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2013-werkstattbericht-2 04Werkstatt Rapport 2

2.9. bis 8. 9. 2013

 

 

Wochenraport II / 2.9.13 bis 8.9.13

Montag: eigentlich Ruhetag, Rechnungen schreiben, Monatsabrechnung, Rechnungen bezahlen.

Notfallanruf, ein langjähriger Kunde braucht dringend einen neuen Vorderpneu für seine BMW K100RT, Jg. 1984. Er muss am Nachmittag zur MFK (Schweizer Tüv) und sein Töff (Schwizerdütsch Motorrad) hat vorn zu wenig Profil.

Den Reifen habe ich an Lager, also los. Reifenwechsel. 20 Minuten gute Zeit.

Freunde kommen mit einer Notstromgruppe, die nicht läuft.

K100 checken, Lichter gut, Bremsen gut, alles gut. Wiedersehen.

Notstromgruppe: Benzin gut, Vergaser O.K. Zündfunke vorhanden. Benzinhahn? Wie Benzinhahn?

Notstromgruppe läuft. Wiedersehn.

Gilera 50RS???? Alles ist gut! Ich habe gesehen, Sie sind da, haben Sie Satteltaschen? Satteltaschen angepasst und verkauft.

Büro am Nachmittag.

Mittags hab ich mich mit einem Freund zum Essen verabredet. Ich will die Max nehmen, springt nicht an, also mit dem Auto.

Er kommt auch mit dem Wagen, seine SR 500 springt nicht an.

Montag ist kein Kickstartertag! Aber später Bürotag.

Die K100RT: 1996 hab ich eine K100RT, Jg.1984, gegen ein MZ ES250/I Gespann, Jg. 1964, getauscht. Mit vielen Teilen und Veteraneneintrag. Bis 2004 gefahren und dann an einen Bekannten (Andi) verkauft, mit 63400 km.

Der hat sie gefahren bis 2011 und knapp 300000 km vollgemacht. Die Kupplung, Reifen, Bremsbeläge und Sitzbank waren am Ende, und nach zwei Umfallern war sie auch nicht mehr die Schönste.

Er hat sie bei mir stehenlassen und eine weiße K1100LT, Jg. 1995, mit nur 38000 km gekauft. Ein Problemmotorrad, man steckt da nicht drin, bei Regen lief sie nur auf 3 Zylindern, langwierige Sucherei, immer wieder Probleme mit der Elektronik, Ölverbrauch.

Dann der Deal!

Kunden aus Italien brauchten 3X K1100, weiß für Filmaufnahmen. Zwei hatte ich, die standen schon seit zwei Jahren bei mir, ich wollte sie loswerden.

Andi wollte sich anfangs von seiner nicht trennen, mein Vorschlag war, die anfällige K1100 gegen eine zwar ältere aber nur mit 13000km, K100 zu tauschen. Sogar in der gleichen Farbe wie seine alte.

Er wollte nicht, mit 1 Jahr Garantie? Immer noch nicht.

Zähe Verhandlungen mit Andi und Italien, 3 oder keine. Ich nix Italienisch, die nix Deutsch.

Dann kahm mir die MFK zu Hilfe, Andis K1100 musste zu MFK.

Das verhehrende Urteil: Kupplung rutscht, Bremsscheiben vorne Untermaß.

Also doch 3X K1100 für Bella Italia, wo ihnen eine große Filmkarriere bevorsteht.

Fazit: K100 ist besser als K1100. Andi ist happy mit seiner K100 und ist mit dem neuen Vorderreifen auch gut durch die MFK gekommen.

2013-werkstattbericht-2Dienstag: Mein Mechaniker restauriert einen Honda XL 500 Auspuff, er ist ein wirklich guter Spengler.

Anschließend kommt eine Sunbeam S7 auf den Lift, nach ausgiebiger Beseitigung von Ölundichttigkeiten und der Reparatur ausgerissener Stehbolzen mit Time Sert Gewindebuchsen kommt nun die Schraubennachkontrolle. Das Nachziehen der Motorschrauben und Muttern, wo immer möglich mit dem Drehmomentschlüssel.

