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Classic Superbikes
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Nachgedacht, von Umgangsformen und Fairness !!!!

Der Idealfall. Zwei Wochen vor einer Veranstaltung kommt die Nennungsbestätigung mit der Post. Die Rennmaschine und alles, was für ein erfolgreiches Wochenende notwendig ist, wird gepackt. Wenn es geht, versucht man bereits Stunden vorher, am besten noch am Abend vor der Veranstaltung, in das Fahrerlager zu kommen. Will man doch seinen Stammplatz, direkt mit Blick auf die Strecke, neben Dusche und Toiletten und mit direktem Stromanschluss ergattern. Das gute Gefühl ist perfekt, wenn dann auch für alle Freunde und für sich das Fahrerlager großzügig abgesperrt ist. Bei der technischen Abnahme hatte niemand was zu nörgeln, weder wurde ein grenzwertiger Mangel von der technischen Abnahme beanstandet, noch der Abbau eines nicht regelkonformen Anbauteils verlangt. Wenn dann zum Start das Motorrad perfekt läuft, der ewige Widersacher überholt ist und am Ende das Podest winkt, hat man sein Ziel erreicht. Wenn die Heimfahrt noch gut verläuft und Sonntagabend zu Hause dann müde aber glücklich das Feierabendbier durch die Kehle rinnt, war es ein gelungenes Motorsportwochenende, von dem noch Tage danach geschwärmt werden kann. Ist ja auch erwarten. Zum einen wurde ja ein nicht geringes Startgeld gezahlt, zum andern kann der Veranstalter sich ja glücklich schätzen, dass man gekommen ist. Schließlich gibt es genug Möglichkeiten zum Fahren.

Soweit so gut.

Aber was ist, wenn überraschender Weise die Veranstaltung, die vor unserer Veranstaltung läuft, keinen vorzeitigen Einlass in das Fahrerlager zulässt, weil dieses noch belegt ist? Werden doch die Rennstrecken immer bis 18.00 Uhr vermietet. Ein Einlass vor dieser Zeit ist vom guten Willen der Vorveranstaltung abhängig. Was ist, wenn die Stromversorgung nur unzureichend ist, oder Toiletten und Duschen nicht zum verweilen einladen? Die technischen Kommissare einen gravierenden Sicherheitsmangel oder eine nicht regelkonforme Veränderung am Rennmotorrad erkennen und die erforderliche Abnahmeplakette verweigern? Was ist, wenn der Sportkommissar mit der schwarzen Flagge, nach eigenem Fehlverhalten, den Lauf beendet? Der Supergau tritt aber auch dann ein, wenn die eigene Maschine nicht richtig oder gar nicht läuft, der Transponder vergessen wurde, oder man selbst einen Lauf vermasselt hat, weil der Start nicht geklappt hat, oder weil es einfach nur ein schlechter Tag war.

Da wurde mit hohem Kostenaufwand die Rennmaschine aufgebaut, die Strapazen der Anreise auf sich genommen, Startgeld und Reisekosten verauslagt und dann so was.

Das kann ja wohl nicht sein!!!!

AyresDie erste Reaktion, die in den häufigsten Fällen zu beobachten ist: Erst wird mal richtig losgeschimpft, danach werden Verbündete gesucht, um gemeinsam die eigene Enttäuschung und den Frust so richtig abzulassen. Natürlich werden die Verantwortlichen mit einbezogen, egal ob diese für den Missstand verantwortlich sind oder nicht. Irgendwo im Fahrerlager kann man bestimmt seinen Dampf ablassen. Selbst bei einem selbstverursachten Verstoß gegen das Regelwerk oder gegen die Sicherheitsvorschriften wird versucht eine Ausnahmegenehmigung für sich zu erreichen. Schafft man das nicht, taugt die Veranstaltung nichts, die Motorsportserie wird in Frage gestellt. Um seinen Unmut noch mehr Luft zu verschaffen, werden saftige Beschwerdebriefe an die oberste Vereinsführung geschrieben. 2011 ist es geschehen, dass juristische Schritte gegen einen Fahrerkollegen eingeleitet wurden. Schließlich ist man ja wer und kann sich nicht alles bieten lassen. Die öffentlichen Foren werden genutzt, um die Serie richtig runter zu putzen und schlecht zu machen.

Dass nennt man dann Motorsport unter Freunden.

