100 Jahre Triumph  

Triumph - ein Stück Britannien  


1902 fertigte Triumph das erste Bike und schon in den 20er Jahren war die Firma einer der weltgrößten Motorradhersteller. Diese Position konnten die Engländer bis in die 60er Jahre halten, dann folgte allerdings der große Durchhänger. Mit brandneuen Modellen meldete sich die Traditionsmarke 1990  erfolgreich zurück. Jetzt kann Triumph den 100. Geburtstag feiern, herzlichen Glückwunsch!

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ie Ursprünge von Triumph gehen auf den 1884 aus Deutschland nach England eingewanderten Siegfried Bettmann zurück. Bereits ein Jahr später begann der clevere Geschäftsmann mit dem Handel von Fahrrädern, und schon 1886 ließ er sich  "Triumph" als Firmen-Logo schützen.

Im Jahr 1887 erlaubten es die Geschäfte, den deutschen Ingenieur Mauritz Schulte einzustellen. Ein Jahr später kaufte Triumphchef Bettmann eine kleine Fabrik in Coventry, damals das Zentrum der britischen Fahrradindustrie. Vom Fahrrad zum Motorrad war es dann nur noch ein kleiner Schritt. Mauritz Schulte setzte diese Idee um, und ab 1902 begann die Produktion von Triumph Motorrädern mit Einzylinder-Einbaumotoren von Minerva aus Belgien, Fafnir aus Deutschland und JAP in England. Aber schon drei Jahre nach dem Einstieg ins Motorradgeschäft konnte 1905 die erste Triumph mit eigenem Triebwerk angeboten werden. Der 363 ccm Einzylinder-Viertakt-Motor brachte es auf satte 3 PS.

 476 ccm Einzylinder von 1908

Der 363 ccm Einzylinder-Viertakt-Motor mit 3 PS

In den nächsten Jahren ging es bei Triumph, aber auch bei den anderen englischen Motorradherstellern, mit Sieben-Meilen-Stiefeln vorwärts. Bereits 1907 waren über 60.000 Motorräder auf der grünen Insel registriert, und zum ersten Mal fand auf der Isle of Man die „TT“ (Tourist Trophy) statt. Auf dem zweiten und dritten Platz landete natürlich eine Triumph! 1908 gewann die "TT" Jack Marshall auf einer Triumph. Nirgendwo ließen sich Zuverlässigkeit und Ausdauer besser unter Beweis stellen, im nächsten halben Jahrhundert waren es immer wieder Maschinen von Triumph, die nicht nur bei der „TT“ für sensationelle Siege sorgen sollten. Alle Erfolge der schnellen Ladies hier aufgezählt, würde Bücher füllen.
Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges erfolgte die Umstellung auf Kriegsproduktion. Zu dieser Zeit war Triumph bereits einer der bedeutendsten Motorradhersteller in England und konnte so über 30.000 Militärmaschinen liefern.
Nach dem Krieg ging es bei Triumph wirtschaftlich weiterhin steil bergauf. Das Werk in Coventry beschäftigte über 3000 Mitarbeiter, die pro Woche gut 1000 Einzylinder Zwei- und Viertakt- Maschinen von 98 bis 500 ccm fertigten.

Mit dem "Speed Twin" zur Weltspitze

Waren bis Mitte der 30er Jahre kernige Einzylinder-Dampfhämmer das Maß der Dinge, brachte Triumph im Herbst 1937 eine vollkommen neue Motorradgeneration auf den Markt: Die T5 mit Speed Twin-Motor. Eine 27 PS starke und 150 km/h schnelle 500er Zweizylinder-Viertaktmaschine. Mit dem Speed Twin-Motor hatte Edward Turner sein Meisterwerk geschaffen, dieses Baukonzept sollte genau 50 Jahre das Bild der englischen Ladies prägen. Aber längst nicht genug, mit der neuen Baureihe katapultierte der Chefkonstrukteur Triumph an die Spitze des Weltmarktes.

Triumph Tiger 1939

Triumph 350ccm 1924 

Triumph Speed Twin

  500ccm Speed Twin Motor

Triumph Werk Coventry

Triumph Werk Meriden

Doch zunächst wurde der Triumphzug für fast zehn Jahre unterbrochen, 1939 wurde England in den Zweiten Weltkrieg verwickelt, und für Triumph sollte es das tragischste Kapitel in der Firmengeschichte werden. Am 14. November 1940 legte die deutsche Luftwaffe das Werk und halb Coventry in Schutt und Asche. Einen Platz für das neue Werk fand man vor den Toren Coventrys in Meriden. Bis Ende des Zweiten Weltkrieges wurden hier 49.700 überwiegend Militär-Motorräder produziert. 

