Moto-GL-Kaleidoskop
Beobachtungen und Notizen aus dem Fahrerlager und von der Strecke
Eröffnung der Saison 2015:
Kölner Kurs auf den Nürburgring

2015 koelner kurs programm
Vorab für alle, die daheim geblieben waren: Das Wetter hat gehalten! Die Stimmung war bei den meisten Anreisenden zunächst etwas getrübt, weil nach mehr als einer Woche strahlender Sonnenschein ausgerechnet für die erste Veranstaltung der neuen Saison schlechtes Wetter und niedrige Temperaturen angesagt waren. Bei der Anfahrt zum Ring verkündeten die Wetterfrösche im Radio noch, der Regen würde ab Mitternacht aufhören; das war dann zwar nicht ganz richtig, weil es danach noch zweimal Niederschlag gab, aber ab dem frühen Morgen war es dann trocken, und trotz anfänglich sehr dunkler Wolken blieb es den ganzen Tag über trocken – womit die Stoßgebete vieler Fahrer erhört worden waren. Uff…!

Weil wie in den vergangenen Jahren am Samstag die Strecke noch von anderen Veranstaltern genutzt wurde und deshalb der Einlass ins Fahrerlager erst am frühen Abend möglich sein würde, trafen sich die früh Ankommenden zur Pap2015 koelner kurs HeckansichtAndertier- und Technik-Abnahme auf der Straße um den „Scharfen Kopf“, also dem Gelände, das nordwestlich vom „Schumacher-S“ liegt. Als die Kapazität dieser Straße erschöpft war, wurden die Fahrzeuge dieses Mal zum Parkgelände D geführt, das nördlich vom „Hatzenbach-Bogen“ liegt. Von dort aus erfolgte die Zufahrt zum Fahrerlager durch einen Tunnel und den Rettungsweg oberhalb von T12 mit einem letzten Steilanstieg zum Fahrerlager neben der zentralen Toiletten-Anlage. Die riesige Fläche war mehr als ausreichend, um die schier endlose Karawane der Teilnehmer aufzunehmen – wohl jeder konnte „seinen“ Lieblings-Standplatz einnehmen.

Wie in den vergangenen Jahren gelang es dem Veranstalter erneut, den Zeitplan penibel einzuhalten; hilfreich dafür war sicher, dass gravierende Unfälle ausblieben. (Einen davon erlitt Werner Wolff nach der Rechts am Ausgang der Mercedes-Arena; hallo Werner: Von hier aus alle guten Wünsche für die Genesung!) Erstmals seit längerer Zeit gab es auch keinerlei Beeinträchtigungen durch Öl auf der Piste – die Strecke präsentierte sich die ganze Zeit in perfektem Zustand. Und wie immer waren die Mitarbeiter/innen des MSC Porz von ausnehmender Freundlichkeit.

Wo sind all die Classic-Maschinen geblieben? Im laufenden Jahr jährt sich die Einführung der DHM zum 15. Mal. Dieses Jubiläum mag Anlass zu einem Blick in die Vergangenheit geben, und der zeigt folgendes: Im Jahr 2000 wies das Programm des Kölner Kurses in den Classic-Solo-Klassen E, H, J und K insgesamt 136 Teilnehmer auf, in den Classic-Gespann-Klassen N und P (Sitzer bzw. Kneeler) weitere 34 Teams; jetzt aber waren es nur noch 51 (Solo-Klassen) bzw. 19 (Gespanne). Insgesamt bedeutet das einen Schwund von ca. einem Drittel, der in J und K besonders gravierend ausfällt (ca. drei Viertel, also nur noch ca. ein Viertel des seinerzeitigen Bestandes ist noch vorhanden). Die zeit- und altersbedingte Erosion von früher einmal festgelegten Reglements-Kategorien wird damit augenfällig; viele der damaligen Fahrer haben sich alters-bedingt vom Sport zurückgezogen und ihre Maschinen oftmals in den Ruhestand mit genommen; andere haben ihre Motorräder verkauft an Sammler, die sie nicht im Wettbewerb einsetzen – all das sind gleichsam unabänderliche Einflüsse, die es notwendig machen, dass die Verantwortlichen darauf angemessen reagieren, um den Sport nicht eingehen zu lassen.

Angesichts dieser Sachverhalte war es vollständig richtig, durch Änderungen des allgemeinen Reglements auch jüngeren Maschinen den Zugang zur Szene zu ermöglichen. Der VFV hat dieses u.a. durch die Definition neuer Klassen getan, die nunmehr ein Mindestalter von 22 Jahren vorsehen (Baujahr: bis 1993) und deshalb als „Youngtimer“ gelten, nämlich A (Zweitakter von 125 bis 500cc), B (zwei- und vierzylindrige Viertakter unterschiedlicher Hubräume) und C (Zwei- und Viertakt-Renngespanne mit unterschiedlichen Hubräumen). In Bezug auf diese neuen Klassen durfte man auf das Nennungs-Ergebnis in quantitativer und qualitativer Hinsicht gespannt sei. Was A und C betraf, war der Zuspruch zunächst enttäuschend, weil sich (ausweislich der im Internet vorab einsehbaren Starterlisten) nur drei bzw. kein Fahrer angemeldet hatten (Klasse C2015 koelner kurs maschinen fehlte deshalb im Programm); hingegen war das Feld in B mit 15 Fahrern gut gefüllt. Mit Best-Zeiten um 2:30 Min handelt es sich hier um eine besonders schnelle Truppe. Bei den beiden anderen Klassen wird man noch etwas zuwarten müssen; erfahrungsgemäß müssen sich die Dinge erst einmal herumsprechen und es dauert gewöhnlich etwas, bis der Entschluss heranreift, sich in einer Klasse zu engagieren.

