Moto-GL-Kaleidoskop
Beobachtungen und Notizen aus dem Fahrerlager und von der Strecke
Zum Tod von

John Blanchard
 2008 schotten jb
John Blanchard wurde am 27.2.1942 in Abingdon (Oxfordshire) geboren; dort war während des Krieges sein Vater bei der Luftwaffe stationiert. Nach dem Ende des Krieges kehrte die Familie nach London zurück, wo John zunächst als Motorrad-Kurier tätig war - anscheinend erfolgte hier die „Prägung“ auf das Motorrad, zusätzlich befeuert durch entsprechende Interessen und Aktivitäten von Freunden. Im Bermondsey Motorcycle Club traf er Arthur May, der ihm alsbald als langjähriger guter Freund und Schrauber verbunden sein würde. Anfänglich turnte John bei Arthur im Boot eines Gespannes, das sie hin und wieder auf BlanchardGoogleeinem nahe gelegenen Flugplatz bewegten, doch alsbald versuchte sich John auch selbst als Fahrer. Auf geliehenen Maschinen trat John dann später in ersten Wettbewerben in Brands Hatch und Crystal Palace an. Das erste eigene Bike war eine mit Freunden aufgebaute Triumph/Norton, mit der er auf Anhieb seinen Lauf und auch das Finale in Thruxton gewann. Es folgte eine AJS 7 R, mit der es ihm gelang, Fachleute und die Presse auf sich aufmerksam zu machen.

BlanchardaufURSInternational bekannt wurde John, als ihm 1966 als einem der ersten Fahrer überhaupt während der TT-Rennen auf einer Ein-Zylinder-Maschine eine 100-Meilen-Runde gelang. Die maschinelle Basis dafür war eine 500er Seeley-Matchless. Später gelangte er wegen seiner deutschen Sprachkenntnisse in Kontakt zu Helmuth Fath, dessen 4-Zylinder-URS er dann in einem Seeley- (und auch einem Metisse-) Rahmen bei mehreren Rennen einsetzte.

John Blanchard HelmSein größter Erfolg war der dritte Platz im Senior-Rennen der Isle of Man im Jahre 1966 (und daraus resultierend der 14. Platz in der WM-Wertung). 1967 wurde er in Ulster Vierter, 1968 Siebter (Metisse), 1969 ist er dort ausgeschieden. 1970 belegte er beim deutschen GP auf der Nordschleife des Nürburgrings wieder auf der Seeley einen 13. Rang.

Ein schwerer Sturz zwang ihn aber zur Aufgabe des Rennsports. Nach seiner Genesung übernahm John die organisatorische Leitung im Renn-Team des US-Amerikaners Bell, der die Marken Münch und URS gekauft hatte. In dieser Funktion führte er das Gespann Owesle-Kremer/Rutherford zu ihrer Weltmeisterschaft im Jahre 1971. Ein kurioses Detail am Rande: Beim Rennen in der CSSR war Blanchard für den verletzten Rutherford als „Schmiermax“ im Pflichttraining eingesprungen und hatte auf diese Weise mit dazu beigetragen, dass die Qualifikation geschafft wurde.
1990 in Hockenheim
John Blanchard (Mitte)
Links Fath, rechts Colin Seeley und Owesle
BlanchardFathSeeley
Mit dem Gewinn der WM war freilich dem Münch-Team von Bell die finanzielle Luft ausgegangen. Schließlich nahm Blanchard das WM-Gespann, die SBlanchardSolo URSeeley-Solo und einen Haufen Ersatz-Teile mit nach England. Aus den Teilen wurden viele Jahre später eine neue Solo-URS aufgebaut, die 2002 in Schotten unter Blanchard im Präsentationslauf zu sehen war. Das Gespann, das beginnend mit den Mitt-AchtzigerJahren unter der Koordination von Blanchard in England restauriert und in einigen Präsentationsläufen eingesetzt wurde, erzielte beim Verkauf durch „eine private Sammlung im Vereinigten Königreich“ Mitte Oktober 2010 den stolzen Preis von mehr als 100.000 britischen Pfund, die Solo-Maschine immerhin fast an die 70.000.

Im letzten Jahrzehnt war John häufig Starter bei den Läufen des VFV. Hier setzte er in J eine 7 R und in K eine Matchless ein; beide Maschinen, mit Seeley-Rahmen, waren einander in der Form und Farbe ihrer Verkleidungen sehr ähnlich, und auf dem Heck von J 40 sowie K 40 prangten thailändische Schriftzeichen als Ausdruck von John`s inzwischen gewachsener Verbundenheit mit dem ostasiatischen Kultur- und Lebensraum. Blanchard war infolge seiner Schulung und Erfahrungen in internationalen Kämpfen ein harter, kompromissloser Fahrer, der gewöhnlich die Läufe als „Leader on the Road“ beendete. Legendär sind insbesondere seine Duelle mit Heinz Rosner und dessen MZ in Schotten.

Als Ausdruck seiner Verbundenheit mit unserer Szene stiftete er um die Jahrtausend-Wende einen Wanderpokal, der gedacht war für die besten Fahrer auf Halbliter-Maschinen, speziell Matchless. Nach fünfmaligem Gewinn ist dieser für immer bei Karl Frohnmayer verblieben.

John Blanchard ist am 6.10.2015 in seinem Haus in Ashford völlig überraschend an einem Hirnschlag gestorben.
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BlanchardinSchotten2012 2007 schotten blanchard
 Blanchard mit der 350er in der Zieleingangs-Kurve in Schotten 2011  Blanchard mit der 500er in der Zieleingangs-Kurve in Schotten 2007

Gerhard Fischer war bei der Beerdigung von John Blanchard in Ashton und hat dort auf Wunsch der Verwandten am Grab ein paar Worte gesprochen:

"Jim (= John`s Bruder) asked me to say some words, as one of John`s  friends of Germany and representing his German connections.

For Paul, Uli and myself, John was the perfect ambassador for the English racing scene as well as for the English mentality. It was mostly due to having him as a special link to England, that we travelled across the Channel almost on a yearly basis.

I would like to tell You the following anecdote:
With no small amount of pride, John would occasionally tell us about his membership in the Royal Automobile Club.Having heard about these traditional British Clubs, we asked him if it was possible for him to give us an opportunity at a look inside this renowned establishment.
John said: "No problem, but You will have to be wearing jackets and ties."

So the next time we were in London, which happened to be on a very hot summer day, we changed into dress code appropriate right in the car, while parked in front of the club.

Then John gave us a tour of every single room of the club house, including the steam bath and the indoor pool.

This experience was really special for us and will remain a memorable day forever.

Only when we were back on the road did I realize, that I had forgotten to also change my shoes: I had been wearing sandals the whole time.

Rest in peace John. You will be missed in Germany."

Text: Gerhard Fischer und Manfred Amelang

Fotos: Fischer, Michael Bellee (1), Davida, Frohnmeyer (2)
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