Beiträge von nsumax

    Begreift eigentlich niemand, daß der Motorsport, insbesonderer der Sport mit Motorrädern, generell am Ende ist ? Die Unwirtschaftlichkeit der Rennstrecken nicht nur der Unfähigkeit der Betreiber geschuldet ist, sondern Folge einer politischen Zielvorstellung ist ? Der letzte Motorrad Grand Prix am Ring, Tex Geissler wurde in der 125er sensationell Dritter, fand vor 24000 Zuschauern statt. Ich war es vorher gewohnt, auf jedem deutschen GP volle Häuser vorzufinden. Es gab Berg- und Flufplatzrennen, in St. Wendel wagten die Veranstalter sogar eine Art eine Art IOM auf deutschen Boden. In meiner Heimat war Rolf Steinhausen ein Begriff. Menschen, die privat allenfalls einen Kadett fuhren, pilgerten nach Spa und Assen, fühlten sich als Teil des Großen. Gustav Reiner war ein Held, wegen seiner Bereitschaft, seine Gesundheit und vielleicht auch sein Leben auch dann zu riskieren, wenn er eine ganze Runde in Führung lag. Das ist vorbei, inzwischen leistet sich die drittgrößte Industrienation der Welt den Luxus, keinen Superbike WM-Lauf mehr auszutragen. Heutzutage kann ein Veranstalter nur noch dann das Risiko einer Rennveranstaltung eingehen, wenn er die Behörden davon überzeugt, es handele sich lediglich um die Präsentation antiker Motorentechnik. Milde kann der Bittsteller erwarten, sollte er als Zwischenlauf die Darbietung elektrogetriebener Zwei- und Vierräder gestatten. Böse kann der Antrag auf eine Rennveranstaltung enden, sollte ein beliebter Radweg die geplante Rennstrecke kreuzen. Vielleicht waren die Planer des neuen Nürburgrings auf Grund ihres Alters noch der Meinung, es könnte wieder so werden wie auf der Solitude, wo angesichts eines WM Laufs die Autobahnen stillgelegt wurden, damit all die Mäxe der Besucher auch Parkraum finden konnten. Grotesk, aber typisch, wenn Sozialdemokraten Unternehmer spielen, war der Glauben, eine Achterbahn und massenhafte Kneipen in der Wildnis könnten die Zustände von damals widerbeleben. Sicher war es auch äußerst ungeschickt, die Jugend an den Motorradsport heranzuführen, wenn vor jedem Kauf einer Curry Wurst erst eine Plastik Karte erworben werden muß. Das Heranführen unseres Nachwuchses wurde auch bestimmt deshalb nicht geföredert, wenn massenhaft Sicherheitskräfte aber auch jeden Weg versperren, behindern, mit unangenehmen Fragen verlängern. Das sind Kleinigkeiten, zeigen aber den Willen unserer politischen Führungskräfte, eine Welt ohne Risiko, ohne Eigenverantwortung, ohne Aggression, ohne Kampf zu schaffen. Im Bus zur Schule zu fahren, ist risikoloser, als auf der Kreidler. Und einfacher zu kontrollieen. Und in dieser schönen Welt hat ein Symbol der Freude am Risiko, der Begegnung mit Fremden, der Begeisterung für den Verbrenungsmotor keinen Platz. Deshalb werden auch alle, die mit gutem oder schlechten Absichten versuchen, den Ring zu übernehmen, gar zu retten, an der politischen Wirklichkeit scheitern. Für die Entscheider in Berlin oder Brüssel sind Windmühlen, Solarzellen, Elektroautos, die Mülltrenung und die Frage, ob es mehr als zwei Geschlechter gibt, tragende Fragen der Zukunft, ob wir paar Irre am Ring am Wochende einen Marques sehen wollen allenfalls Ausdruck längst überholter Welten.

    Yamaha reapieren und verbessern, Guzzi verschönern, die hats nötig, noch ne Yamaha für den Sohn zusammenbauen, Enduro fahren, zum Handball gehen und das Forum zutexten: Genug zu tun, der Winter ist auch eine wichtige Jahreszeit. Stellt Euch vor, wir müßten auch noch fahren!

