Rekordversuch in der Mojave-Wüste auf Reifen von Avon
Dreieich, im September 2016. Seit frühester Zeit sind motorisierte Fahrzeuge von engagierten Piloten zu immer neuen Hochgeschwindigkeitsrekorden getrieben worden. Nicht nur britische Fahrer, sondern auch Reifen aus dem Vereinigten Königreich sind Teil dieser Geschichte. Erst im letzten Jahr versuchte ein junger Schweizer, auf Motorradreifen von Avon eine neue Bestmarke aufzustellen.

Kaum hatte das Automobil das Laufen gelernt, wurde es als geeignetes Gerät für Wettbewerbe erkannt. Als erster dokumentierter Geschwindigkeitsrekord gilt die Fahrt des adligen Franzosen Gaston Chasseloup-Laubat im Jahr 1898, als er knapp 63 km/h erreichte. Eine Fahrt des Belgiers Camille Jenatzy prägte sich besonders ein. Am 29. April 1899 durchfuhr er mit einem hochbeinigen, torpedoförmigen Fahrzeug „La Jamais Contente“ nordwestlich von Paris die einen Kilometer lange Messstrecke in 34 Sekunden, entsprechend 105,8 km/h.

Rekordfahrer Jenatzy, mit rotem Bart und verwegenem Fahrstil, heuerte 1903 als Rennfahrer bei Mercedes an. Im Januar 1904 hatte Henry Ford den Höchstgeschwindigkeits-Weltrekord auf 147 km/h geschraubt. Der Stanley Steamer mit Dampfantrieb schwang sich bereits 1906 zu 205 km/h auf und erst 1909 übertraf Jenatzy als erster die 200 km/h-Marke mit einem Verbrennungsmotorfahrzeug. Benz & Cie baute dann einen Rekordwagen, der als „Blitzen-Benz“ in die Geschichte einging. Mit satten 21,5 Litern Hubraum und 200 PS wurde die 200 km/h-Marke überschritten. Sechs Blitzen-Benz wurden gebaut. 1911 fuhr Bob Burman in den USA damit über den fliegenden Kilometer im Schnitt 227,5 km/h.

Der Brite Ernest Eldridge erreichte 1924 mit seinem Fiat Mephistopheles 234,98 km/h. Der Fiat SB 4 von 1908 hatte einen Sechszylinder-Flugzeugmotor mit 21,7 Litern Hubraum und 320 PS. Dieser auf öffentlicher Straße erzielte Rekord wurde in Arpajon in Frankreich eingefahren. 1926 setzte Henry O´Neil de Hane Segrave eine neue Bestmarke, als er am 21. März mit seinem Vierliter-Sunbeam im britischen Southport auf 245,134 km/h kam. Nur einen Monat später war John Godfrey Parry mit einem modifizierten Blitzen-Benz, Spitzname Babs, 273,6 km/h schnell. De Hane Segrave konterte im März 1927 auf einem 1000HP Sunbeam und fuhr auf dem Daytona Beach Road Course 327,97 km/h. Und legte weiter nach: Am 11. März 1929 trieb er seinen Golden Arrow auf 372,46 km/h.

Im gleichen Jahr fuhr Ernst Henne auf BMW den Weltrekord für Zweiräder: 216 km/h. Ein anderer Deutscher machte bereits 1928 Rekordversuche: Fritz von Opel baute gemeinsam mit Max Valier und Friedrich Wilhelm Sander die Rennwagen mit Pulverraketenantrieb. Am 23. Mai 1928 erreichte der RAK 2 immerhin 235 km/h. Den Rekord für schienengebundene Fahrzeuge schraubte Opel im gleichen Jahr mit RAK 3 auf 254 km/h. De Hane Segrave verunglückte bei einer Motorboot-Rekordfahrt im Jahr 1930 tödlich, doch das hielt Malcolm Campbell nicht von weiteren Rekordjagden ab: Im Februar 1931 schraubte er den Rekord bei einer Fahrt in Daytona auf 396 km/h und kam schließlich am 3. September 1935 mit seinem The Blue Bird genannten Fahrzeug auf 484,62 km/h.

