Moto-GL-Kaleidoskop
Beobachtungen und Notizen aus dem Fahrerlager und von der Strecke
 Verschoben, unterbrochen, abgebrochen

„Alle Wetter“ beim ersten
VFV-Wertungslauf
koelner kurs plakat 2016 
Traditionell stand am letzten April-Wochenende der „Kölner Kurs“ als erster Wertungslauf der neuen Saison im Kalender. Erfahrungsgemäß ist zu dieser Jahreszeit (aber nicht nur da...) das Wetter in der Eifel, sagen wir mal: häufig etwas unbeständig, wenn nicht gar ungemütlich. Dieses Mal aber kündigten zudem im Vorfeld die Vorhersagen der Wetter-Frösche richtiges Ungemach an. Am Samstag werde es Starkregen geben, dann einen Temperatur-Sturz mit richtigem April-Wetter, vielen Niederschlägen, einigen davon in Form von Schnee; die Verkehrsteilnehmer sollten sich auf Straßen-Glätte einstellen.

Die Veranstalter hatten diese Prognosen ernst genommen. Bei der Abnahme teilten sie einen Zettel mit einem gegenüber dem Programm-Heft geänderten Zeitplan aus. Und: „Auf Grund der unklaren Wetterlage gibt es um 7:45 Uhr eine Fahrerbesprechung.“ Davor, also in der Nacht von Samstag auf Sonntag, hatte es geschneit; angesichts der Temperaturen von nur wenig über Null Grad hielt sich die dünne Schnee-Decke im Fahrerlager längere Zeit. Immerhin war die Piste schneefrei. Der Fahrtleiter und die Spitzen des VFV-Orga-Teams erläuterten angesichts der widrigen Witterungsbedingungen einen Plan B, der ein freies Training, ein Pflichttraining und nur einen Wertungslauf vorsah (anstelle des ursprünglich geplanten Pflichttrainings und zweier Wertungsläufe). Je nach der Entwicklung an der Wetter-Front müsse man sich aber weitere Optionen offen halten. Ganz allgemein war der Plan um eine halbe Stunde nach hinten geschoben worden.
So sah es am Morgen beim Blick durchs Fenster aus. L1090567

L1090586 Schneemann
Am Vorstart hatte eine der Helferinnen den Hinweis WET RACE mit  einer sinnigen Schnee-Mann-Zeichnung überklebt.

Die Hoffnung auf eine gewisse Besserung der Witterungs-Bedingungen erfüllte sich jedoch nicht. Immer wieder kamen Schnee- und Graupel-Schauer runter; dazu wehte ein böiger und scheußlicher Wind; dazwischen nur hin und wieder mal für kurze Augenblick ein Wolken-Loch. Das Fahren war schwierig. Stürze traten auf, die Strecke war großflächig benetzt von Öl und Bindemittel, und zwar beginnend mit dem Bremspunkt vor dem „Haug-Haken“ am Ende der Start- und Ziel-Geraden in allen Kurven (mit nur einer Ausnahme) bis zum Ausgang des Schumacher-S` – alles Passagen mithin, die umfahren werden mussten; Spaß sieht anders aus.
Weitere Verspätungen traten auf; die Fahr-Zeiten mussten gekürzt werden. Nur wenige Klassen konnten ihr Pflichttraining halbwegs planmäßig absolvieren; in einem Fall musste schon nach einer Runde abgewinkt werden. Für 14:45 Uhr wurde eine erneute Fahrerbesprechung einberufen. Dort verkündeten die Verantwortlichen, der noch ausstehende Wertungslauf werde abgesagt; wer dieses „aus freien Stücken“ wolle, könne fahren, eine Wertung gebe es aber nicht, weder für den Tag, noch die Meisterschaft. Wer nicht gemeldet habe, erhalte die dafür vorgesehenen 20 (Differenz-Zeit)Punkte; alle übrigen Fahrer würden beim nächsten Lauf in Colmar-Berg wieder bei Null anfangen.


Natürlich war das eine schwere und auch bittere Entscheidung, die aber angesichts der widrigen Umstände und in der Fürsorge um die Gesundheit der Fahrer und deren wertvolles Gerät „alternativlos“ war (um eine inzwischen stehende Redewendung aufzugreifen). Anders formuliert, haben die Verantwortlichen in dieser schwierigen Gemengelage alles richtig gemacht. Am Ende konnten sie mit einer erfreulichen Nachricht aufwarten: Die Verträge, den „Kölner Kurs“ auch in den nächsten drei Jahren auf dem „Ring“ durchzuführen, sind bereits in trockenen Tüchern – sehr schön, Gratulation!

Nie zuvor verlief im Übrigen die Einfahrt ins Fahrerlager so entspannt wie dieses Jahr. Roger hatte per Rundschreiben vorab nahe gelegt, die Anreisenden sollten sich auf die zwei Stunden nach 16 Uhr verteilen, und das klappte hervorragend, auch wenn ein beträchtlicher Teil der Leute offenkundig bereits früher reingefahren war. Vielleicht lässt sich dieses Procedere in Zukunft wiederholen, aber das hängt natürlich auch vom jeweiligen „Vormieter“ ab.

Weniger erfreulich: Beim Anbremsen des „Haug-Hakens“ kam Ernst Himmelsbach mit seiner Benelli-4 zu Fall, anscheinend in Folge eines technischen Defekts. Er musste mit dem Helikopter ins Krankenhaus von Adenau geflogen werden, von dort aus, wie zu vernehmen war, nach Köln. Das lässt befürchten, dass die Verletzungen gravierend sind. Im Hinblick darauf von hier aus – auch im Namen wohl aller Fahrer-Kollegen – alle guten Wünsche für eine baldige und vollständige Genesung!

Im Programm hatten erstmals die für 2016 neu im Reglement stehenden Klassen S (Singles, 4-Takt, über 450cc, Bj. `84 bis `93) und T (Twins, 4-Takt, über 550cc, Bj. `84 bis `93) gestanden. Diese Klassen sind als Nachfolger der früheren „Sound of Singles“ bzw. „Battle of Twins“ gedacht, eine wunderbare Idee, die in der Umsetzung viel Spaß für Akteure und Zuschauer verspricht. Leider hatten mit je zwei Nennungen nur wenige Fahrer diese reizvolle Möglichkeit zur Betätigung genutzt – hoffen wir sehr, dass dieses bei den noch ausstehenden Läufen besser wird.

Gerhard beim Tanken  Gerhard beim Tanken 

L1090580 Dieter Nagel wechselt die Kerzen an der Susi  seines Sohnes Mike, der hier erstmals bei uns antrat - und sofort beachtlich schnell war

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Aber auch das gab es, mal ein paar Augenblicke Sonne

 L1090595 Und noch ein absolut Neuer in unserem Kreis: Wilhelm Blümer, Starter in B

Ein Rookie aus Kassel:

Stephan Hellwig mit seiner Yamaha TZ350 (R78)

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Die beiden haben ersichtlich genug gelitten und bauen ab. L1090579

Text: Manfred Amelang, Fotos: Manfred Amelang, Thomas Claar 
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