Beim Kupplungsausrückhebel wird eine Umlenkung (Entwicklung aus England) eingebaut und ein neuer Kupplungszug angefertigt. Die Kuppelung funktioniert jetzt seidenweich, ist besser zu dosieren und gerissene Kupplungszüge gehören der Vergangenheit an.

Probefahrt, Kontrolle, die S7 tropft, Motor reinigen, mit Talkum bestäuben, starten und das Ölleck suchen.

Das Öl tritt beim Öleinfüllstutzen aus, die Gummidichtung habe ich durch einen Filzdichtring ersetzt. Ich hoffe, das Problem ist jetzt behoben. Besserer Sitz bei den Vibrationen und der Motor kann durch den Filz „schnaufen“

2013-werkstattbericht-2 04Sunbeam S7/S8: im April 2008 kommt ein Neukunde zu mir, lädt mit einem Kran eine desolate Sunbeam S8 bei mir ab und möchte sie restauriert haben.

Nach einem groben Überschlagen der Fehlteile und des technischen Zustandes werfe ich die Zahl 12000.- CHF in den Raum. (Meine Erfahrung im Bereich Sunbeam bewegen sich ausschließlich im theoretischen Bereich.)

„Kein Problem“, sagt der Kunde: „aber ich muss sie bis Ende Juni haben. Ich wandere in die Dom Rep. aus und will sie mitnehmen.“ Ich erkläre ihm, dass das unmöglich ist, da ich noch andere Aufträge habe. Aber für das Geld könnten wir eine restaurierte finden.

Gesucht, gefunden - ein Händlerkollege im Argau hat eine S7 im Zustand 1 (besser als neu) im Angebot. Meinem Kunden gefällt sie sogar besser als die S8.

Ich persönlich halte die Sunbeam S7 für eins der schönsten Motorräder, die je gebaut wurden. Das erste Bobbermotorrad ab Werk!

Die Sunbeam ist da, ich bekomme die Ruine und die Spesen als Lohn.

„ Mach sie mal schön rot Metallic, mit ner langen Sitzbank und nem Kofferhalter für so einen schicken Plastikkoffer zum Abschließen.“ sagt der Kunde. Und der meint das ernst!

Ich muss diesen finanziell sicher interessanten Auftrag leider aus ästhetischen Gründen ablehnen.

Den Kunden kann ich mit viel Mühe überzeugen, dass die Maschine original viel besser ist.

Für die Dom. Rep. hat er sich entschlossen eine Yamaha XJ 900 zu kaufen, mit einem gaaaanz tollen Koffersatz.

Die Sunbeam hat er noch zwei Jahre behalten, in der Schweiz und hat er sie gelegentlich gefahren, wenn er in den Ferien war.

Später habe ich den Töff an einen jungen Mann mit Freude an alten Motorrädern vermittelt. Der sie sehr gerne fährt.

Leider sind nach der Restauration und 200km Fahrzeit die Schrauben nicht nachgezogen worden, was zu einigen Mängeln führte, wie Ölverlust und ausgerissenen Stehbolzen.

Fazit: Die Sunbeam Modelle S7/S8 sind sehr schöne und technisch aufwändig gefertigte Fahrzeuge. Im Betrieb werden sie sehr heiß, und benötigen die entsprechend Pflege und technisches Verständnis.

Sie fahren sich sehr geschmeidig, absolut alltagstauglich, man muss aber aufpassen sie nicht zu überfordern. Die Ersatzteilversorgung ist sehr gut, und die Teile sind verhältnismäßig günstig.

Mittwoch: eine Moto Guzzi 650C in leicht angegammeltem Zustand gesellt sich zu meinem Fahrzeugbestand und wird als Gebrauchtmaschine aufgearbeitet.

Eine BMW R25/2 braucht eine neue Batterie.

Seit Anfang dieses Jahres baue ich 6 Volt Gel-Accus ein, um das Gasen von Säure und die damit verbundenen Schäden zu vermeiden.

Eine Condor A350 findet den Weg auf die Hebebühne. Optische und technische Aufarbeitung ist angesagt. Nach der Ausmusterung bei der Schweizer Armee hat sie einen 25jährigen Dornröschenschlaf in einem Gartenschuppen verbracht.

