Moto-GL-Kaleidoskop
Beobachtungen und Notizen aus dem Fahrerlager und von der Strecke
„Es lebe der Sport!“
Teil II:
Erneuter offener (Leser-)Brief an Frank-Albert Illg

Sehr geehrter Herr Illg,

2015 klassik motorrad 03im gerade erschienen Heft 3 von KLASSIK-MOTORRAD haben Sie vier Seiten für Leserbriefe eingeräumt, die bei Ihnen zum Inhalt Ihres Editorials aus dem zurückliegenden Heft eingegangen sind. Unter einem dieser Leserbriefe steht mein Name. Der Text des Briefes stellt freilich nur noch eine Art von Torso meines ursprünglichen Briefes dar, der im vollen Wortlaut hier zuvor ins Netz gestellt worden war. Sie haben darauf hingewiesen, dass Sie sich vorbehalten haben, den Text der Leserbriefe zu kürzen. Das stellt ein übliches Verfahren bei fast allen Redaktionen dar, denen zum einen meist nur ein begrenzter Raum von Druckseiten zur Verfügung steht, und zum anderen das Bestreben verständlicherweise dahin gehen muss, nach Möglichkeit vor allem den Kern einer Argumentation zu treffen und Ausuferungen zu vermeiden. Allerdings sollten die insofern unvermeidlichen Kürzungen nicht zentrale Inhalte betreffen und jedenfalls nicht den Sinn des verbleibenden Textes eindrucksmäßig in das Gegenteil dessen verkehren, was der Schreiber des Leserbriefes intendiert hatte. Gerade das aber haben Sie nunmehr „geleistet“; Sie sind beim Löschen bestimmter Passagen gezielt unfair vorgegangen.

Nachfolgend werde ich den originalen Text und die von Ihnen eliminierten Stellen nebeneinander stellen, sodass sich jeder Leser ein unmittelbares Bild von Ihrem Vorgehen selbst machen kann. Wo die Löschungen gravierend und vor allem sinnentstellend sind, habe ich Kommentare angefügt.

Der originale Text ist in schwarzer Farbe geschrieben, die von Ihnen gelöschten Teile in rot.

(… ) im gerade erschienenen Heft 2 von KLASSIK MOTORRAD haben Sie in Ihrem Editorial unter dem oben wieder gegebenen Motto darzulegen versucht, dass Gleichmäßigkeitsläufe im Grunde nichts anderes seien als Spazierfahrten und dass richtiger Motorsport nur in Rennen stattfinde, also bei Veranstaltungen, in denen der Schnellste derjenige ist, der Sieger wird. Ihre Darlegungen können nicht widerspruchslos hingenommen werden, weil sie

1.) vom Konzept her einseitig und damit unfair ,

2.) inhaltlich in zentralen Punkten objektiv falsch und

3.) vom Stil und der Wortwahl her herabsetzend sind.

Darauf will ich nachfolgend im Einzelnen eingehen. Ich wähle dazu als Ort meine Kolumne, weil ich der Auffassung bin, dass Ihre Äußerungen angesichts der bevorstehenden Saison-Eröffnung eine zügigere Reaktion erfordern, als dieses in einem Leser-Brief der Fall sein könnte, der (wenn überhaupt!) erst im nächsten Heft abgedruckt werden könnte – und bis dahin stünden Ihre Ausführungen unwidersprochen und damit vermeintlich als „irgendwie wahre“ Botschaften im Raum.

Ad 1.) Sie schreiben, dass „sich der Veteranen-Fahrzeug-Verband (VFV) nun (offensichtlich) ein Stückchen von Johns Kuchen abschneiden (will)“, indem er für die Gleichmäßigkeitsläufe zusätzliche Klassen für Motorräder mit jüngeren Baujahren in sein Angebot aufgenommen habe. Damit solle dem Trend entgegen gewirkt werden, wonach sich die Szene der alten und wirklich historischen Rennmaschinen mehr und mehr ausdünne. Nun besteht ein derartiger Trend tatsächlich, und er ist sozusagen „naturbedingt“, weil das Alter der Maschinen (und dasjenige ihrer Fahrer) einem unaufhaltsamen Erosionsprozess ausgesetzt ist. Wenn darauf nicht reagiert würde, müsste das auf Dauer auch zu einer Erosion der Veranstaltungen führen, weil diese dann mangels Startern und Startgeldern nicht mehr finanzierbar wären. Also war es seitens des VFV völlig richtig, auf solche (und weitere) Veränderungen im Umfeld adäquat zu reagieren und das Klassement für jüngere Maschinen zu erweitern.

