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Helmut Fath Denkmal-Enthüllung am 10.10.2010 in Ursenbach
Text + Fotos: Karl-Heinz Bendix

Hand auf’s Herz, wer weiß, wo Ursenbach liegt? Und wer hätte von dem kleinen Dörfchen bei Schriesheim in der nordbadischen Kurpfalz je gehört, wenn nicht Helmut Fath den Namen seines Heimatorts abgekürzt als „URS“ für sein mittlerweile legendäres Eigenbau-Gespann benutzt hätte, mit dem er die über ein Jahrzehnt währende Vorherrschaft der BMW-Gespanne in der Motorrad-Weltmeisterschaft beenden konnte?

Urspünglich gehörte Helmut Fath selbst zu denen, die die bespiellose Eignung des BMW RS-Boxers für ein Renngespann nutzten, um erfolgreich in der Gespann-WM anzutreten. Er war einer der allerersten, die das „Sitzgespann“ aufgaben, um mit einem Konzept den Luftwiderstand zu verringern, das später zum „Kneeler“ führte. Außerdem war er überzeugt, dass Vergaser aufgrund der beachtlichen Querbeschleunigung der Renngespanne nur bedingt geeignet seien für schnellste Rundenzeiten, so dass er frühzeitig begann, unter Benutzung von BOSCH-Komponenten seine eigene Saugrohreinspritzung beim BMW RS-Motor zu applizieren.
Damit gelang ihm 1960, das mit seinem „Passagier" Alfred Wohlgemuth angestrebte Ziel zu erreichen, den Gewinn der Gespann-WM.
Daraufhin ernannte ihn Ursenbach am 01. August 1960 natürlich zum Ehrenbürger.


Da die Ernennung zum Ehrenbürger von Ursenbach nun exakt 50 Jahre zurückliegt, wurde im Gemeinderat der Stadt Schriesheim, zu der Ursenbach 1973 eingemeindet wurde, ein Antrag auf Errichtung eines Helmut Fath-Gedenksteins vor dem alten Ursenbacher Rathaus genehmigt, und die Denkmal-Enthüllung wurde auf den 10.Oktober 2010 gelegt.

URS

 

Das URS-Gespann der Saison 1968, in der Helmut Fath sein Ziel erreichte, die Dominanz der BMW-Gepanne zu durchbrechen und mit seiner Eigenentwicklung den Titel zu holen, stand für diesen Termin leider nicht zur Verfügung. Das URS-Gespann, mit dem Helmut Faths enger Mitarbeiter Horst Owesle erst mit Julius Kremer und dann mit Peter Rutherford im „Boot“ einen weiteren WM-Titel 1971 „nach Ursenbach“ holen konnte, wurde dankenswerterweise von seinem derzeitigen Besitzer zur Verfügung gestellt. Es war die Attraktion des Tages!
Es handelt sich übrigens um das von Rudi Kurth angefertigte „quasi-Monocoque“, nachdem Helmut Faths eigenes Fahrwerk ein eher konventionelles Rohrrahmen-Konzept benutzte.


Helmut Fath starb bereits am 19. Juni 1993, aber seine Witwe Traudl Fath lebt und war natürlich Ehrengast bei der Denkmal-Enthüllung. Der SWR schickte ein Kamera-Team, das Frau Fath natürlich über ihre Erinnerungan an die Zeit mit dem zweifachen Gespannweltmeister interviewte.
Der Beitrag wird am 11.Oktober auf der SWR III- Landesschau gesendet werden.


Die Laudatio auf Helmuth Fath teilten sich der Schriesheimer Bürgermeister Herr Hansjörg Hofer …

…und die Ursenbacher Orstvorsteherin Frau Rosi Edelmann.

 


Die Enthüllung des Denkmals oblag dann Frau Fath und Helmut Faths wichtigstem seinerzeitigen Unterstützer, dem damaligen Dr. Ing. und heutigem Prof. Dr. Peter Kuhn.

Der Gedenkstein wurde geschmackvoll schlicht gestaltet,…

…und mit der Grafik wird darauf hingewiesen, dass Wolfgang Kalauch einen gewichtigen Beitrag zum Gewinn des 1968er WM-Titels geleistet hat.


Anschließend erinnerte Prof. Kuhn an seine seinerzeitige Kooperation mit Helmut Faht, die zum URS-Triebwerk führen sollte, und er hält das Unterfangen, das die beiden damals angingen, heute noch für „mutig“.
Links sehen wir Julius Kremer, der wesentlich zum zweiten Titelgewinn wie schon erwähnt im „Pantoffel“ von Horst Owesle beitrug.


Der Platz vor dem alten Ursenbacher Rathaus dient heute auch als Buswendeplatz, und genau zum Zeitpunkt der Zeremonie brauchte ein Bus diese Fläche zu diesem Zweck.


Der zweifache Gespannweltmeister Rolf Steinhausen ließ es sich nicht nehmen, der Zeremonie beizuwohnen. Er trat zwar nicht mehr in der WM gegen Helmut Fath an, aber sein 10. Platz in der Gespann-WM 1972 leitete eine Wende ein: er setzte ein König-Gespann ein, und dieser unscheinbare 10. Platz deutete an, dass die Zweitakter drauf und dran waren, auch diese Viertaktbastion zu schleifen. 1973/74 konnte dann nur noch Klaus Enders mit der Hilfe von Dieter Busch die Zweitakter niederhalten, doch 1975/76 gewann Rolf Steinhausen die ersten zwei WM-Titel mit einem Zweitakter. Helmut Fath hatte diese Zeichen der Zeit längst erkannt, denn er hatte sich nach seiner aktiven Karriere natürlich nicht aus der Gespann-Szene zurückgezogen. Er baute mit finanzieller Unterstützung der Nürnberger Firma ARO seinen eigenen Vierzylinder-Zweitakt-Gespann-Motor, der 1976 mit Siggi Schauzu erstmals auf den vorderen Plätzen der Gespann-WM auftauchte, nämlich auf Platz fünf.
Hier sehen wir Frau Fath im Gespräch mit Rolf Steinhausen.


