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Die einen schwärmen von
ihr, für andere ist sie die "Grüne
Hölle". Mit nichts auf der Welt
ist sie vergleichbar: die Nordschleife des Nürburgrings in der
Eifel. Die alte Dame wird heuer 75 Jahre alt, herzlichen
Glückwunsch! |
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Das Klischee ist bekannt: die einen lieben sie, die
anderen hassen sie. Gemeint ist die legendäre Nordschleife des
Nürburgrings. Sie gilt als die schönste, anspruchvollste, aber auch
gefährlichste Rennstrecke der Welt. Wer schon einmal volles Rohr
durch die "Fuchsröhre" gebrettert ist, oder nach dem "Kesselchen"
mit weit über 200 Sachen hoch zur "Hohen Acht" gedüst ist, weiß, was
gemeint ist. Auf diesen Streckenabschnitten, aber nicht nur da, wird
im Renntempo das Asphaltband verdammt eng. Die Leitplanken stehen an
manchen Stellen so nahe, dass man sie bei ausgestrecktem Arm mit der
Hand berühren könnte. Und weil die heutige 20.8 km lange
Nordschleife immer noch 74 Links- und 73 Rechtskurven hat, es steil
bergab und bergauf geht und weil die Rennstrecke in einer grandiosen
dicht bewaldeten Berglandschaft eingebettet ist, könnte die
Bezeichnung "Grüne Hölle" das Spektakel kaum besser bezeichnen. Das
war vor 75 Jahren so und ist heute nicht anders.
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Die Nordschleife war
und ist nicht nur weltweit einer der berühmtesten Rennkurse, die
"Grüne Hölle" dient für die Auto- und Motorradindustrie und für
Fachzeitungen auch als Teststrecke. Hier
"Motorrad-Testpapst" Franz Josef Schermer auf der berühmt
berüchtigten Kawasaki Z 900 "Z1"
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Das erste Rennen wurde Mitte Juni 1927 gestartet,
wann der letzte Hobby-, Auto- oder Motorradsportler über die
Nordschleife rasen wird, ist ungewiss. Als echte Rennstrecke hat der
Kurs nämlich längst ausgedient. Seit 1984 gibt es die neue
GP-Strecke, und seitdem glühen hier die Kolben. DM-, EM-, WM- und
Langstrecken-Läufe haben den alten Nürburgring zur Legende gemacht.
Rennfahrer, die hier siegten, wurden gefeiert wie Helden und verehrt
wie Götter. Der Ring brachte aber auch Enttäuschungen und große
Trauer. Die „Grüne Hölle" hat viele Opfer gefordert. Piloten, die
sich des Risikos voll bewusst waren und es mit dem Leben bezahlen
mussten. Aber auch "Hobby-Heizer", die wie F1-Star Niki Lauda oder
500er Motorrad-Weltmeister Kenny Roberts über die Nordschleife
blasen wollten, wurden für ihre Respektlosigkeit und ihren
Leichtsinn mit dem Tode bestraft. Auch das ist der
Nürburgring. Für die Fans boten die Rennen auf der Nordschleife
eine mit nichts vergleichbare Atmosphäre. Bei keinem anderen Kurs
konnte man so dicht an der Strecke campen, Lagerfeuer machen,
Würstchen grillen, Bier trinken und dabei aus allernächster Nähe mit
den Kumpels das Renngeschehen verfolgen. Viele trafen sich Jahr für
Jahr zur gleichen Zeit und an gleicher Stelle. Es waren echte Fans,
man kannte die Rennfahrer mit Vor- und Zunamen, wusste genau, mit
welcher Maschine und in welcher Klasse sie fuhren. Es gab Piloten,
für die wäre man durchs Feuer gegangen, anderen wünschte man in der
letzten Runde einen Kolbenfresser. Bei manchen Veranstaltungen waren
es über 200.000 Zuschauer, es war eine eingeschworene Gemeinschaft,
denen weder Wind noch Wetter etwas ausmachte. Denn die Eifel hatte
und hat ihre Launen. Es gibt Wochenenden, da holt man sich am
Samstag einen Sonnenbrand, am Rennsonntag regnet es und es ist
saukalt. |
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Es war
aber nicht nur das Rennspektakel, das wie ein Magnet wirkte. Mitten
im Winter zog es Abertausende von Gespannfahrern in die trief
verschneite Eifel. Bei Lagerfeuer und Glühwein zelebrierte man das
"Elefantentreffen". Seit den achtziger Jahren zählt die Nordschleife
zu den beliebtesten Strecken für Fahrerlehrgänge. Wer die hohe
Schule des Motorradfahrens perfektionieren möchte, ist bei solch
einem Training richtig aufgehoben.
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Legendäres
Elefantentreffen
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 Fahrerlehrgang:
Rallye-Weltmeister Walter
Röhrl
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Bücher
und Storys über den Nürburgring gibt es genügend, einmalig dagegen
ist die Rekordrunde von Helmut Dähne. Am 23. Mai 1993 jagte er
nämlich mit seiner Honda RC 30 in nur 7:49,71 Minuten durch den
"Grünen Himmel", wie der Ringspezi die "Grüne Hölle" bezeichnet.
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 Helmut Dähne in 7:49,71 Minuten um den Ring - kein Biker war
je schneller!
