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Triu
Reisedampfer |
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Bis
Ende der sechziger Jahre
standen Motorräder aus England in
der Gunst der Fangemeinde an erster Stelle. Tauchte irgendwo eine BSA,
Norton oder Triumph auf, war die Sensation perfekt. Es waren schnelle,
starke und sportliche Maschinen mit kernigen
Zweizylinder-Viertakt-Motoren. Ihr Sound war unvergleichbar, die
Motorvibrationen typisch. Die Bikes hatten 500, 650 oder gar 750
Kubikzentimeter Hubraum, sie trugen so klangvolle Namen wie Lightning,
Spitfire, Commando, Fastback, Tiger,
Bonneville, Thunderbird oder Trophy. Triumph war vor rund vierzig Jahren
Marktführer und weltgrößter Motorradhersteller. Nichts schien danach,
dass sich an dieser Situation je etwas ändern würde. In England und
bei Triumph glaubte man fest an die Zukunft des Motorrades. Die Firmenbosse vertrauten auf die altbewährte Technik und
den ungebrochenen Kaufrausch der Kunden im Inland, aber vor
allen Dingen in den USA, für die Briten das Exportland Nummer Eins.
Doch die Zeiten und der Motorradmarkt sollten sich Ende der sechziger,
Anfang der siebziger Jahre radikal ändern. Plötzlich waren sie da:
Motorräder aus Japan. Keiner
hatte damit gerechnet. Die englische Motorradindustrie am
allerwenigsten. Im Vergleich zu den agilen Maschinen aus dem Nipponland
waren die Bikes von der
„Grünen Insel“ auf einmal technisch veraltet, zu schwer, zu langsam
und zu langweilig. Es dauerte nicht lange, und eine Traditionsfirma nach
der anderen musste für immer ihre Tore schließen. Lediglich Triumph
konnte sich bis Anfang der achtziger Jahre über Wasser halten, dann kam
auch für diese, einst so berühmte Marke, das Aus. Doch nicht für immer.
John
Bloor, superreicher englischer Bauunternehmer, hatte die Firmenrechte
aufgekauft und plante große Dinge. Bis es allerdings soweit war,
vergingen etliche Jahre. Unter strengster Geheimhaltung ließ er
konstruieren, entwickeln, testen und baute für das Vorhaben in Hinckley
ein neues Motorradwerk. Bei der IFMA in Köln 1990 platzte dann die
Bombe. Mit vollkommen neuen Bikes meldete sich Triumph nachhaltig ins Geschehen zurück.
Es waren Dreizylinder-Bikes mit 750 und
900 ccm und Vierzylinder-Maschinen mit 1000 und 1200 Kubik. Das
Topmodell war damals die 1200er Trophy, ausgerüstet mit einem wassergekühlten Vierzylinder-DOHC-Triebwerk. Die
Fachwelt staunte, die Motorradfahrer applaudierten, John Bloor war
der Streich gelungen. Nur
die echten Klassikerfans waren enttäuscht. Außer dem Namen hatte die
aktuelle Triumphgeneration mit den Charakterbikes von Anno dazumal
nichts mehr gemeinsam. Im neuen
Triumphwerk in Hinckley, nur einen Steinwurf von der früheren
Produktionsstätte in Meriden entfernt, werden seitdem die Maschinen
nach modernsten Erkenntnissen gebaut. Im flüssigkeitsgekühlten
Triebwerk der Vierzylinderbaureihe sorgen zwei Ausgleichswellen für seidenweichen Motorlauf, und für kräftigen
Durchzug sind vier Ventile pro Zylinder zuständig. Betätigt werden die
Ventile über Tassenstößel und zwei obenliegende Nockenwellen.
Kontaktlose Zündanlage, Anlasser und Sechsganggetriebe gehören zum
Standard. Auch das Zentralrohr-Chassis ist eine Neukonstruktion, der
Motor dient als mittragendes Element; Alu-Schwinge mit Zentralfederbein,
Gussfelgen, Radialreifen und Scheibenbremsen entsprechen ebenfalls dem
Stand der Technik, der jahrelang aus Japan diktiert wurde. Weder leidige
Motorvibrationen noch der obligatorische Ölfleck unter dem Triebwerk
kennzeichnen die neuen Triumphs. Und so liegt ein Vergleich mit den
Bikes aus Nippon recht nahe. Honda, Yamaha, Suzuki und Kawasaki bieten
bekanntlich großvolumige Vierzylinder-Maschinen, die für flotte Touren
bestens geeignet sind. Aber nicht nur die. Auch BMW gehört zu den
Konkurrenten der Triumph Trophy 1200. Vor fünf Jahren, 1990
war sie das Topmodell in der Vierzylinderpalette aus Hinckley.
