Wir waren jung und stark .. und stemmten uns gegen den Wind

Franz Josef Schermer (FJS) zu den Tests der
SUZUKI GS 1000 in MOTORRAD der Jahre 1977 und 1978

"Bei der Zeitschrift "MOTORAD Classic" der Motorpresse, in der ja  bekanntlich auch "Motorrad" erscheint, werden nun Originaltests aus "Motorrad" der 1970er-Jahre abgedruckt. Das schafft 1.) Authentizität, 2.) unterstreicht die (damalige) Kompetenz als Nummer 1 und 3.) kostet ein solcher Bericht weder Spesen noch Honorare, also wird's günschdig für Verlag und Redaktion.
Die Redaktion von MOTORRAD Classic hat Franz Josef Schermer (FJS), der damals beim "Motorrad" so eine Art Cheftester war und auch den Test der Suzuki GS 1000 gefahren und geschrieben hat, gebeten, einige Zeilen darüber zu schreiben, wie es denn damals wirklich war.
01 FeierabendbierWeil der FJS aber auch nicht mehr alles weiß, wie es früher war, und auch keine neuen Tatsachen (Wahrheiten?) schaffen wollte, wie es denn früher wirklich war, hat er sich in seinen Archivkeller verzogen und eine Kleinigkeit zum trinken mitgenommen. Stunden später (genau: 'ne halbe Nacht) war dann der hier folgende Text im Computer. Dieser Text konnte in MOTORRAD Classic nur stark gekürzt erscheinen, sonst wäre es zu einem zu hohen Zeilenhonorar gekommen (...), also hat der Franz Josef den Originaltext uns zur Verfügung gestellt, damit sich die Nutzer von www.Classic-Motorrad.de daran ergötzen können.
Vielleicht fällt dem einen oder anderen unserer Leser / Nutzer nun wirklich wieder ein, wie es früher war. Ganz sicher? Ja, wirklich!"


 

Franz Josef Schermer (FJS) zu den Tests der
SUZUKI GS 1000 in MOTORRAD der Jahre 1977 und 1978

Wir waren jung und stark .. und stemmten uns gegen den Wind, ganz wie Bob Seger so wunderschön emotional singt.

Bei Bob spielt allerdings ein Mädchen namens Janey die Hauptrolle, bei uns waren es Motorräder, Motorräder, Motorräder; Mädchen standen unter Tags höchstens an der Boxenmauer und lagen nachts bereit irgendwo in irgendeinem Bett. Denn wir waren verrückt nach Leistung und Geschwindigkeit, nach Beschleunigung, Schräglage und Fahrtwind.

Redaktion-Motorrad-1975Ich war so eine Art „Cheftester“ beim MOTORRAD, seit 1972 war ich bei der Motorpresse angestellt - ein Traumjob, fürwahr. Motorräder, Motorräder, Motorräder. Straßenmotorräder, Rennmaschinen, Mopeds, Motoren. Mädchen, ja klar. Wir saßen in allen möglichen Sätteln, testeten auf allen Straßen quer durch Deutschland, Südfrankreich, Spanien und Italien die neuesten Motorräder, egal ob sie klein waren oder mittelgroß oder ganz groß. Kein Motorrad war vor uns sicher, denn wir waren die Tester von MOTORRAD, sieben Tage die Woche rund um die Uhr unterwegs, im Schlepptau hatten wir Fotografen und Apparate, Messzeuge
und eine Lichtschranke – und unseren eigenen Popometer, das war bei uns Testern das wichtigste Messwerkzeug überhaupt.

Für den „erste
1977-suzuki-gs-1000n Fahrbericht“ der Suzuki GS 1000, der in MOTORRAD 24/1977 am 30. November 1977 erschien, wollte Fotograf Uli Schwab ein Wheelie für das Titelbild schießen, ich ließ die Maschine mit schleifender Kupplung rollen, gab Vollgas und ließ bei 9000 Touren die Kupplung schnalzen, das Vorderrad kam vom Boden frei, der Hinterradreifen drehte auf dem kalten Asphalt durch, Uli schaffte (wie immer, er war ein Großmeister hinter der Kamera!) ein scharfes Foto und ich kam heile davon. Bloß nix wegschmeißen, denn es war die allererste Suzuki GS 1000 in Deutschland, der damalige Importeur Otto de Crignies gab sie uns vertrauensvoll - wohl wissend, dass ein „guter Test“ in MOTORRAD die halbe Miete war für erfolgreiche Verkäufe in der kommenden Saison.

1978-suzuki-gs-1000 02Einer der aktivsten Suzuki-Händler dieser Zeit war der Pforzheimer Joe Böhme; bei ihm arbeitete Deutschlands bester Suzuki-Verkäufer Frank Thierfeldt, gegen Abend nur noch „Frank Bierzelt“ genannt. Heute ist er furztrocken und erinnert sich an damals: „Die Kunden kamen mit Bargeld in der Hand in unseren Laden gerannt und wollten eine GS 1000 haben, Farbe egal, aber ich konnte garnicht so viele beischaffen, wie ich hätte verkaufen können!“. Schlange standen die Käufer dann als der „Erste Test“ der Suzuki GS 1000 in MOTORRAD 6/1978 am 22. März 1978 erschien. Wir hatten gewogen, gemessen und den Popometer wirken lassen und die GS 1000 glänzte mit 222,2 km/h, war damit die schnellste 1000er des Jahres. Vollends durchgedreht waren Böhme, Thierfeldt und alle Suzuki-Fans nach der Lektüre des Vergleichstests in MOTORRAD 17/1978 am 23. August 1978: „Die Ausgewogene“ GS 1000 gewann mit 281 Punkten vor “Die Sportliche“ Honda CBX (279 Punkte), ebenfalls zweite wurde „Die Starke“ Yamaha XS 1100 (279 Punkte); die Rote Laterne trug die Kawasaki Z 1000 Z1-R (263 Punkte).

Wenn ich an die Suzuki GS 1000 denke, kommt auch 35 Jahre später bei mir ein durchaus positiver Eindruck hoch von einer starken 1000er, die ein ordentlich abgestimmtes Fahrwerk hatte mit echt guten Bremsen und zuverlässig war sie obendrein. Angeblich hatte die Entwicklung dieser Maschine drei (japanische) Jahre gedauert, 400 Leute beschäftigt und zehn Millionen Mark Budget verschlungen. Heraus kam ein gutes Motorrad! Mehr Infos gibt’s z.B. unter
www.suzuki-gs-ig-nord.de


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Tipp von Peter F.:
In Ausgabe 3/2014 der Zeitschrift "MOTORRAD CLASSIC"  findet man einen Nachdruck "Erster Test Suzuki GS 1000 von 1978".


 

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