Rückblick
Zschorlauer Dreieckrennen 2014

Gianfranco BoneraDas Zschorlauer Dreieckrennen des 1. Auer MSC hat schon Tradition – dieses Jahr war es das 18. Mal. Und wieder war es eine gelungene Veranstaltung mit einem beachtlichen Staraufgebot, das von Gianfranco Bonera angeführt wurde. Bonera übernahm 1974 die zweite 500er MV Agusta von Giacomo Agostini und wurde so Teamgefährte von Phil Read. Gleich in dieser ersten Saison wurde Bonera Vizeweltmeister hinter Read – und wird immer wieder gefragt, ob er Read nicht hätte besiegen dürfen, um dessen Titel zu sichern. Und Bonera antwortet immer: „Wir waren ein Team und ich habe das gemacht, was für das Team das Richtige war.“ Auch 40 Jahre nach seinem Titel gilt offenkundig noch das Corporate Wording aus den 1970er Jahren.
Das furiose Ergebnis seiner ersten Saison 1974 konnte Bonera nicht wiederholen, 1975 stürzte er gleich zu Beginn der Saison, 1976 fuhr er auf einer Harley-Davidson – nicht lachen, damals war Harley in der 250er und 350er Klasse vor allem durch die Zusammenarbeit mit Aermacchi durchaus konkurrenzfähig –, 1977 wechselte er auf eine Suzuki, 1978 dann zu Yamaha. Aber die Top-Ergebnisse blieben aus und 1980 zog sich Bonera vom aktiven Rennsport zurück.
Heute ist er ein gern gesehener Gast bei Klassikveranstaltungen, der sich topfit präsentiert und schnelle Runden dreht. In Zschorlau zeigte er sich sowohl der F3 des Teams von Andreas Scheunpflug gewachsen als auch einer Benelli, die für ihn bereitstand. Mit Marken ist Bonera ja flexibel.

ZDR2014 E43F3058 FotoThorstenHornAußer Bonera waren auch in diesem Jahr wieder viele bekannte Fahrer der Einladung des 1. Auer MSC gefolgt: Jim Redman etwa, viele MZ-Fahrer, natürlich auch Lokalmatador Heinz Rosner. Er meinte bei der Ehrung am Samstagabend, er würde am Sonntag „eine weiche Welle“ fahren und dafür um Nachsicht bitten, denn Mittwoch ginge es ins finnische Imatra. Ich kann mich ja täuschen, aber besonders „weich“ sah mir nicht aus, was Rosner bei der Parade vor den vielen Zuschauern präsentierte.
Ein Wiedersehen gab es auch mit Ralf Waldmann. Waldi saß auf einer Kreidler Van Veen – und jagte Bonera einen ordentlichen Schrecken ein, als er auf einmal in dessen Wadenhöhe auftauchte und ihn außen überholte. Apropos Schrecken: Ich bekam einen ordentlichen Schrecken, als ich Dirk Raudies erkannte – ist das schon so lange her mit seinem Weltmeistertitel, das er klassiktauglich ist? Er ist es, seinen Titel gewann er 1993 mit neun Siegen in 14 Rennen. Auch nach seinem Abschied als aktiver Fahrer (1997) blieb er dem Rennsport treu. Er engagiert sich in der Nachwuchsförderung und ist Co-Kommentator bei Eurosport. Von der Atmosphäre in Zschorlau war er sichtlich überwältigt. Die Teilnehmer, die mit ihren historischen Motorrädern auf die Strecke gingen, beeindruckten ihn ebenso wie die Zuschauer, die wie immer mit Fotoalben und alten Programmheften geduldig anstanden, um ein Autogramm zu bekommen.
Die absolute Nähe zu den prominenten Fahrern macht das besondere Flair von Zschorlau aus, sei es im Fahrerlager oder an der Strecke. Ob Raudies sich davon hat anstecken lassen? Er sei, so erzählte er, seit seiner aktiven Zeit keinen Meter mehr Motorrad gefahren, außerdem lief die Honda wahrscheinlich gar nicht, sie müsste erst einmal startklar gemacht werden. Wir werden sehen, ob sich Raudies auch in den nächsten Jahren mit dem Schreiben von Autogrammen zufrieden gibt oder dem Beispiel von Waldi und anderen folgt, die offenkundig einen Mordsspaß daran haben, ihr Können auf Klassikveranstaltungen zu demonstrieren.

Ralf Waldmann, Lothar NeukirchnerNatürlich war das Starterfeld wie immer gut besetzt. Ob man nun für DKW schwärmt oder Yamaha, für MV Agusta, für die 50-ccm-Rennmaschinen oder vielleicht eher für Gespanne: Zschorlau bietet hochkarätig besetzte Teilnehmerfelder mit interessanten Motorrädern. Und damit man sich in den vielen Klassen und Typen gut zurecht findet, gibt es ja Lutz Weidlich, der schon seit Jahren die Läufe fachkundig kommentiert. Wie überhaupt das Drumherum in Zschorlau stimmt. Das Fahrerlager bietet genügend Platz, der Weg zum Vorstart ist kurz, die Logistik stimmt, die Organisation läuft reibungslos. Und dann klappt es auch mit der guten Stimmung. Also: wieder einmal klasse gemacht, lieber Auer MSC.

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 ZDR2014 E43F3043 FotoThorstenHorn  Dirk Raudies - Weltmeister 1993 - Honda 125ccm
 ZDR2014 E43F3126 FotoThorstenHorn  ZDR2014 E43F3227 FotoThorstenHorn
 Reiner Scheidhauer  2014-zschorlau 12
 2014-zschorlau 15  2014-zschorlau 28
 2014-zschorlau 42  Reinhard Hiller + Kurt Florin
 2014-zschorlau 52  Pommer, Rosner, Bonera, Redmann, Raudies
2014-zschorlau 58 ZDR2014 E43F3026 FotoThorstenHorn

  Text: Birgit Siekmann, Fotos: Thorsten Horn, Michael Sonnick
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