Im Bücherregal: Mehr Vespa geht nicht
Die offizielle Chronik von 1946 bis heute


Vespa ChronikSie gehört zu Italien wie kein anderes Fahrzeug: Mit der Vespa wurde im April 1946. ein Zweirad-Mythos geboren. Den 70. Geburtstag der Mutter aller Roller im vergangenen Jahr hat Giorgio Sarti zum Anlass genommen, seine umfangreiche Chronik über den berühmtesten Scooter der Welt zu aktualisieren.

Piaggio hatte bei der Patentanmeldung von einem „Motorrad“ und in zeitgenössischer Werbung gar von einem „Kleinwagen mit zwei Rädern“ gesprochen. Vom ersten fahrbaren Untersatz für die Not der Nachkriegsjahre entwickelte sich die Vespa über die Jahrzehnte zum Kultobjekt. So erweckte der Piaggio-Konzern nach vierjähriger Unterbrechung ab 2007 sogar noch einmal für stolze acht Jahre die PX-Baureihe wieder zum Leben. Sie gilt nicht nur Fans als Inbegriff der Vespa, sondern kam selbst im neuen Jahrtausend noch mit Zwei-Takt-Motor und Drehgriffschaltung sowie selbsttragender Stahlkarosserie daher – Merkmale, die auch die ersten Modelle kurz nach dem Krieg auszeichneten.

Giorgio Sarti gibt einen umfassenden Überblick über die enorme Variantenvielfalt der für den flüchtigen Betrachter fast immer gleich ausschauenden Vespa. Dabei werden auch die drerädrige Ape, die es sogar als eine Art Sattelschlepper gab, und der glücklose Kleinwagen Vespa 400 nicht vergessen. Der Autor verschweigt aber ebenso nicht, dass die eigentlich als modernes Nachfolgemodell konzipierte Cosa, die übrigens eine der Vorreiterin von ABS bei motorisierten Zweirädern war, und die kleine PK zumindest stylistisch Fehlgriffe waren.

Mit der Vespa wurde nicht nur an der legendären Rallye Paris-Dakar teilgenommen oder der Ärmelkanal überquert, sondern sie spielte auch in Filmen, in der Werbung und in der Kunst immer wieder eine Rolle. Auch diesen Aspekten widmet der Autor einige Abschnitte.

Zwei Fünftel des gewichtigen Schmökers nimmt allein der „Katalog“ ein, der sämtliche Vespa-Modelle nach Jahrzehnten geordnet und mit etlichen technischen Daten auflistet. Hier leistet sich das Mammut-Werk seine einzige größere Schwäche: Wenn es um eine andere Hubraumvariante oder die Automatikversion eines bestimmten Modells geht, finden sich vielfach textliche Wiederholungen zu grundsätzlichen Baureihenmerkmalen. Hin und wieder passt auch ein Bild nicht so hundertprozentig, wenn beispielsweise im Text von transparenten Blinkergläsern die Rede ist, aber orange abgebildet sind.

Dennoch: Wer in den Kosmos des kultigen Rollers eintauchen möchte, kommt an diesem Standardwerk nicht vorbei. Mehr Vespa geht nicht.

„Vespa – Die offizielle Chronik von 1946 bis heute“ von Giorgio Sarti ist im Heel-Verlag erschienen. Das Buch hat 595 Seiten mit ca. 1000 Fotos und Abbildungen und kostet 49,95 Euro. (ampnet/jri)

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