Eigenbau-4-Zylinder Motorrad

ein Bericht von Dietmar Edel aus dem Jahre 2009

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Es begann mit der Geschichte über die HONDA 6-Zylinder CBX von Bernd Peck, wo auf einem Bild nur ganz unscheinbar das Heck des 4-Zylinder Eigenbaumotorrades zusammen mit Bernd Peck zu sehen war. Den Motor hatte ich schon einmal bei einem Bekannten gesehen und bei einem erneuten Besuch traf ich dort mit Andreas Peck (der Sohn von Bernd Peck) zusammen, der das Motorrad wieder zum Leben erwecken wollte. Als Vorbild diente die 4-Zylinder YAMAHA RD 05 A aus der Mitte der 60er Jahre, mit der Phil Read dann auch Weltmeister in der 250er Klasse wurde. Auch Bill Ivy war mit einem baugleichen Modell unterwegs.
So etwas sollte es werden, wenn auch in der damaligen DDR viele Dinge nicht so einfach erhältlich waren und deshalb mühsam selbst angefertigt werden mussten. Viele Freunde halfen dabei und Ende 1965/Anfang 1966 entstand ein erstes Eigenbau-4-Zylinder Motorrad mit einem Hubraum von 200ccm unter Verwendung von vier luftgekühlten 50ccm Moped-Zylindern.
Ein Anfang war gemacht, doch immer wieder war als Schwachpunkt die Zündanlage auszumachen und mehr Hubraum musste auch her, um dem Vorbild möglichst nahe zu kommen. Wie bei den YAMAHA-4-Zylinder Rennmaschinen, so waren auch bei dem Eigenbaumotorrad von Bernd Peck vier einzelne Kurbelwellen mit Zwischenwellen notwendig. Der Drehschiebereinlass wurde vom Original abgeschaut und entsprechend nachgebaut.
Bei der nächsten Umbauphase im Winter 1966/1967 wurden dann die liegenden Zylinder, die von Kreidler stammten und die stehenden Zylinder, die von einer 75ccm Simson GS Maschine waren, auf die gleiche Bohrung gebracht und eingebaut. Bei den sporadischen Renneinsätzen zeigte sich wieder einmal die unterbrechergesteuerte Zündanlage als besonderer Schwachpunkt des Eigenbaumotorrades.
YAMAHA RD 05 A li Andreas Peck re OLLI Oliver BurgkrafNachdem das Vorbildmotorrad, die YAMAHA RD 05 A, 1968 die 250ccm Weltmeisterschaft mit Phil Read gewann und dann die 4-Zylinder Motorräder in der WM nicht mehr erlaubt waren, kam Bernd Peck in den folgenden Jahren auf die Idee, eine Straßenzulassung für das Eigenbaumotorrad zu bekommen. Im Jahre 1974/75 war es dann endlich soweit, allerdings mit der Einschräkung der DDR-Behörden, dass das Eigenbaumotorrad nur vom Besitzer und Erbauer selbst gefahren werden durfte und ein evtl. Weiterverkauf nicht zulässig war.
Natürlich fiel das wunderbare Eigenbaumotorrad mit vier Zylindern bei jedem Treffen auf und 1976 gewann Bernd Peck dann den „Preis des besten Eigenbaus“. Nach dem Tod von Bernd Peck im Jahre 1980 gelangte das Motorrad in den Fundus des Motorradmuseums der Augustusburg, da man es dort ausstellen wollte.
Daraus wurde in all den Jahren aber nichts und so holte es Bernd Pecks Sohn noch vor der Wende wieder nach Hause zurück, um es als Andenken an seinen Vater wieder zum Laufen zu bringen. Viele Arbeiten mussten erledigt werden, denn durch die lange Standzeit war das Motorrad nicht lauffähig. Eckhard Finke aus Döbeln hatte damals das Getriebe für das Eigenbaumotorrad angefertigt und war jetzt 20 Jahre nach der Wende der Anlaufpunkt, um das Motorrad wieder zum Laufen zu bekommen. Der Motor wurde zerlegt und gereinigt und durch Einbau einer kontaktlosen Zündanlage ist jetzt ein zuverlässiger Motorlauf gewährleistet. Viel Arbeit war auch das Abstimmen der Vergaseranlage. Erste Probefahrten werden dann im Frühjahr durchgeführt werden. Sicher wird man den Eigenbau 4-Zylinder bei einigen Veranstaltungen in Aktion sehen und es bleibt zu hoffen, dass noch einige Motorsportfans historisches Bildmaterial von damals besitzen.


DSC 0003 Andreas Peck mit der 4 Zylinder

Text + Fotos: Dietmar Edel