Seit Beginn der
motorisierten Fortbewegung trafen sich sportbegeisterte Fahrzeuglenker,
um mit ihren Vehikeln um die Wette zu fahren. Als die Technik noch in den
Kinderschuhen steckte, mussten die Akteure nicht nur gut Gas geben,
sondern auch gut schrauben können. Beim Plattfuß, Kettenriss oder Zünddefekt
war die Devise "selbst ist der Mann" angesagt. Zwischen Start
und Ziel lagen nicht nur anstrengende Etappen, sondern meist auch mühselige
Reparaturpausen.
Mit
Weiterentwicklung der Fahrzeuge wuchs die Zuverlässigkeit. Im Alltag
und im Rennsport. Auf den Rennstrecken plagten die Piloten und ihre
Mechaniker nun allerdings andere Probleme. Das genaue Einstellen der
Vergaser und Zündanlagen von den immer leistungsstärkeren und höher
drehenden Triebwerken war eine diffizile Angelegenheit. War der Motor
falsch abgestimmt oder wurde er durch Unachtsamkeit überdreht, konnte
es schon mal Kleinholz geben. Für die Rennfahrer etablierte sich der
Drehzahlmesser zum wichtigsten Informationsinstrument.
Anfang der
sechziger Jahre waren die Motorradfreunde Horst Seel, Hans Scharenberg
und Wolfgang Kröber mit ihren Moto Cross Maschinen oft im Gelände
unterwegs. Für den Elektroingenieur Kröber eine willkommene
Abwechslung zum stressigen Berufsleben. Seel und Scharenberg dagegen
betrachteten die Geländefahrerei als Konditionstraining für ihre Straßenrennaktivitäten.
Spaß stand bei ihnen an erster Stelle. Doch mit dem war es schlagartig
vorbei, wenn nach einem "Abflug" neben der Maschine die
Brocken herunterhingen. Besonders ärgerlich war es, wenn der
Winkelantrieb für die Drehzahlmesserwelle beschädigt wurde. Und so kam
man auf die Idee, dass ein elektrischer Drehzahlmesser her musste.
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Testlauf
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In der Werkstatt
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Da es in der
damaligen Zeit solch ein Bauteil weder von den Fahrzeugherstellern noch
von der Zubehörindustrie zum Nachrüsten gab, machte sich Wolfgang Kröber
kurz entschlossen daran, dieses Messinstrument selbst zu entwickeln. Er
tüftelte einen Schaltplan aus, mit dem die Zündimpulse geglättet und
mit einer Zehnerdiode stabilisiert wurden. Die Spannungsspitzen waren nun
gleichbleibend groß, hatten aber noch die
"drehzahl-proportionale" Frequenz und gelangten schließlich
in einen Kondensator. Der hier aufgenommene Strom war "frequenz-
sowie drehzahlproportional" und wurde über einen Gleichrichter zum
Messinstrument geleitet. Einen zusätzlichen Betriebstrom brauchte der
Kröber-Drehzahlmesser nicht. Die "drehzahl-proportionale"
Zeigerbewegung über dem Zifferblatt zeigte die Motordrehzahl haargenau
an. Eine Tugend, die den bisherigen Motorradinstrumenten zum Teil
weitgehend fremd war.
Diese Technik
hatte Kröber in einem stabilen Kunststoffgehäuse verpackt und gegen
die zerstörenden Motorvibrationen in Gummiblöcke am Motorrad
befestigt. Schnell stellte sich heraus, dass das Ding narrensicher
funktionierte. Bei dem Prototyp sollte es nicht bleiben. Kröber tüftelte
weiter und war bald so weit, dass mit sechs verschiedenen Schaltungen
sich alle damaligen Motorräder mit diesem elektronischen Drehzahlmesser
ausstatten ließen. Die Nachfrage war enorm. Und so kündigte Wolfgang
Kröber seinen Job und machte sich 1964 mit der Produktion der Messinstrumente
selbständig. Wie genial dieser Drehzahlmesser ist, beweist die
Tatsache, dass das Gerät heute noch genauso wie vor 30 Jahren gefertigt
wird. Lediglich das Gehäuse änderte man 1971.
Wolfgang Kröber ist aber nicht nur durch seine Drehzahlmesser weltberühmt
geworden. Mitte 1968 entwickelte der Elektrofuchs eine kontaktlose
Zündanlage. Auf einer Grundplatte waren Magnet, Ladeanker und Impulsgeber
befestigt. Drehte sich das am Kurbelwellenstumpf angeschraubte Leitstück
über den Magneten, wurde der Kondensator in der
Zündbox aufgeladen. Wischte kurze Zeit später das Leitstück über den
Impulsgeber, erfolgte der Zündfunke an der Kerze. Im Vergleich zu
herkömmlichen Anlagen verfügte die Kröber-Zündung über 30 Prozent mehr
Leistung und arbeitete wartungsfrei. Der sonst erforderliche
verschleißfreudige Unterbrecherkontakt und die mechanische
Fliehkraftverstellung waren nicht mehr erforderlich.
Große Beachtung fand die neue kontaktlose Zündanlage im Frühjahr 1969 nach
einem Bericht in der Fachpresse. Um die Zuverlässigkeit des Systems unter
Beweis zu stellen, spritzte der Jungunternehmer die freiliegende Anlage mit
einem Wasserstrahl pudelnass. Bei dieser Dusche lief der Maico Motor ohne
Zündaussetzer tadellos weiter. Die neue Zündanlage war wartungsfrei, robust
und obendrein auch noch wasserfest.
Genau wie der
Drehzahlmesser ließ sich das neue Zündsystem fast an jedes Motorrad
bauen. Es gab Anlagen für Magnet- oder Batteriezündungen, für Ein-,
Zwei-, Drei-, Vier- und Sechszylinder-Motoren, für Zweitakt- und für
Viertakt-Triebwerke.
Im Rennsport waren
die Drehzahlmesser und Zündanlagen von Kröber bald nicht mehr
wegzudenken. Ob im Junioren-Pokal, der Deutschen-Meisterschaft oder
Weltmeisterschaft, Eigenbau-Rennmaschinen, Produktions-Racer und
Werksmaschinen wurden mit den elektronischen Bauteilen aus Winningen an
der Mosel ausgestattet. Die Liste der Erfolge füllt Buchbände. Aber
auch bei den Straßensport- und Tourenfahrern waren die zuverlässigen
Kröber-Geräte beliebt.
1981 verstarb der
begabte Elektronen-Dompteur. Herbert Pitsch, seit 1969 als technischer
Leiter verantwortlich, übernahm den Betrieb und machte sich 1988
selbstständig. Gemeinsam mit seinem Sohn Uli und drei Mitarbeitern kümmert
er sich um die Produktion und Wartung der Kröber/Pitsch Produkte.
"Motorradfahrer,
die vor 25 oder 30 Jahren einen Kröber-Drehzahlmesser oder eine Zündanlage
gekauft haben, brauchen um den Service nicht zu bangen," verspricht
Herbert Pitsch. "Selbst für die alten Geräte haben wir noch genügend
Ersatzteile und können sie reparieren. Darüber hinaus betreuen wir während
der Saison im Fahrerlager von VFV-Oldtimer-Veranstaltungen und bei DM-Läufen
alle Piloten, die mit unseren Pitsch-Produkten unterwegs sind."
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Adresse:
Herbert Pitsch
Wilhelmstraße 29
56333 Winningen
Tel.: 02606 - 15 38
Fax: 02606 - 23 38
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Text: Winni Scheibe
Fotos: Winni Scheibe, Peter Frohnmeyer