Fotoimpressionen von der Gedenkfeier
85. Geburtstag Helmut Fath am 24.05.2014

Ursenbach, das winzige Dorf im Odenwald, wurde durch Helmut Fath weltbekannt, weil er seine Vierzylinder-Renngespann-Eigenentwicklung „URS“ nannte, auch um dem Ort etwas zurückzugeben.
Schließlich waren seine jahrzehntelangen Entwicklungs-Arbeiten an Rennmotoren „mit Geräusch verbunden“, das nicht alle Ursenbacher begeisterte.
Ursenbach

Auf der LaRippenweierndstraße von Ursenbach nach Rippenweier testete Helmut Fath viele Jahre lang „schwarz“ seine Rennmotorräder.
Es gab halt damals Zeiten, in denen man bei solchen eigentlich illegalen Aktivitäten beide
Augen zudrückte.
Schließlic
h war er seit seinem sechsten Platz beim WM-Lauf auf der Solitude 1956 mindest schon im nördlichen Baden-Württemberg bekannt, und nachdem er die WM-Saison 1958 mit dem dritten Platz hinter dem Weltmeister Walter Schneider und dem Vize Florian Camathias abgeschlossen hatte, war er bekannt in der Motorsport-Welt. Da konnte er damals schon mit lokaler Unterstützung rechnen.

Piste Spitzkehre

Ein großes Kompliment von www.classic-motorrad.de an die Organisatoren, dass es für diese Veranstaltung zu Ehren von Helmut Fath gelang, eine Genehmigung für einige Stunden Sperrung der alten „Teststrecke“ zu bekommen!

OdenwaldBeschallung


Ausreichend beschallt war die Strecke auf jeden Fall, damit alle Besucher die Informationen über die Karriere von Helmut Fath und über das Programm der Gedenkfeier auf der Piste (wie sollte man Helmut Fath denn sonst feiern?) bekommen konnten.


WimmerURS URS Wimmer

Dieses URS-Gespann wurde vom Museum Hockenheim für diesen Tag zur Verfügung gestellt.
Es stammt jedoch aus der Zeit, als sich Helmut Fath bereits von seinem URS-Projekt getrennt hatte.
Es handelt sich um das von Rudi Kurth gebaute „Quasi-Monocoque“-Fahrwerk, das Fath’s Rohrrahmen ablöste.
Es wurde erfolgreich von Horst Owesle gefahren, der in seiner WM-Saison 1971 von Julius Kremer und von Peter Rutterford im „Boot“ unterstützt wurde. Das Gespann wird hier von Martin Wimmer studiert, einer von etlichen erfolgreichen Solo-Fahrern, für die Helmut Fath nach seiner Gespann-Karriere erfolgreich gearbeitet hat.

Martin Wimmer wies darauf hin, dass die Kerzengewinde der jeweils zweiten Zündkerze jedes Zylinders nicht bestückt waren. Im Fall von Regen, den es vormittags übrigens gab, könnte also Wasser in den Motor eindringen.
Das interessierte aber niemanden.
Der Motor soll gerüchteweise übrigens eh innen „hohl“ sein…..also könnten dann schon mal keine Pleuel etc. verrosten, falls Wasser in die Zylinder laufen sollte…..

CAT URS

Als Helmut Fath sich nach der URS-Epoche erfolgreich mit Zweitaktern beschäftigte und beträchtlich zu Phil Read’s 250er WM-Titel 1971 beitrug, lag es für ihn nahe, einen Zweitakt-Gespannrennmotor zu konzipieren.
Er verwar
f das KönFath2T Gespann2ig-Konzept des Vierzylinder-Boxers mit quer zur Fahrtrichtung angeordneter Kurbelwelle, das erst 1975/76 von Rolf Steinhausen zu zwei WM-Titeln pilotiert wurde. Faht’s Vierzylinder bekam also die längs angeordnete Kurbelwelle wie der bis zu dem Zeitpunkt erfolgreichste Gespannrennmotor, der BMW RS.
Mit seiner URS hatte er ge
nau dieses Konzept erstmals „ausgehebelt“.
Bei seinem neuen Zweitakt-Vierzylinder verwendete er allerdings keinen Kardan-Hinterradantrieb, sondern vertraute wie beim URS-Motor der Kette, für die er aber ein Kegelradgetriebe benötigte.
Leider langte es nicht zu eine weiteren WM-Titel für eine Fath-Konstruktion. Werner Schwärzels dritter Platz in der WM 1977 war aber trotzdem eine vorzeigbare Platzierung für das von ARO gesponserte Fath-Gespann.

