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Die
Laverda 750 SFC ist Legende. Nach vorsichtiger Schätzung rangieren
jedoch weltweit in der Szene über
1500 dieser Sportflitzer. Wovon allerdings nur 549 wirklich echte
Werks-Produktion-Racer sind, der Rest ist selbstgestrickt.
Ende
der Sechziger, Anfang der Siebziger kamen
Serienmaschinen-Rennen groß in Mode. Allen vorweg die Amis mit
ihrem berühmten 200-Meilen-Rennen von Daytona. In Europa nannte man das
Spektakel Langstrecken- oder Endurance-Rennen.
Schauplätze der berühmten 24-Stunden-Rennen waren Oss in
Holland, Le Mans in Frankreich und Barcelona in Spanien, um hier nur die
wichtigsten zu nennen. Aber nicht immer ging es
24 Stunden im Kreis herum.
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Rennstart |
Boxengasse |
Mal
wurde 500 Meilen, mal 200 Meilen, ein anderes Mal 8 Stunden lang am
Gasgriff gedreht. Aus diesen Marathon-Wettbewerben
entstanden die Formel-750, sowie die
Langstrecken-Europameisterschaft, aus der später die Langstrecken-Weltmeisterschaft hervorging.
Alles was Rang und Namen hatte, oder sich dazuzählte, war vertreten.
Das Starterfeld reichte von professionellen Werks-Teams bis zu
langstreckeninfizierten Privatfahrern. Aus England
mischten BSA mit der 750er Dreizylinder-Rocket, Triumph mit ihrer 750er
Dreizylinder-Trident und Norton mit der 750er Commando mit. Die
japanische Armada setzte sich aus der Kawasaki
750 H2R, der Honda CB 750 Four und Suzukis
Zweizylinder-Zweitaktkanone GT 500 zusammen. Auch BMW war mit ihrem
Boxer mit von der Partie. Und dann gab es natürlich noch die Italiener.
Moto Guzzi hatte mit der V 7 S ein heißes Eisen im Feuer, Ducati schockte die Konkurrenz mit der
750 SS, und Laverda bediente sich des 750 S-Twins.
Im Prinzip waren es käufliche Serienmaschinen, die allerdings
gemäß dem Reglement für die Rennerei modifiziert werden durften.
Bei dem 24-Stunden - Rennen von Oss in Holland tauchte
Moto Laverda aus Breganze 1971 mit einem brandneuen
Produktion-Racer auf. Die 750 SFC (Sportivo-Freni-Competizione -
Sport-Bremse-Wettbewerb) basierte auf der 750 SF, war aber für den
vorgesehenen Einsatzzweck komplett überarbeitet worden.
Die Mühe sollte sich lohnen. Mit einem Schnitt von 125,26 km/h gewann
das Werk diesen Endurance-Lauf. Nach der Zieldurchfahrt verkündete
das Laverda-Team stolz, dass während des 24-Stunden-Marathons 22.353mal
geschaltet und 3274mal gebremst werden musste! Ihre Feuertaufe hatte die
750 SFC somit bestens bestanden. Und genau so eine Maschine konnte wenig
später jedermann kaufen. Vorausgesetzt das nötige Kleingeld war
vorhanden und man wollte
Langstreckenrennen fahren. In Italien kostete der edle Renner 1.410000
Lire, bei uns mussten dafür
rund 10.000 Mark auf die Ladentheke geblättert werden. Im Vergleich zu
heutigen Superbikes vom Schlage einer Ducati 996 oder Suzuki GSX-R 750
war die Laverda 750 SFC allerdings nie als zulassungsfähiges Straßenmotorrad
konzipiert oder gedacht.
Bei ihr handelt es sich um einen reinrassigen Produktion-Racer, den man
ausschließlich für den Rennsport entwickelt und gebaut hatte. Dass die
SFC trotzdem im öffentlichen
Straßenverkehr auftauchen sollte, ist bei uns engagierten Händlern und
Privatleuten zu verdanken, die via
Einzelabnahme die TÜV-Hürde
meisterten. Doch das ist eine Story für sich...
Die erste SFC wurde 1971
produziert, die letzte verließ 1976 das Laverda-Werk. In fünf Jahren
wurden exakt 549 Racer gebaut.
