Moto-GL-Kaleidoskop
Beobachtungen und Notizen aus dem Fahrerlager und von der Strecke
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Vor dem Start in die neue Saison

Vor dem Start

Endlich geht es in 14 Tagen wieder los. Der zurückliegende Winter war dieses Mal nicht nur „gefühlt“ schier endlos, sondern durch die Verlegung des Kölner Kurses von Ende April auf Ende Mai auch tatsächlich fast einen Monat länger als sonst. Die vor uns liegende Saison verspricht aber besonders spannend und vielfältig zu werden. Zum einen zeigt der Blick in die Meisterschaftslisten, dass sich – zumindest in einigen Klassen – offensichtlich wieder mehr Fahrer eingeschrieben haben als im Vorjahr. Zum anderen stehen für die klassischen Klassen soviel Läufe an wie lange nicht mehr. Mit je zweimal Metz, Kölner Kurs, Dahlemer Binz, Schotten und Jan Wellem (letzteres allerdings immer noch nicht definitiv „in trockenen Tüchern“) sowie einmal Hockenheim kommen diese auf 9 Veranstaltungen. Jan Wellem soll der Ausgleich für jene Klassen sein, die in Schotten nicht an den Start gehen (also die Clubsportler), soll aber auch für die „Klassiker“ ein Pflichtlauf für die Jahres-Klassen-Wertung sein – das ist gegenüber früheren Jahren eine Neuerung. Für die DHM werden die Resultate der klassischen Klassen bei Jan Wellem aber nicht herangezogen, damit über alle Klassen hinweg gleich viele Läufe gewertet werden. Das ist einerseits natürlich sinnvoll, weil nur bei gleicher Zahl von Läufen für alle Klassen eine Gleichbehandlung von klassischen und Clubsport-Klassen bei der DHM-Wertung gewährleistet ist; andererseits bringt es diese „gespaltene Wertung“ wieder mit sich, dass nicht notwendigerweise jene Fahrer der klassischen Klassen in der DHM-Wertung die vorderen Plätze einnehmen werden, die auch in der Jahreswertung führen und umgekehrt.

Das gilt auch aus einem anderen Grund: Für die DHM-Wertung gibt es für Nicht-Start 20 und für Nicht-im-Ziel jeweils 12 Differenzzeit-Punkte; so steht es im DMSB-Handbuch und auch auf der Internet-Seite des VFV. Nicht im Internet findet sich hingegen die Festlegung, dass bei der Jahres-Klassen-Wertung zum früheren Punktesystem im Sinne von 25-20-16-13-11 usw. zurückgekehrt wird. Ein entsprechender Hinweis steht lediglich auf Seite 3 des Saisoneröffnungs-Briefes. Mit der ungleichen Handhabung von DHM- und Jahres-Klassen-Wertung wurde die Logik eines in sich kohärenten Systems aufgegeben, bei dem sichergestellt war, dass die in der Jahres-Klassen-Wertung erfolgreichen Fahrer auch in der DHM die Nase vorn haben würden und umgekehrt. Auch entspricht die besondere Gewichtung eines „Sieges“ mit 5 Punkten Abstand gegenüber dem Zweiten, der sich nur mit 4 Punkten vom Dritten, und dieser nur mit 3 Punkten vom Vierten usw. unterscheidet, definitiv nicht dem Geschehen auf der Piste und auch nicht dem Geist unseres Sportes. Aber immerhin werden damit Assoziationen an den „richtigen“ Rennsport aufrecht erhalten, wo publikumswirksam gegen die anderen Konkurrenten auf der Piste gekämpft wird, wo wir doch in erster Linie möglichst gleichmäßig und primär gegen die Uhr fahren. Wie dem auch sei: Die Rückkehr zur alten Punkte-Wertung ist eine Folge des Umstandes, dass die Leitung unserer Szene zwar aufgekommenen Unmut von Seiten einiger Fahrer auf der Meisterfeier in Schotten aufgreifen bzw. dämpfen wollte, andererseits aber an dem mit dem DMSB vereinbarten Wettbewerbsreglement nichts ändern wollte. „Schaun mer moi“, wie die Reaktionen dieses Jahr ausfallen…

Was den Ausgleich von Schotten in Gestalt von Jan Wellem angeht, so gilt weiterhin, was schon einmal anderenorts angemerkt worden war: Ein solcher Ausgleich ist nur dann absolut fair, wenn die beiden miteinander verglichenen Strecken über die Distanz eines Laufes hinweg im Durchschnitt zu denselben Differenz-Zeiten führen, und zwar in jeder einzelnen Klasse. Das ist gewiss eine Forderung, die sich in der Realität wohl niemals einlösen lassen wird; auch für den hier anstehenden Vergleich von Schotten und dem Nürburgring kann davon kaum ausgegangen werden. Aber: Abgesehen vom letzten Jahr hatten in der Vergangenheit die klassischen Klassen in der DHM-Wertung einen Vorteil, weil sie in Schotten weniger Strafpunkte einfuhren als die Clubsportler auf dem Ring. Gleichwohl: Es gibt keine befriedigende Lösung für dieses Problem, solange nicht alle Klassen auf denselben Kursen fahren können.

Gerhard Markmann
Gerhard Markmann in eher ungewohnter Rolle als Solist auf seiner störrischen Yamaha

Zumindest einer wird fehlen, wie zu befürchten ist, wenn es endlich losgeht: Gerhard („Hartl“) Markmann, während vieler Jahre Passagier im Boot von Gerhard Fischer, hat beschlossen aufzuhören. Die beiden haben in den letzten Jahren sozusagen alles gewonnen, was es zu gewinnen gab, zuletzt auch die Läufe um den UEM-Cup. Vielleicht ist dadurch eine gewisse Sättigung eingetreten, und gewiss bereitet die Turnerei mit zunehmendem Lebensalter immer größere Mühen. Hartl nennt als einen Anlass (nicht: den Grund) für seine Entscheidung die Querelen mit dem DMSB; wie schon berichtet verlangt der Verband dieses Jahr erstmals von ihm die Freigabe seiner heimatlichen (USA-)Föderation. Da er niemals mit dem US-Verband irgendetwas zu tun hatte (erlebt seit mehr als 60 Jahren in Deutschland), war ihm dieses „Gezuchtel“ zu viel Aufwand. Schade, mit Hartl wird ein kauziges Original im Fahrerlager und auf der Strecke fehlen, dessen technische und fahrerische Kompetenz ebenso beeindruckte wie die stetige Freundlichkeit und selbstlose Hilfsbereitschaft. Dank für alles, Hartl, und alles Gute!

Der Mann mit dem Hut sagt Servus
Der Mann mit dem Hut sagt Servus


Text und Fotos: Manfred Amelang


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