Sitzprobe Fath2T Gespann
 2014-ursenbach 05 

Fath500Solo3 Fath500Solo

Die von Helmut Fath für den Gespannrennsport konzipierten Motoren wurden grundsätzlich auch in Solo-Fahrwerken eingesetzt.
Während das mit dem URS Viertakt-Vierzylinder noch zu einigen ausgezeichneten Platzierungen mit Fahrern wie John Blanchard, John Hartle, Karl Hoppe und Ferdi Kaczor führte, war der Vierzylinder-Zweitakt-Boxer schon zu sehr auf den Gespann-Einsatz zugeschnitten, um auch einen erfolgreichen Solo-Rennmotor darstellen zu können.
Dennoch beeindruckte der Motor auch im Solo-Einsatz durch konkurrenzfähige Spitzenleistung.

Fath500 Fath500Solo2

URS Metisse MetisseURS
MuenchURS
WimmerSoloURS  

Martin Wimmer studierte auch die Solo-URS, die von Helmut Sing vor vielen Jahren wieder aufgebaut worden war.
Nachdem er sie in der Zwischenzeit verkauft hatte, betrachtet er sie hier wieder einmal.

 

LangsamerAutofocus 2014-farwick-urs
 2014-ursenbach 04

Matthias Farwick betreut derzeit die Technik der Rickman-URS.
Er fuhr sie daher auch in Ursenbach.

  Münch

Helmut Fath verkaufte im Winter 1969/70 das komplette URS-Projekt an die Fa. Münch. Allerdings waren Friedel Münch und Helmut Fath kaum kompatibel, sodass die Kooperation bereits nach dem ersten WM-Lauf 1970 auf der Nürburgring-Nordschleife endete.
Das Gespann übernahm Host Owesle und Karl Hoppe trat für den Rest der Saison noch einige Male mit der Rickman-URS an, ohne jedoch nach dem vierten Platz am Nürburgring noch einmal WM-Punkte holen zu können. Horst Owesle konnte sich 1971 den WM-Titel sichern, und 1972 gab es noch einen letzten GP-Sieg für das nun von Chris Vincent eingesetzte URS-Gespann in Imatra. Damit war das Kapitel „Münch-URS“ auch abgeschlossen.

Muench MuenchMotor
HorexDevelopment

Wegen der Verbindung Fath/Münch gehört die Münch 4 natürlich zu dieser Veranstaltung. Diese Münch 4 – TTS/E 1400 mit Horex-Logo am Tank (Münch besaß damals die Horex-Markenrechte) stammt aus der Zeit, als Friedel Münch sich aus der Firma seines Namens verabschiedete, die er schon nicht mehr besaß. Er gründete die „Horex Motorrad GmbH“ und kümmerte sich um die Weiterentwicklung der Münch 4. Er hob den noch von der NSU-Konstruktion stammenden Hubraum von 1200 ccm nun zuerst auf 1400 ccm an, und er sah endlich ein, dass die Zeit der Trommelbremse im Speichenrad vorbei war. Also entwickelte er eine Alu-Guss-Felge mit Scheibenbremse.

MuenchFront MuenchVorderrad

MuenchNabe MuenchNabe2

Münch verkaufte die Räder auch an wenige Interessenten aus seinem Umfeld. Hier sehen wir eine Münch-Nabe im Vorderrad einer Norton Commando, allerdings in einer Version für Drahtspeichen-Felgen.

Motorräder der Besucher

DBK200 DBK200Front

Die 250er Version der Zündapp Derby mit Pressstahl-Rahmen, die DBK 250 erschien erst 1938 am Markt und ist daher heute im Gegensatz zur DB 200 nicht oft in der Veteranen-Szene zu sehen.


