Sonderausstellung Moped- und Rollermuseum Bad Peterstal
"Alles 80er"

Das Moped- und Rollermuseum Bad Peterstal im Schwarzwald besteht seit 2004 und hat in dieser Zeit jährlich eine Sonderausstellung auf die Füße bzw. Bühne gestellt.

001 Sonderausstellung LeichtkraftraederIm Jubiläumsjahr stehen die“80er“ im Mittelpunkt. Für 16jährige drehte sich ab Mitte/Ende der 1960er Jahre bis in die Mitte der 1970er Jahre alles um die 50ccm Kleinkrafträder vom Schlage einer Kreidler Florett RS, Maico MD 50, Zündapp KS 50 WC oder Hercules Ultra. Aus ehemaligen Mopeds waren fast ausgewachsene Motorräder entstanden. Geschwindigkeiten bis 100 km/h und durch technisch einfache mögliche Tuning-Maßnahmen auch darüber hinaus, führten dazu, dass viele der Kleinkraftpiloten in Unfälle verwickelt waren. Die Versicherungsbeiträge stiegen für Schüler und Lehrlinge in unerschwingliche Höhen.

1981 führte der Gesetzgeber in Deutschland die neue Klasse der Leichtkrafträder mit 80ccm und einer Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h ein, wobei die Höchstleistung bei max. 6.000 U/min abgegeben werden musste. Die Hersteller waren zu verschiedenen technischen Maßnahmen verpflichtet, die das „Frisieren“ erschweren sollten. Zum Fahren der 80er war der Erwerb des Führerscheines 1b, verbunden mit Theorieunterricht in der Fahrschule, Fahrstunden und einer Prüfung notwendig.

Die niedrigen Versicherungsprämien der Versicherungsklasse für Motorräder bis 10 PS sorgten für einen großen Zuspruch. Die Vertreter der ab Mitte der 1960er Jahre Geborenen und vor allem geburtenstarken Jahrgänge traten sich in den Verkaufsräumen der Händler beinahe auf die Füße. Die Unfallzahlen entwickelten sich aber wie bei den schnellen 50ern rasant nach oben und die Versicherungen zogen stetig nach. 1981 kamen rund 100.000 Leichtkrafträder neu in den Verkehr. Die Neuzulassungen stiegen in 1982 noch auf ca. 135.00 Modelle an, um dann auf 37.000 Maschinen in 1985 und auf noch lediglich 9.000 Einheiten in 1988 zu sinken.

Die deutschen und auch österreichischen Hersteller waren frühzeitig über die neuen gesetzlichen Vorgaben informiert und hatten auch die Hoffnung, wie bei den Kleinkrafträdern diesen Markt zu beherrschen. Es kam jedoch anders.

008 Kreidler Mustang 80 BJ 1981Kreidler erschien 1980 mit einer neuen Baureihe, geprägt von Zentralrohrrahmen und stehendem Zylinder statt dem klassischen Blechrahmen und liegendem Zylinder, zu spät auf dem Markt. Das Trio mit einer Straßenmaschine (der Name Florett wurde beibehalten) und einer Enduro (auch hier fand traditionell die Bezeichnung Mustang Verwendung) sowie einem Chopper zeichneten sich nicht unbedingt durch ein sportliches Design aus und bewegten sich vom Preis her in Regionen, für die es schon 27 PS Maschinen gab. 1982 war Ende der Zweiradproduktion in Kornwestheim.

Zündapp konnte seine neuen Modelle rechtzeitig bei den Händlern präsentieren und hatte von den schnellen 50ern den bewährten Rahmen und die Geräusch senkende Thermosyphon-Kühlung übernommen – leider aber auch das etwas altmodische Design und die zu hohen Preise. Auch die zwei Jahre später nachgeschobene preisgünstigere und in der Ausstattung entsprechende abgemagerte K 80 war, da nur mit Luftkühlung angeboten, ohne großen Erfolg. Eine SX 80 Enduro mit hochmodernem Fahrwerk und Zentralfederbein, entstanden bei Aprilia in Italien, konnte das Ende von Zündapp im Jahr 1984 nicht mehr aufhalten.