    Ich bin mir gar nicht bewußt gewesen, daß in Assen ein Seitenwagen Rennen stattfand, weiß bis heute noch nicht, um was für einen Lauf es sich handelte und in welchem Rahmen das Rennen stattfand. Es wäre auch bis dato den wenigstens unter uns bekanntgeworden, wenn dieser tödliche Sturz nicht passiert wäre. Wenn wir beklagen, daß niemand hier den schlimmen Unfall veröffentlicht hat, stellen wir uns auf die gleiche Stufe mit unserer Presse, die aus dem Motorradsport nur dann berichtet, wenn sich ein Todesfall erreignet hat. Auch dieser Betroffenheitskult mit diesem unsäglichen "R.I.P" ist pure Heuchelei. Es kann immer was passieren, ein Freund von mir, selber Besitzer und Sammler unzähliger Zweitakter, verlor im Winter seinen Sohn auf dem Motorrad. Außer den Angehörigen und den unmittelbar Befreundeten interessiert das niemanden. Auch den armen Toten beim Fischereihafenrennen, der im Facebook "RIP`s" zu Hunderten einsammelte, kennt doch inzwischen beim Namen die ganze trauernde Netzgemeinde nicht mehr. Und was die Skifahrer und Bergwanderer sich jedes Jahr im Gebirge antun, veröffentlicht die Qualtätspresse nicht, mit Rücksicht auf den alpinen Tourismus, dort ein entscheidender Wirtschaftsfaktor wie die Autoindustrie hierzulande. Übrigens aus gleichen Gründen auch nicht, was uns Motorradfahrern anbetrifft, wenn wir im Sommer in Südtirol unsere privaten Bergmeisterschaften ausfahren. Wichtiger wäre herauszustellen, wie selten inzwischen solche Vorfälle im Rennsport passieren. Wieviel für die Sicherheit getan wurde, mit Erfolg. Wie unglaublich die Motorradunfälle mit tödlichem Ausgang auch auf der Straße seit 30 Jahren gesunken sind. Und zu akzeptierern, daß diese, für die Angehörigen furchtbare Geschichte in Assen, niemals zu verhindern sein wird, wollen wir dagegen nicht eine auch sehr wertvolle menschliche Errungenschaft verlieren, unsere Freiheit.

    BMW Motorrad setzt, nach eigener Aussage auf "Urban-Vehicles". Auf Deutsch übersetzt, eine Sprache, die BMW Manager nur mühsam beherrschen, heißt das Roller und elektrogetriebene Fahrzeuge. Sie setzen im großen Stil eine Strategie um, mit der Martin Wimmer im Kleinen scheiterte: Große Namen zu mißbrauchen, um Roller in China billig zu produzieren und im Rest der Welt unter der Marke BMW teuer zu verkaufen. Sie müssen auch sicher irgendwas tun, ich glaube mich zu erinnern, von lediglich 1,5 Millionen EURO Gewinn im letzten Jahr gelesen zu haben, eine Zahl, die deutsche Manager zu Schweißausbrüchen treibt. Aber Hauptsache, ein Joschka Fischer sitzt im Aufsichtsrat, gibt entscheidende Tipps auf dem Weg in eine saubere Zukunft und greift fröhlich ordentliche Tantiemen ab.


    Gruß


    Stefan

    Charly, hoffentlich hast Du bald wieder eine schöne Baustelle, Du mußt wieder raus, Geld verdienen. Der Junge wird sich nicht lange mit der kleinen Honda zufriedengeben, da muß was Neues her. Dauert nicht mehr lange. Meiner philosofiert auch schon von der Entdrosselung seiner Aprilia, nach 5 Monaten ist es schon soweit. Sind auch nicht besser wie wir, die Jung[video][/video]en., kein Fortschritt erkennbar.


    Gruß


    Stefan

    Wenn der Sohn des Bundespräsidenten auf einem geliehenem Bobby-Car erwischt wird, forschen findige Journalisten nach der Herkunft des Gefährts, finden heraus, daß es von einem Autohaus kostenfrei zur Verfügung gestellt wurde und setzen die halbe Presselandschaft in Brand, ob des Skandals, den sie aufgedeckt haben. Sie nennen sich dann "investigativ".


    Der Winni Scheibe scheint es gewohnt zu sein, freien Eintritt zu Rennveranstaltungen zu haben, man kann "ja da mal was drüber schreiben". Er hält es auch für angemessen, wenn der Veranstalter auch für die Eintrittskarten, ja sogar VIP-Karten, seiner Freunde aufzukommen hat. Schließlich ist sein Gast amerikanischer Gespannmeister und trägt den größten Titel, den der amerikanische Motorradrennsport zu vergeben hat, beides Auszeichnungen, von denen ich bislang keine Kenntnis hatte.


    Trotz der beeindruckenden Titel des Amerikaners halte ich die Reaktion des IDM Veranstalters für richtig. Der Erwerb einer Eintrittskarte ist, auch wenn unser amerikanischer Held der Freund eines Journalisten ist, zumutbar.


    Wäre dem nicht so, müßten unsere Journalisten ihre gewinnträchtigen Kampagnen gegen ungerechtfertigten Gebrauch von Bobby-Cars unverzüglich einstellen.

    Als der Herweh mal in Assen vor den damaligen Weltstar Toni Mang einlief, bemerkte er im abendlichem ZDF Sport-Studio, "Daß der Toni im Regen Motorrad fahren kann, hat er schon bewiesen, als er vor 3 Wochen in Hockenheim hinter mir Zweiter wurde", eine Aussage, die damls einer Majestätsbeleidigung gleich kam. Er war nicht nur schnell, sondern hatte auch eine Außendarstellung, die wir bis dato nur vom großen King Kenny kannten. Herweh stieg auf, wie Phönix aus der Asche, war der Erste, der die schnellen ROTAX Motoren auch ins Ziel bringen konnte, die Dinger fielen ja ansonsten in Führung liegend so gut wie immer aus. Er muß also gut fahren und gut schrauben können, der Herweh. Umso trauriger, daß er sich offensichtlich so stark zurückgezogen hat. Im Netz fand ich heraus, daß er sich in seiner Freizeit mit der Restauration von alten Volksempfänger beschäftigt. Anstatt heute als weltweite Kapazität für die verbliebenen ROTAX Motoren überall Ruhm und Ehre zu empfangen und beim VFV mit unfassbaren Rundenzeiten zu glänzen, versucht der Herweh inzwischen, an Hand vergilbter Datenblätter russische Radioröhren zu organisieren, deren Sockel und Gitterspannung in ein Nordmende oder SABA Gerät aus den frühen 50ern paßt. Der eine sitzt halt mit über 80 Jahren auf jedem Kirmesrennen am Streckenrand und verkauft Bücher und Mützen, andere verlassen die Welt des Rennsports urplötzlich und wenden sich einer völlig anderen, verrückten Idee zu. In jedem Fall war es in seiner aktiven Zeit sehr schade, daß es zum großen Titel nie gereicht hat. Verdient hätte er es gehabt.