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1.Serie-1972 |
Aber
man weiß noch viel mehr über die Renner. Alle Fahrgestellnummern sind
bekannt, von fast allen SFCs weiß man, wo sie stehen und wer den
Renn-Twin besitzt. Massimo Borghesi aus Milano hat die Maschinen in
seinem Edel-Buch Registro Laverda 750 SFC Italia zusammengetragen.
Es gibt wohl kaum ein anderes Rennmotorrad, bei dem sich die technischen
Entwicklung so detailliert verfolgen lässt. Danke lieber Massimo!
Trotzdem, was auf den ersten Blick so überschaubar scheint, kann sich
beim genaueren Hinsehen genauso als fraglich erweisen. Im Kapitel über
die erste Serie von 1971 bis 1973 heißt es, dass 167 Maschinen
gebaut wurden. Vergleicht man einige Seiten weiter hinten im Buch die
Zahl mit der Aufschlüsselung der Fahrgestellnummern, kommt man bis 1973
allerdings nur auf 158 SFCs. Für
die zweite Serie gibt das
Buch 222 Fahrzeuge an,
nach der Nummerntafel müssten es für 1974 aber 230 Production-Racer
sein, und die letzte Serie lässt
er 160mal vom Band rollen, der Statistik nach waren es aber 161
Einheiten. Was dem Autor dieser Zeilen schleierhaft vorkommt, kann
auf anderem Gebiet auch bewanderten SFC-Kennern passieren. Geht
es um die Zuordnung originaler SFC-Bauteile, haben zwei Personen zwei
Meinungen, gesellt sich ein weiterer Spezi
hinzu, sind es gleich drei Meinungen.
Wobei jeder für sich aber auch recht haben kann. Die SFC wurde zwar in
Serie gebaut, doch Extrawünsche haben die Laverdaleute immer berücksichtigt.
Das Informationschaos war somit vorprogrammiert. Und deshalb sei an
dieser Stelle darauf verwiesen, dass alle Recherchen für diesen Bericht
nach bestem Wissen und Gewissen gemacht wurden, und ohne die tatkräftige
Unterstützung der beiden SFC-Experten Andy Wagner und Hans Tuscher wäre
dieser Artikel auch kaum möglich geworden. Danke schön!
Bevor es aber ans Eingemachte geht, ein kurzer Rückblick in die
Firmengeschichte. Den ersten großvolumigen 650er OHC-Viertakt-Twin präsentierte
das italienische Werk 1966 auf der Earl's Court Motorshow in
London.
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650ccm
Laverda 1966 |
100ccm
Laverda 1958 |
Es
war eine echte Sensation, schließlich gab es von Laverda bis dato nur kleine
Maschinen mit maximal 200 Kubik. Den Hauptumsatz machte das Werk nämlich mit
der Fertigung von Landmaschinen, und das bereits seit 1873. Das wäre
sicherlich auch so geblieben, wenn nicht im Nachkriegsitalien ein gigantischer
Bedarf an motorisierten Zweirädern bestanden hätte. Francesco Laverda, ein
Enkel des Firmengründers Pietro Laverda, begann Ende 1948 mit der Produktion
von Einzylinder-Viertakt-Motorrädern
mit 74 ccm. Im Laufe der Jahre folgten Touren- und Sportmaschinen mit 100, 125
und 200 ccm.
Im Rennsport war der Name Laverda bald nicht mehr wegzudenken.
Mitte der sechziger Jahre war im alteingesessenen Familienunternehmen ein
Generationswechsel angesagt. Nun waren es die Söhne Massimo und Pietro
Laverda, die die Geschäftsführung übernahmen. Beide hatten vom Vater
Francesco Laverda die Motorradbegeisterung geerbt.
Massimo besaß eine BMW R 69 S
und eine 1000er Vincent Black Shadow. Für die Ausweitung des Export-Geschäftes
besuchte der clevere Nachwuchsmanager Anfang der sechziger Jahre die USA. Es
war genau die Zeit, als die Japaner
begannen, mit Siebenmeilenstiefeln den Markt zu erobern. Allen vorweg Soichiro
Honda mit pfiffigen Viertakt-Bikes von 50 bis 305 ccm. Kaum zu Haus, setzte
Massimo Laverda seine Idee für den Bau eines großen Motorrades durch. Es
wurde eine 650er OHC-Zweizylinder-Viertakt-Maschine mit 50 PS, Fünfganggetriebe
und E.-Starter. Die optische und technische Ähnlichkeit mit der Honda CB 77
Super Hawk 305 war allerdings verblüffend. Doch das störte in Italien damals
niemanden. Etwa 100 dieser 650er Laverdas verließen das Werk, ab 1968 vergrößerte
man den Hubraum auf 750 ccm.
