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Für besondere Verdienste
gibt es im englischen Königreich das "M.B.E.".
Die neue Triumph Bonneville hat diese Auszeichnung "Member
of the British Empire" zwar noch nicht bekommen, die Nominierung
wird hiermit aber beantragt.
Zu den ganz großen Hits der Beatles gehört "Yesterday".
Auch wenn Paul McCartney ihn allein geschrieben hat. "Yesterday"
ist auch die neue Triumph Bonneville, was jedenfalls das Outfit
angeht. Von ein paar Meter Entfernung betrachtet, könnte
man fast meinen, da steht eine ehrwürdige Bonneville aus
den 60er Jahren.


Damals war sie Triumphs Topseller. Ein Bike, das 30 Jahre gebaut
wurde, sich über 250.000 Mal verkaufte, ein Traummotorrad
und Mythos und eine Rennlegende. Spektakulärster Erfolg
war der Geschwindigkeitsrekord 1956: mit 345 Sachen bretterte
der frisierte 650er-Twin über den Bonneville Salzsee in
Utah/USA. Der Grundstein für die unvergleichliche "Bonneville"
Modellgeschichte war gelegt.
Die neue Bonnie sieht der "alten" zum Verwechseln ähnlich
und das sogar mit voller Absicht. Erklärtes Ziel ist es
nämlich, an die ruhmreiche Vergangenheit anzuknüpfen.
Triumph war nicht nur einst weltgrößter Zweiradhersteller,
Triumph ist auch die älteste Motorradfirma. Noch ein Jahr
älter als Harley-Davidson, 2002 kann die englische Traditionsmarke
ihren 100sten Geburtstag feiern. Doch Achtung: wer mit dem Club
der Beat, Rock´n´Roll, Oldie und Nostalgie-Bike Fans
nichts am Hut hat, braucht erst gar nicht weiter zu lesen. Man
muß sogar eindringlich davor warnen: der Bazillus könnte
überspringen und dann hilft auch kein Gejammere beim Arzt
oder Apotheker. Damit sind eigentlich die Claims abgesteckt.
Die Heizer-Fraktion, die ihre Aktien bei den PS-starken und knapp
300 Klamotten schnellen Superbikes geordert haben, dürfte
diese Geschichte wohl kaum interessieren. Allen andern präsentieren
wir dafür einen Vorgeschmack, was mit der britischen Lady
auf sie zukommen kann.
Zuerst jedoch für die "alten Windgesicher" eine
schlechte Nachricht. Die neue Bonnie sieht zwar uralt aus, technisch
ist sie aber absolut up-to-date.



Wer wie früher Material zerstörende Vibrationen und
den obligatorischen Ölfleck unterm Motor erwartet und sehnlichst
hofft, man müsste ständig an ihr herumschrauben, wird
gewaltig enttäuscht. Von all dem alten Kram hat der neue
Twin nichts geerbt. Zwar gibt es noch keine Langstreckenerfahrungen,
aber schon bald wird sich herausstellen, dass sie als zuverlässiges
und langlebiges Bike prima in unsere heutige Zeit passt.
Und nun die gute Nachricht: die Bonnie ist ein Meilenstein in
der Motorradgeschichte: "Back to the Future". Auf kein
anderes Bike passt dieser Satz so trefflich. Nicht zu vergleichen
mit der Kawasaki W650. Das ist eine ganz andere Geschichte, denn
nicht die Kawasaki, sondern die Bonneville ist schließlich
das Original.
Eben so original, als ob die Bonnie von Gestern, oh pardon "Yesterday"
wäre. Mit nichts verrät der neue Dampfhammer die beiden
obenliegenden Nockenwellen, die vier Ventile pro Brennraum, die
kontaktlose Zündanlage, die zwei Ausgleichswellen, das Sekundärluftsystem
und den U-Kat. Alles steckt schön versteckt im original
nach "klassisch englischen Baustil" erschaffenen 780ccm
Twin, fast wie "damals". Früher saß allerdings
der Schalthebel rechts, zum Anlassen gabs nur den Kickstarter
und der Sound war echt hämmrig. Heute wird links geschaltet,
via E-Starter springt der Motor an und blubbert dann gemütlich,
fast möchte man sagen flüsternd, vor sich hin. Keine
Oma muss sich erschrecken und kein Kind die Ohren zuhalten. Lärmende
Donnerbolzen haben in der heutigen Welt nichts mehr verloren.
Der erste Gang flutscht wie von allein rein und ab geht die Post.
Schwupp, schwupp, im Nu ist man im fünften Gang und tuckert
lässig durch die Ortschaft. Spielerisch leicht lässt
sich die Bonnie dirigieren, trotz 230 kg ist das Handling ein
Gedicht. Das liegt natürlich auch an der Sitzposition. Dafür
waren englische Motorräder früher berühmt. Nichts
drückt oder kneift, der Biker sitzt lässig und aufrecht
auf der Maschine, "die Nase im Wind". Fast hatte man
diese Art von Fortbewegung schon vergessen. Keiner treibt einen,
das Verlangen mit Vollgas über Landstraßen zu brettern,
kommt erst gar nicht auf. Die Lust liegt in der Beschaulichkeit.
Der fünfte Gang bleibt eingelegt, den Fahrrhythmus bestimmt
die Gashand. Man sucht immer wieder Nebenstraßen, freut
sich auf die nächste Kurve. Zugegeben, leise ist die Bonneville,
zu leise allerdings auch nicht. Das Motorgestampfe bekommt man
gut mit und wer sich etwas anstrengt, spürt sogar Vibrationen.
Und dann dauert es auch nicht mehr lange und der Fahrer fühlt
sich mit der Maschine eins. Früher, Yesterday, sagte man
dazu "Motorradfahren".
Nun sitzt man natürlich nicht ständig auf der Bonneville,
man hat schliesslich Ziele. Zum Beispiel Freunde, denen man das
neue Bike unbedingt vorführen muss und von denen man wissen
will, was sie davon halten.