Zustand: Felgen, Speichen und viele andere Teile rostig, Gummiteile spröde. Aber nur 3500 km alt. Kann nach kurzer Zeit zum Laufen gebracht werden, Motor gut.

Der Kunde erteilt mir den Aufarbeitungsauftrag.

Dominik Giger, der die Armeebestände übernommen hat, versorgt mich mit dem nötigen Material.

Donnerstag: Probefahrt Max, immer noch Ölverlust.

Reifenwechsel bei einer R80ST und einer R80RT, eine R100RS zum Verkauf wird angeliefert.

Die Lichtmaschine für die Hyusung 650 ist erst im Oktober lieferbar.!!!!

Die Arbeit an der Condor A350 geht voran.

Freitag: ich nehme die Arbeit an einer BMW(?) R35 wieder auf. Ein Projekt, das mir keine Freude bereitet. Die Kiste ist eine total verbastelte Mühle, die von einem Banditen aus München verkauft wurde. Aussen hui innen pfui. In Saharabeige.

Das Ding sah wirklich toll aus und fuhr sogar, aber je tiefer man grub desto mehr Sch…e fand man. Eine wilde Restaurationsgeschichte wurde noch dazugelogen.

Der Verkäufer bietet immer wieder solchen Schrott im Wehrmachtsgewand über Ebay an. Vorsicht vor solchen Angeboten aus München!!! Bitte genau prüfen und einen Fachmann mitnehmen!!!

Radlager falsch und voll Sand, Scheiwerfereinsatz vom Lada, falsche Felgen, Bremsbeläge mit lackiert, Kolben, Kolbenringe, Kipphebel, Stösselstangen schrottreif und nur für einen Probelauf zusammengekloppt. Die Liste der Mängel ist noch viel länger.

Die Enttäuschung des jungen Kunden, der über 4000.- Euro für diese Rossteuschermühle bezahlt hat, ist verständlich. Sein Interesse für Oldtimer wurde ihm gründlich verleidet.

Nach 3 Jahren Restauration als Lückenfüller, um die Kosten niedrig zu halten, soll die R35 endlich zur MFK.

Anschließend wird die Kiste verlustreich verkauft.

2013-werkstattbericht-2 03Aber die Condor A350 macht Freude: Reifen, Felgen, Speichen, Ölleitungen, Batterie, Motoröl Kondensator, uvm. ist neu. Vergaser gereinigt, Kolben und Kurbelwelle geprüft, Ventile und Zündung eingestellt. Läuft, Vergaser eingestellt, vollgetankt und auf zur Probefahrt.

Ein witziges Fahrzeug, rechtsgeschaltet, übrigens das letzte in der Schweiz gefertigte Motorrad, allerdings schon mit vielen Fremdteilen. Boschlampe, Mazzochi Gabel, gedrosselter Ducati Scrambler Motor und Del Orto Vergaser.

2013-werkstattbericht-2 02Die Satteltaschen boten eine hübsche Überraschung, alle Fahrzeugunterlagen und militärisches Zubehör sind vorhanden. Gewehrhalter, Aufkleber und Militärtäfelchen sind da und gut. Einer MFK Vorführung mit Veteraneneintrag steht nichts mehr im Wege.

Samstag: Eine Gruppe Oldtimer Freunde aus dem Züricher Oberland kommt spontan zum Cafe vorbei. Laverda 750, 2 x Dnepr, Guzzi LeMans II Gespann, BSA A65 und Triumph Bonneville.

Ich versorge die Motorräder und räume die Werkstatt auf, es soll regnen ab Sonntag.

Ich drehe selber noch eine Runde mit einer Ural Ranger Jg. 2010 und genieße den schönen Sommertag. Im Dunkeln komme ich sehr zufrieden nach Hause.


 

Über mich:
Ich betreibe eine kleine Töffwerkstatt in der Schweiz, zu meinen Aufträgen gehören Fahrzeuge mit ihren Besitzern aus allen Zeitdekaden.
Über meine Arbeit, die Maschinen, ihre Besitzer und Geschichten rundherum möchte ich in loser Abfolge berichten.

 

 

 

 

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