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SF-Bremse |
750er-von
1970 |
1969
kamen die 750 GT Gran Tourismo
und 750 S Sportivo auf den Markt. Die
750 S fuhr sich mitten ins Herz der Italofans. Der 60 PS starke Parallel-Twin
brachte das gut 220 kg schwere Bike auf über 170 Sachen. Genug Power und
Speed, um sich mit ihr sportlichen Wettkämpfen zu stellen. Allerdings mit
einem Wermutstropfen, die Bremsanlage musste einiges an Kritik einstecken.
Und so kam es, dass Laverda 1971 der 750er selbstkonstruierte
Duplex-Trommelbremsen spendierte und im gleichen Atemzug die
Modellbezeichnung in 750 SF (Super-Freni) umbenannte. Speziell für die oben
beschriebene Produktionsmaschinen-Rennklasse entwickelte man parallel zur SF
die in limitierter Stückzahl gebaute 750 SFC.
Die Fertigung der SFC-Baureihe erfolgte in
drei Serien. 1971-73 entstand die erste, 1974 die zweite und 1975-76 die
dritte Serie. Aus der ersten Serie stammen die Modelle mit den Trommelbremsen
und Amal-Vergasern, zusätzlich wird sie noch
in die 5000-, 8000- und 11.000-Reihe unterteilt.
Und das erklärt sich so: Innerhalb der Fahrgestellnummern 5612 bis 7980
wurden die ersten 20 SFCs gefertigt, das nächste Los mit 103 Racern entstand
zwischen den Fahrgestellnummern 8223 und 10.793, und in der Spanne der Nummern
11.077 bis 16.596 wurden die nächsten
35 Maschinen gebaut. In der Praxis lief das so ab: Lagen genügend
Bestellungen vor, wurden auf dem Produktionsband, das eigentlich für die 750
SF reserviert war, die gewünschten SFCs zusammengesteckt. Motorräder für
die Laverda-Rennabteilung bezog man ebenfalls aus dieser Fertigung.
Gemäß damals gängigen Tuningmaßnahmen
brachte man Motor und Fahrwerk auf die Sprünge. Als Basis für den SFC-Motor
diente der neue 750 SF Triebling. Der Hubraum von 744 ccm, das
Bohrung-mal-Hubverhältnis von 80 x 74 mm
sowie die Verdichtung von 9,6:1 blieben unverändert. Augenmerk
schenkte man dem Zylinderkopf. Die
Einlassventile wurden von 38 auf 41,5 mm und die Auslassventile von 34 auf
35,5 mm vergrößert, beide Einlasskanäle poliert, Kipphebel erleichtert und
ebenfalls poliert. Große Mühe machte man sich auch mit dem Kurbeltrieb. Der
Welle spendierte man verstärkte
Rollenlager, Kurbelwangen und Pleuel wurden aalglatt poliert. Ein weiterer
Schritt zur Leistungssteigerung war das Vergrößern der Krümmerrohre von 38
auf
40 mm. Ausgeliefert wurde die SFC mit einer gedämpften 2-in-2
Auspuffanlage, für den Renneinsatz gab es offene Megaphon-Endrohre. In der
gesamten ersten Serie waren für die Gemischaufbereitung zwei 36er MK1
Amal-Concentric-Vergaser zuständig, die allerdings weder Choke noch
Luftfilter hatten, was beim Starten manchmal Probleme bereiten konnte. War das
Triebwerk noch kalt, dauerte es einige Zeit, bis der Motor willig Gas annahm.