Bei Ihrem Bild, wonach sich der VFV etwas vom Kuchen Johns abschneiden möchte, verschweigen Sie beflissen, dass umgekehrt auch Manfred John und sein Team sich ein Stückchen vom Kuchen des VFV abschneiden möchten, indem sie nämlich für die nun anstehende Saison ihrerseits ebenfalls eine Serie von Gleichmäßigkeitsläufen in ihr Angebot übernommen haben und diese Serie als „Regularity Trophy“ bezeichnen.

Auch ist es *sachlich* nicht ganz richtig (wohl aber stimmt die *zeitliche* Reihenfolge), dass die „Klassik Trophy“ (also Rennen) ihren Ursprung in der 2008 erstmals auf dem Flugplatz-Kurs von Walldürn ausgetragenen „Odenwaldring Klassik“ habe; denn schaut man in das Programm von damals, wird deutlich, dass die seinerzeit angesetzten Wettbewerbe ausschließlich solche nach dem GL-Prinzip waren.

Eine derart einseitige Darstellung ist schlicht unfair. Angemessen wäre es doch, hier etwa von einer Ausweitung des Angebotes zweier Veranstalter zu sprechen, deren Konzepte einander wechselseitig etwas überschneiden, aber doch in Klassen-Einteilung, Anforderungen an die historische Authentizität und Auswahl der Strecken auch hinreichend verschieden voneinander sind und somit jeweils eine Auswahl-Option für interessierte Fahrer darstellen. Und diese Option einer Auswahl muss nicht zwangsläufig *zwischen* einer der beiden nunmehr vorliegenden Serien erfolgen, sondern sie kann auch *innerhalb* der Serien stattfinden, d.h. von Fall zu Fall mag ein Fahrer sich für den einen oder anderen angesetzten Lauf entscheiden, da abgesehen von einem einzigen Fall keine wechselseitigen Terminüberschneidungen vorliegen. Das ist eine für die Fahrer durch und durch erfreuliche Perspektive.

Ad 2.) Sie schreiben: “Die Entscheidung, sich entweder für die Rennen um die „Klassik Trophy“ oder für die vom VFV angebotenen Gleichmäßigkeitsläufe einzuschreiben, überlasse ich gerne jedem selbst.“ (Na ja, das wäre ja noch schöner, wenn Sie das jedem vorschreiben wollten..) Aber die Gegenüberstellung von hier *Rennen um die „Trophy“* und dort GL beim VFV ist doch ziemlich hanebüchen, wo doch auch eine Kontrastierung von *Rennen* und GL innerhalb der Trophy-Wettbewerbe möglich ist, nachdem Manfred John`s Team außer den Rennen nunmehr auch Regularity-Läufe anbietet .

Richtig falsch (ja, kein Fehler!) ist dann die Behauptung, dass es bei „bei Manfred John (…) einen Tick weniger (kostet), weil Sie sich Fahrzeug-Pass und DSMB-Gebühr sparen können.“ (Hier wird mit dem „Sie“ nun der geneigte Leser direkt angesprochen.) Aber: Der Fahrzeug-Pass beim VFV kostet zwar 50.- Euro, gilt dann aber für immer. Und was ist mit der „DMSB-Gebühr“ gemeint? Lizenzen müssen sehr wohl auch in den Veranstaltungen von Manfred John vorgezeigt werden. Zudem beträgt bei ihm die Einschreibungs-Gebühr für die Regularity-Serie stattliche 180.-Euro gegenüber nur 25.- Euro beim VFV. Auch liegen die Nenngelder beim VFV jeweils niedriger. Somit ist falsch, was über den „Tick weniger“ gesagt wird; richtig ist vielmehr das genaue Gegenteil.

Wenn aber der Vergleich, wie es aus dem Kontext herausgelesen werden könnte, eigentlich ein solcher sein sollte zwischen den Rennen um die „Klassik-Trophy“ einerseits und den vom VFV angebotenen Gleichmäßigkeitsläufen andererseits, so würden die Unterschiede zugunsten des VFV noch größer, und zwar einfach deshalb, weil Rennen höhere Versicherungsprämien erfordern als Gleichmäßigkeitsläufe.

Kommentar : Die Streichung des gesamten Punktes (2) ist einfach dreist, wenngleich in gewisser Weise nachvollziehbar, weil hier dokumentiert wird, dass der Inhalt nicht eine Art von Meinungsäußerung betrifft, sondern es hier um eine Richtigstellung dessen geht, was Sie objektiv *falsch* dargestellt haben. Durch die Eliminierung dieser Passagen müssen Sie sich nicht dem Eingeständnis aussetzen, ungenügend recherchiert und falsche Thesen in die Welt gesetzt zu haben, was üblicherweise nicht als lässliche Sünden durchgeht. Weil der Widerspruch damit unterdrückt wird, bleibt beim unkundigen Leser der Eindruck bestehen, dass Ihre Darstellung im Editorial zuträfe – das Gegenteil aber ist richtig. Ein solches journalistisches Gebaren ist im höchsten Maße verwerflich. Sie sollten sich schämen.

