| Honda CBX 1000 |
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| Sex-Sixty | ||||||
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Mit
den sensationellen Sechszylinder-Werksmaschinen holte Honda 1966 und
1967 gleich vier WM-Titel in Reihe. Als das Werk zehn Jahre später die
CBX 1000 präsentierte, war die technische Ähnlichkeit mit dem
erfolgreichen Rennmotorrad verblüffend. Auch die CBX schrieb
Motorradgeschichte. Allerdings nicht als 105 PS starker Kraftmeier,
sondern als Urheber des bei uns vereinbarten
100-PS-Limits.
Der
Oberst war stinkesauer. Bereits zum dritten Mal meldeten ihm die Wachen
unbekannte Personen im Sicherheitsbereich. Seine Geduld war nun am Ende,
er befahl, sie sofort festzunehmen. Wenig später standen sie vor ihm.
Und tatsächlich, die Männer waren Spione. Ausgerüstet mit kleinen
High-Tech Tonbandgeräten, auf denen sie klammheimlich die Geräusche
der auf dem Militärflugplatz stationierten Phantom-Düsenjäger
aufgenommen hatten. Der Offizier ahnte Staatsverrat, wusste, dass den
Leuten der Galgen drohte. Doch soweit kam es zum Glück nicht. Es
stellte sich nämlich heraus, dass die drei Agenten in Wirklichkeit
Honda-Ingenieure waren, die im Auftrage ihrer Firma die Jet-Akustik
stibitzen sollten. Wofür der Krach jedoch gebraucht wurde, erfuhr
der Kommandeur vom Hyakuri-Luftwaffenstützpunkt leider nicht. Das wäre
schließlich ein Werksgeheimnis, verkündeten die Honda-Techniker stolz,
und wenn sie das verraten würden, könnten sie gleich Harakiri machen.
Honda
war in Zugzwang gekommen. Alle Welt sprach nicht mehr von der CB 750
Four oder gar GL 1000 Gold
Wing, die Motorradkundschaft balgte sich um die Kawasaki Z 1000, Suzuki
GS 750 und Yamaha XS 750. Im
gegenseitigen Leistungs-Wettrüsten musste der weltgrößte
Motorradhersteller unbedingt ein Brikett nachschieben. Die Order an die
Entwicklungsabteilung war daher kurz und bündig: Baut sofort ein Überbike!
Ob das neue Superbike vier oder gar sechs Zylinder bekommen sollte, war
man sich zunächst nicht einig. Letztendlich fiel die Entscheidung
jedoch für das halbe Dutzend. Chefentwickler wurde Soichiro Irimajiri, jener grandiose Ingenieur, der Mitte
der Sechziger die Sechszylinder-Werksrenner
konstruiert hatte. Mit diesen Drehorgeln - das nutzbare
Leistungsband lag zwischen 14000 und 18000/min (!) - war Mike the
Bike Mike Hailwood 1966 und 1967 in der 250er und 350er-Klasse
Weltmeister geworden.
Mit
der CBX war Honda ein weiterer Meilenstein in der Motorradgeschichte
gelungen. Das Bike leistete 105 PS, war 274 kg schwer und brachte es
auf 225 Stundenkilometer. Die Leser der Fachzeitung MOTORRAD wählten
den Überhammer gleich zum Motorrad des Jahres, und im ersten
Verkaufsjahr 1979 ließen sich rund 1600 Maschinen allein in Deutschland
absetzen. Doch den Kuchen mit der Sechszylinder-Kundschaft musste
sich Honda mit Kawasaki teilen. Japans kleinster Motorradhersteller
hatte bei der IFMA 1978 nämlich die Z1300 vorgestellt. In jeder
Hinsicht übertraf der Koloss die CBX. Bei der Z1300 war der Sechszylinder-Reihenmotor sogar wassergekühlt,
der Hubraum betrug 1286 ccm, die Leistung lag bei 120 PS, das Big-Bike
war 318 kg schwer und lief 220 km/h. Die CBX 1000 gab es für 11.262
Mark, wer die Z1300 wollte, musste 12.228 Mark ausgeben. Teurer im
Motorradangebot 1979 waren nur noch die Münch-4 TTS-E
für rund 26.000 Mark und die 1100er MV Agusta für fast 30.000
Mark. Die
beiden japanischen Hersteller hatten die Rechnung aber ohne den Wirt
gemacht. Nicht, dass das Kartellamt etwas gegen die hohen Preise gehabt
hätte, in diesem Fall waren es fachkundige Sicherheitsexperten, die in Deutschland schwarz auf weiß belegen
konnten, dass
Motorräder, wenn sie mehr als 100 PS Leistung hätten, viel zu gefährlich
wären. Auch verdichtete sich das Gerücht, dass die Bundesregierung
beabsichtigte, demnächst nur noch Maschinen mit maximal 75 PS
zuzulassen. Schöne
Aussichten! Um dem zuvorzukommen, trafen
sich ganz schnell Sachverständige, Experten, Politiker, Hersteller und
Importeure und vereinbarten ein Leistungs-Limit von 100 PS. Motorräder
mit mehr Kraft unter dem Tank sollten in Zukunft speziell für den
deutschen Markt auf die vereinbarte Leistungsgrenze gedrosselt werden.