Peter Frohnmeyer, ex-GP-Rennfahrer und Zweizylinderfan ist von
der Bonnie begeistert, lässt sich für eine Probefahrt
nicht zweimal bitten. Das ist es, lautet kurz und bündig
sein Testurteil, die würde ich mir kaufen.
Nächster Kandidat ist Karl-Heinz, Engländer Fan und
Besitzer etlicher BSA Motorräder aus den 60er und 70er Jahren.
Ihm kann man so leicht nichts vormachen, schliesslich haben die
Briten Motorradgeschichte geschrieben. Karl-Heinz Stefani möchte
sich mit Angucken und Probesitzen nicht zufriedengeben. Er behält
die Bonnie für ein paar Tage, fährt über 1000
Kilometer. Besucht seinen Spezi Theo, der gleich einen ganzen
Stall voll alter Briten-Bikes und natürlich auch eine Bonneville
von 1967 besitzt.
Sie vergleichen, diskutieren, tauschen die Bikes, fahren noch
eine Runde, diskutieren weiter und tauschen noch einmal. Zum
Schluß sind sich beide Experten einig, hätte Triumph
die Bonnie weiterentwickelt, wären sie genau dahingekommen,
wo die neue heute steht und, das ist der entschiedene Satz, beide
würden sich den Twin kaufen. Ein größeres Kompliment
könnte die englische Lady kaum bekommen. Das wird John Bloor,
Boss der Triumph-Factory in Hinckley, freuen. Der Autor schließt
sich den Eindrücken seiner Freunde an, Triumph ist mit der
Bonneville ein toller Wurf gelungen. Ein aussergewöhnliches
Bike, das längst nicht nur nostalgisch angegraute Motorradfans
anspricht. Etwas fürs Herz und für die Seele und für
unvergessene Fahrerlebnisse.
Und was hat das jetzt mit Yesterday und den Beatles zu tun. Nun,
ganz einfach, die aktuelle CD der Fab-Four "Nr 1" hat
im Handumdrehen die Charts erobert. Alles alte "Kamellen",
schießt es einem durch den Kopf, Songs, die man von Radio
Luxemburg kennt und stundenlang auf dem Schallplattenspieler
gedudelt hat. Damals gab es nichts anderes. Heute ist Qualität
angesagt, ein CD-Player ist das Mindeste und noch immer hört
sich die Musik granatenmäßig an. Das geht doch runter
wie Öl - oder?
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Motor:
Fahrtwindgekühlter Zweizylinder-Viertakt-Reihenmotor; zwei
obenliegende, Ketten getriebene Nockenwellen, vier Ventile pro
Zylinder, Tassenstößel, Nasssumpfschmierung, zwei
Ausgleichswellen, Bohrung x Hub 86 x 68 mm, Hubraum 790 ccm,
Verdichtung 9,2:1, Leistung 44 kW (60 PS) bei 7000/min, max.
Drehmoment 62 Nm (6,2 kpm) bei 3500/min, kontaktlose Zündanlage,
zwei Gleichdruck-Vergaser, Ø 36 mm, Sekundärluftsystem
und U-Kat, E.-Starter
Kraftübertragung:
Primärantrieb über Zahnräder, Mehrscheibenkupplung
im Ölbad, Klauen geschaltetes Fünfganggetriebe, Sekundärantrieb
über X-Ring-Kette
Fahrwerk:
Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen, Telegabel, Standrohrdurchmesser
41 mm, Stahl-Schwinge, zwei Federbeine, Federbasis einstellbar
Räder und Bremsen:
Speichenräder, Bereifung vorne 100/90R19, hinten 130/80R18.
Vorne eine Scheibenbremse, Ø 310 mm, Doppelkolben-Bremszange,
hinten Scheibenbremse, Ø 220 mm, Doppelkolben-Bremszange
Maße und Gewichte:
Radstand 1493 mm
Sitzhöhe 775 mm
Leergewicht fahrfertig 230 kg
Zul. Gesamtgewicht 430 kg
Tankinhalt 16 Liter
Höchstgeschwindigkeit:
180 km/h
Preis:
14.990 Mark |