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 Nürburgring mit Süd- und
Nordschleife Mitte der 60er
Jahre
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Grundsteinlegung 1925. Geplante Baukosten 4
Millionen Reichsmark. Streckenbeschaffenheit: Nordschleife 22,8 km,
Südschleife 7,75 km, Start und Zielschleife 2,23 km, Gesamtstreckenlänge 28,27 km, 88 Links- und 84 Rechtskurven, maximale
Steigung 17 und maximales Gefälle 11 Prozent. Bauzeit zwei Jahre,
tatsächliche Kosten 14,1 Millionen Reichsmark. 18./19. Juni 1927:
erstes Auto- und Motorradrennen, 85.000 Zuschauer. Im gleichen Jahr
folgte der Große Preis von Deutschland und Europa für Motorräder und
der Große Preis von Deutschland für Sportwagen. Darüber hinaus
diente die neue Rennstrecke der Fahrzeugindustrie als Versuchs- und
Teststrecke. Außerdem durfte jeder Auto- und Motorradfahrer gegen
eine Mautgebühr über den Nürburgring fahren. Bis 1939 folgten zahlreiche nationale und internationale
Auto - und Motorradrennen, Höhepunkt war jeweils der Große Preis von
Deutschland mit über 200.000 Zuschauern. Während des Zweiten
Weltkrieges gab es keine Rennen. Im Mai 1947 begann der
Wiederaufbau, das erste Motorradrennen wurde am 17. August 1947
veranstaltet, über 80.000 Fans pilgerten zur Südschleife.
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BMW-Werksfahrer und
Motorradlegende: Georg "Schorsch" Meier. Auf dem
Nürburgring hat der schnelle BMW-Pilot Geschichte geschrieben. Beim
"Eifelrennen" im Mai 1953 gewann Schorsch Meier auf seiner BMW 500
RS überlegen das Rennen. |

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Bis zum ersten internationalen
Motorradrennen mussten sich die Sportsfreunde aber noch bis zum Juni
1951 gedulden, und beim Motorrad-Grand-Prix, im Juni 1955, war seit
1931 endlich auch wieder die gesamte Weltelite am Start. Bis 1968
wurde der Große Preis von Deutschland für Motorräder auf der
Südschleife ausgetragen. Die Autorennfahrer heizten dagegen über
die Nordschleife, aber nicht kritiklos. 1970 bestreikten die
Formel-1-Stars die "Grüne Hölle". Über 17 Millionen Mark wurden in
die Modernisierung der Nordschleife gesteckt, aber offensichtlich
nicht genug. Beim Motorrad-GP 1974 streikten die Zweirad-Asse. Zwei
Jahre später verunglückte Niki Lauda schwer, es sollte nie wieder
ein Formel-1-Rennen auf der Nordschleife geben. Die
Motorrad-GP-Fahrer hielten bis 1980 durch. Unvergessen ist das Duell
zwischen Toni Mang und Jon Ekerold. Es ging um die 350er
Weltmeisterschaft, die um Haaresbreite Jon Ekerold gewann. Die
großen Zeiten für die Nordschleife waren damit vorbei, die Pläne für
die neue GP-Rennstrecke lagen längst in der Schublade.
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 ...Nürburgring 1980: letzter WM-Lauf in der 350er
Klasse. Mang gegen Ekerold - Ekerold gegen Mang, nur einer konnte
Weltmeister werden...
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 ...und nur 1,2 Sekunden trennten beim
Zieleinlauf Toni Mang von Jon Ekerold. Toni Mang
wurde 350er Vize-Weltmeister...
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 Toni Mang, fünffacher Weltmeister. 1980 holte er
sich in der 250er Klasse auf dem Nürburgring seinen ersten
WM-Titel
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... und Jon Ekerold 1980 neuer
350er
Weltmeister
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 Im Motorradrennsport der Größte: Giacomo
Agostini, 15facher Weltmeister.
Auf dem Nürburgring schrieb der
Multi-Weltmeister GP-Geschichte. 1965 gewann der junge Italiener in
der 350er Klasse seinen ersten WM-Lauf, 1976 holte "Ago" auf der
500er MV Agusta den letzten GP-Sieg mit einer
Viertakt-Maschine
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 Rennlegenden unter sich: Giacomo Agostini,
links, und der
sechsfache Weltmeister Jim Redman. In den
60er Jahren waren sie Konkurrenten, heute sind sie bei
Oldtimerrennen gefeierte Superstars
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Deutsche Motorradstars und
Ring-Kenner: Dieter Braun, links, zweifacher Weltmeister
und Rallye-Multi-Meister Helmut Dähne
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1978 wurde im GP-Sport ein neues Kapitel
aufgeschlagen. Erstmalig in der GP-Geschichte holte sich ein
US-Amerikaner den Titel in der 500er WM. Der Wunder-Boy hieß Kenny
Roberts, er führte das Driften mit dem Hinterrad im
Motorradrennsport ein.
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Gleich dreimal in Folge, 1978, 1979 und 1980, wurde
"King Kenny" 500er Weltmeister. Seinen ersten Titel sicherte sich der
Asphalt-Cowboy am 20. August 1978 auf dem
Nürburgring. Kenny Roberts jun. ließ sich 2000 als
500er Weltmeister feiern!
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Text: Winni Scheibe Fotos:
Scheibe, Archiv
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