Im alten Ursenbacher Rathaus wurde anlässlich der Denkmal-Enthüllung eine Ausstellung über Helmut Faths Karriere im Motorsport gezeigt!
Die Gemeinde übernahm dabei auch die Bewirtung der Gäste! Vielen Dank dafür!


Dort wurde seine FIM-Urkunde für den 1960er WM-Titel gezeigt,…

….aber auch die Urkunde seiner bereits 1955 verliehenen Ehrenmitgliedschaft im MSC Schriesheim.


Auch die bekannte Schnittzeichnung des URS-Motors wurde gezeigt.
Dr. Kuhns Konzept wurde der bekannte „große Wurf“, ein echtes Meisterstück!
Die beiden einzelnen Twin-Kurbelwellen lösten das Drehschwingungs-Problem, mit dem man sich bei dem für die projektierte Leistung benötigten Drehzahlniveau auf jeden Fall hätte auseinandersetzen müssen.
Die Vorgelegewelle bietet nicht nur zwei willkommene Wellenenden zum Antrieb weiterer Komponenten, sondern trägt in der Mitte das Kettenrad für die Kette zum dohc-Ventiltrieb.
Die beiden genannten Kurbelwellen besitzen jeweils einen Mittelabtrieb, und dann gibt es rechts auf der Vorgelegewelle noch den Antrieb mit einem Zwischenrad zur Einspritzpumpe.
Auf die Entwicklung eines eigenen Getriebes verzichtete das Team Fath/Kuhn, denn das hätte die Entwicklungszeit vermutlich noch einmal wesentlich verlängert. Man entschied sich, das bei den britischen 350/500er Production Racern bewährte AMC-Getriebe zu verwenden, für das es längst 5- und 6-Gang-Radsätze von den dortigen Tunern und von Michl Schafleitner gab. Das hatte natürlich ein eigenes Gehäuse, was die Gehäusekonzeption des URS-Motors vereinfachte. Ob das Getriebe jedoch der erwarteten Leistung des URS-Motors standhielt, mussten die zwei damals abwarten.
Ein weiteres bemerkenswertes Detail des URS-Motors sind die verdoppelten Ansaugkanäle. In die konventionellen Kanäle spritzen die Düsen den Kraftstoff ein, aber der Motor wird auch noch durch so genannte Fallkanäle beatmet, wie man sie z.B. schon vom Mercedes M196 (Formel 1 1954/55) kennt. Ob die zwei WM-Titel wegen oder trotz dieser ungewöhnlichen Konstruktion gewonnen wurden, wird heute noch diskutiert.


Hier sieht man die Trockenkupplung des URS-Motors auf der rechten Motorseite, die Bosch-Reiheneinspritzpumpe, die Kraftstoffleitung von der Vorförderpumpe zur Einspritzpumpe und das Gehäuse für die Flaschschieber-Drossel der konventionellen Saugrohre.

Wie oben schon erwähnt, schaffte Helmuth Fath den Schritt vom Viertakt- zum Zweitakt-Hochleistungs-Motor, was bei weitem nicht allen Viertakt-Tunern gelang, als die Epoche der Viertakt-Rennmotoren im Motorradrennsport in den 70er Jahren endete. Was jedoch die Bemerkung vom „reinrassigen“ Zweitakter soll? Kann man mit nicht „reinrassigen“ Motoren in der Motorrad-WM Erfolg erwarten?
Wer die Saison 1971 in der 250er Klasse Revue passieren lässt, wird auch Benelli-Werksmaschinen vergeblich suchen. MZ hatte bedauerlicherweise meist unter einer schwer zu kurierenden Hubzapfen-Bruch-„Seuche“ zu leidern, und die angeblichen Yamaha-Werksmaschinen waren kaum modifizierte Production Racer, die von Yamaha Amsterdam einigen Yamaha-Importeuren zur Verfügung gestellt wurden. Das soll aber die Leistung von Phil Read und Helmut Fath in keiner Weise schmälern beim Gewinn des 1971er Titels in der 250er Klasse. Schließlich war es das allererste Mal, dass ein Fahrer diesen Titel holte, dem das eingesetzte Rennmotorrad auch persönlich gehörte!


Abschließend noch ein kleines Fath-Zitat, und als ich es fotografierte, sagte jemand neben mir im typischen Kurpfälzer Dialekt:
"Typisch der Helmut! So isser!“

Er lebt halt in den Köpfen weiter!
Wir wollen mit diesem kleinen Bericht dazu beitragen, dass sein Lebenswerk auch in Zukunft entsprechend gewürdigt wird.


Abschließend möchte sich www.classic-motorrad.de bei allen Beteiligten für die Umsetzung der Idee zum Helmut Fath-Gedenkstein und für die würdevolle Enthüllung bedanken!


 

http://www.classic-motorrad.de/cms/index.php?option=com_content&view=article&id=166&Itemid=77
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