Ad 3.) In Bezug auf die DHM sprechen Sie von einem „Anachronismus“, einem „Paradoxon“ und einem „albernen Titel“, für dessen Gewinn man sich feiern lassen könne, „falls Sie darauf auch noch Wert legen sollten“. Ihnen ist zuzustimmen, was die Namensgebung des Titels angeht, denn selbstverständlich bezieht sich das Wort „historisch“ auf die Maschinen und nicht die Fahrer oder den Titel. Deshalb ist die Namensgebung des Titels gewiss unglücklich. Aber das stellt keinen Einzelfall dar. Auch beim VFV bilden nicht die Fahrzeuge den Verband (angemessener, aber natürlich viel sperriger müsste es wohl heißen: Verband der Veteranen-Fahrzeug-Fahrer oder ähnlich); analog konstituieren nicht die Autos im ADAC den Club, sondern deren Halter oder Fahrer, und auch ein „Anglistisches Seminar“ oder ein „Mathematisches Institut“ sind nicht anglistisch bzw. mathematisch, sondern es sind Seminare *für“ Anglistik bzw. Mathematik usw.

Es ist aber unschön, sich ausgehend von der sprachlich nicht völlig korrekten Bezeichnung für die DHM herablassend über den Wert des Titels und das Procedere für dessen Erwerb zu äußern. Was den Wert angeht, den die Gewinner dieses Titels diesem beimessen, so mögen die Beiträge der Betreffenden und ihrer Ghostwriter unter „Aktuell“ oder im „Forum“ unter www.classic-motorrad.de ein bemerkenswerter Ausdruck dafür sein, des weiteren ein gleichlautender Beitrag im letzten Heft der VFV-Info; diese Beiträge stehen für sich selbst, weshalb ich sie hier nicht weiter kommentieren möchte.

(Im Original standen hier Überlegungen unter der Überschrift

Gleichmäßigkeits-Läufe: Motorsport oder Spazieren fahren?

die ebenfalls von Ihnen gelöscht wurden; obwohl es hier wirklich um eine inhaltliche Auseinandersetzung geht, kann gern akzeptiert werden, dass diese Punkte zu umfangreich waren und deshalb zwangsläufig gelöscht werden mussten.)

Lieber Herr Illg, Sie gelten als ein Mann, der in der Vergangenheit aus seiner Geringeschätzung, wenn nicht gar Verachtung der VFV-GL-Szene nie ein Geheimnis gemacht hat (verlieren aber zu dem nunmehrigen Pendant „Regularity Trophy“ kein einziges Wort!). Fast war man geneigt anzunehmen, Sie hätten in letzter Zeit Ihre Einstellung etwas geändert, da Sie mehrfach in Ihrer Zeitschrift über die GL-Veranstaltungen etwa in Walldürn, St. Wendel, Schotten oder Großglockner durchaus positiv berichteten. Aber dieses waren offenbar nur willkommene Anlässe dafür, mit einschlägigen Beiträgen die Hefte zu füllen – was natürlich handfeste Gründe gewesen wären. Und mutig (Respekt!) ist Ihr Editorial allemal, denn Sie dürften damit einen ziemlich großen Teil Ihrer Leser vor den Kopf stoßen, Leser im übrigen, die vor noch nicht langer Zeit alle mit Aufklebern an ihren Maschinen starteten, die für KLASSIK MOTORRAD warben – man will es kaum glauben.

Kommentar: Sie lassen aus diesem Absatz als letzten Satz stehen, dass ich Ihnen Mut bescheinige für Ihr Editorial. Durch die Eliminierung der davor und danach stehenden Aussagen geht aber verloren, dass damit für jedermann erkennbar ausgedrückt werden sollte das Unverständnis darüber, dass Sie einerseits unsere Veranstaltungen besuchen und darüber berichten, andererseits abfällig darüber urteilen, im weiteren die Verwunderung darüber, dass Sie einem großen Teil Ihrer Leser auf die Füße oder in den H.. treten und all jenen Fahrern, die noch vor kurzem für Sie als Werbeträger unterwegs waren, „Mut“ hier also ironisch zu verstehen gewesen ist. Auch hier verkürzen Sie durch Ihre Einschnitte den Sinn und verdrehen ihn ins Gegenteil: Der Leser muss zwangsläufig den Eindruck gewinnen, ich hätte das toll gefunden, was Sie geschrieben haben. Auch das ist unfair.

Durch Ihre einseitigen und durchsichtigen Kürzungen haben Sie sich noch mehr diskreditiert als durch den Inhalt Ihres Editorials – nicht schön für Sie.

Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen,

M. Amelang

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