
In den 80er- und 90er-Jahren tingelte Martin Ziegler mit seinem lamngen Chevrolet Station Wagon von Rennstrecke zu Rennstrecke und hatte Kolben im Kofferraum, passend für 50er Kreidler, 500er-V4 und auch für hubraumgroße Crosser. Passende Kolbenringe dazu hatte er ebenso wie Kolbenbolzen, Lager und Sicherungsringe. Wer gerade mal nicht bezahlen konnte, dem gewährte er Kredit und die Tuningtipps gab's kostenlos.
Ziegler war schon in jungen Jahren ein begeisterter Techniker, arbeitete bei Mahle und van Veen; seine 80er-Ziegler-Rennmaschinen fuhren internatioinale Erfolge ein. In den 250er- und 500er-Werks- und Welmeister-Yamahas von Kenny Roberts' Fahrer Eddie Lawson, Wayne Rainey und John Koczinski waren Ziegler-Kolben eingebaut, weil die "japanischen Dinger zerbröselten wie nix" - die Japaner akzeptierte er, aber wenn sie miese Qualität lieferten, dann wusste er darüber bestens Bescheid und sagte es auch.
In den letzten Jahren hatte er sich etwas aus dem Geschäft zurückgezogen, die japanischen Kolben waren zu gut geworden. In kleinem Stil lieferte er noch Kolben für Maico, Yamaha TZ, Honda NS 500 & Co. Bis ihn drei Schlaganfälle so heftig aus der Bahn warfen, dass er halbseitig gelähmt war und sich nicht mehr selbst versorgen konnte. Ein Mann wie ein Baum im Bett des Cannstatter Pflegeheims - unvorstellbar, aber wahr, ein bemitleidenswerter Anblick. Im Spätjahr 2007 wurde er bettlägerig, konnte die Falle alleine nicht mehr verlassen; nur die Fernbedienung für den Fernseher hatte er voll im Griff. "Der Bartol zeigt's den Japanern mal wieder" war einer seiner Sprüche, wenn die KTM mal wieder vor den Hondas im Ziel waren und dann war er für kurze Zeit ganz der Alte. Mit dem österreichischen Haudegen Harald Bartol verband ihn eine enge Freundschaft, die eher eine Seelenverwandtschaft war: Beide wussten immer, wo's lang geht und sagten dies auch laut und deutlich; der Bartol noch immer (und hoffentlich noch sehr lange!), der Ziegler seit 27. April nicht mehr.
Martin wurde nur 65 Jahre alt. Das Ende der 500er-Zweitakter im Rennsport hat ihn ebenso aufgeregt wie das Schicki-Micki-Gehabe im Fahrerlager: "Die Viertakter brauchen doppelt so viel Hubraum, um so schnell zu sein wie die Zweitakter" - man wird ihn in Erinnerung behalten als einer, der vielleicht manchmal etwas zu laut war, aber immer ehrlich.
Die Welt hat ein weiteres Urgestein verloren.
FJS
http://www.classic-motorrad.de/FJS/Ziegler/ziegler.htm