    Gruß




    Stefan

    Wie muß das rappeln, daß man seinen Helm verliert ? Und wir knapp das geht, ein paaar Zentimeter weiter links, nichts oder wenig wäre passiert. Dem Simocelli kann niemand mehr helfen, aber das dem Rossi kurz vor Schluß noch so etwas passiert, ist für Ihn sehr traurig und schade und wird immer einen Schatten auf seine Laufbahn werden. Auch wenn für für den Unfall keine Schuld trägt.

    Gestern vor 38 Jahren eröffnete mir meine Fahrlehererin, daß sie zur morgigen Prüfung kein Fahrschulmotorrad mehr habe. Ich organisierte von einem Freund eine CB 250 Disc, fuhr damit schwarz einen Tag später zur Fahrschule und mit einem Fahrschullehrer zum TÜV nach Gummersbach. Der Prüfer merkte zu spät, erst innerhalb der Prüfung, daß bei der Honda die Blinker nicht gingen und der M-Lenker nicht eingetragen war, ich bestand. Mit unfassbaren 150 Sachen knallte ich die Rospe-Talstraße hinunter nach Hause, voller Erwartung auf meine Max, die seit Wochen auf diesen Tag vorbereitet bei meiner Oma im Schuppen stand. Es wurde schon dämmrig, als ich die Schuppentür aufzog und feststellte, daß der Hinterradreifen platt war. Ausgebaut, geflickt, eingebaut. Die NSU sprang nicht an, kannte ich schon, andere Kerze rein. Endlich knallte das schöne Hoske Rohr. Ich öffnete die Schuppentür, es war inzwischen stockdunkel und es schneite. Regenkombi über die Lederjacke und raus. Im Schneetreiben ging es dann noch so 30 km weiter, endlich legal auf Bundesstraßen fahren, endlich im Wald keine Angst mehr vor den Förstern un Jägern oder gar Polizisten. Am nächsten Tag mit der unfassbar lauten Hoske den Berg zur Schule rauf. Ich glaubte bisher unbekannte, bewundernde Blicke der umherlaufenden Mädchen zu erkennen, als ich die Max auf den Ständer stellte. Solte das jetzt auch noch dazu kommen ? Ich konnte mein Glück nicht fassen, alles vorher war nur freies Taining, jetzt ging das Leben los.


    Da war der 12.11.1975, ein Tag, den man nie vergißt.


    Gruß




    Stefan

    Mit so einer Vorwärtsverteidigung konnte der gute PUR nicht rechnen, als er den jungen Mann auf dem Eingangsbild wegen seiner ungewöhnlichen Beinlackierung kritisierte. Aus allen Rohren feuert Michael, der Berliner zurück, sowas ist man am beschaulichen Niederrhein nicht gewohnt. Glück hat PUR sogar gehabt, denn der junge Mann wird als friedlich beschrieben, er droht, andere würden sich gleich auf den Weg nach Düsseldorf machen, dort mit Gewalt die Gerechtigkeit wieder herstellen.


    Der Tatoo bemalte Motorradfan wird gar als absolute Nachwuchshoffnung beschrieben, soll Benzin im Blut haben, ich muß zugeben, daß hätte ich auf den ersten Blick auch nicht vermutet. Aber so geht es uns zurückgebliebenen Provinzlern ja oft, es gab ja Hausbesetzter, die wir verachteten, die aber nachher Außenminister wurden.


    Bewundert habe ich den preußischen Angriffschwung, mit dem Michael die Bemerkungen von PUR beantwortet. Irritiert hat mich seine Bemerkung, "Arschgeweihe" seihen prolllig, warum hat dieBerliner Toleranz dort auf einmal Grenzen ? Vielleicht, weil inzwischen auch Damen in höchsten Ämtern auf diesen Schmuck nicht mehr verzichten wollen.


    Die Zukunft unserer Szene scheint also in den Händen von Michael und seiner Freunde zu liegen. Wir solllten uns anpassen. Und uns angewöhnen, daß es wenig empfehlenswert ist, abfällige Bemerkungen über Bewohner unserer Hauptstadt öffentlich zu machen. So war es ja eigentlich schon immer.


