Meine Geschichte der SZ-Melina
von Klaus de Monte

EINFÜHRUNGSRUNDE

Retro Classics 2019 in Stuttgart

Wie jedes Jahr präsentierten wir unser Oldtimer & Fahrzeugmuseum Engen auf einem eigenen Stand:

RUNDE 1 - „Das ist was, wo du dich auskennst!“

damit rief mich ein Clubmitglied zu einem Gespräch mit einem Besucher hinzu. Dieser Besucher, Oliver, erzählte mir von einer Rennmaschine, die er als Student von einem Herrn Dr. Szodfridt - Dozent an der Uni Stuttgart - geschenkt bekommen hatte. Weil das Motorrad aber nicht in seine Sammlung passe, möchte er es gegen etwas Altes tauschen; am liebsten eine NSU OSL. Ich erklärte ihm, wir sind ein Museum und können nichts tauschen.

Neugierig geworden, fragte ich trotzdem nach weiteren Details. Oliver gab Auskunft: „Das ist ein Eigenbau von einem Ingenieur, der bei Porsche in der Forschungs- und Rennabteilung gearbeitet hat. Er hat sie von ca. 1978-1980 gebaut - 500 ccm, V4, 90 Grad, Zweitakter, Drehschieber, 122 PS, Wasserkühlung, Bosch Elektronik-Zündung, Cantilever Fahrwerk, 120 Kg, Spitze 285 km/h...“

Ich konnte nicht glauben, dass jemand zu damaliger Zeit so etwas gebaut hat. Meine Augen funkelten. Ich musste diese Rennmaschine unbedingt haben! Ok, ich habe mir Olivers Adresse notiert.

sdr
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RUNDE 2
- Der Rennmotorrad-Prototyp wird nach 38 Jahren aus dem Dornröschenschlaf erweckt.

Wie könnte ich die Rennmaschine eintauschen? Mir fiel ein guter Freund ein, der auf meine Nachfrage zwei NSU OSL zum Restaurieren anbot. Ich besprach mich mit Oliver, der sofort begeistert war. Der Deal war beschlossen, das Rennmotorrad sollte mir gehören!

Die Welt ist klein. Als ich das Motorrad bei Oliver in Pforzheim abholte, kam heraus, dass er aus meiner Gegend stammte und ich seinen Vater kannte... Oliver hatte die Maschine jahrelang als Besonderheit in Ehren gehalten, gehütet und aufbewahrt. Zuhause nahm ich alles genau unter die Lupe; alles war in einem sehr guten Zustand, sogar der Motor drehte und die Gasschieber waren nicht fest.

RUNDE 3 - Die Recherche nach Informationen beginnt…

Wer war der Ingenieur Dr. Imre Szodfridt, und was kriege ich über die SZ-Melina raus? Im Porsche-Werk kenne ich einige Mitarbeiter, die ich befragen konnte. Sie kannten den Namen, hatten aber nie etwas mit ihm zu tun gehabt. Doch dann konnte ich die Tochter (Tina) von Imre ausfindig machen.

Sie fiel aus allen Wolken über die Nachricht, dass ich im Besitz der Maschine ihres Vaters bin. Sie kannte das Motorrad gut aus ihrer Kindheit – er war dauernd im Keller und seiner Werkstatt, um an diesem Motorrad zu werkeln. Voller Begeisterung machte sich Tina auf die Suche nach Unterlagen und wurde fündig. Es gab noch Original-Zeichnungen, Beschreibungen und Photos sowie Dias.

Auch das Rätsel um den Namen SZ-Melina konnte als Namenswortspiel gelöst werden: „SZ“ für Szodfridt, „Melina“ für die Töchter Melanie und Tina.

Die SZ-Melina ist 1980 zu Test-Zwecken auf dem Hockenheimring gelaufen, die damals der Rennfahrer Klaus Klein durchführte. Die Auspuffanlage fertigte Thomas Engel (seine Aufkleber waren auf den Dämpfern), der nach einem Anruf von mir noch einige weitere Photos schickte.

Imre wollte das Motorrad vermarkten; BMW hatte kein Interesse, die Japaner belächelten ihn, Van Veen hatte Zahlungsschwierigkeiten. So kam das Motorrad in den Dornröschenschlaf.

SZ MelinaSZ Melina 02
Testfahrten in Hockenheim mit Klaus Klein

ZIELGERADE - Die Maschine soll wieder laufen!

Ich bin froh, dass ich an das Einzelstück gekommen bin. Mit Zweitakter kenne ich mich sehr gut aus, darum ist es kein Problem die SZ-Melina wieder auf Vordermann zu bringen, um sie an Demo- und Paradenläufen zu präsentieren. In der Zwischenzeit ist sie in unserem Museum zu sehen: Oldtimer&Fahrzeugmuseum Engen e.V.

SZ Melina 08


ANLAGE - Hintergrund und Photomaterial zu Dr. Imre Szodfridt

Dr. Imre Szodfridt, 1930 in Györ/Ungarn geboren, erhielt 1955 sein Diplom an der TU Budapest. 1956 floh er nach Deutschland. Von 1971 promovierte er an der TU Budapest und erhielt 1974 seinen Doktortitel. Er war für diverse Automobilunternehmen tätig, von Omnibus, LKW, Motorrad, Goggomobil, Traktoren bis hin zu Rennsport und PKW. Nach Anstellungen bei VW und Daimler-Benz hatte er die maßgeblichen Erfolge bei Fa. Porsche, wo er von 1962 bis 1992 als Automobil-Konstrukteur eingesetzt war. Er übernahm einen Lehrauftrag „Konstruktive Studienarbeit“ an der TU Stuttgart und der Berufsakademie in Friedrichshafen. Dr. Szodfridt verstarb 2012 in Meersburg.

Er war spezialisiert auf Getriebe und Kupplungen für Rennzwecke und für die Serie. Er war maßgeblich an der Entwicklung des Motors und Getriebes des Porsche 917 beteiligt.

Unter anderem konstruierte er einen Taumelscheibenmotor (Photos vorhanden), der leider nicht mehr auffindbar ist. Es existieren auch Original-Zeichnungen von 1- und 2-Zylinder 2-Takt-Rennmotoren.

Er war ein genialer Konstrukteur und ist in über 50 Patenten genannt, wovon eines der faszinierenden das serientaugliche Porsche Doppelkupplungsgetriebe ist.


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