Rückblick 19. Zschorlauer Dreieckrennen:
Rolf Steinhausen gab sich die Ehre
Das 19. Zschorlauer Dreieckrennen (25.-26. Juli) stand ganz im Zeichen des Gespannrennsports – dieses Mal nicht nur mit gewohnt vielen Startern in dies1976 Steinhausen Huber TTer Klasse, sondern auch mit einem würdigen Vertreter als Ehrengast: Rolf Steinhausen. Das war sozusagen ein Doppeltreffer, denn Steinhausen kam als Gespannfahrer nach Sachsen, wo traditionell große Begeisterung für Gespanne herrscht. Außerdem ist Steinhausen ein Zweitaktmann, denn mit seiner berühmten König brachte er 1972 ein Gespann mit Zweitaktmotor an den Start und war damit der erste, der das wagte. Zwei Jahre später schnürte er seinen leistungsstarken Motor mit einem Busch-Fahrwerk zu einem leistungsstarken Paket zusammen – und das zahlte sich 1975 aus. Steinhausen wurde zum ersten Mal Weltmeister und konnte den Titel auch im darauffolgenden Jahr verteidigen. Steinhausen hat sich nach einer sehr erfolgreichen Laufbahn 1989 vom aktiven Rennsport verabschiedet, aber er drehte in Zschorlau zusammen mit Schmiermaxe Georg Etz eindrucksvoll seine Runden. Steinhausen hatte vor seinen Läufen seine Mitstreiter darum gebeten, es ruhig angehen zu lassen: „Es geht nicht mehr um WM-Punkte, also bitte keine waghalsigen Überholmanöver.“ Die Mahnung war ziemlich überflüssig, denn viele 2012 Steinhausen EtzGelegenheiten, Rolf zu überholen, ließ er nicht. Das war sehr schön anzuschauen – und anzuhören. Georg Etz musste wohl nicht die Notbremse ziehen, wie das sein Kollege im Beiboot, Werner Kapp, 1972 auf dem Nürburgring getan hatte. Angesichts des rasanten Fahrstils von Rolf kriegte Kapp es mit der Angst zu tun – und zog kurzerhand das Batteriekabel: null Punkte. Da war nach dem Rennen sicher Gesprächsbedarf. Aber dennoch saß Werner Kapp auch bei den folgenden Rennen weiter im Boot. Im Nachhinein beruhigte Steinhausen seine Beifahrer – es waren im Laufe der Jahre 13!, als er bei seinem Abschiedsfest meinte: „Ich war zwar ein wilder Hund, aber ich habe alle wieder gesund abgegeben.“

2015 zschorlau 04Neben Steinhausen standen weitere interessante Gespanne und Fahrer in der Startaufstellung, etwa Rolf Blatter, der schon einige Male in Zschorlau und in diesem Jahr mit einem NSU-Gespann und solo mit einer Kreidler vertreten war. Und auch Dauerstarter Horst Maria Kowalski (LCR-Suzuki) und Mario Reinwardt (Honda Derbyshire) bereicherten das Gespann-Feld. Auch in den anderen Klassen gab es ein Wiedersehen mit vielen bekannten Fahrern und Motorrädern, die in Zschorlau schon fast zum Inventar gehören. Kurt Florin, jede Menge MZ, natürlich auch mit Heinz Rosner, und Ralf Waldmann auf seiner Kreidler sind nur einige. Immer wieder etwas fürs Herzchen ist der Sonderlauf NSU und DKW. Hier brachte Jens Güra das älteste Motorrad des Wochenendes an den Start: eine 600er DKW SS aus dem Jahr 1929 mit immerhin 22 PS. Mit viel weniger Hubraum müssen die „kleinen“ der GP-Parade 50 bis 125 ccm auskommen.
2015 zschorlau 03 Jan de Vries mit seiner Kreidler stand hier mit der 1 in der Startaufstellung, in der die alten Weggefährten Gerhard Waibel, Ingo Emmerich und Rolf Blatter wieder aufeinander trafen. Diese drei waren nämlich auch am Start, als Gerhard seinen ersten Sieg bei einem Weltmeisterschaftslauf einfuhr: Hockenheim 1979. Waibel war damals ein noch unbeschriebenes Blatt. 1977 begann er mit Rennen um den OMK-Pokal – so jung, dass er sich noch zur Rennstrecke fahren lassen musste. 1979 hatte er sich für die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft qualifiziert. Der Lauf zur Deutschen Meisterschaft wurde in diesem Jahr zugleich mit dem ersten WM-Lauf auf dem Hockenheimring ausgetragen. Und so fand sich Gerhard mit seiner 50 ccm Kreidler mit einem Mal im WM-Feld wieder. Er hatte offenkundig nicht sonderlich viel Respekt vor den großen Namen und fuhr ohne jede Zurückhaltung auf den ersten Platz. Abgesehen davon, dass das seiner Karriere einen ordentlichen Schub gab, wurde er damit zum bis dahin jüngsten GP-Sieger. Im Fahrerlager in Zschorlau war er für seine Fans allerdings ein bisschen schwer zu finden. Im Programmheft war ein Foto aus seiner Anfangszeit und der heute 57-Jährige hat sich ein wenig verändert.

Außer den prominenten Fahrern gab es auch sonst wieder sehr viel zu schauen und zu hören. Martin Kott startete mit einer MV Agusta Disco Volante, wegen ihrer spacigen Tankform heißt sie „Fliegende Untertasse“. Diese sehr seltene MV ist aus dem Baujahr 1953, hat 175 ccm und als technisches Schmankerl eine obenliegende Nockenwelle.

Die Disco Volante und andere 50 und mehr Jahre alte Motorräder nehmen die Zuschauer mit auf eine Zeitreise, bei der man einer ganz anderen Formensprache und heute manchmal kurios wirkender Technik begegnet. Aber auch die Konstrukteure vergangener Tage wussten, was schnell macht. Relativ unspektakulär kommen da die jüngeren Rennmaschinen daher. Eine 250 ccm Aprilia RS oder eine Honda RC 30 etwa repräsentieren kompakte Renntechnik der letzten 25 Jahre.
Das Starterfeld in Zschorlau ist immer bunt gemischt und zieht, u
nd das ist besonders erfreulich, auch jüngere Teilnehmer und Zuscha2015 zschorlauuer an. Und wer sich in einer Epoche oder einer Klasse nicht gut auskennt, dem hilft Streckensprecher Lutz Weidlich auf die Sprünge. Er kommentiert unermüdlich und kenntnisreich. Das macht vor allem dem Publikum viel Freude, zumal man in Zschorlau so dicht an die Strecke kommt wie sonst nirgendwo. Sehr zuschauerfreundlich ist auch das Fahrerlager. Hier gibt es keine Absperrungen, die Zuschauer stromern durchs Fahrerlager und begegnen dort den Aktiven. Rennsport ist hier hautnah zu erleben.
Der MSC Aue versteht sein Handwerk, die ehemals kleine Sonnt
2015 zschorlau 02ags-Fahrerei hat sich zu einer Top-Veranstaltung mit mehr als 300 Startern gemausert. Prominente Fahrer wie Giacomo Agostini, Steve Baker oder, wie in diesem Jahr, Rolf Steinhausen bereichern die Veranstaltung. Ich bin einmal gespannt, was sich der MSC Aue zum 20. Zschorlauer Dreieck im nächsten Jahr einfallen lässt. Ich freue mich darauf und habe mir den Termin, den 23. und 24. Juli 2016, schon mal für eine Reise ins Erzgebirge reserviert.

Text: Birgit Siekmann, Fotos: Stefan Reidel, Frohnmeyer
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