Vom Jedermann zum Weltmeister
100 Jahre Zündapp bei der Bremen Classic Motorshow 2017
K 800Wer über sieben Jahrzehnte stets vorn am Markt ist, muss wissen, was die Kunden wollen. Zündapp war so eine Marke. Die Bayern hatten stets die Nase im Wind. Sonst hätten sie nicht lange ganz oben in den Verkaufsstatistiken gestanden und wären auch nicht einer der ersten Vollsortimenter auf dem Motorradmarkt geworden. Zum 100-jährigen Jubiläum widmet die Bremen Classic Motorshow von Freitag bis Sonntag, 3. bis 5. Februar 2017, in der Messe Bremen der Marke Zündapp eine Sonderschau in Halle 1.

Aber zurück zum Anfang: Anders als viele Konkurrenten kam Zündapp weder aus dem Fahrrad- noch dem Flugzeugbau. Ursprünglich stellte die 1917 in Nürnberg gegründete „Zünder-und-Apparatebau-Gesellschaft mbH“ die Zünder für Granaten her. Nach dem Ersten Weltkrieg führte Mitgründer Fritz Neumeyer das Unternehmen allein fort und hatte die Idee, ein volkstümliches, rationell gefertigtes Motorrad anzubieten.

Ob es einen Lizenzvertrag für den Nachbau der britischen Levis Popular gab, die 1922 mit verstärktem Rahmen als Zündapp Z 22 erschien, ist unklar. Jedenfalls hatte Zündapp sofort ein ausgereiftes Produkt zu einem günstigen Preis. Die Werbung pries die Z 22 als „Motorrad für Jedermann“.

Mit dem Erfolg wuchsen Hubraum und Modellvielfalt, in der Sonderschau steht dafür die S 300. Ein britisch angehauchter 500er-Viertakt-Single sollte ein Solitär bleiben. In der Wirtschaftskrise der frühen 1930er-Jahre entschied sich Neumeyer gegen den Autobau und für eine Palette moderner Motorräder mit gepressten Rahmen.

Die von Richard Küchen entworfenen weich fließenden Linien und samtig laufenden Motoren machten verhinderte Autofahrer glücklich und boten ein Optimum an Funktionalität und DB 200 DerbyFahrkomfort für den Alltag. Die großen Viertakt-Boxer forderten BMW heraus, die Zweitakt-Singles übertrafen Marktführer DKW an Eleganz. Von der DK 200 über die KKS 500 bis zur K 800 zeigt die Sonderschau coole Maschinen der 1930er-Jahre. Trotz neuer Märkte vergaß Zündapp frühere Kunden nicht. Die DB 200 stand in der Tradition der Z 22 und war so zweckmäßig wie ein Spaten. Den Beinamen „Bauernmotorrad“ trugen die Derbys mit Stolz, jeder Traktor brauchte mehr Zuwendung als die gezeigte DE 200.

Im Krieg baute Zündapp militärisches Hightech, doch 1947 ging es zivil weiter. Die neue Deutsche Mark war knapp und so bot Zündapp mit der DB 203 Handfestes fürs Geld und produzierte bald im Münchner Zweigwerk Mopedmotoren und auch komplette Mopeds wie die Combinette.

Die Bella-Roller glichen ab 1954 Verluste im Motorradbau mehr als aus. Beste Fahreigenschaften auf jedem Terrain waren für Zündapp kein leeres Gerede: Von der Bella bis zum KS 601 Gelände-Gespann war man Konkurrenten dort voraus, wo es grob zuging. Das Abenteuer Kleinstwagen kostete das Unternehmen das Nürnberger Werk, doch in München ging es mit Elan weiter. Die beliebteste 250er der USA kam bis 1964 von Zündapp, die Trophy 250 wird in Bremen ausgestellt.

KS 50Nicht nur junge Leute fuhren und fahren auf sie ab, die KS-50-Baureihe ist auch bei der BCM vertreten. Mit der einzigen Limitierung auf 50 Kubikzentimeter baute Zündapp Motorräder und Roller für den Markt der 1960er- und 1970er-Jahre. Gleichzeitig hagelte es Meisterschaftstrophäen und EM-Titel. Im Gelände fuhren Zündapp-Maschinen allen davon.

Der mehrmalige Gelände-Europameister Rolf Witthöft ist auch in Bremen und bringt seine GS 175 mit. Aus den Geländesport-Motorrädern hätten die Münchener etwas machen können. Das Forstmotorrad 175 vom Vorabend des Enduro-Booms zeigt, dass Zündapp hier erstmals zögerte. Die 1977er KS 175 WC und die K 80 von 1982 stehen für die letzten Jahre der Marke. Kräftig und sicher waren sie, allerdings nicht billig – da nützte auch der noch 1984 gewonnene 80-cm³-Weltmeistertitel nichts mehr. Das Münchener Zündapp-Werk schloss im selben Jahr. Die Marke lebt heute durch Fans auf der ganzen Welt weiter. 22 Zündapps aus 60 Jahren repräsentieren die facettenreiche Geschichte in Bremen.

Die Bremen Classic Motorshow findet statt von Freitag bis Sonntag, 3. bis 5. Februar 2017, in allen Hallen der Messe Bremen sowie der mobilen Halle 8. Die Hallen sind von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Die Tageskarte kostet 16 Euro. Mehr Infos: www.classicmotorshow.de

 KS 50 Super Sport
 Fotos Ingo Wagner
 
 
 
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