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Motorräder können ganz schön nachtragend sein. Besonders
dann, wenn sie brandneu sind. Wer seine taufrische Maschine vom
ersten Meter an prügelt, scheucht und schindet, kann sein blaues
Wunder erleben. Technische Defekte sind vorprogrammiert, die
Gedankenlosigkeit kann aber auch einen Sturz zur Folge
haben.
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Die
Szene kennt eigentlich jeder. Ganz gleich ob vor der Eisdiele, beim
Motorradtreff oder an der Tankstelle. Cool steigt ein Biker auf
seinen Bock, haut den ersten Gang rein und donnert mit Vollgas vom
Acker. Der Laie staunt, der Fachmann wundert sich. Technisches
Verständnis scheint dieser Zeitgenosse nicht zu haben. Auf das kalte
Triebwerk wird keine Rücksicht genommen, was alleine zählt, ist die
Show. Koste es, was es wolle. Wau!!! Es gibt allerdings auch
andere. Biker, die wissen, dass jeder Kaltstart mehr Verschleiß
verursacht als 100 km mit Vollgas über die Autobahn und daher
schonend losfahren, die ihre neue Maschine behutsam
einfahren, die nach einer Reifenmontage die frischen
Pneus gewissenhaft anfahren und die erneuerten
Bremsbeläge sorgfältig einbremsen. Vier Themen, die
jeder Motorradfahrer beherzigen
sollte: |
"Einfahren" vom Motor
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 Motorschmierung
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Wer Höchstleistung und Langlebigkeit
vom Triebwerk erwartet, muss es sorgfältig einfahren.
"Einfahren" ist die Zeitspanne, in der sich bewegliche Bauteile im
Motor aneinander anpassen. Ein Großteil der Hersteller schreibt die
Einfahrzeit bis zur ersten Inspektion vor. Bis dahin sollte der
Motor nur mit zwei Dritteln seiner maximalen Drehzahl gefahren
werden. Schädlich für ihn ist, im großen Gang untertourig oder im
ersten Gang hochtourig zu fahren. Erst nach der ersten Inspektion
darf man das Aggregat voll fordern. Wer es allerdings 100% machen
will, hält sich haargenau an die vom Werk vorgegebene
Einfahrvorschrift.
Um zu verstehen, welche Bauteile
überhaupt "eingefahren" werden müssen, kriechen wir gedanklich in
einen Viertaktmotor. Im Motorgehäuse sind Kurbeltrieb, Nockenwellen,
Ventil- und Ventilbetätigung, Getriebewellen und alle Wellen der
Nebenaggregate gleit- oder rollengelagert. Weiteres bewegliches
Bauteil ist der Kolben. Für möglichst widerstandslose Dreh- oder
Schubbewegung sorgt das "Lagerspiel". Je nach Lagerbauart liegt es
zwischen 1/10tel bis 1/100stel Millimeter. Den Lagerspiel-
"Freiraum" gleicht das Motorenöl aus und gewährleistet so die
Schmierung der Lagerstellen. Gleitlager, Kolben, Zylinder und
Ventiltrieb müssen eingefahren werden. Betrachtet man die
Lagerfläche dieser Bauteile 100fach vergrößert, sind
Fertigungsunebenheiten deutlich zu erkennen. In der Einfahrzeit
"schleifen" sich diese Lagerflächen ab. Hierbei entsteht feiner
Metallabrieb, der sich mit dem Motorenöl vermischt. Während der
Einfahrzeit darf nur handelsübliches Mineralöl zur Schmierung
dienen. Wer glaubt, mit synthetischem Motorenöl dem Triebwerk etwas
besonders Gutes zu tun, irrt sich gewaltig. Teure synthetische
Motorenöle haben keine Einfahreigenschaften. Ihre hochwertigen
Wirkstoffe lassen das "Einschleifen" nicht zu. Hat das Bike die
erste Inspektion hinter sich und ist mit frischem Motoröl versorgt,
kann man das Triebwerk allmählich zur Sache
bitten.
