Moto-GL-Kaleidoskop
Beobachtungen und Notizen aus dem Fahrerlager und von der Strecke

Arbeitstagung 2017 in Schotten:

Versuch eines kommentierten Protokolls

DHM Meisterfeier 2017 GerhardZum Rahmen: Nach den spektakulären Vorgängen im Vorstand des VFV und dem Orga-Team fanden sich erwartungsgemäß sehr viel mehr Mitglieder der „Schnellen Szene“ als in den Vorjahren bei der Arbeitstagung ein, um „über die zukünftige Ausrichtung der DHM“ (so der Text der Einladung) zu diskutieren. Die Festhalle war krachend voll; neben den Meistern, die dann abends geehrt wurden, waren ersichtlich auch zahlreiche Fahrer und Fahrerinnen gekommen, die sich nur Informationen über die Hintergründe des alarmierenden Geschehens erhofften. Auch wollten sie verständlicher Weise ihrer eigenen Meinung Ausdruck verschaffen. Entsprechend rege und meist recht kontrovers verlief die Aussprache.

Vom Vorstand des VFV saßen Dr. M. Schenker, Horst Nordmann und Wolfgang Ziegler am Präsidiums-Tisch, zu denen sich später Dieter Wandelt gesellte. Ihr erster und wichtigster Opponent war Uli Schmidt.

Positionen (nur die wichtigsten): Für den Geschäftsführenden Vorstand war eines der gravierendsten Probleme im zurückliegenden Jahr, dass sich die positive Entwicklung der Finanzen innerhalb der DHM nicht fortgesetzt hätte. Beispielsweise hätte die Installation der Nennungs-Software bis zu ihrem reibungslosen Funktionieren anstelle der ursprünglich veranschlagten 8.000 Euro deren 24.000 verschlungen. Die Anschaffung des Hängers („Meeting Point“) habe ebenso Kosten verursacht. Hinzu gekommen sei ein höherer Rechnungsbetrag an den MSC Schotten. In Bezug darauf und weitere Bereiche hätte der Vorstand ernsthaftere Einsparungsbemühungen vermisst. Überhaupt bereite ihm der hohe Finanzumschlag innerhalb der DHM eine gewisse Sorge, denn wenn einmal durch irgendeinen Fehlschlag etwas richtig schief laufe, dann sei nicht nur die Serie, sondern der gesamte VFV am Ende – in Bezug darauf denke man bereits an andere Strukturen (beispielsweise eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung), um den Verein und die persönlich haftenden Vorstände zu schützen. Doch das war Zukunftsmusik.

Auf die Vergangenheit bezogen habe sich als äußerst kritisch erwiesen, dass zwischen Uli Schmidt und Wolfgang Ziegler erhebliche Differenzen in sachlichen Fragen aufgetreten seien (z.B. ob man, um Kosten zu sparen, Wettbewerbe auch an Wochentagen ausrichten könne, was die Auto-Gruppe für mach- oder gar wünschbar hielt, die Motorrad-Gruppe aber für absolut inakzeptabel erachtete; oder: wie Hockenheim 2018 ausgerichtet werden solle, also mit oder ohne Autos, und welcher Preis dafür von Seiten des VFV zu entrichten sei, nämlich der in einem unterschriftsreif ausgehandelten Vertrag ausgewiesene Preis oder ein nach Gegenmeinung höherer, wenn die Auto-Gruppe mit von der Partie wäre, usw.). Als Folge solcher Auffassungsunterschiede habe Uli im Frühsommer schriftlich erklärt, dass er sich außerstande sähe, mit Wolfgang weiter zusammen zu arbeiten, und dieses, obwohl er doch im Vorhinein ausdrücklich bestätigt hätte, dass eine Kooperation funktionieren würde. Ein solcher Meinungswandel habe zu einem gravierenden Vertrauensschwund geführt. Als wegen der anhaltenden Spannungen schließlich ein Mitglied des Vorstandes sogar mit seinem Rücktritt gedroht hätte, habe der Vorstand handeln müssen und die Entscheidung im Sinne einer Entlassung von Uli getroffen.

Die darauf hin aus dem Plenum vorgetragene Frage, warum er und nicht Wolfgang hätte abtreten müssen, wo doch bei Meinungsunterschieden immer (mindestens) zwei Leute beteiligt seien und man nicht behaupten können, dass die Meinung des einen die richtige sei und davon diejenige des anderen abweiche und mithin falsch sei, blieb unbeantwortet.

