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Die neue Horex VR6 Roadster – Tradition trifft Hightech

 

Schon seit einiger Zeit wabern Hinweise durch die Presse: „Es gibt eine neue Horex.“ Nun stand Horex in seiner Glanzzeit für große Hubräume und starke Leistung, die Regina war ein Bestseller und verkaufte sich über viele Jahre ganz ausgezeichnet – und zwar auf der ganzen Welt. Das letzte Modell mit 400 ccm brachte es auf 22 PS und war auch für den Seitenwagenbetrieb geeignet. 1951 wurde zunächst für den Rennsport die Imperator entwickelt, sie leistete aus 500 ccm 30 PS und erreichte Spitzengeschwindigkeiten von 150 km/h. Auch die für die Straße abgespeckte Version mit zunächst 392 ccm erreichte noch 26 PS und verfügte über technische Highlights wie eine obenliegenden Nockenwelle oder eine Telegabel – Horex spielte damit in der Oberliga der Serienmotorräder.

 

Aber wie die anderen Marken traf auch Horex der allgemeine Rückgang bei den Verkaufszahlen. Die Kleinwagen der 1950er Jahre liefen den Motorrädern den Rang ab. 1960 kam dann das Aus. Nur Friedel Münch, der die Namensrechte erworben hatte, baute mit der Horex 1400 TI noch ein Liebhaberfahrzeug in Einzelanfertigung. Neue Sympathien erwarb sich die Horex Regina in den 1980er Jahren als fahrbarer Untersatz von „Werner“ und natürlich als Red-Porsche-Killer, den Rötger Brösel aus dem Comic sogar auf die Straße holte.

 

HorexIm Juni 2010 kündigte Horex – das ist natürlich eine neue Gesellschaft – dann ein neues Modell an: die VR6. Aber ein neues Motorrad auf die Straße zu bringen, ist ein in jeder Hinsicht gewaltiger Kraftakt. Horex hat es geschafft. Hermann Vischer, Heidelberg, gehört zu den Ersten, die dieses Motorrad sein Eigen nennen dürfen. Hermann hat eine besondere Vorliebe für sehr exklusive Motorräder. In seiner Garage stehen beispielsweise eine MV Agusta America und eine Brutale, eine Ducati 900 MHe (Mike Hailwood evolution) und eine Bimota DB1.

 

Als er von dem Horex-Projekt erfuhr, war er sofort Feuer und Flamme. „Ein Motorrad, wie ein Motorrad aussehen soll“, so beschreibt er seinen ersten Eindruck: „Mit einem Schutzblech über den Rädern, mit einem großen Tank, der wie ein Tank aussieht und da ist, wo ein Tank hingehört, nämlich zwischen die Beine des Fahrers, mit einem großen Scheinwerfer, groß und eindrucksvoll wie das Auge eines Zyklopen. Und vor allem mit einem bulligen, kompakten Motor, der sich nicht hinter Blech verstecken muss, sondern majestätisch und selbstbewusst der Mittelpunkt des Fahrzeugs ist.“ Dabei ist die Horex kein technisches Relikt aus vergangenen ruhmreichen Zeiten, sondern ein technischer Leckerbissen. Der Sechs-Zylinder ist mit 1.200 ccm natürlich erst einmal ein dicker Brocken. Aber er wirkt vergleichsweise schmal. Tatsächlich ist der Bereich des Zylinderkopfs mit 429 Zentimetern in etwa so breit wie Vier-Zylinder-Motoren. Diese besondere Kompaktheit beruht auf dem VR-Prinzip, das bisher nur in Automotoren angewandt wurde, und vereint die Vorteile des V- mit denen des Reihenmotors. Der Motor hat zwei Zylinderbänke wie ein V-Motor, die mit einem Winkel von nur 15 Grad sehr nah beieinanderstehen. Clemens Neese, der CEO von Horex, erklärt weitere Vorzüge des VR-Prinzips: „Die Kolben besitzen schräg angeordnete Böden, dadurch lassen sich alle sechs Brennräume trotz des V-Winkels in einer Ebene anordnen. In diesen sorgen jeweils zwei Einlass- und ein Auslassventil für die Beatmung der Zylinder. Durch deren radiale Anordnung rund um eine zentrale Zündkerze ergeben sich ideale linsenförmige Brennräume. Die Ventile werden durch drei parallel angeordnete Nockenwellen direkt angesteuert.“ Das Ganze nennt sich dann „Triple Overhead Camshaft“, also TOHC-Zylinderkopf.