004 Hercules Ultra AC 80 SparmodellAuch Hercules startete in die 80er mit einer kompletten Reihe, deren Topmodell, die RX 9 mit dem flüssigkeitsgekühlten Sachsmotor, das Topmodell der Klasse hätte werden können. Das galt auch für die sportliche RS 80, die 1982 vorgestellt wurde. Die Preisgestaltung standen aber einem größerem wirtschaftlichem Erfolg im Weg.

Ähnlich ging es auch den beiden österreichischen Herstellern KTM und Puch.

010 Honda MBX 80 BJ 1982Die vier großen Japaner hatten am Markt der Kleinkrafträder nur wenig bzw. überhaupt kein Interesse gezeigt. Bei den Leichtkrafträdern war das ganz anders und sie erreichten zusammen auf Anhieb einen Marktanteil von etwa 60%, der stetig noch bis auf 85% ausgebaut werden konnte. So trug zeitweise jedes dritte verkaufte Leichtkraftrad den Honda-Schriftzug auf dem Tank. Insbesondere die Enduro MTX 80, aber auch die Straßenversion MBX trafen den Zeitgeschmack und waren vor allem preisgünstig und trotzdem zuverlässig. Das galt auch für die beiden Modelle von Yamaha, der DT (Enduroversion) und der rassigen im Styling an die hubraumgrößeren Straßenmodelle angelehnten RD 80. Während die europäischen Hersteller ihre Modelle technisch abmagerten, gingen diese beiden japanischen Hersteller den umgekehrten Weg und rüsteten z.B. mit wassergekühlten Motoren auf. Auch Kawasaki 013 Suzuki GT 80 L BJ 1982war von Anfang an mit einer Enduro- und Straßenversion im neuen Segment da. Komplette Ausstattung, Kawagrüne Lackierungen und Toni Mang als Rennsportidol, doch blieb der Verkaufserfolg aus. Neben der eher schwächlichen Leistung dürfte auch das Mockick-ähnliche Styling dafür verantwortlich gewesen sein. Die gleiche Problematik traf auch Suzuki, deren drei Modellvarianten Enduro – Straße – Chopper auf den bewährten Mockicks aufbaute. Zudem waren die Modelle zu spät verfügbar und als endlich die RG 80 Gamma, sicherlich eines der sportlichsten Leichtkrafträder überhaupt, erschien, war der Markt eingebrochen.

003 Horex Rebell 80 N Bj 1983 luftgekuehlter Sachs-MotorAuf den 80er Zug wollte auch Zweirad-Röth aufspringen. Unter dem Markennamen Horex wurden zwei Leichtkrafträder, die Rebell und eine Enduro, angeboten. Diese in Portugal herstellten und mit Sachs-Motor bestückten Modelle blieben eher Randerscheinungen. Das traf auch für die beim italienischen Kleinhersteller Moto BM unter Verwendung eines Morini-Motors und in Deutschland unter dem Tradionsnamen Tornax vertriebenen Maschinen zu. Offensichtlich konnte dabei auf Händler, die zuvor Kreidler und Zündapp angeboten hatten, zurück gegriffen werden.

Als 1997 der Hubraum für Leichtkrafträder auf 125cc und eine Leistung von 11 KW festgesetzt wurden, waren die „80er" Geschichte.

Historie, die im Moped- und Rollermuseum mit ausgewählten Modellen bis Ende Oktober 2014 bestens präsentiert wird. Ein Besuch lohnt sich natürlich besonders im Zusammenhang mit dem schon fast traditionellen Museumfest mit Oldimertreffen an den Pfingstfeiertagen.


005 Hercules Ultra 80 Chopper wassergekuehlter Sachs-Motor

007 Hercules RX 9 Replica wassergekuehlter Sachs-Motor 006 Hercules RX 9 Replica BJ 1986

002 KTM 80 RS BJ 1983 luftgekuehlter Sachs-Motor

011 Yamaha RD 80  MX luftgekuehlt 012 Yamaha RD 80 LC wassergekuehlt

014 Tornax TS 80 aus Spanien 015 Tornax TS 80 Morini Motor

 Nähere Infos: www.museum-verein.de

 Fotos und Text: Jochen Bangert
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