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Da diese
Vergaser eine spanische Lizenzfertigung waren, kann es heute bei der
Ersatzteilversorgung zu Schwierigkeiten kommen. Eine SFC
aus der ersten Serie mit dieser
Amal Bestückung ist daher äußerst selten. Hinsichtlich der
Nebenaggregate vertraute man bei der SFC auf die bewährte
Bosch-Lichtmaschine und
-Anlasser. Das Getriebe wurde modifiziert und erhielt einen rennmäßig
länger übersetzten ersten Gang. |
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Beim
Rahmen blieb die Verwandtschaft zur Serie enger. Lediglich im Schwingenbereich
wurden zusätzliche Verstärkungsbleche eingeschweißt. Als Lagerung für die
Hinterradschwinge sorgten anstelle der Silentblöcke nun Bronzebuchsen. Ans
Fahrwerklackieren dachte bei Laverda keiner, dafür wurden die Rohre
sandgestrahlt und grob verzinkt. Das war für den Rennbetrieb vielleicht
praktisch, optisch gab es jedoch wenig her. Hauptständer, Batterie- und
Verkleidungshalterung waren dagegen schwarz lackiert. Die Telegabel mit 35 mm
Standrohrdurchmesser sowie die dreifach verstellbaren Federbeine kamen vom
Zubehörspezialisten Ceriani. Als Stopper dienten vorne und hinten die bei
Laverda entwickelten und gebauten
230 mm Duplex-Trommelbremsen. Besonderes Merkmal dieser Anlage war die direkte
Betätigung der Bremsschlüssel über den Bowdenzug.
Diese Trommelbremsen wurden nur in der 5000-Reihe verwendet. Das gleiche
gilt auch für den handgedengelten 23-Liter-Alu-Tank. Typisches Merkmal für
die gesamte SFC-Baureihe wurde die
Oberteilverkleidung mit den beiden Flügeln am Verkleidungsende, sowie der
Rennhöcker, die beide aus GFK gefertigt waren. Die Seitenabdeckungen waren in
der ersten Serie aus Blech gemacht. Zur
Rennausstattung gehörten Stummellenker und hintenliegende Fußrasten. Die Fußbremse
saß links, das Fünfganggetriebe ließ sich rechts über eine Schaltwippe betätigen.
Als überflüssig betrachtete man Tachometer, Blinklampen, Rückspiegel
sowie Lenk- und Zündschloss. Um Saft auf die Anlage zu bekommen, wurde das
Stromkabel einfach auf eine im linken Rahmendreieck befindliche
Steckverbindung gesteckt. Für die Nachtfahrten diverser
24-Stunden-Rennen war die SFC allerdings serienmäßig mit Scheinwerfer
und Rücklicht ausgestattet. Sogar eine Hupe war vorhanden. Im Cockpit ging es
spartanisch zu, nur ein Smiths-Drehzahlmesser gehörte
zu Ausstattung. Hatte man beim Rahmenlack gegeizt, waren Gabeltauchrohre, Radabdeckung, Gabeljoche, Tank, Seitenabdeckungen,
Sitzbank und Schwinge in grellem Orange lackiert. Laverda erklärte diese
Lackierung zur hauseigenen Rennfarbe, Neunmalkluge behaupteten dagegen, dass
es in der Laverda-Landmaschinenabteilung zuviel von dieser Farbe gab. Was
stimmt, wissen die Götter. Fahrfertig brachte die 750 SFC 210 Kilogramm auf
die Waage, gut 10 kg weniger als die 750 SF. Laut Werksangabe lag die
Motorleistung bei 70 Bhp bei 7200/min, was eine Spitze von 220 km/h bedeutete.
Bereits in der 8000-Reihe ließ man der SFC erste Modifikationen
zukommen. Den Tank fertigte man nun aus GFK, und die Bremsnocken der
Laverda-Duplex-Trommelbremsen wurden jetzt zwangsweise über ein Gestänge
aktiviert. Neu war auch die Ölpumpe. Die Zahnräder hatte man von 6 auf 9 mm
verbreitert. In der 11.000-Reihe
waren weitere Verbesserungen fällig. Der Durchmesser der Schwingenachse wurde
von 14 auf 16 mm und der der Hinterachse von 17 auf 20 mm vergrößert. Nur in
dieser Baureihe waren die vorderen Halterungen direkt an die Innenseite der
Verkleidung einlaminiert. Bei allen
anderen SFCs wurde die Verkleidung mit der Halterung verschraubt. Ein Großteil
der Kundschaft ließ die SFC gleich ab Werk mit dem Super-Stopper von Ceriani
ausstatten. Schließlich vertraute auch das
MV Agusta Racing-Team auf diese Doppelduplex-Trommelbremse.
Ab 1974 ließ Laverda die zweite Serie vom
Band rollen.
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Motor
der zweiten Serie von 1974 |
Zweite
Serie SFC mit Scheibenbremsen |
Genau
genommen war es ein neues Motorrad. Das Rahmenheck hatte man gut 40 mm
abgesenkt, was die Sitzhöhe merklich verringerte. Die Schwinge war im Bereich der
Hinterradachsaufnahme verstärkt worden, die Federbeine standen im Vergleich
zum Vorgängermodell etwas flacher. Eine
vollkommen neue Form hatte der 25-Liter-GFK-Tank.
