Moto-GL-Kaleidoskop
Beobachtungen und Notizen aus dem Fahrerlager und von der Strecke

Text: Manfred Amelang

Kölner Kurs - Kommentar

Der „Kölner Kurs“ ist unter den VFV-Läufen etwas Besonderes: Nach dem langen Winter fiebert man der ersten Veranstaltung des Jahres mehr entgegen als den übrigen Läufen; endlich kann es wieder losgehen. Und das auf der schnellsten Strecke der Serie, dem Image-trächtigen Nürburgring. Die Betreiber wollen den Ring zu einem Erlebnis-Park aufpeppen, der das ganze Jahr über Besucher auf sich ziehen soll. Dafür wurden für mehr als 300 Mio Euro, vorwiegend aus Steuergeldern, zahlreiche neue Anlagen errichtet, in denen der geschätzte Besucher, so die Erwartungen der Verantwortlichen, möglichst viel Geld lassen möge. Erster Eindruck: Gigantismus in der „Nürburgring-Welt“; außer dem Sicherheitspersonal verloren sich nur sehr wenige Leute in dem gespenstigem Hallen-Komplex mit exquisiten Läden. Von uns kaum jemand zu sehen. Ob sich das jemals rentieren wird, erscheint zumindest nicht gesichert. Gegenüber der Straße die „Grüne Hölle“, ein Ensemble von Gaststätten, Lounges, Biergärten und Festhallen. Das Nürburg-Brauhaus ist vollständig auf bayerisch getrimmt, also Interieur, Speisekarte, Outfit des Bedienungspersonals. Wenn es schon „Eifeldorf“ heißt, hätte auch „Eifel“ drin sein sollen.

Aber: Das Wetter spielte in wundersamer Weise mit, denn es blieb am Sonntag trocken, während es vorher und danach und in der umliegenden Gegend immer wieder mal schüttete.

Bei der Einweisung ins Fahrerlager zeigte sich, dass nicht alle Helfer vollständig im Bilde waren; jedenfalls wurden die Ankommenden nicht korrekt darüber informiert, dass der Hubschrauber-Landeplatz „eigentlich“ nicht als Stellfläche benutzt werden dürfe. Im Vorjahr war aber eben dieses erlaubt, weswegen dann doch einige Fahrer dort parkten.

Im Fahrerlager war reichlich Platz. Das lag auch daran, dass fast 50 Teilnehmer weniger genannt hatten als im Jahr zuvor (also ca. 18 %), ungeachtet des Umstandes, dass erstmals drei neue Klassen im Programm standen. Ob konkurrierende Veranstaltungen zum selben Zeitpunkt dafür verantwortlich waren, die schwierigeren wirtschaftlichen Zeiten, ein ganz allgemein zu registrierender Rückgang bei den klassischen Klassen – schwer zu entscheiden.

Endlich erfolgte nun auch die Startaufstellung, wie in den anderen Läufen nicht mehr getrennt nach Klassen, sondern nur nach der gefahrenen Zeit – danke, das dient der Sicherheit.

Auf der Strecke befand sich durch die vorangegangenen Auto-Läufe viel Gummi-Abrieb; folgerichtig kam es zu mehreren Stürzen. Dass diese mitunter gleich in den ersten Kurven des Trainings auftraten, erzeugt ein wenig Kopfschütteln, wo doch jeder vernünftige Mensch die ersten Kilometer erst mal zu Besichtigungszwecken zurücklegen sollte.

Wegen gravierender technischer Probleme an meiner eigenen Maschine war es mir nur möglich, einen einzigen Lauf zu verfolgen, u.z. die gemeinsam gestarteten K und V. Drei Dinge fielen mir auf: zum einen das packende und abwechslungsreiche Duell zwischen Warnecke und Glönkler, zwei recht unterschiedlichen Fahrern auf sehr unterschiedlichen Maschinen. Zum anderen stand Hans Poljack, gewiss einer der schnellsten im Feld, dieses Mal nur in der letzten Startreihe; die Zeitnahme hatte für ihn nur eine Zeit von mehr als 5 Minuten ausgewiesen. Wieso dieses passieren konnte, blieb ungeklärt; jedenfalls musste er sich in beiden Wertungs-Läufen erst durch die zwei Starter-Felder hindurchwursteln, um halbwegs freie Fahrt zu haben.

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Hans Poljack
Das war natürlich der Gleichmäßigkeit nicht eben förderlich – und entsprechend enttäuschend waren seine GL-Ergebnisse. Schließlich Gratulation an Bodo Rupp für seine beherzte und überaus gleichmäßige Fahrt, die ihm den ersten Platz in der Tageswertung von K einbrachte, eine Leistung, die umso mehr Anerkennung verdient, als sie unter persönlich sehr schwierigen Umständen erbracht wurde.

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Rupp Bodo - BMW R50


Text: Manfred Amelang

Fotos: HD Rattay/mopedfoto.de(Kölner Kurs)
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