Moto-GL-Kaleidoskop
Beobachtungen und Notizen aus dem Fahrerlager und von der Strecke

Vor der Saison: 3.

Impressionen von den Einstellfahrten in Hockenheim

L1120113Zu den äußeren Bedingungen: Man möchte annehmen, dass es Mitte März üblicherweise im badischen Hockenheim (noch!) schöner ist als im sächsisch-anhaltinischen Oschersleben – denkste! In der Nacht zum Freitag setzte Regen ein, der erst gegen Mittag aufhörte. Das drückte natürlich etwas aufs Gemüt. Wer einen Platz in einer der Boxen gemietet hatte, konnte sich für die Richtigkeit dieser Wahl bestätigt fühlen. Viele Fahrer verzichteten angesichts der widrigen Umstände zunächst darauf, ihre Maschinen auf die Strecke zu bringen. Nachmittags war dann zumindest die Ideal-linie hinreichend aufgetrocknet. Einige hatten bis dahin das Motodrom schon wieder verlassen. (Dennoch kann nicht gemeckert werden: Denn zwei Tage danach lag das nördliche Baden-Württemberg gar unter einer geschlossenen Schneedecke…)
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Zwischen den Toiletten im südlichen Boxenbereich und der Sachs-Kurve ist über den Winter ein zweiter Zaun angebracht worden; dadurch ist der Vorstart-Bereich gegenüber dem Ausgang der Sachs-Kurve doppelt eingezäunt – Vorbote des im Sommer anstehenden Formel 1-Rennens. Fotografieren durch die Zaun-Maschen fällt jetzt noch schwerer..
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L1120095Zur Technischen Abnahme: Diese begann zwar pünktlich, entwickelte sich aber zunächst reichlich zäh. Im Vorfeld war u.a. Hans Insel gebeten worden, (wie früher) mit Hand anzulegen, doch hatte er abgelehnt. Ein Sachverständiger, den bislang niemand gekannt hatte und anscheinend vom TÜV war, suchte an einer der vorgeführten Maschinen verzweifelt die Rahmen-Nummer – immerhin ein absolutes Novum. Erst als Mathias Schmidt mit eingriff, ging es ordentlich voran.

Aus der Fahrerbesprechung: In Abwesenheit von Dieter Wandelt leitete Wolfgang Ziegler die Fahrerbesprechung. Dabei lobte er ausführlich Stephan Otto für dessen Verdienste. Im Hinblick darauf kann man wohl davon ausgehen, dass der Gepriesene alsbald in der Orga-Leitung wieder eine herausgehobene Funktion einnehmen wird.

Zum Technischen und dem sonstigen Geschehen: Ein herausragendes Ereignis war zweifellos der erste Auftritt der 500er MV Agusta 4-Zylinder, die Gerhard Fischer in den letzten zwei Jahren als Replica zu den legendären GP-Maschinen dieser Marke aus den frühen Fünfziger-Jahren aufgebaut hatte. Grundlage dafür waren Teile eines serienmäßigen 750er Straßen-Motorrades aus dem Fundus von Rolf Schendel. Das Aussehen und – mehr noch! – der betörende Sound waren imponierend und zogen die Aufmerksamkeit von Kollegen und Fotografen an wie das Licht die Motten. Dieses Interesse mag eine wohltuende Bekräftigung für die enormen Mühen gewesen sein, die in das besagte Projekt gesteckt worden waren. Aber die wertvollste Belohnung war gewiss, dass die Maschine letztlich auch ordentlich lief, wenngleich noch einiges an Fein-Tuning geleistet werden muss. Man darf auf einen detailierten Bericht über den Prozess und die Probleme der Aufbau-Arbeiten gespannt sein.
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Einer der Fahrer wurde gleich zweimal vom Lumpen-Sammler am Streckenrand aufgelesen, weil der Motor wiederkehrend seine Arbeit unterwegs eingestellt hatte. Was die Ursache dafür gewesen war? Der Belüftungsschlauch für den Tank war im Laufe der zurückliegenden Ruhe-Zeit schlicht zugequollen…

Die ursprüngliche Klasse B wurde im Zuge eines Reglement-Updates in mehrere andere Kategorien aufgeteilt - absolut richtig, gar keine Frage. Aber es kann nicht verkannt werden, dass mit diesen modernen Maschinen der Gesamt-Charakter der VFV-Veranstaltungen eine grundlegende Veränderung erfährt: Dieses gilt zunächst für die Technik: Zum einen die gewaltige Leistung der Motoren, geradezu ehrfurchtgebietend für den Einen oder Anderen und mitunter doppelt so hoch wie die der stärksten Clubsport-Klassen, zum anderen die Anspruchslosigkeit im Unterhalt; mit einem Ölwechsel zu Beginn der Saison ist praktisch der gesamte Service bereits getan, wenn nichts Außerplanmäßiges passiert. Schließlich die Kosten: In einer Box stand eine perfekte 750er- Suzuki GSX für schlappe 3.500 Euro zum Verkauf; auf diesem Niveau und zum Teil noch niedriger liegen die Preise auch für Yamahas, die 125 PS auf die Piste bringen – eine im Vergleich zu älteren Maschinen in jeder Hinsicht extrem kostengünstigere Relation. Auch von daher droht, wie zu befürchten ist, den klassischen Motorrädern bereits auf mittlere Sicht ein unabwendbares Siechtum.

Hoffen wir, dass es im Laufe der Saison keine schweren Unfälle mit den „Heulern“ gibt, und mit den anderen Maschinen natürlich auch nicht…

Text: Manfred Amelang

Fotos: Leger (1), Amelang

Fotos von Roland Leger in der Galerie "DHM Einstellfahrten 2018"
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