Am Ende der Entgegnung von Uli auf die Einlassung und Vorhaltungen des Vorstandes (Inhalte z.T. oben bereits eingearbeitet) erhob sich das gesamte Plenum von seinen Plätzen, um lang und anhaltend zu applaudieren – ein wirklich bemerkenswerter Akt der Zustimmung zu seiner Person und seinem Vortrag. Vielleicht hilft dieses Signal, die aufgetretenen Kränkungen durch die in Form und Inhalt undiskutable Abservierung zu heilen. Vor allem aber war das eine Botschaft an den Vorstand dahingehend, dass die „Basis“ in dieser Sache dem Vorstand nicht folgt. In der Tat räumte denn der Vorstand im Verlauf der Sitzung eigene Fehler in der Kommunikation ein. Spätestens an dieser Stelle drängt sich die Frage auf, ob niemand von der „Obrigkeit“ auch nur auf den Gedanken gekommen war, eine Form der Trennung zu wählen, die es jedem der Beteiligten erlaubt hätte, halbwegs sein Gesicht zu wahren. Wenn das Eingeständnis eigener Fehler aufrichtig gemeint war, muss es dafür auch heute noch nicht endgültig zu spät sein.

Zukünftiges: Als nach dem Versuch einer Aufarbeitung der Vergangenheit der Vorstand nach seinem Konzept für die Zukunft gefragt wurde, musste er verlegen passen (Gemurmel im Saal…). Immerhin wurden dann doch schon die Termine der Veranstaltungen für das kommende Jahr (2018) genannt. Sie lauten (vorbehaltlich ihrer endgültigen Bestätigung):

  • Einstellfahrten Hockenheim, vorauss. Mitte/Ende März

  • Colmar Berg, 12.-13. Mai

  • Kölner Kurs, Nürburgring, 10. Juni

  • Schleiz (GLPpro und DHM), 7.-8. Juli

  • Metz , 28.-29. Juli

  • Schottenring, 18.-19. August

  • Hockenheim Classics (GLPpro und DHM), 7.-9- Sept.

  • Oschersleben (GLPpro und DHM), 1.-3. Oktober

Diese Termine waren bereits am 26.9. von der Orga-Leitung mit den Streckenbetreibern vereinbart worden. Weil die Zustimmung dazu vom verantwortlichen Vorstand nicht rechtzeitig erteilt worden war, konnten sie nicht fristgerecht bis zum 1. Oktober dem DMSB gemeldet werden; das hätte das AUS für die DHM 2018 bedeuten können. Allerdings stellte Wolfgang Wagner-Sachs in Aussicht, sich dafür einsetzen zu wollen, dass die Verspätung nicht als Ausschluss-Kriterium geltend gemacht würde.

Über den Winter wird die DHM funktionsfähig sein, da als kommuissarischer Leiter des Orga-Teams Dieter Wandelt vorgestellt wurde (wie in ähnlichen Fällen aus der Vergangenheit schlicht „präsentiert“, da die „Basis“ dazu nicht um irgendeine Stellungnahme gebeten wurde). Er und auch Wolfgang Ziegler betonten mehrfach, ihr Amt nur vorübergehend übernehmen zu wollen. Obwohl eine rechtliche Auskunft dahingehend vorlag, dass kommissarische Funktionen unzulässig sind, wenn sie nicht explizit in der Satzung eines Vereins erwähnt werden, wurde darauf nicht näher eingegangen – denn würde das und würden rechtliche Schritte nicht bedeuten, „den VFV als Ganzes auseinander zu nehmen?“, so wurden Stimmen aus dem Vorstand zitiert.

Das Nennbüro wird wieder von Sabine und Markus Massott übernommen. Darüber hinaus bleiben die meisten Fahrer-Sprecher im Amt. Wie es um die Sport- und Technischen Kommissare bestellt sein wird und die Ausgabe der Transponder blieb zunächst unbestimmt.

Der Vorstand warb dafür, dass zukünftig verstärkt Personen aus der Basis ihre Freizeit opfern und in den Führungs-Gremien des VFV mitarbeiten sollten. Als aus der Runde sogleich ein Personalvorschlag erging, wurde dieser erst einmal zurückgewiesen – darauf sei man noch nicht vorbereitet…

Inwieweit die führenden Personen auf Dauer im Amt bleiben werden, wird von dem Ergebnis der Wahlen abhängen, die für die nächste Mitgliederversammlung vorgesehen sind. Diese wird im kommenden Frühjahr stattfinden. Angesichts deren Bedeutung ist eine rege Teilnahme von Angehörigen der „Schnellen Szene“ dort wieder sehr erwünscht.

Ein Vorschlag für diese Mitglieder-Versammlung zum Schluss: Um die Über- und Unter-Ordnung zwischen Auto- und Motorrad-Gruppe im derzeitigen Vorstands-Gefüge künftig zu vermeiden, sollte für die Leitung der beiden Gruppen je ein Beisitzer berufen werden; „über“ diesen müsste als Leiter des Historischen Motorsports im VFV eine Person stehen, die in Haltung und Kompetenz als neutral gegenüber beiden Gruppen gelten kann – so jemand müsste sich doch finden lassen…

Resumee: Nach dem Treffen scheint die Zukunft der DHM in der bisherigen Form zumindest auf mittlere Sicht gesichert. Das auf jeden Fall ist rundum höchst erfreulich!

Text: Manfred Amelang; Foto: Dieter Nagel

Zusammenfassung der Arbeitstagung am 28.10.2017 in Schotten
von Tilmann Runck
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