschaft:
„Till the End of the Days“.
Und
was macht „Fast Freddie“ heute? Nun, er gibt Wissen und Erfahrung an
junge Nachwuchsrennfahrer weiter. In „Freddie Spencer`s High
Performance Riding School" in Las Vegas lernen die Vollgas-Aspiranten, in welche Richtung der Gasgriff gedreht wird.

www.classic-motorrad.de