Im Unterschied zu diesen Rekordmarken auf speziellen Strecken stehen die Bestwerte auf öffentlicher Straße. Beide sind im Rückblick nicht immer ganz einfach zu trennen. Die 1935 aufgestellten 484 km/h waren jedenfalls für die Oberste Nationale Motorsportbehörde in Deutschland (ONS) nicht das Maß aller Dinge. So wurde im Oktober 1937 auf der Autobahn Frankfurt – Darmstadt eine Rekordwoche angesetzt. Die Auto Union stellte unter Fahrer Bernd Rosemeyer einige Höchstleistungen auf und erreichte erstmals über 400 km/h auf einer öffentlichen Straße. Mercedes-Benz konterte dann im Januar 1938: Rudolf Caracciola fuhr mit einem Zwölfzylinder-Rekordwagen auf Basis des Modells W 125 mit fliegendem Start 432,7 km/h, die Meile mit fliegendem Start mit 432,4 km/h. Der Versuch von Auto Union-Fahrer Rosemeyer, den Rekord zurückzuholen, endete tödlich, nachdem eine Windböe den Wagen erfasste und aus der Spur warf.

Auf den Salzseen von Bonneville im amerikanischen Utah fanden Rekordsüchtige schließlich bessere Bedingungen: Die Briten John Cobb und George Eyston duellierten sich hier mit ihren Spezialfahrzeugen, und Cobb erreichte mit seinem Railton Special vor Ausbruch des Kriegs stolze 595 km/h. 1964 schraubte Donald Campbell, Sohn von Malcolm, die Marke für radgetriebene Fahrzeuge dann auf dem Lake Eyre in Australien auf 644 km/h. 1965 kam Bob Summers in Bonneville mit dem Goldenrod zwar auf 684 km/h, offiziell aber „nur“ 658,649 km/h. Erst 1991 übertraf Al Teague den Wert: Mit dem Spirit of ´76 schaffte er 659,8 km/h.

Stichwort „Bonneville“: Genauer handelt es sich dabei um die Bonneville Salt Flats im US-Bundesstaat Utah, eine große Salzfläche, die als ausgezeichneter Untergrund für Rekordfahrten dient. Seit über 100 Jahren versuchen Rekordsüchtige, hier neue Bestwerte zu erzielen – nicht nur mit motorgetriebenen Fahrzeugen. Es purzelten hunderte nationaler und internationaler Rekorde, etwa die von Campbell und Breedlove und anderen. Der aktuelle Bestwert auf zwei Rädern steht übrigens bei 605,698 km/h. Der Amerikaner Rocky Robinson soll ihn im September 2010 erzielt haben.

Dabei gibt es geradezu ausufernd viele Kategorien und Klassen, in denen Rekorde erzielt werden können. So wird nach der Art des Treibstoffs unterschieden oder dem Alter des Fahrzeugs und vielen weiteren Kriterien. Im letzten Jahr trat ein Schweizer mit einer Triumph Pre Unit von 1955 in der Klasse Vintage (vor 1956) mit normalem Benzin an. Seine Reifenwahl: Avon Roadrider. Den Motor präparierte sein Freund Dan Druff von Franz & Grubb Engine in Los Angeles.

IMG 7285Seine Eindrücke schildert Nic Heer, einer der Köpfe hinter dem Young Guns Speedshop (Young Guns Speed Shop, Schönbodenstrasse 1, CH-8640 Rapperswil-Jona, Switzerland, http://www.ygspeedshop.com/): „Die Reifen waren perfekt, aber nach dem ersten Lauf ist der Öltank gerissen, welchen wir schweißen und somit reparieren konnten. Und bei den weiteren zwei Läufen hatten wir das Problem, dass sich der Düsenstock löste und in hohen Drehzahlen Fremdluft angezogen hat. Dies hat verursacht, dass der Motor in hohen Drehzahlen zu spucken begann.

Leider wurde der Event frühzeitig beendet, da zu wenig Teilnehmer vor Ort waren. Am zweiten Renntag konnten wir ab Mittag nicht mehr fahren. Somit war der zweite Lauf am schnellsten mit 115.7 mph, das heißt 1.4 Meilen unter dem Rekord…. Ahhhhh!!!!! Abgestimmt ist das Fahrzeug auf 121mph, welche durchaus realistisch sind.

Am Bike wurde nach dem Rennen alles repariert und ich habe die Triumph in LA eingestellt, um in Bonneville oder El Mirage einen weiteren Versuch zu starten. Ich werde zurück fliegen, sobald sich das Salz in Bonneville erholt hat.“

IMG 7306

Weitere Informationen zum umfangreichen Reifenangebot von Avon für klassische und moderne Motorräder finden Sie unter www.avonreifen.com/motorrad und unter www.facebook.com/avonreifen/

Text: Lars Döhmann, http://www.2000km.com/
Ohne_Titel_1