Genialen Konstrukteuren gebühren Denkmäler. Friedel Münch, Erbauer der legendären Mammut, gehört dazu. Schließlich war seine 1100er Vierzylindermaschine 1966 das erste Big-Bike. Im Friedel Münch Museum steht inzwischen eine ganze Mammutherde. Deutsche sind tierlieb. Keine Frage. Katzen und Hunde gehören zum Familienleben. Es gibt aber auch noch ganz andere Haustiere, zum Beispiel die Mammuts. Bei Familie Groh in Walldorf ist das jedenfalls so. Wilhelm Groh ist sogar leidenschaftlicher Mammut-Sammler.
Mehr als zwei Dutzend dieser seltenen Rasse besitzt er bereits. Doch mit den längst ausgestorbenen
Zottelviechern aus der Urzeit hat seine rollende Herde
ganz und gar nichts zu tun. Seine Mammuts sind Münch Motorräder.
Wilhelm Groh ist echter Münchfan, und das bereits, seit er als Sechzehnjähriger am Hockenheimring zum ersten Mal eine Münch-4 TTS 1200 gesehen hatte. Und wie es überall und immer mit solchen Leidenschaften ist, wurde zunächst alles, was über dieses Super-Motorrad zu bekommen war, gesammelt. Schon bald war ein dicker Ordner mit Prospekten, Preislisten, Aufklebern, ausgeschnittenen Werbeanzeigen, allen möglichen Zeitungsveröffentlichungen und Testberichten
gefüllt. Diese Begeisterung wurde fast 20 Jahre lang gepflegt, jedoch
ohne dass der Mammutfan je eine Münch-4 selbst besaß. Dafür fuhr Groh große Motorräder von Honda, Kawasaki, Benelli und BMW. Mitte der achtziger Jahre war es dann aber doch soweit. Erst war es eine Münch-4, bald folgte die zweite und eine dritte. Zu Friedel Münch entwickelte sich im Laufe der Zeit eine feste Freundschaft, der, was man kaum für möglich hält, kein einziges Motorrad selbst besitzt. Bei Wilhelm Groh wurden es dagegen immer mehr. Und weil sich im Laufe der Jahre auch noch so viele Sachen drumherum angehäuft hatten, beschloss der rührige Mammutfan, ein privates Museum zu eröffnen. Das war im Herbst 1994.
Die Wände des kleinen, aber feinen Museums sind mit Schätzen aus der Sammlung dekoriert. Doch ganz gleich ob Konstruktionszeichnungen, Poster, Pokale, Fotos, Münch-Bremse, Elektron-Schaufelrad, Fahrwerk, Wimpel oder Typenschilder, alles hat nur mit einem zu tun: der Mammut. Natürlich auch die über 30 Tanks im Regal, jeder ist ein echtes Münch-Exponat. Denn genau wie es bei der Münch-4 im herkömmlichen Sinne nie eine Fließbandfertigung gab, haben die Spritfässer alle eine andere Form und Farbe. Nicht nur, dass der Kunde individuell die Tankgröße wählen konnte, auch wurde der Knieschluss haargenau auf die Größe und Sitzhaltung des Fahrers angepasst.
Prachtstücke der Kollektion sind
zweifellos Daytona-Bombe, Münch-3, Turbo, Sport-Münch, Titan 1600 und das Münch-Gespann. Mit der Daytona-Bombe wollte Friedel Münch 1970 im Speed-Way von Daytona Beach einen Weltrekord aufstellen. Die Voraussetzungen waren gut. Ferdinand Kaczor schaffte mit der 125 PS starken Renn-Münch auf Anhieb 284 Stundenkilometer. Doch schon nach einigen Runden flogen die Profil-Blöcke aus dem Hinterreifen. Damals gab es eben noch keinen Pneu, der die immensen Strapazen aushielt. Aus dem Rekord wurde nichts, dafür hat die Daytona-Bombe nun einen Ehrenplatz im Museum gefunden. Die Münch-3 ist ein Prototyp mit 700er Dreizylinder-Zweitakt-Motor, der allerdings nie endgültig fertiggestellt wurde und somit
genauso wenig je in Serie ging. Von der Turbo wurden insgesamt nur sieben Exemplare gebaut, Groh hat eine. Bei der Sport-Münch sucht man die Münch-typischen Elemente vergeblich. Modernes Gussrad mit Doppelscheibenbremse vorne, Sportlenker und Habermann-Verkleidung gehörten so ganz und gar nicht zum Bild der sonst so gewaltigen Mammut, waren aber ausdrücklicher Wunsch eines Kunden. Mit dem Friedel Münch Museum schuf Wilhelm Groh ein Denkmal, das den Namen eines Mannes trägt, für den Motorräder stets der Mittelpunkt seines Lebens sind. Die Münch-4 ist ein Meilenstein in der Motorradgeschichte und ein technisches Kulturgut in der deutschen Zweiradhistorie.
Text & Fotos: Winni Scheibe |
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