NSU Gespann NSU Gespann2
Die NSU 501 T-Modelle sowie die spätere 601 TS wurden stets als die unsportlichsten Motorräder bezeichnet, die NSU je gebaut hat. Dafür glänzten sie mit tadelloser Zuverlässigkeit, auf die NSU sogar noch in der Werbung der 50er Jahre hinwies.

NSU BlockSV


BSA B50 BSA B50CafeRacer

Die letzte BSA Gold Star B50 mit dem Blockmotor war schon immer eine von den Engländer-Fans gern genutzte Basis für einen Café-Racer-Umbau.


Fox  Fox2

Die NSU Fox, das erste moderne neue Leichtmotorrad in der deutschen Motorrad-Geschichte direkt nach dem Krieg, war der Traum von unzähligen jungen Leuten in der Zeit der gerade gegründeten Bundesrepublik.


 Kawa  

Schön, einmal wieder eine Kawasaki Zweitakt-Dreizylinder ohne „Krawall-Tüten“ zu sehen!


CB100Motor CB100

Nachdem Honda einige Jahre lang die S90 als kleinstes Leichtmotorrad über den 50 ccm-Modellen im Programm hatte, die eng verwand mit der SS50 war, wurde 1970 mit der CB 100 ein nett gestyltes Motorrad vorgestellt, das heute nur selten zu sehen ist.


 

Die Honda RC 166 (250 ccm) und RC 174 (297 ccm) Sechszylinder Racer haben sich tief im Gedächtnis der Viertakt-Racing-Fans verankert. Wenn also ein Café Racer-Umbau der Honda CBX geplant wird, wird meistens das Styling der RC-Modelle nachempfunden.

HondaFan
CBX RC166FakeFront CBX RC166Fake2
CBX RC166FakeHeck CBX RC166Fake
CBX RC166FakeHeck3 CBX RC166Fakelinks

 ZugaenglicheZuendkerzen  

Der moderne Café Racer orientiert sich natürlich an der Optik der zeitgenössischen Racer.
Gutes Beispiel: diese entsprechend modifizierte Yamaha RD 350 LC

  
Yammi80 Rare Yamaha GT80 Mini-Enduro, die steht auch nicht mehr an jeder Straßenecke herum.

YammiRD2 YammiRD

Die letzte Generation der klassischen luftgekühlten Yamaha RD.
Anschließend gab es noch das modernistische Styling der Modelle mit Alu-Gussrädern.


 V7Gespann  V7Gespann2
Die Guzzi-Modelle V7 / V7 Special / V7 850 GT gehörten zu den wenigen Modellen, die in den späten 60er und in den frühen 70er Jahren noch gespanntauglich waren und dementsprechend beliebt bei den Gespann-Fans waren.

RiemenCommando2 RiemenCommando

Nach den britischen Racern wie der Matchless G50 und der Norton Manx werden nun auch etliche britische Serienmotorräder leider auf Zahnriemen-Primärtrieb umgebaut.


 MAICOinUrsenbach  

„Sic transit gloria mundi“

Der Transporter des ehemaligen MAICO Historic Racing Team taucht immer wieder einmal auf.

DasOriginalAusUrsenbach  

Unglaublich, aber wahr:
In Ursenbach gibt es die Bäckerei Fath, aber es gibt keine verwandtschaftliche Beziehung zu Helmut Fath.


Werbung Natürlich wurde in Ursenbach auch die Veranstaltung in Walldürn am folgenden Wochenende beworben.

 Friedhof  HF
Ganz besonders an dem Tag ist ein Besuch des Grabs von Helmut Fath und eine Gedenkminute auf dem kleinen ruhigen Friedhof von Ursenbach ein Pflicht-Termin, vielleicht aber nur für mich, denn ich war dort ganz allein.
Ehrenbuerger Abschließend noch ein Blick auf das Helmut Fath-Ehrenbürger-Denkmal, dessen Einweihung wir hier ausführlich gewürdigt haben.

Text: Karl-Heinz Bendix, Fotos, Karl-Heinz Bendix, Patrick Richter
Ohne_Titel_1