Gustl Auinger - Vollgas
Die Karriere des fünffachen G.P. Siegers in einer unfassbar wilden Zeit

2013-vollgas-auingerDer G.P. Sieger und österreichische Staatsmeister Gustl Auinger und Fritz "Zonko" Triendl, Chefredakteur der Motorradzeitschrift "Reitwagen", haben ihre Gespräche als Buch veröffentlicht. Heraus kam die hautnahe Schilderung der Situation im Motorradrennsport der 70er und 80er Jahre aus der Sicht des Privatfahrers Auinger.
Sehr dicht, sehr interessant und informativ. Insider werden viele Ereignisse, die der Gustl beschreibt, selbst kennen gelernt haben: finanzielle Turbulenzen, Sponsorensuche, technische Defekte, grandiose Abflüge, Verletzungen, Erfolge und Misserfolge.
Für Außenstehende unglaubliche, faszinierende Geschichten aus einer anderen Welt.
Unbedingt lesenswert!


Leseprobe

… Und Schwanenstadt war sowieso immer extrem wichtig. Der Kurs war eigentlich ein Rechteck mit einer relativ langen Start/Ziel-Geraden, die mit einer Schikane entschärft wurde, dann kam die sogenannte Bierzelt-Kurve, eine 90° Links, dann 400 Meter zur nächsten 90° Links, und dann eine richtig schnelle Partie mit schnellen Kurven durch die Obstgärten, gefolgt von der Einfahrt in die kleine Siedlung Kaiserett. Und die 90° Links dort hatte keine Auslaufzone, sondern frontal eine Böschung. 300 Meter weiter wartete schon die nächste 90° Links.

Klingt nach mächtigem Ankerwurf.

Der Bremse kam auf dieser Strecke große Bedeutung zu. Deshalb überlegten wir, ob wir vorne nicht zwei Scheiben verwenden sollten. Der Harald war ein großer Verfechter von einer Scheibe, weil zwei mehr Gewicht bedeuteten, ich selbst wollte diesmal eher zwei. Schließlich hatte auch der Minich zwei. Aber der Harald winkte ab. Eine wäre mehr als genug.

Und? Wer hatte recht?

Ich konnte im Training die schnellste Zeit fahren und mir die Pole sichern, aber ich hatte schon bemerkt, dass das mit der Bremse eine zache Partie war. Auf den langen Abschnitten kühlte die Bremse sehr gut ab und war beim Anbremsen der ersten Kurve richtig scharf, aber bei der zweiten – also nach der kurzen Geraden – ließ sie immer brutal nach. War ein denkwürdiges Rennen. Ein großer Fight. Der Sigi hinter mir. Aber ab der halben Distanz waren die zweiten Kurven fast nicht mehr zu derbremsen. Also ließ ich ihn überholen und wollte meine Bremse bis zur letzten Runde etwas schonen. Das war meine Strategie. Doch sie ging nicht auf. Als ich durch die Obstgärten das Loch nach vorne schloss, war ich vor der ersten Kurve bei Kaiserett tausendprozentig überzeugt, dass die Bremse voll einsatzfähig war, aber das war ein Irrtum. Ich griff auf die Bremse, und sie war nicht da. Sie war einfach nicht da! Null Wirkung.

Verdammt!

Hauseinfahrten, Garagentore, Gartenmauern, die steile Böschung, keine Bremse, und 170 km/h. Da muss man dann wirklich schnell sein in der Birne. Klar war, dass ich nirgends ungespitzt hineinkrachen durfte. Also – und das lief und läuft noch heute in mir in Zeitlupe ab – riss ich die Maschine um, ich legte sie nieder, in der vom Wunsch getragenen Annahme, dass sie sich Richtung Kurvenausgang drehen und parallel in die Böschung rutschen würde. Sie sollte als Dämpfer zwischen mir und der Böschung fungieren. Dann könnte ich weiterfahren.

Unglaubliche Idee!

Es ging weitgehend so auf, aber die Energie war halt unfassbar groß. Ich bin mit beiden Rädernvoraus in die Böschung geschlittert, dann hat es mich drübergeworfen. Ich bin richtig geflogen. Bis ich oben auf der Böschung landete. Ein unvergesslicher Moment. Ich kam auf den Füßen zu stehen, und die Zuschauer, die dort sehr nahe waren, schrien aus vollem Hals. Und ich dachte mir noch, dass das ja gar nicht so gut gewesen sei und diesen Jubel gar nicht rechtfertigen würde, da schlug neben mir das Motorradl, das extrem hoch aufgestiegen war, ein. Es war fetzenhin. Komplett zerstört. Das Federbein zum Beispiel ist durch den Reifen und die Felge gefahren wie ein Stanzwerkzeug. Die Technische Universität in Graz hat sich vom Harald dann das Wrack erbettelt, weil sie die auftretenden Kräfte untersuchen wollten. Gewonnen hat der Minich. Aber ich hatte ein Affenglück. Wenig später kam der schlimmste Unfall meines Lebens. Mit dem Auto.

 
 
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Highlights seiner Rennkarriere:

1982 - 6.Platz Weltmeisterschaft 125 ccm

1983 - 10.Platz Weltmeisterschaft 125 ccm

1985 - 3.Platz Weltmeisterschaft 125 ccm

1986 -  4.Platz Weltmeisterschaft 125 ccm

5 Grand Prix Siege:

1985 (Deutschland / Hockenheim)

1985 (Grossbritannien / Silverstone)

1985 (Schweden / Anderstorp)

1986 (Grossbritannien / Silverstone)

1986 (San Marino / Misano)

6 Österreichische Staatsmeistertitel:

1979, 1980, 1981, 1982, 1983, 1984

 

 

 

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Das Buch ist unter www.bestseller.co.at erhältlich. (ISBN 978-3-200-03002-2)

Bestellen kann man das Buch auch direkt bei Fritz "Zonko" Triendl unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!,
oder www.motorradbuch.at.
 
 Fotos: Edition Reitwagen, Frohnmeyer
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