Ein Traumberuf: 

 
Motorradjournalist 
 


Fachgespräch:
 Winni Scheibe mit dem 
dreifachen 500ccm Weltmeister
 Kenny Roberts


Mit dem
Motorrad verreisen, ferne Länder und interessante Leute kennen lernen und Fotos schießen klingt nach Hobby und Urlaub. Classic - Motorrad Chefredakteur Winni Scheibe hat dieses Hobby zum Beruf gemacht.


Jerez / Spanien 1995:
Dunlop Reifentest


Japan 1987
Testfahrt mit der neuen Suzuki GSXR 750


Japan Reise 2000: Besuch bei der Boxer Rallye


Immer auf der Lauer:
Winni Scheibe beim GP in Paul Ricard

Die frühen 60er waren verrückte und tolle Jahre. Als Teenager gehörte Winni Scheibe zu einer Generation, die die Welt verändern wollte. Voller Ideen und Pläne schaute die damalige Jugend in die Zukunft. Die etablierte Gesellschaft war geschockt, fürchtete den Zerfall der guten Sitten. Es wurde widersprochen, Kritik geübt, die Haare ließen sich die “Halbstarken” lang wachsen. Neben Schallplatten von den Beatles und Rolling Stones  wurden stapelweise Motorrad-Prospekte gesammelt. Mit 16 Jahren hatte Winni eine 50er Kreidler, langliegend, den Gashahn immer bis zum Anschlag aufgedreht, wurde mit den Kumpels mit 80 Sachen Spitze durch die Gegend geheizt.
Hinter den Ohren waren die Bengels noch nicht trocken, doch welche Motorräder es auf dem Markt gab  und wer welchen GP-Lauf zuletzt gewonnen hatte, wussten  sie ganz genau. Idole waren Mike Hailwood, Bill Ivy, Jim Redmann, Giagomo Agostini und Helmut Fath. Sein Traumbike hatte Winni Scheibe auch bald gefunden: eine Rickman-Métisse und auch der zukünftige Beruf sollte etwas mit Motorrädern zu tun haben. Doch bis alles so weit war, sollten noch einige Jahre vergehen.
Der "Motorradbazillus" saß längst tief. Kaum 18 Jahre alt, stand eine gebrauchte BSA A65 Spitfire MK IV Spezial in der Garage. Danach eine gebrauchte BMW R50S,  mit der es im Winter 1971 mit Beiwagen zum Elefantentreffen am Nürburgring ging, wenig später folgte die neue BMW R75/5 und 1972 eine gebrauchte Münch-4 TTS 1200. Motorradfahrer waren damals eine eingeschworene Gemeinschaft - man half sich unterwegs bei Pannen, hob zum Gruß die Hand und blieb zum "Benzingespräch" stehen.


1971 BMW R75/5
Straßensport pur, Stummellenker, Rennsitzbank, nach hinten verlegte Fußrasten und "Krawall - Tüten", so wurden schon damals die Bikes umgebaut


1972 Münch - 4 TTS 1200:
Vor 30Jahren war die "Mammut" das
größte, stärkste und schnellste Bike 
auf dem Markt


Fischereihafenrennen 1975 in Bremerhaven:
mit einer Ex - Dieter Braun Yamaha TZ350 fährt Winni Scheibe auf Platz 4

Von 1973 bis 1977 im Trialsport mit einer Montesa 250 aktiv, die er von Felix Krahnstöver erworben hatte

Ende 1972 packte Winni das Rennfieber. Die "Mammut" wurde gegen einen 350er Yamaha TR3 Productions-Racer und eine 250er Montesa-Trialmaschine getauscht, um damit in den nächsten Jahren um die Wette zu fahren.

1976 erste Viertakt - Suzuki GS750

Winni Scheibe auf Testfahrt

Beruflich war er seinem Ziel schon ein Stück entgegen gekommen. Gleich nach der Ausbildung zum Maschinenbautechniker hatte er 1976 eine Stelle in der Technischen Abteilung des deutschen Suzuki Importeurs bekommen, eingestellt vom damaligen Technikchef Ernst Degner, 1962 erster 50-ccm-Weltmeister auf Suzuki.   1979 holte ihn sein Rennfreund Franz-Josef Schermer in die gerade neu gegründete "MO"- Redaktion nach Esslingen, aus dem Hobby wurde nun sein Beruf. Er lernte “das Zeitungmachen” und das Fotografieren. Sein erster Testbericht  in "MO" erschien Ende 1979 über die Münch-4. Titel: "Ich habe Respekt vor diesem Ungetüm".
1988 folgte die nächste große Herausforderung: Hein Gericke, Europas größter Zubehörhändler, holte Winni Scheibe in seine Presseabteilung nach Düsseldorf. Zwei Jahre erledigte er den Industriejob, dann machte er sich 1990 als freier Journalist und Fotojournalist selbstständig.  Sein Beruf brachte ihn durch ganz Europa, in die USA und nach Kanada, nach Nord- und Südafrika und nach Japan. Viele der neuen Maschinen, die es in den letzten 20 Jahren gegeben hat, hat er gefahren und Testberichte darüber geschrieben, er hat Sportberichte, Reiseberichte und technische Berichte geschrieben, inzwischen sind es gut 2000 Artikel, und in seinem vorbildlich organisierten Fotoarchiv sind rund eine halbe Millionen Fotos archiviert.



Klassisch: 
Cromwell Helm und BSA - Métisse

Sein Traumbike hat er inzwischen auch, eine 750er Dreizylinder-BSA-Métisse. Gibt es eigentlich etwas schöneres, als seine Hobbys und Interessen mit dem Beruf zu verknüpfen. Müsste er noch einmal von vorne anfangen, Winni Scheibe würde vielleicht nicht alles, aber vieles genauso machen.  



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