„Triple-Power-Pack“  

Ende der Sechziger brachte Triumph die T150 „Trident“ auf den Markt. Mit diesem 750er Dreizylinder-Bike wollte man retten, was noch zu retten war. Doch vergeblich, wie wir heute wissen. Längst schwebte der Pleitegeier über Englands Nobelmarke. 

Die englische Motorradschmiede Triumph kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Gegründet wurde sie 1886 vom deutschen Geschäftsmann Siegfried Bettmann. Zuerst waren es Fahrräder, und ab 1902 baute man eigene Motorräder. Und das mit Erfolg! Ab den zwanziger Jahren war Triumph einer der größten Motorradproduzenten überhaupt und hielt diese Position über Jahrzehnte, bis in die sechziger Jahre. Dann geriet die Motorradindustrie auf der grünen Insel in immense wirtschaftliche Schwierigkeiten, und von den einst ruhmreichen Marken blieben nur noch Norton, BSA und Triumph übrig  - Ariel, AJS, Matchless, Velocette, Scott, Vincent und Royal Enfield hatten ihre Fabriktore bereits schließen müssen. Trotzdem, bei Triumph glaubte man weiterhin ans Motorrad und entwickelte eine neue Dreizylinder-Maschine.

Doch so neu war die Konstruktion allerdings nun auch wieder nicht. Im Prinzip basierte das Trident-Aggregat auf „altbewährter“ Technik. Im Triebwerk, das aus immerhin 32 Gehäuseteilen (!) zusammengesetzt war, rotierte eine 120 Grad Kurbelwelle, die Einlassnockenwelle lag hinter und die Auslassnockenwelle vor dem Zylinderfuß. Über kurze Stößel, Stoßstangen und Kipphebel wurden jeweils zwei Ventile pro Zylinder betätigt. Für die Gemischaufbereitung waren drei 27er Amal-Concentric-Vergaser zuständig, die Abgase wurden über eine „3-in-4-in-2“-Anlage entsorgt. Via Vierganggetriebe und Kette gelangten die 58 PS ans Hinterrad. Wie damals „üblich“, wurde das Triebwerk stilecht per Kickstarter gestartet. E-Starter, obenliegende Nockenwelle und Scheibenbremse suchte der Triumph-Fan vergeblich - technische Schmankerln, die die fast zeitgleich vorgestellte Honda CB750 Four bereits serienmäßig hatte. Und so war, nüchtern betrachtet, die neue „Trident“ eigentlich schon bei ihrer Markteinführung veraltet...

 

Hektischer Modellwechsel war bei Triumph unbekannt. So lief die zunächst 6300 Mark teure T150 bis 1970 unverändert vom Band. Erst für das Modelljahr 1971 musste sie sich einige Änderungen gefallen lassen. Anstelle der Vollnaben-Duplex-Trommelbremsen im Vorderrad und der Halbnaben-Trommelbremse im Hinterrad sorgten nun vorn und hinten konische Halbnaben-Trommelbremsen für die Verzögerung. Die Vorderradführung übernahm jetzt eine verbesserte Telegabel, bei der die Aluminium-Tauchrohre poliert waren. Neue Lackierungen, verchromter Scheinwerfer und „Megaphon“-Schalldämpfer werteten die Maschinen optisch auf. Ab 1972 erhielt sie ein Fünfganggetriebe, und die Modellbezeichnung änderte sich von T150 in  T150V. Das „V“ stand für fünf Gänge. Ab dem nachfolgenden Jahr wurde die T150V mit einer neu entwickelten Lockheed-Scheibenbremse mit 254 mm Durchmesser am Vorderrad ausgestattet.

Das Jahr 1974 stand für Triumph unter einem ungünstigen Stern. Umfangreiche Streikaktionen legten monatelang die Produktion still. Resultat: Nur wenige Maschinen konnten ausgeliefert werden. Erst im folgenden Jahr gab es wieder ein Dreizylinder-Modell: die T160V. Nur knapp ein dreiviertel Jahr wurde die 6900 Mark teure T160V gebaut, danach stellte Triumph die Produktion der „Trident“ ein.

Schon damals war das Ende der Traditionsmarke abzusehen. John Bloor, ein wohlhabender englischer Geschäftsmann, ersteigerte 1983 die Rechte an dem Namen Triumph. Die Fertigungsanlagen übernahm jedoch zunächst Les Harris und ließ sie  vom ehemaligen Stammsitz in Meriden nach Newton Abbot verfrachten. Von 1984 bis 1987 wurde in „alter Form“ die Tiger und Bonneville in Lizenz gebaut, dann kam endgültig das „Aus“. Bis zur IFMA 1990. Bei der weltgrößten Motorradmesse präsentierte Triumph-Boss John Bloor schließlich vollkommen neue Triumph-Modelle. Eine davon war die Dreizylinder Trident, nun aber mit obenliegenden Nockenwellen, Vierventiltechnik, E-Starter und Scheibenbremsanlage...

  Technische Daten

Triumph T150 V „Trident“

Baujahr 1973 

Luftgekühlter  Dreizylinder-Viertakt-Motor, 741 ccm, 58 PS bei 7250/min. Einrohrrahmen, vorn Scheibenbremse, hinten Trommelbremse, 220 kg, 200 km/h 



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Text&Fotos: Winni Scheibe

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