Technorama Kassel 2014

Wie jedes Jahr fand die Technorama in Kassel als Start in den Oldtimerfrühling statt. Dieses Jahr als 30jähriges Jubiläum.

Unter dem Motto "Gemeinsam ist man stark" stellten über 400 internationale Aussteller auf einer Ausstellungsfläche von 30.000m² aus. Von neun Hallen waren drei Motorradhallen und ca. 4 Oldtimer - und Teilemarkthallen. Damit ist das Hessens größter Oldtimermarkt, wo man am besten stöbern kann oder Erfolg hat, alte Auto- oder Motorrad-Teile zu finden. Außerdem standen über 50 Oldtimer und Youngtimer als Alltagsklassiker, Restaurationsobjekte oder als Wertanlagen zum Verkauf. Die meisten kosteten zwischen 10.000 € und 30.000 €.

Ein Messebesuch

2014-technorama-sonntag 060Nachdem ich mein Tagesticket für 10 € gekauft habe und durch den Eingang gegangen bin, bin ich in einer anderen Welt. Definitiv in einer Männerwelt. Natürlich sehe ich auch Frauen, aber es sind doch eher die Männer und Jungs, die staunend in Grüppchen um Autos oder Motorräder stehen, fachsimpeln oder in den Markthallen die vollgestopften Stände durchstöbern. Ich als Mädchen, das nicht in Begleitung eines Motorenbegeisterten unterwegs ist, falle auf und werde häufig mal angegrinst.

Auf dem Freigelände stehen viele Oldtimer, aber auch Stände mit fliegenden Händlern oder Bratwurstbuden. Ab und an schiebt sich ein Oldtimer durch die Menge. Ich stehe zwischen den Ständen und bestaune, wie aus einem alten VW-Bus, Tischen, Planen und vielen Kisten ein großer Verkaufsstand - angefüllt mit verschiedensten Gegenständen - entstehen kann.

2014-technorama-sonntag 083In den Hallen sieht es genauso aus: Oldtimer, Motorräder und Stände voller Ersatzteile, rostige Tanks, Getriebeteile, Motoren, Literatur, Modelle, Werkzeuge, Zubehör und Lederbekleidung. Menschentrauben lassen sich von Marktschreiern anlocken, die wortreich und mit vielen Gesten ihre Ware anpreisen. Von irgendwoher hört man immer laute Motoren knattern und es riecht nach Benzin und Leder. Startet ein Besitzer sein Motorrad, fängt sein ganzes Gesicht an zu strahlen. Mit ihm freut sich die um sein Motorrad versammelte Traube. Ich sehe überall die geteilte Leidenschaft: Jeder hilft jedem und viele Fragen können beantwortet werden. Überall fachsimpeln die Menschen (überwiegend die Männer) über Autos und Motorräder.

Ich bin sehr fasziniert von dem Treiben rund um die Stände. Ich habe jedoch erfahren, dass diese Stände leider immer weniger werden, seit virtuelle Märkte, wie z.B. e-Bay, den fliegenden Händlern Konkurrenz machen.

Moped Schrauber Cassel

2014-technorama-sonntag 134In den Hallen 10 und 11 befinden sich die Motorradliebhaber mit ca. 60 Marken- und Typen-Clubs, Interessengemeinschaften, Stammtischen, und Experten. Ich gehe zum Stand der Moped Schrauber Cassel. Es herrscht eine lockere Stimmung und gute Laune. Mehrere verschiedene sehr schön hergerichtete Mopeds und Motorräder stehen dort (zum Teil auf einem roten Teppich), allerdings auch neue Projekte, die noch sehr alt und verrostet aussehen. Es läuft Musik und an einer Wand werden Filme vom Moped fahren und Schrauben gezeigt. Die MSC-Mitglieder (19-21 Jahre alt) kann man daran erkennen, dass sie alle MSC-T-Shirts tragen. Einer von ihnen versucht seine Enduro, eine Honda XL, zu starten, doch sie springt trotz vielen Kickversuchen nicht an. Eine Traube bildet sich um ihn und alle versuchen zusammen ihm das Kicken beizubringen. Nach einiger Zeit mit Erfolg. Bei einem anderen Moped (einer Herkules K125 BW) haben sie den Auspuff abgeschraubt und sie ab und an gestartet. Das war ganz schön laut, aber alle haben sich gefreut.

Ich frage die Jungs, ob sie mir ein Interview geben können und sie sind sofort sehr offen.


Interview

Wie viel 2014-technorama-sonntag 125schraubt ihr an euren Mopeds?

Immer dann wenn es nötig ist. Also 7 mal die Woche und 24 Stunden am Tag!

Gute und schlechte Erfahrungen?

Dazu kann man nur sagen: Es gibt nur Gute!

Was reizt euch am Moped fahren?

Die Freiheit! Wenn man durch die Landschaft fährt, den Fahrtwind im Gesicht spürt und all das unterlegt mit dem Sound unserer Mopeds. Das ist schon schön.

Wie kam es zu der Gründung eures Vereins?`

Wir hatten Langeweile. Außerdem ist es möglich, dass ein wenig Alkohol bei der Idee, einen Verein zu gründen, nachgeholfen hat.

Wie viele Mitglieder habt ihr?

Also momentan sind wir acht. Der Frauenanteil beträgt 0%.

Wie seid ihr zum Moped fahren gekommen und wie viele Mopeds habt ihr?

Wir wollten mobil sein oder sind durch unsere Freunde zum Schrauben gekommen.

Das ist ganz unterschiedlich. Manche von uns besitzen nur eine Maschine und manche bis zu fünf Mopeds und Motorräder. Zusammen haben wir um die 20.

Wie seid ihr zu dem Stand auf der Technorama gekommen und kostet er was?

Wir haben mit einem Herkulessammler geredet, der uns dann den Stand organisiert hat. Dadurch, dass wir keine Händler sind, müssen wir nichts bezahlen.

Warum stellt ihr hier aus?

Weil es Spaß macht, wir unsere Mopeds präsentieren können und Anerkennung bekommen.

Welcher Stand gefällt euch abgesehen von eurem hier am besten?

Natürlich nur noch der Bier- und Bratwurststand!

Und zu guter Letzt: Wie würdet ihr die Technorama beschreiben?

Die Technorama ist teuer (weil es hier so viele tolle Sachen zu kaufen gibt), aber immer wieder ein Erlebnis!


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Text: Lucia Breindl, Fotos: Frohnmeyer
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