    Gruß



    Stefan

    Werden Motorradfahrer im Allgemeinen, "Rennfahrer" der Klassik Szene im Besonderen gefragt, wie sie miteinander umgehen, wird oft eine überschäumende Hilfsbereitschaft betont, die es im Vergleich zu anderen Bevölkerungsgruppen in dieser Form nicht geben würde. Sicher, es gibt Gespannfahrer, die nehmen einmal im Jahr einen Schwerbehinderten im Seitenwagen mit, nehmen eine mögliche Verschmutzung des Bootes in Kauf. So etwas hat man von einem Porsche Fahrer noch selten gesehen. Man kann auch sicherlich im Fahrerlager von den meisten Kollegen mal einen Kabelbinder geschenkt bekommen. Bei einer M 8 er Schraube wird es aber dann schon schwierig, sollte man auch noch gewisse Wünsche betreffend der Länge äußern. In solchen Fällen muß der Bittsteller sich schon einige Bemerkungen gefallen lassen, schlimmstenfalls sogar eine empfindliche Bierspende an den Schraubenbesitzer entrichten.


    Ganz bitter wird es aber, wenn sich ein zu spät Gekommener einen Stromanschluß für sein Wochenendheim besorgen muß. An diesem Punkt hört jeglicher Spaß auf. Das Fahrerlager verfügt ja in der Regel nur über eine begrenzte Anzahl von Direktanschlüßen, der Rest teilt sich dann, je nach Kabeltrommellänge und Ankunftszeit, in ein unübersehbares Stromnetz aus. Dabei wird jede freie Steckdose verteidigt, als sei davon der Zusammnenbruch des ganzen Gebildes zu befürchten. Die meisten betrachten auch den Strom, der aus ihrer noch freien Dose fließen könnte, als ihr Eigentum und verlangen vom dem suchenden Kollegen präzise Angaben über die zu erwartenden Stromverbräuche und Lastspitzen.


    Werden hier falsche Angaben gemacht, ist die Sache meist endgültig verloren. Empfehlenswert in solchen Situationen sind Hinweise auf die 3 W Stablampe oder das I-phone des Sohnes, welches unbedingt über Nacht aufgeladen gehört. Hinweise auf Kühlgeräte, Fernseher oder Startmaschinen bringen die Verhandluhngen meist schnell zum Erliegen.


    Mitstreiter aus der Schweiz erweisen sich als besonders hartnäckig, deutschen Atomstrom herauszurücken, verweisen gerne auf die unterschiedlichen Steckdosen. Adapter auf deutsche Technik werden als nicht zulässig und gefährlich zurückgewiesen.


    Keinesfalls darf der Fehler gemacht werden, freie Steckplätze ohne Rückfrage und Verhandlung einfach zu besetzen. Auch ist es unzulässig, sich von untergeordneten Mitgliedern der Stromanbieter eine Erlaubnis zu holen, maßgeblich für den dauerhaften Bezug ist immer der Rottenführer, meist der Fahrer selbst. Diese Person zu finden ist oft schwer, Zeit gespart ist aber durch den Hinweis, daß Frauen, Kinder und Hunde grundsätzlich über keinerlei Weisungsbefug in dieser Sache verfügen.


    Gerade in den Abendstunden ist es möglich, daß der vermeintliche Stromanbieter gerade mit der Zubereitung der Nahrung, schlimmstenfalls bereits mit der Aufnahme derselben, beschäftigt ist. Fragen zu diesem Zeitpunkt sind äußerst riskant unf führen oftmals zu keinem Ergebnis. Zu lange darf aber auch nicht gewartet werden, man läuft Gefahr in die Phase der Trunkenheit hinein zu laufen, in diesem Zeitfenster wird der Bittsteller auch noch gerne mit seinem Ansinnen vor den versammelten Fans ins Lächerliche gezogen, was das Selbstvertrauen bei weiteren Versuchen ins Bodenlose sinken läßt.


    Den Veranstalter bei Problemen mit einzubeziehen, ist völlig wirkungslos. Der vertraut auf die Selbstheilungskräfte des Fahrerlagers und hat sowieso ein schlechtes Gewissen, da nur er über die wirkliche Kapazität seiner Stromversorgung weiß und ebenfalls hinter jedem Beschwerdeführer einen Heizlüfter vermutet.


    So mach ich mich bei jeder Veranstaltung mit zwei Kabeltrommeln auf die Suche nach einem der seltenen Zeitgenossen, die mir für meine Stablampe und das I-Phone eine Steckdose überlassen. Da muß dann oft irgendwo im Niemansland die eine Kabeltromel als Zwischenkasten zurückgelassen werden. Deren 3 freie Steckplätze sind nach mindestens 10 Minuten von anderen Mitbürgern belegt, wetten ?


    Ein gutes Gewissen verschafft man sich schnell, wenn einmal, nach dem Gotttesdienst im Grünen, ein Hüppiger für 30 Minuten im Seitenwagen sitzt. Oder man einem verzweifelten Nachbarn einen Kabelbinder leiht, damit der seinen Transponder festmachen kann. Die vielbeschworene Hilfsbereitschaft hat aber sehr schnell da ihre Grenzen, wo sie mal einen richtigen Praxistest zu bestehen hat. Und sei es auch nur der Kampf um ein bißchen Strom. Daran sollten wir arbeiten.