Ab 1946 konnte die Herstellung ziviler Maschinen wieder anlaufen. Exportschlager waren die bekannten Speed Twin-Modelle mit 350er und 500er Motor. Auf Grund der guten Verkaufserfolge in Amerika und auf vielfachen Wunsch der US-Biker nach mehr Hubraum wurde im September 1949 die 650er Thunderbird 6T vorgestellt. Wieder hatte Triumph gegenüber der Konkurrenz die Nase vorne, eine vergleichbare 650er hatte weder BSA noch Norton im Programm. Das Triumph-Angebot setzte sich in den nächsten Jahren in der kleinen Klasse aus 150er, 200er sowie 250er Einzylinder-Viertakt-Motorrädern, in der Mittelklasse aus der 350er und 500er Zweizylinder-Baureihe und in der Prestige-Klasse aus den 650er-Twins Thunderbird und Tiger zusammen. Für den „Otto Normalverbraucher“ baute Triumph allerdings auch Zweitakt-Scooter.
Den eigentlichen Überhammer stellte das Werk jedoch Ende 1958 vor, die 650er Bonneville. Damals war die „Bonnie“ das Supersport Motorrad schlechthin, 42 PS stark und 180 km/h schnell. 

Triumph Bonneville 1975

Bonneville Racing 1969

Triumph Daytona 500ccm 1970

TT 1969

Triumph T150 Werksmaschine

Slippery Sam

Triumph Adventurer 500ccm 1972

Ray Pickrell TT 1972

Wurden bis Anfang der 60er Jahre die Twin-Motoren in klassisch englischer Motorenbaukunst mit separatem Primärtrieb und Getriebegehäuse gefertigt, gab es ab 1963 die Triumphs nur noch mit dem neuen Blockmotor - der "unit construction" - Kurbelwelle, Primärantrieb und Getriebe waren in einem gemeinsamen Motorgehäuse untergebracht.

Um auch in Zukunft "gute Motorräder bauen und gut verkaufen" zu können, schuf das Firmenmanagement eine neue Abteilung für "Forschung und Entwicklung" in Umberslade Hall in Warwickshire. Es wurde allerdings auch höchste Zeit, immer mehr japanische Bikes drängten auf den Markt. Und selbst eingefleischte "Engländerfahrer" überlegten sich den Umstieg auf einen „Reiskocher“. Die Talfahrt der englischen Motorradindustrie und natürlich auch von Triumph, war im Prinzip bereits damals vorprogrammiert. Die Entwicklung zeitgemäßer Modelle hatte man gründlich verschlafen. Auch die neue 750er Dreizylinder-Trident, die 1969 auf den Markt kam, sollte am ständig schwindenden Kaufinteresse der einst so begehrten Ladies wenig ändern.

Es sollte aber noch viel schlimmer kommen. In den nächsten Jahren legten immer wieder Streiks die Produktion lahm. Und als die wirtschaftlichen Schwierigkeiten so groß wurden, dass sich Triumph am 17. Juli 1973 dem Norton-Villiers Unternehmen anschließen musste, war die Stimmung bei der Belegschaft auf dem Nullpunkt angekommen. Als die Mitarbeiter die Neuigkeit erfuhren, besetzten sie noch am selben Abend das Werk.

Erst zwischen Juli und November 1974 wurde die Blockade zur Auslieferung von etwa 100 Motorrädern sowie einigen Ersatzteilen aufgehoben. Am 6. März 1975 war der Arbeitskampf endlich ausgestanden, und in Meriden kehrte man zum Alltag zurück. Doch der Schaden war gewaltig, irreparabel. Die Motorradfans wollten von Triumph nichts mehr wissen, wer Spaß am Motorradfahren hatte, saß längst auf einem japanischen Bike. Triumph war inzwischen bis über die Hutschnur verschuldet, eine Zukunft gab es nicht. 1983 ersteigerte John Bloor das Triumph-Werk.

Zwar baute von 1984 bis 1987 Les Harris in Newton Abbot die Tiger und Bonneville in Lizenz weiter, aber auch dann kam für ihn und die einst so beliebten Ladies das Aus. John Bloor wollte den Lizenzvertrag nicht verlängern. Längst hatte der neue Triumphboss nämlich beschlossen, die Traditionsmarke neu auferstehen zu lassen. Bei der IFMA 1990 in Köln standen brandneue Drei- und Vierzylinder-Modelle auf dem Messestand. Das zweite große Kapitel in der heute 100jährigen Firmengeschichte hatte begonnen.  




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Text: Winni Scheibe, Fotos: Scheibe, Werk

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