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Hammerstatt-Revival 2015 verdient Bestnote
von Friedbert Morsch
2015 Hammerstatt Revival Plakat
Welch eine organisatorische und logistische Glanzleistung:
„10. Hammerstatt-Revival“, 3./4. Oktober 2015,
beim Flugplatz VS-Schwenningen.
Eine Premium-Veranstaltung im Jubiläums-Modus!


Auch das muss mal gedruckt werden. Weil es nicht selbstverständlich ist: Alle arbeiten sie ehrenamtlich – schon Monate vor dem Ereignis bieten sie viel Freizeit auf – mancher gar Urlaub – mit den Piloten und den Zuschauern verbindet sie die Leidenschaft für den klassischen Motor- und Rennsport allgemein – und mit den Rennen der 50er-Jahre im Schwenninger Revier „Hammerstatt“ eben ganz speziell – das prägt und motiviert – auch viele Frauen sind eifrig dabei – und zahlreiche Jugendliche! Gesamtnote: eine glatte „Eins“ für diese Bilderbuch-Veranstaltung mit Werbe-Effekt für's Motorrad. Einfach mal „Kappe“ in respektvollem Dank an alle Helfer und Funktionäre, an Gesamtleiter Werner Jauch und Fahrtleiter Siegfried Menge mit Team vom Schwarzwälder Automobilclub (SAC)! - Doch einer wurde schmerzlich vermisst, der die Serie „Hammerstatt Revival“ überhaupt maßgeblich gestaltet hat. Er war ein überragendes Multi-Genie, allseits beliebt und mit seinen Motorrad-Aktivitäten weithin bekannt: Hans Walther, am 29. Juli in seinem Haus bei VS-Schwenningen nach schwerer Krankheit 76jährig verstorben. Ihm zu Ehren wurden auch Gedächtnisläufe gefahren. Arrangiert durch das stark vertretene MAICO-Historic-Team. Ein ganzseitiger Nachruf fand sich außerdem im Veranstaltungs-Programm, in Auflage von 3.000 Exemplaren (!) gedruckt.

Das pralle Programm zeigte auf 35 Seiten, mit Werbeeindruck der freundlichen Unterstützer, 13 Läufe zu je ca. 25 Teilnehmer unterschiedlicher Kategorien auf, die pro Tag je einmal am Vormittag und am Nachmittag zum Start aufgerufen wurden. Über 250 Teilnehmer(innen) bevölkerten somit die weitläufigen, offenen Fahrerlager. Bei ihren Präsentationsläufen umrundeten sie hurtig den ca. 1,6 km langen, mit hunderten Strohballen gesicherten Viereck-Kurs am Flugplatz mit seinen
Hammerstatt Revival 2015 2 vier schnellen Kurven. Zusätzlich über 90 Oldtimer-Corso-Fahrer, im sozialen Engagement unterwegs mit Gästen der Lebenshilfe Schwenningen und einer Krebs-Nachsorge-Klinik für Kinder. Arrangiert durch Rolf Jauch, Bruder des Gesamtleiters. Viel Aktion! Da braucht's schon ein funktionierendes Zeitmanagement, zweitägig jeweils zwischen 08.30 Uhr und ca. 18.00 Uhr. Eine markante Herausforderung, vorzüglich gemeistert vom eingespielten Start-/Ziel-Team um Heinz Wetzel und Siegfried Wernet, durch frühere Bräunlinger Grasbahnrennen mit reichlich Erfahrung ausgestattet.

Lust an Historie und Vergangenheit erwachte bei rund 2.500 Zuschauer schon alleine optisch durch den Auftritt der meisten Fahrer(innen) im einteiligen, schwarzen Lederkombi aus früheren Zeiten. Das hatte einfach zeitgenössischen Stil, und es erinnerte auch an die legendären Schwenninger Rundstreckenrennen in den 50ern im Stadtteil Hammerstatt. Bis zu 17.000 Zuschauer zogen ja damals diese Großereignisse in ihren Bann. Erfolgreiche NSU-Rennmäxe, Horex, DKW, Norton, Benelli, MV-Agusta, MAICO's, MZ, BMW's als Solo und Gespanne sowie andere Pretiosen waren mit unverwechselbarem Wohlklang unterwegs. Rennmaschinen und Alltags-Motorräder hatten damals ihren hohen gesellschaftlichen Stellenwert. Waren sie doch die typischen Produkte ihrer Zeit. Vor allem aber die Hoffnungsträger für den Wiederaufbau nach entbehrungsreichen Kriegsjahren. Daran erinnerte wieder das Schwenninger Revival, wo man das technische Kulturgut sehen, hören und riechen konnte. So war der historische Motorradsport auch in Schwenningen wieder pure Emotion, die bei nicht wenigen gar erkennbar zu erhöhter Produktion von Glückshormonen führte.

Zeitsprung jetzt in die 60er- bis 80er-Jahre: Neuer Markt, neue Technik, neue Fahrer. Im Programm vier Sonderläufe der Fahrerlegenden dieser Epoche. Sehr spektakulär pfeilten sie durch den Strohballen-Kanal. Wie aus einer anderen Welt. Respektvoll von der Kulisse Hammerstatt Revival 2015 ehrenrundeapplaudiert bei ihrer gemächlicher Ehrenrunde ohne Kopfbedeckung. Peter Rubatto („Mr. Superbike“), Heinz Rosner („Mr. MZ), Bruno Kneubühler, Horst Burkhardt, Manfred Fischer, Edmund Czihak sowie weitere Meisterfahrer waren neben Dreifachweltmeister und US-Amerikaner Freddie Spencer am Start. Etwa 20 WM- und DM-Titelträger waren in forcierter Aktion. Bei ihren Autogrammstunden beantworteten sie auch gerne Fragen. Sehens- und hörenswert waren freilich sämtliche Läufe der Solo- und Seitenwagen-Klassen, kategorisiert nach Hubraum. Bemerkenswert die starke Besetzung durch japanische Marken. Historische Maschinen englischer Herkunft waren hingegen eher Mangelware. Die Entwicklungen am Markt wurden erkennbar: eine Honda 750 Four, die CBX, eine Yamaha SR oder eine Suzuki RG, die sind inzwischen halt auch schon im Oldie-Modus. So schnell vergeht die Zeit.

Indes konnte die Kreativabteilung bei Start/Ziel trotz allem Umtrieb das „Schwenninger Motorradgedicht“ herstellen. Vielleicht eignet es sich gar für die Club-Annalen ? Es skizziert treffend die Gesamtlage des 10. Schwenninger Jubiläums-Revival. Es lautet: „Das Motorrad lebt – die Luft vibriert - der Asphalt bebt. Wir haben das Motorrad niemals satt – es lebe unser Hammerstatt!“ Gedicht zu Ende und Schluss für heut.
 
Hammerstatt Revival 2015 ruHammerstatt Revival 2015

Hammerstatt Revival 2015 sidecar

 Text: Friedbert Morsch, Fotos: Morsch, Roland Leger
 
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