    Gruß



    Stefan

    Wie gerne hätte ich damals Kim Newcombe als Weltmeister auf einem deutschen Zweitakter gesehen ! Jede Motorrad Zeitung wurde mit größter Spannung erwartet und die Berichte verschlungen. Diese frühe Begeisterung und das Auftauchen vieler König auf Klassik Rennen in den letzten Jahren veranlaßte mich vor 2 Jahren in Hockenheim, ein T-shirt zu erweben. Das hätte ich bleiben lassen sollen: Trag ich das Teil im Bekanntenkreis, ernte ich Unverständnis, manchmal wird mir auch Arroganz vorgeworfen. ("König") Wird es auf Klassik Veranstaltungen angezogen, fragen mich alle paar Meter fremde Menschen nach Ersatzteilen oder wollen mir Kurbewellen verkaufen.


    Gelernt habe ich: Trage keine Embleme von Motorrad Herstellern, von denen Du keine Ahnung hast.


    Gruß



    Stefan

    Das war der Fahrradstadt St.Wendel dann doch etwas zu viel: Zwei Motorradsport Veranstaltungen im Jahr, dann noch dieses Publikumsinteresse, die Menschen im Lande könnten ja auf den Gedanken kommen, Motorsport sei etwas Erstrebendswertes, daß Zeitalter der fossilen Antriebstechniken noch nicht am Ende. Da hatte man doch die ungeliebte DM ohne Mühe entsorgt, war schon auf dem Weg zur internationalen Fahrradstadt und jetzt so ein Zuspruch für Fortbewegengsmittel, die uns den Klimawandel brachten. Sowas muß gleich wieder eingefangen werden, man hätte es gar nicht so weit kommen lassen dürfen.



    Die Organisatoren der Klassik Veranstaltung haben einen Fehler gemacht: Sie hätten, im Rahmenprogramm, einen Lauf für Elektro Motorräder und Roller einstreuen sollen, um die Herrschenden in Rathaus milde zu stimmen. Gern gesehen sind auch immer klimaneutrale, historische Ritterspiele, bie denen erwachsene Männer so tun, als hauten sie sich gegenseitig den Schädel ein. So etwas erschaudert die Besucher und läßt sie dankbar all die Zumutungen ertragen, die uns die jetzigen Fürstenhäuser zumuten. Für so ein Spektakel darf dann auch mal eine Bundestraße gesperrt werden.



    Deshalb, lieber Bulli, es geht eben nicht weiter in St. Wendel, sondern zurück.



    Gruß



    Stefan

    Soll doch jeder sein Glück finden. Aber das der Bernd Buollion ohne Not schon das Neusprech verwendet und an Stelle "Fahrer" "FahrerInnen" schreibt, läßt nichts Gutes ahnen. Klar, in 20 Jahren werden wir Verhältnisse haben, wo diese Schreibweise obligatorisch ist und Verstöße dagegen bestraft werden, aber noch ist nicht so weit und ich finde, unsere Sprache sollte nicht unnötig zu unseren Lebzeiten derartig verhunzt werden.



    Gruß



    Stefan

    Ich mußte mal für einen Zeltnachbarn während des Classic Grand Prix in Schleiz Dichtungspapier besorgen: In der Innenstadt selbst hört man nichts, aber die Anwohner da rund um die Tankstelle: Respekt, was die sich da ein ganzes Wochenende anhören müssen, sollten Sie kein Motorradsport Anhänger sein. Das ist ja auch erstaunlich lange gutgegangen, so etwas war wohl auch nur in Mitteldeutschland noch machbar, aber jetzt ist der Punkt gekommen, wo uns der Zeitgeist einholt. Den Kampf von Irmi in allen Ehren, aber wenn ich jetzt höre, daß "Schafe auf die Stecke getrieben werden sollen", die Polizei darüber informiert werden soll, daß Tempolimits einzuhalten seien und sich Dreieckgegner am Rande der Strecke positionieren: Das Ding ist gelaufen.



    Sicher wird es jetzt einen Kompromiß geben, die Zahl der Veranstaltungen wird zunächst reduziert, aber auf lange Sicht ist das Schleizer Dreieck Geschichte. Um die Wirtschaftlichkeit des Geländes zu erhalten, ist ein alljährliches Freiluft Rockkonzert und ein Fahrrad Rennen denkbar. Gegen Fahrräder und alternative Rock Kultur, idealerweise noch "gegen Rechts", werden sich die freien Wähler nicht trauen, Widerstand zu leisten. Wenn es finanziell nicht reicht, könnte in der Innenstandt noch ein Ritter Spektakel durchgeführt werden. So hat es Sankt Wendel gemacht und den Wandel von der "Rennstadt" zur "Event-Metropole" erfolgreich beschritten.



    Und diesen Weg wird auch das Schleizer Dreieck gehen müssen.



    Gruß



    Stefan

    Stutzig wurde ich schon, als im letzten Jahrwegen wegen des Kindergartens eine 1-stündige Pause eingelegt wurde. Kein Motor durfte angelassen werden.