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 Motorzeichnung Kawasaki W
650
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Rollenlager (Wälzlager mit
zylindrischen, kegeligen oder tonnenförmigen Wälzkörpern) benötigen,
bedingt durch hohe Fertigungsgenauigkeit, keine Einlaufzeit. Diese
Lager sind ab dem ersten Kilometer voll belastbar. Alle anderen
beweglichen Bauteile wie Ventilfedern, Kupplungsbeläge, Zahnflanken
der Getrieberäder, Steuer- und Primärkette unterliegen ab dem ersten
Kilometer dem Verschleiß. Ein Einfahren ist für diese Bauteile nicht
nötig. Zweitakt-Motoren sollten ebenfalls bis
zur ersten Inspektion eingefahren werden. In dieser Zeitspanne
passen sich, genau wie im Viertakt-Motor, Kolben- und Kolbenringe
der Zylinderlaufbahn an. |
"Einbremsen"
von frischen
Bremsbelägen
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 "Bremsbeläge
einbremsen"
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Alle Welt spricht immer nur von Beschleunigung und
Höchstgeschwindigkeit. Damit die Fuhre aber wieder zum Stillstand
kommt, verlässt man sich auf das einwandfreie Funktionieren der
Bremsanlage. Wie gut eine Scheiben- oder Trommelbremsanlage wirkt,
liegt aber nicht nur an der Hand- oder Fußkraft des Fahrers, sondern
auch an den Reibwerten der Bremsbeläge. Deshalb merke: auch neue
Bremsbeläge fährt man behutsam ein. Rasch hintereinander folgende
Vollbremsungen sind zu vermeiden. Bei diesen Gewaltaktionen können
die frischen Bremsbeläge "verglasen" und sind somit unbrauchbar.
Erst wenn sich Belag und Bremsscheibe bzw. -trommel aneinander
angepasst haben, wirkt die volle
Bremsleistung.
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"Anfahren"
von neuen
Reifen
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 Neue Reifen müssen angefahren
werden
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Neue
Motorradreifen müssen grundsätzlich angefahren werden. Bei der
Herstellung von Decken ist die Lauffläche nach der Herausnahme aus
der Form immer spiegelglatt. Das gilt für alle Reifen und für alle
Reifenmarken. Diese glatte Oberfläche macht Pneus auf den ersten
Kilometern extrem rutschig. Je nach Fahrbahnbeschaffenheit und
Streckenführung kann die "Anfahrzeit" bis zu 200 Kilometer betragen.
Erst wenn die Gummiwalzen über die gesamte Lauffläche "angefahren"
sind, können sie für einwandfreien Grip auf dem Asphalt sorgen und
natürlich auch erst
garantieren. |
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 Bitte so nicht! Biker bleib
cool!
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Neben
dem "Ein"- und "Anfahren" sowie "Einbremsen" ist das richtige
Losfahren für die Fahr- und Betriebssicherheit "lebenswichtig". Als
Grundsatz gilt: Nie ein kaltes Triebwerk mit hoher Drehzahl starten
und danach sofort voll belasten. Richtig ist: Starten, losfahren,
das Triebwerk in den einzelnen Gängen maximal bis 2000 oder 3000
Touren drehen lassen. Denn, gleichgültig wie viele Kilometer auf dem
Tacho stehen, ein Motor braucht immer seine Betriebstemperatur. Je
nach Jahreszeit beträgt die Warmfahrphase 10-30 Kilometer. Nur
betriebswarmes Öl im Triebwerk gewährleistet einwandfreie Schmierung
und verhindert frühzeitigen Verschleiß. Aber auch die Reifen
benötigen Betriebstemperatur. Kalte Pneus können in Schräglage
wegschmieren. Erst wenn sie auf Betriebstemperatur sind, ist
maximale Schräglage
gewährleistet. | |