 

So ausgestattet verfügt die VR6 über ein sehr breites Drehzahlband für eine ebenso geschmeidige wie kraftvolle Leistungsentfaltung. Eine Upside-down-Gabel und eine Einarmschwinge sowie ABS sind wichtige Fahrwerkskomponenten, die für komfortables Fahren sorgen. Aber auf eine erste Ausfahrt musste Hermann lange warten – was nicht an Horex lag. Der lange Winter ließ ihn mit seiner Neuerwerbung erst einmal nicht auf die Straße, denn wer will so ein exklusives Motorrad bei der ersten Ausfahrt gleich durchs Salz schicken? Aber für das geplante Rollout am 14. April klappte es dann doch. Hermann fuhr seine ersten Kilometer und brachte die VR6 zu ihrer Präsentation vor seinen Motorradfreunden. Und egal, ob sich um Emmevisti, Bimotisti oder andere –isti handelte, alle zeigten sich sehr beeindruckt von diesem schönen Motorrad. Und auch vom Horex-Fahrvideo, das eindrucksvoll zeigte, dass die VR6 auch sportlich um die Ecken geht. CEO Neese erzählte von der Wiedergeburt der Marke Horex und erläuterte das Motorenprinzip. So waren wir alle eingestimmt und warteten gespannt darauf, dass Hermann seinen Neuzugang enthüllte. Es war ein schöner und auch würdiger Moment, als er dann die Horex-Hülle lüftete und wir die VR6 in ihrer ganzen Pracht vor Augen hatten. Denn es ist klar. Dieses Motorrad ist eine Rarität und man wird sie nicht so oft auf der Straße sehen – oder vielleicht doch, denn die ersten 200 Exemplare sind verkauft und die Produktion läuft.

 

Und Hermann, jetzt konntest du die ersten Kilometer mit deiner Neuerwerbung fahren. Was meinst du? „Mit einem Wort: Ich bin hoch zufrieden mit diesem Motorrad!“ Zwischenzeitlich hat Hermann, wann immer die Zeit und das Wetter mitspielten, über 1.000 Kilometer durch den Odenwald, den Kraichgau und das Hohenloher Land gefahren.

 

Schon nach diesen wenigen Kilometern ist Hermann begeistert: „Die Straßenlage ist ausgezeichnet. Sie fährt, um den schon vielfach genutzten Begriff zu verwenden, ‚wie auf Schienen‘ durch die Kurven. Man sitzt sehr gut im und auf dem Motorrad.“ Bei seiner MV-Brutale, so Hermann weiter, sitze er mehr auf dem Motorrad, bei seiner Monster (Bj. 93) mehr in ihm. Die Horex VR6 passt Hermann also genau richtig, was seine Größe und Beinlänge angeht.

 

Und wie findest du die Motorabstimmung? „Der Motor ist omnipräsent, man hat immer da Leistung, wo man sie gerade braucht. Die Schaltung ist leichtgängig und präzise und da ich gerne und viel schalte, muss ich selten bremsen und kann mit gasgeben und –wegnehmen flüssig und zügig um alle Kurven fahren. Das liegt auch daran, dass der Motor bei sauberem Zurückschalten mit Zwischengas merklich bremst, so wie ich das bei meinen alten, großvolumigen, vergaserbestückten Zweizylindern, Le Mans oder Monster, gewohnt bin. Ein absolutes Vergnügen und ein Sicherheitselement bei nasser Straße.“

 

Auch im Detail ist die Horex bedienerfreundlich. „Die Rundinstrumente sind ästhetisch schön und gut ablesbar“, erzählt Hermann. „Das Display ist leicht zu bedienen und selbsterklärend. Alle Schalter und Griffe liegen da, wo man sie haben will.“

 

Man kann auch hören, dass die Horex ein Motorrad mit Charakter ist: „Der Sound ist das Beste. Kräftig, angenehm und auch ohne Ohrenstöpsel ertragbar. Meine Hintermänner waren jeweils begeistert und einer meinte sogar, dass der Sound erotisch klingen würde.“

 

Begeistert war sogar die „Rennleitung“, denn der Polizist, der Hermann am Himmelfahrtstag zu einer Fahrzeugkontrolle herauswinkte, forderte ihn auf, erst einmal richtig Gas zu geben. Nicht, wie er befürchtet hatte, um die Lautstärke zu kontrollieren, sondern um ihm und seinen Kollegen den Sound vorzuführen. Auch ansonsten lief diese Verkehrskontrolle ungewöhnlich ab: „Auch die Fahrzeugpapiere wollte er erst mal gar nicht sehen. Stattdessen fragte er mich aus nach Leistung, Drehmoment, Anschaffungskosten und alles, was ich sagte, gab er, um seinen Kommentar ergänzt, stolz an seine Kollegen weiter. Andere vorbeifahrende Motorradfahrer beachtete er nicht mehr. Endlich durfte auch ich weiterfahren. Ich sagte ihm zum Abschied, dass ich noch niemals ein so rundum gelungenes und schönes Motorrad besessen hätte und mit einem Seufzer und einem Kopfnicken entließ er mich wieder auf die Straße.“

 

Dort kann Hermann jetzt seine Horex weiter testen. Denn er ist nicht nur ein Sammler, sondern eben auch ein Fahrer. Gerade jetzt rüstet er sich zu einer Ausfahrt Richtung Tschechien. Ich bin sicher, im nächsten Jahr hat er schon eine beachtliche Anzahl Kilometer auf dem Tacho.

 

 


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Text: Birgit Siekmann, Fotos: Martin Kott

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