    Die Veranstalter machen immer den gleichen Fehler, sie knicken vor den Forderungen der Gegner zu schnell ein, der PORSCHE Klub hätte sein Recht notfalls mit Polizeigewalt durchsetzen müssen, niemals hätte man einfach abreisen dürfen.



    Die Schleiz Gegner werden mittelfristig immer gewinnen, lediglich das IDM Rennen wird noch ein paar Jahre überleben. Denn diese Leute argumentieren nicht sachlich, sondern mit Gefühlen und Moral und haben den Zeitgeist im Rücken.



    Wir sind schon soweit, daß im Deutschlandfunk ein hoher ADAC Funktionär, von seinen autofeindlichen Gesprächspartnern moralisch in die Schmuddelecke gedrängt, in seiner Not kundtut, "schließlich ja auch mit dem Fahrad zur Arbeit zu fahren".



    Von solchen Leuten ist kein Widerstand zu erwarten.



    Für unsere Klassik Szene heißt das in Zukunft, in Jux Rennen wie Solitude Revival (800 m), St. Wendel (800m) und Böblingen nur noch wie Tanzbären zur Volksbelustigung vorgeführt zu werden.



    Gruß



    Stefan

    5000 Zuschauer sollen es gewesen sein, bei der dritten Auflage des Walldürner Flufplatzrennens, gefühlt waren es mehr. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite, so war die 1-stündige Wartezeit bei der Papierabnahme noch erträglich, vor allem, weil man Sie zu äußerst lehrreichen Gesprächen mit Leidensgenossen nutzen konnte. Das Fahrerlager wimmelt von ehemalligen Größen im nationalen Straßenrennsport, die sich lautstark über die in Ihren Augen langweilige Streckenführung beklagen und mitunter erklären, nur aus freundschaftlicher Verbundenheit mit dem Veranstalter hier überhaupt mitzufahren. Dabei verdrängen die Haudegen von einst, daß sie zu Ihrer Glanzzeit keinegswegs in Valencia oder Le Mans gefahren sind, sondern eher in Speyer, Kassel oder Aalen und gings mal zum Ring, dann allenfalls auf der unsehligen Start und Zielschleife. Mir dagegen gefällt die Strecke, die Schikane am Hanger ist zwar ein wenig arg eng, aber man lernt die Kurven schnell auswendig und hat als Hobby Pilot viel Spaß, sich in jeder Runde etwas zu verbessern. Besser als das viel gepriesene Schotten ist es allemal.



    Leider stoppte ein Klemmer in Training 2 meinen Tatendrang, immerhin stand ich aber fortan den ehemaligen DM Größen nicht mehr im Wege und konnte meinen Durst hemmungslos mit leckerem Distelhäuser stillen.



    Abends ist es im Festzelt vergleichsweise ruhig. Gegenüber dem letztem Jahr sparte man sich wohl das Geld und die Blamage, vor ca. 20 Zuschauern noch eine Rock Kapelle spielen zu lassen. So bleibt als einzige Unterhaltung die Besichtigung der sehr interessanten englischen Motorräder, daß Betrachten von alten TT Filmen am Beamer und die Beobachtung des hübschen und bienenfleißigen Mädchens im Bierrondell. Kann es denn wirklich noch schöner sein ?



    Dennoch, daß die Jugend in so einer Provinz die Gelegenheit nicht nutzt, dort mal ordentlich abzufeiern, anstatt 200 km zur nächsten Diskothek nach Heilbronn zu fahren, kann ich nicht nachvollziehen. Das wäre uns vor 20-30 Jahren nicht passiert, wer die abendlichen Feierlichkeiten im Sankt Wendeler Festzelt noch erleben durfte, weiß, wovon ich rede.



    Den Rennsonntag ohne Fahrmöglichkeit zu verbringen, war eine harte Prüfung. Um derartige Vorfälle in Zukunft zu vermeiden, wurde als neues Gemischverhältnis 1:20 festgelegt, egal wieviel Pferde bei dieser Maßnahme auf der Strecke bleiben. Lieber letzter im Rennen, als untätig nur Zuschauen. Überhaupt ist die Klasseneinteilung für die Post Classic 2-takt Serie für eine RD 350 problematish: Gegen Unmengen 350 TZ, 500 er Yamaha und Suzukis anzutreten, da sollten man das Ganze nicht allzu ernst nehmen. Es soll ja Leute geben, die sich gegen diese Armada mit fahrerischem Können und Mut behaupten. Ich gehöre nicht dazu, deshalb erwartet von mir auch niemand ein Autogramm, im Gegensatz zu dem ebenfalls anwesenden, inzwischen wohl unvermeidlichen, Jim Redman.



    Man liest der Veranstalter sei mit angwesenden 5000 Besuchern zufrieden, "mit einer schwarzen Null" davongekommen. Aber so ein Spektakel hat ein wesentlich größeres Potential, wenn man den Bekanntheitsgrad in der Region steigern würde. So weiß in meinem Verein, in der Nähe von Stuttgart, ca. 100km enfernt, niemand etwas von "Walldürn". Und wie viele wohnen hier, im Alter zwischen 50 und 60, fahren Motorrad, könnten das zu einem Ausflug in den Odenwald nutzen und würden sich von den Motorrädern Ihrer Jugendzeit begeistern lassen. Gleiches gilt für das nahe Heilbronn oder Würzburg.



