Moto-GL-Kaleidoskop
Beobachtungen und Notizen aus dem Fahrerlager und von der Strecke
Stip-Visite in Walldürn
(8.-11.6.2017)
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Was anders war als bei den früheren Veranstaltungen.
1.) Die eigene Rolle: Bei allen vorangegangenen Terminen in Walldürn war ich mit meiner Maschine angetreten; mithin war ich ein Starter der ersten Stunde. Nach den Überschwemmungen des Fahrerlagers im letzten Jahr bestand keine rechte Lust, sich diesen Bedingungen unter Umständen erneut auszusetzen – man konnte ja nie wissen… Also keine Meldung abgegeben, aber doch als Zuschauer am Sonntag mal hingefahren. L1110195Und: Herrlichstes Wetter, blauer Himmel, alles bestens. Deshalb ein riesiger Publikums-Andrang; volle Parkplätze ringsum, darauf auch hunderte von Motorrädern. War die Entscheidung also falsch gewesen? Nicht unbedingt, denn immerhin konnte man schließlich erste Erfahrungen dafür sammeln, wie es mal sein wird, wenn man auf Dauer nur Zaungast ist, nicht aber weiter Akteur. Fazit: Selbstverständlich ist es was ganz Anderes, weil die innere Anspannung fehlt, die ansonsten allgegenwärtig ist, wenn noch ein Einsatz unter Wettbewerbsbedingungen ansteht. Muss aber nicht unbedingt schlecht sein, alles eben zu seiner Zeit…
2.)L1110196 Auf dem Weg zum Ort des Geschehens fehlten in den durchfahrenen Dörfern und Städten die Plakate vollständig, die auf die „Odenwaldring Klassik“ hinwiesen. Früher waren diese zahlreich zu sehen gewesen. Der Erfolg – siehe oben: die zahlreichen Zuschauer – hat plakative Werbeaktionen als überflüssig erscheinen lassen; spätestens mit ihrer diesjährigen Ausrichtung (zum 10. Mal) ist die Veranstaltung fest etabliert, läuft quasi „von selbst“, wozu gewiss nicht nur das stetig weiter entwickelte Konzept , sondern auch der Umstand beigetragen haben mag, dass der Termin mit Anfang Juni recht konstant ist und sich dadurch im Gedächtnis der Interessenten eingeprägt hat. (Natürlich hat es Werbung gegeben, doch diese lief im Hörfunk, und auch in den lokalen Medien fanden sich Hinweise beispielsweise auf das Erscheinen von Freddie Spencer.)
3.) Die Regularity-Läufe sind weiter marginalisiert. Sie stellen nur zwei von insgesamt 11 Programm-Punkten dar. Die Vielfalt von Hubräumen, Jahrgängen und Antriebs-Konzepten wird in drei Klassen zusammen gedrängt, nämlich Reg 1 bis 250cc, Reg 2 bis 550cc und Reg 3 über 550cc; die beiden erstgenannten Klassen starten gemeinsam, was ein Feld von ca. 40 Teilnehmern bedeutete, nicht eben wenig für eine Strecke von knapp 2 km. Hinzu kamen ca. 30 Fahrer in Reg 3. Die älteste Maschine war eine NSU Max von 1954, die jüngste eine Yamaha R6 von 2015 (!). Die meisten Motorräder in Reg 1 und 2 kamen aus den Siebziger und Achtziger-Jahren, diejenigen in Reg 3 warenL1110190 mehrheitlich in den Neunziger- und Nuller-Jahren gebaut worden. Vor dem Hintergrund dieser Fakten wird deutlich, dass sich die Regularity-Szene der „Klassik Trophy“ von derjenigen der DHM weit weg-entwickelt hat – und in der Tat, waren allenfalls eine Handvoll der Starter in Walldürn auch Dauer-Starter beim VFV. Man mag das bedauern, kann darin aber auch einen durch die Gegebenheiten bedingten, sozusagen „natürlichen“ Differenzierungs-Prozess erkennen. 
Ausgewählte Highlights
Die Ergebnisse aller Läufe standen bereits am Montag früh im Netz – hervorragend! Sehr schön auch wieder das ausgesprochen gefällige Programm-Heft, das es zusammen mit der Eintritts-Karte gibt.
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Bernd Wagner hatte die einzige jemals gebaute 350er-6-Zylinder-MV Agusta mitgebracht, sowie eine Dreizylinder-500er. Beide Maschinen wurden behutsam von zwei jungen Fahrern in den Parade-Läufen bewegt – ihr Sound, natürlich insbesondere derjenigen der „kleineren“, war einfach gigantisch und zog die Leute an wie das Licht die Motten.

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Freddie Spencer war – wie nicht anders zu erwarten - ständig von Fans umlagert, eine ausgesprochen freundliche, kommunikative und geduldige Person. Wie viele seiner Zunft engagiert er sich im Verkauf von Devotionalien, im Unterschied zu andere Größen aber verlangte er für ein Autogramm kein Geld.

Erfreulich waren zudem wie immer die Gespräche mit Dieter Braun, dem auch von hier aus für seine weitere Genesung alles Gute gewünscht wird.

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Text und Fotos: Manfred Amelang 

weitere Fotos aus Walldürn in der Galerie
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