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25-Liter-GFK-Tank |
Hinten
führte er flach zur Sitzbank runter, vorne umschloss er den Steuerkopf. Auch
die Seitenabdeckungen aus GFK waren neu, sie saßen nun passgenau im
Rahmendreieck. Im Cockpit gab es zum
Smiths-Drehzahlmesser nun auch ein Zündschloss sowie die Batterieladekontrollampe.
Die Vorderradführung übernahm eine neue Ceriani-Telegabel mit 38 mm
Standrohrdurchmesser, und für die Verzögerung sorgten nun am Vorderrad 280er
Brembo-Doppelscheibenbremsen. Am Hinterrad saß ebenfalls eine 280er
Brembo-Scheibenbremse. Weiterhin verwendete Laverda
Speichenräder mit Borrani-Hochschulterfelgen, die hintere Radnabe ließ man
jetzt aber aus superleichtem Magnesium fertigen.
Auch das Triebwerk konnte zahlreiche Modifikationen aufweisen.
Neue Mondial-Kolben erhöhten die Verdichtung auf 9,8:1, die Kurbelwelle war
abgespeckt, die Pleuel auf Hochglanz poliert. Die Ventilschäfte hatte man von
8 auf 7 mm Durchmesser verringert. Neu waren auch die offenen 36er PHB
Dell`Orto-Vergaser. Gegenüber den Amals standen sie etwas steiler, waren mit
Choke aber ohne Beschleunigerpumpen ausgestattet. Der geänderte Kurbeltrieb
und die neuen Vergaser brachten dem Motor eine bessere Charakteristik. Er
sprang leichter an und war spürbar drehfreudiger. Nach erfolgreichem Tuning
leistete das Triebwerk nun 75 Bhp bei 7500/min.
Dritte
Serie
SFC-Electronica
Die
dritte und letzte SFC-Serie lief ab März 1975 vom Montageband in Breganze.
Und
da die 389te SFC die Rahmennummer 18.283 erhielt, wird die dritte Serie auch
als 18.000-Reihe bezeichnet. Bei dieser Modellreihe hatte man sich verstärkt
um das Triebwerk gekümmert. Anstelle der Kontaktzündung sorgte nun eine
elektronische Bosch-Anlage für den rechten Zündzeitpunkt. Diese
Modernisierung war allerdings mit erheblichem konstruktivem Aufwand verbunden.
Für den erforderlichen Pickup musste der linke Kurbelwellenstumpf verlängert
werden, wodurch man ein neues, aus Magnesium gefertigtes Primärgehäuse benötigte. Im gleichen Aufwasch kümmerten sich die Konstrukteure um den
Zylinderkopf. Bisher waren die Brennräume mit Graugusskalotten ausgestattet.
Ab der Electronica verzichtete man darauf. Leicht erkennbar ist der neue
Zylinderkopf am flachen Winkel der Zündkerzengewinde.
Diese Änderung machte man, damit die Elektrode näher an das Zentrum des
Brennraumes kam, was eine bessere Entflammung des Gemisches bewirken sollte.
Die neue Brennraumgestaltung sowie neue Kolben erhöhten die Verdichtung auf
10.5:1. Um der höheren thermischen Belastung Herr zu werden, bekam der Motor
einen Ölkühler spendiert.
Nächste und zugleich letzte
Evolutionsstufe wurden Alu-Gussräder, die allerdings nur in den letzten 30
SFCs eingebaut wurden. Ein großes Kapitel italienischer Motorradgeschichte
war damit beendet.
Im Langstreckenrennsport hat die SFC längst nichts mehr zu melden. Ihre Blütezeit
erlebte sie Mitte der siebziger Jahre. Erfolge in Oss, bei der Bol d`Or, in
Zeltweg, in Barcelona, bei der Mille
Miglia in Imola oder den 24-Stunden von Francorchamps machen sie
unvergessen. Ein fester Platz in der
Laverda-Fan- und Sammlerliga ist ihr ebenfalls sicher. Vorausgesetzt es ist
eine Originale, Imitationen gibt es zwar auch reichlich, doch von denen will
man in diesen Kreisen nichts wissen.
Text:
Winni Scheibe
Fotos: Scheibe, Werk
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