    Es geht doch darum, daß der Veranstalter auf seine Kosten kommt, er soll doch ruhig was daran verdienen und hat dann vielleicht in Zukunft sogar mal die Möglichkeit, die Startgelder zu senken. Es kann doch nicht sein, daß bei jedem Ritterspiel zig-tausende von Nah- und Fern anreisen und hier ist man mit Zuschauerzahlen zufrieden, die in der dritten Fußball Liga alle 14 Tage erzielt werden.



    Der Grundstein ist in jedem Fall schon mal gelegt, ich wette, in 5 Jahren laufen dort 10.000 Menschen herum.



    Gruß



    Stefan

    Lieber Charly,



    nein, Dein Artikel ist hervorragend und absolut interessant ! Was für eine Strecke ! Das würde ich mir gerne auch mal ansehen. Ich befürchte nur, meine Frau wird mir nicht glauben, daß ich ausschließlich zum Rennen Gucken nach Thailand fliege. Sie könnte vermuten, ich will doch wieder nur billig saufen. Dann eher zum 10ten mal auf die TT, da kann nicht viel anbrennen.



    Oder ich tarne die Aktion als Geschäftsreise. Nach Thailand haben wir schon geliefert, da kann doch mal was kaputtgegangen sein, muß ich doch unbedingt persönlich hin, der Kunde ist außer sich. So müßte es gehen.



    Gruß



    Stefan

    Manfred Herweh, ein Idol meiner Jugend, repariert heute alte Radios, vorzugsweise Vorkrieg. Anton Mang, einer, der mich auch bei schlechtesten Wetterprognosen nach Hockenheim, Spa, Assen oder zum Ring trieb, stellt seine Kawasakis heute in einem Schuppen unter Wolldecken verdeckt ab.



    Beide kehrten, nachdem sie international nicht mehr mithalten konnten, dem Motorrad Rennsport den Rücken. Beide Renngrößen bezeugen heute, sich für Motorräder nicht mehr zu interessieren. Es könnte sein, daß jeder Mensch von Gott nur eine bestimmte Menge an Motorrad zugeteilt bekommt, ist das Konto frühzeitig verbraucht, muß der Rest des Lebens mit antiken Radios und Rasenmähern verbracht werden.



    Der Martin Wimmer war auch ein Großer. Unvergessen, wie er sich, es muß Anfang der 90er gewesen sein, in der 250er WM am Ring mit Herweh und Mang um die ersten 3 Plätze balgte. Es war nicht klar, wer von den Dreien gewann, es war aber sicher, es wird ein Deutscher sein. Eine Situation, die ich, aber auch mein Sohn, nicht mehr erleben werden.


    Nach Abschluß seiner internationalen Karriere blieb Wimmer dem Sport treu. Er war sich nicht zu schade, auf lächerlichen Flugplätzen in der DM den Schiebestart zu verpatzen. Es machte ihm nichts aus, als mit laufendem Motor gestartet werden durfte, sein Gerät mangels Drehmoment oder aus Ungeschick blamabel abzuwürgen. Er gewann meinen Respekt, weil ich das Gefühl hatte, Ihm geht es um das Motorradfahren an sich. Dann hat man vom Martin Wimmer nichts mehr gehört.



    Google Recherchen ergaben, daß seine Tochter bei inhaltslosen Fernsehsendern vor der Kamera steht. Es gab Hinweise, der Martin lebt in China, versucht dort sein Glück. In China war ich auch, nicht als Tourist, mehr als Verkäufer, Monteur, Inbetriebnehmer. Ich habe diese Aufenthalte ohne große charakterliche Schäden überstanden, die Zeit war zu kurz, um mich in den Bann von billigen Frauen, Rauschgiften und verlockenden Geschäften zu ziehen.



    Das alles will ich dem Martin Wimmer nicht unterstellen. Er war sicher auch in seinen Jahren in China ein redlicher Kaufmann, hat all den asiatischen Verführungen widerstanden, wollte immer nur ehrliche Geschäfte machen.



    Jetzt ist er wieder in Deutschland und will eine deutsche Motorradmarke aus dem Sumpf ziehen, die es, trotz 20 jähriger Subvention durch den Steuerzahler, zu nicht einem Motorrad geschafft hat, was auch nur ansatzweise Erfolg hatte. Entrüstet gebärdet sich der MZ Retter auf Pressekonferenzen, wenn das Land Sachsen mal endlich die Zuzahlungen für die restlichen Mitarbeiter verweigert.



    Die Presse steht auf seiner Seite und hetzt mit gegen die Regierung. Klar diese Leute müßen ja für die Kosten nicht aufkommen. Aber ist es denn nicht mal Zeit dem MZ Irrsinn ein Ende zu setzen?



    Es ist so furchtbar traurig, aber ich unterstelle einfach mal, daß Martin Wimmer mit unseren Steuergeldern nur eins will: Chinesische Roller mit deutschen Subventionen nach Deutschland importieren.