Etwas zum Sport: Wie immer dazu nur ganz wenige Stichproben aus der Fülle der Ereignisse. Packend waren verschiedene Zweikämpfe, so das Duell zwischen Roland Rattunde auf einer Sportmax mit Paul Schumacher auf einer Norton International von 1937, sozusagen David gegen Goliath. Die höhere Leistung der großvolumigen Norton vermochte Rattunde durch eine besonders beherzte Fahrweise zu kompensieren, die dann allerdings auch ihren Tribut in Form eines Sturzes forderte. Sehenswert war auch der Wettstreit zwischen Gerhard Fischer auf einer 500er Triumph mit Ralph Hansen auf dessen Ducati Mach 1 sowie Hans Lux auf Aermacchi Ala d`Oro. Nach wechselnden Platzierungen musste Gerhard wegen eines abgefallenen Vergasers aufgeben. Recht gut in die2015 koelner kurs HaraldKurzer Gänge gekommen ist Harald Kurzer, dessen Ossa nicht nur ordentlich rennt, sondern in der Zwischenzeit auch standfest geworden zu sein scheint. Zum ersten Mal überhaupt auf dem Ring verbesserte er sich vom Training zu den Wertungsläufen erheblich und mischte „on the road“ gut im Mittelfeld mit. Aufsehen erregte Renate Häpe, die nunmehr auch in K unterwegs ist, u.z. mit einer Zwei-Zylinder-Honda; naturgemäß verlangt die neue Maschine noch etwas Eingewöhnung. Ebenfalls mit der Start-Nummer 13 ist eine weitere Amazone unterwegs, aber dieses Mal in B: Martina Otto auf ihrer 600er Honda.

Bem2015 koelner kurs pokaleerkenswert: In K waren es die drei Schnellsten der Klasse, die die Pokale gewannen (Runck, Jung, Rothenbühler) – soviel nur zum Unwort des Jahres, nämlich „Spazierenfahren“…

A pro pos: Im Rahmen der Sieger-Ehrung informierte Uli Schmidt die Anwesenden darüber, dass ab sofort die DHM/der VFV in jedem Heft von MOTORRAD-CLASSIC (das ist, wie jedermann natürlich weiß, die Zeitschrift aus dem Motor Presse Verlag) eine Seite reserviert bekäme für Berichte aus unserer Szene. Darüber hinaus wird die Zusammenarbeit auf weitere Felder ausgedehnt – schöön!

Uli Schmidt nach seiner Ansprache, bereits im „new look“,
 neben Werner Reinl aus der Fahrtleitung

2015 koelner kurs UliSchmidtWernerReinl
Zum „Sport unter Freunden“: Bei den Einstellfahrten in Hockenheim hatte Michael Pottmeyer den ihm nachfolgenden Dieter Nagel regelrecht nass gemacht, weil seine BMW Öl verlor und dieses fein in die Gegend versprühte. Auf dieses Missgeschick später in verständlichem Ärger angesprochen entschuldigte sich Michael bei Dieter und lud ihn zur „Wiedergutmachung“ auf eine Grill-Party vor dem „Kesselchen“ im alten Fahrerlager anlässlich des „Kölner Kurses“ ein. 2015 koelner kurs pottmeyerWir begleiteten Dieter am Samstag Abend zu diesem Treffen und wollten zunächst gleich weiter-ziehen, doch die wirklich sehr nette Runde von Motorrad-Begeisterten hinderte uns kategorisch daran und versorgte uns freizügig mit Speis und Trunk. Dabei erfuhren wir, dass Michael und sein Freund Dirk Rommelsheim sich in der Teamleitung und dem Pilotieren der Maschine von einer Veranstaltung zur nächsten abwechseln. In Lauf 1 kam Michael auf einen mittleren Platz, in Lauf 2 allerdings wegen eines losen Unterlegrings am Schaltgestänge, der ein runterschalten unmöglich  machte, nicht ins Ziel. Noch einmal Dank von hier aus für die freundliche Aufnahme und die herzliche Gastfreundschaft – hier zeigte er sich von einer seiner schönsten Seiten, der „Sport unter Freunden“.

Text: Manfred Amelang, Fotos: Küppers, Pottmeyer, Amelang,


2015 koelner kurs schrott
Nein, das rührt nicht von einem Motorrad,
sondern von einem der Autos aus der vorangegangenen Veranstaltung
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