Ein Gentlemen´s Agreement, an das man sich heute allerdings nicht
mehr hält. Doch
zurück zum CBX-Wunderwerk. Der Motor war eine Wucht. Ohne Vibrationen
schickte er seine enorme Power seidenweich via Fünfganggetriebe und
Kette an den 4,25 V 18 Hinterrad-Reifen. Nichts gab es am Triebwerk
auszusetzen. Und dennoch war die CBX nicht das Gelbe vom Ei. So viel Mühe
man sich mit dem Motor auch gegeben hatte, das Fahrwerk kam da nicht
mit. Eine Telegabel mit nur 35 mm Standrohrdurchmesser, die in
Kunststoffbuchsen gelagerte Hinterradschwinge und mäßige Federbeine
waren in erster Linie für
das Desaster verantwortlich. Besonders beim Topspeed wackelte die
Six wie ein Lämmerschwanz.
Da halfen auch die neuen ComStar-Felgen
mit den erstmals verwendeten schlauchlosen Reifen wenig, die man zunächst
zum Sündenbock erklärte. Für
das Modelljahr 1980 wurde die CBX 1000 überarbeitet. Zu dieser Kur
gehörten
geänderte ComStar-Räder, das Speichenprofil zeigte nun nach außen,
eine luftunterstützte
Telegabel sowie nadelgelagerte Schwinge. Optisch unverändert blieb die
CBX weiterhin das Flaggschiff im Honda-Programm.
1981
kam als Weiterentwicklung die CBX 1000 ProLink auf den Markt. Bei dieser
Maschine sprach man nun nicht mehr vom Supersportler, sondern vom GT Gran Turismo - Modell. Und
wie es sich für einen echten 100 PS starken Supertourer gehörte, war
die neue CBX mit einer Oberteilverkleidung versehen. Eine stabile
Telegabel mit jetzt 39 mm Standrohrdurchmesser und die moderne Pro
Link-Hinterradführung mit einem zentral angeordneten Federbein sorgten
für angemessene Fahrstabilität. Die Neuauflage war allerdings auch um
etliches schwerer, vollgetankt drückte sie 293 kg auf die Waage, und
wer unbedingt den Sechszylinder-Brummer wollte, durfte nun dafür 14.165
Mark vom Konto holen. Doch die Tage der CBX 1000-Generation waren
längst gezählt. Wer eine sportliche Honda haben wollte, holte
sich die neue CB 1100 R, die Tourenfahrer entschieden sich für die Gold
Wing. Ende 1982 stellte das japanische Werk die Produktion der
Sechszylinder ein. Inzwischen
sind etliche Jahre vergangen, die CBX ist zwar noch kein Oldtimer, aber
mittlerweile ein begehrter Klassiker. Und wie es nun mal bei alten
Motorrädern so ist, stehen die CBX-Modelle aus der ersten Garnitur in
der Sammlerliste ganz oben. Wichtig ist nur, sie muss im Originalzustand
sein. So wie sie 1978 zu uns kam, mit 105 PS im Brief und dem
mangelhaften Fahrwerk. Heute bezeichnet man so etwas als Charakter,
liebt und schätzt es. Wer rasen will, hat sowieso neben der
Sechszylinder von 1978 eine RC45 von 1998 stehen.
Text: Winni Scheibe Fotos:Scheibe |
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