Damals kostete der Sporttourer rund 18.700 Mark. Im Laufe der Jahre
wurden gezielte Modellverbesserungen
durchgeführt, die Optik der vollverkleideten Maschine aufgewertet, und der Preis stieg auf 21.715
Mark. Neben dem Sporttourer Trophy 1200 steht mittlerweile der
Supersportler Daytona 1200 für 23.015 Mark. Begeistert die Daytona die
Kurvenwetzer, ist die Trophy genau das Richtige für die Weltenbummler,
die gern mal schnell von Hamburg nach Wien oder von Berlin nach Paris düsen
wollen. Wir waren, problemlos
versteht sich, mit dem Reisedampfer in Ungarn. Sie ist eine
Langstreckenmaschine, prädestiniert für zwei Personen, und dank der
Vollverkleidung ist Schutz vor Wind und Wetter garantiert.
Leicht
kann der Eindruck
entstehen, die Engländer hätten beim Bau ihrer Vierzylinder-Modelle
zu lange nach Japan geschaut. Doch sei es, wie es will, wer heute ein
modernes Motorrad auf die Räder stellen will, kommt um diese Konzeption nicht herum. Obenliegende
Nockenwellen, Mehrventiltechnik, Sechsganggetriebe und wetterschützende
Vollverkleidung sind im Sporttourersektor ein Muss. Trotzdem, die Trophy
gehört bei weitem nicht zum „Vierzylinder-Einerlei“, auch ist sie
kein schnöder „Joghurtbecher“. Die Optik ist
elegant und nicht zu protzig, eine gekonnte Mischung
aus Sportlichkeit und Tourentauglichkeit. Das wahre Gesicht zeigt die Trophy
jedoch im Fahrbetrieb. Der bärenstarke 1200er-Motor verleiht dem Bike
Charakterqualitäten, die beeindrucken. Bereits im unteren
Drehzahlbereich verfügt das Triebwerk über immense Kraft. Engländerfans
kennen diese Eigenschaft als „Bums aus dem Keller“.
Des weiteren überzeugt die Trophy mit granatenmäßigem Durchzug.
Eigentlich ist bei diesem Motor das Sechsganggetriebe überflüssig - fünf
Gänge würden es auch tun. Ist der große Gang einmal eingelegt, lässt
sich in jedem
Geschwindigkeitsbereich fahren. Wer zum Schalten keine Lust hat, kann
selbst bei Ortsdurchfahrten den
sechsten Gang eingelegt lassen. Liegt das Ortsschild hinter einem, wird
einfach Gas gegeben, und ab geht die Post. Diese Motorencharakteristik
prägt die Fahrweise. Stress und Hektik sind dem Trophy-Fahrer fremd. Er
genießt die Reise. Hierbei spielt es keine Rolle, ob die Tour gemütlich
über verwinkelte Landstraßen oder im Eilzugtempo über die Autobahn
geht. Je nach Fahrweise konsumiert der Motor zwischen 5 und 8 Liter
Kraftstoff auf 100 km aus dem 25 Liter Tank. Theoretisch lassen sich bei gefühlvoller Gashand knapp 500 km
Fahrstrecke zurücklegen. Probleme mit dem Sitzfleisch gibt es hierbei
nicht, da die Sitzpositionen für
Fahrer und Beifahrer ausgesprochen bequem ist. Die Vollverkleidung schützt
vor dem lästigen Fahrtwind, und wenn´s mal regnet, ist der
Wetterschutz ebenfalls gewährleistet. Fazit: Die Trophy 1200 ist ein ausgereifter und zuverlässiger
Sporttourer mit eigenständigem Charakter, der vom bärenstarken
Vierzylinder-Triebwerk geprägt wird.
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