Eigentlich ist ein solches Verhalten ja verständlich. Motorsportler träumen von vergangenen Veranstaltungen und sehnen sich nach der nächsten. Die Vorfreude steigt mit dem näher rückenden Veranstaltungstermin. Früh genug wird gepackt, organisiert und verladen. Hoffentlich kommt man zeitig weg, damit das Wochenende möglichst lange genossen werden kann. Aus dem Alltagsstress heraus, stürzt man sich auf die Autobahn, den Kopf noch voll vom Arbeitsalltag. Hoffentlich wurde nichts vergessen, hoffentlich funktioniert alles. Mit der Ankunft im Fahrerlager steigt der Spaß- aber auch der Stressfaktor. Je näher der erste Lauf rückt umso mehr steigt die Anspannung, was sich bei vielen in der Magengegend bemerkbar macht. Es ist oft zu beobachten, dass die Anspannung, die manche Fahrer überkommt, an den Partnern oder mitgereisten Familienmitgliedern abreagiert wird. Schließlich will man auch aufs Treppchen und in der Meisterschaft vorne mitfahren.

Der Supergau macht dann auf einen Schlag alles zunichte. Und zugeben, dass die Veranstaltung nicht optimal verlaufen ist, weil die Maschine oder auch die persönliche Vorbereitung schlecht war, das geht gar nicht. Die Anspannung wandelt sich in Enttäuschung um und der Dampf muss raus. Jeder kennt die enttäuschten Gesichter von Moto GP Fahrern nach einem Sturz oder technischen Defekt. In unserem Fahrerlager ist es nicht anders.

Doch die Verantwortlichen und Organisatoren können für einen solchen Fehlverlauf nichts, bekommen aber oftmals den Ärger richtig ab, schließlich muss ein Verantwortlicher her. Jeder Fahrer, der ehrlich mit sich ins Gericht geht, wird zugeben, dass ihm diese Verhaltensmuster nicht unbekannt sind.

Über dieses überzogene Verhalten sollten alle Teilnehmer mal nachdenken.

Für die Örtlichkeiten und deren Ausstattung können die Veranstaltungsorganisatoren wohl am wenigsten. Weil Motorsport kein Campingurlaub ist und wir Amateure immer froh sein können, dass wir überhaupt noch historischen Motorsport betreiben können, sollten wir versuchen uns gemeinsam in den Fahrerlagern zu arrangieren. Ein enges Fahrerlager verlangt von jedem Einschränkungen und gegenseitige Rücksichtnahme, schweißt aber auch zusammen.

Für die eigene Maschine ist jeder selbst verantwortlich. In jeder Rennserie gibt es ein Reglement. Kantenschutz, Sicherungsdrähte, Lötnippel an Bremszügen und Kettenschutz sind obligatorisch. Und das Mogeln mit nicht erlaubten Tuningteilen, Hubraum, unzulässigen Vergasern, Getrieben oder falschen Bremsanlagen ist ein Betrug gegenüber den Fahrerkollegen, kommt dem Doping im Leistungssport gleich und sorgt nur für überflüssigen Diskussionsstoff. Und richtig stolz kann man auch nicht sein, wenn man mit einem nicht regelkonformen Motorrad schneller als die Kontrahenten ist.

Wenn dann mal wirklich etwas bei der Veranstaltung, sei es bei den Startzeiten, der Zeitnahme, der Siegerehrung oder Auswertung schief geht, so lässt sich dieses mit einem ruhigen und besonnenem Verhalten klären. Kaum ein Funktionär wird seine Hilfe oder einen Rat verweigern.

Denkt bitte daran, dass alle Verantwortlichen nur ein Ziel haben, ein reibungsloses Motorsportwochenende umzusetzen, bei dem alle Spaß haben. Die Ausrichtung eines Wochenendes mit über 300 Teilnehmern bedarf eine immense Vorbereitung. Der Amateursport funktioniert nur, weil viele freiwillige Helfer sich uneigennützig für die Sache einsetzen. Diese Helfer verdienen höchsten Respekt und können wohl einen normalen, ruhigen Umgangston erwarten. Denkt auch daran, dass die meisten Helfer und Organisatoren auch Fahrer sind und genauso viel Spaß wollen, wie alle anderen Teilnehmer auch.

Darum appelliere ich an eure Fairness. Lasst uns gemeinsam Motorsport betreiben wie es unter Freunden üblich ist. Dies kann allerdings nur dann funktionieren, wenn wir unsere Emotionen etwas zurückschrauben, das uns selbst gegebene Reglement akzeptieren und einhalten und dazu noch miteinander respektvoll umgehen. Wenn wir dann noch unseren Ehrgeiz etwas bremsen, gegenseitig Rücksicht nehmen und den Spaß mehr in den Vordergrund stellen, hat Motorsport unter Freunden auch zukünftig eine Chance. Mein Appell deshalb, lasst uns Freunde sein.

Mit sportlichen Grüßen

Stephan Otto


Pressesprecher des DHM


Freunde
Fotos: Peter Frohnmeyer

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