    Gruß Stefan

    Nach 25 Jahren Aufenhalt als Rheinländer in Württemberg kann ich sagen, die Schwaben sind toleranter als ihr Ruf: Sitze ich abends auf der Terrasse beim Bier, klingen immer von irgendwoher mehr oder weniger laute Geräusche feiernder und sich unterhaltender Leute, ohne daß einer meiner Nachbarn sich groß darüber aufregen würde.Ganz anders bei meiner Mutter, die im Rheinland verblieben ist, schon wenige Worte draußen auf dem Balkon gewechselt, kann zu wütenden Attacken der Mitbewohner führen.




    Den Gipfel der Toleranz erreicht aber das Schwabenland bei der Genehmigung einer Renn- Veranstaltung, die mitten in der Innenstadt von Böblingen stattfindet, sich "City-Grand-Prix" nennt und auf dem sogenannten Schloßring ausgetragen wird. Das hört sich nobel an, jedoch an einen Schloßring erinnert die Gegend wenig, die Frauen der Mercedes Abteilungsleiter im nahen Sindelfingen scheinen hier nicht einzukaufen.


    Eher beherrschen Kebab Buden, Billig-Textiler und Spielhallen das Stadtbild, daß in diesem Teil ein wenig schmuddelig wirkt und in Normalzeiten wohl eher von unseren geschätzten türkischen Mitbürgern kontrolliert wird.


    Aber an diesem Wochenende ist Ausnahmezustand in der Stadt, die Türken gehen grillen und die Deutschen strömen in Scharen zu einem Spektakel, daß Seinesgleichen in Deutschland nicht finden dürfte. Eine Strecke, schmal inmitten der Stadt, nach dem Start kurze Geraden, sodann in engen Kehren bergauf, am Scheitelpunkt über Pflastersteine im Haken links, eine Einkaufszone herunter, die durch eine Schikane gebremst wird, sonst gäbe es nicht nur Verletzte, sondern Tote.


    Die engen Häuserschluchten erzeugen einen Geräuschpegel, der selbst hartgesottene Klassik Freunde zum Ohrenstöpsel greifen läßt.


    Das hindert aber keineswegs Unmengen an Zuschauern an die Strecke zu strömen und sich dort in Griffnähe der Fahrer und Motorräder zu positionieren. Näher ran geht nicht, auf der TT würden die Marshalls mit Platzverweisen reagieren, sollte sich dort das Publikum so dicht an die Strecke trauen.




    So bin ich schon beim Vorstart umringt von kreischenden Zweitaktern, ein paar wild brüllenden 4-Zylindern Benellis und unzähligen Menschen, die sich die Ohren zuhalten. Es geht eine Runde um die Strecke zur Startaufstellung, die sich jeder selbst aussuchen kann. Die Vorsichtigen und die Ruhmsüchtigen drängeln sich eilig nach vorne. Erstere, weil sie nicht im Getümmel des Mittelfeldes umkommen wollen, letztere weil sie wissen, auf so einem engen Kurs wird man nur selten überholt, umso größer die Möglichkeit, von den Zuschauern als Siegfahrer geehrt und gefeiert zu werden.


    Ich selbst, unerfahren im Umgang mit so einem Stadtrennen, reihe mich unauffällig in der Mitte ein, was sich später im Getümmel zwar als abenteuerlich, aber auch nicht ungefährlich herausstellen sollte. Denn nach dem Start geht es los wie die Feuerwehr, allen Appellen der Verantwortlichen bei der morgendlichen Ansprache zum Trotz. Ich fahre wie im Rausch, das Publikum lehnt sich über die Brüstungen, schreit und johlt, ich fühle mich wie in einer Zirkusmanege. Um mich herum tobt der Kampf, ich werde überholt und überhole, mir rutscht das Hinterrad auf Kanaldeckeln weg, ich berühre Strohballen mit dem Knie. Ich krache über einen Zebrastreifen ums Eck, da kringelt sich vor meinen Augen eine Honda. Rechts ausweichen, Glück gehabt, war keiner neben mir. Das heiße Wetter, die kurzen Geraden, meine Vorderradbremse macht schlapp, egal ich fahre zwei Runden langsam, Druckpunkt ist wieder da und weiter geht es. Nach 15 Minuten ist der Spuk zu Ende und ich fahre erschöpft zu meinem Platz im Fahrerlager zurück in der Gewissheit, gerade etwas ganz einzigartiges erlebt zu haben.




    Jetzt ist Zeit, das Geschehen abseits des Fahrens zu erkunden. Das Motorradrennen ist Abschluß, vielleicht Höhepunkt eines 5-tägigen Stadtfestes der Stadt Böblingen, bei dem die örtliche Gastronomie ihre Möglichkeiten präsentiert. An einem künstlich angelegten See, wie er für Autostädte wie Rüsselsheim, Wolfsburg und Böblingen so typisch ist, reihen sich Stände mit kulinarischen Köstlichkeiten aus aller Welt. So bieten sich vielfältige Gelegenheiten, bei Bier und roter Wurst die Zeit bis zum nächsten Auftritt zu vertreiben.


    Es gibt aber auch anderes zu genießen: Neben der vielen Motorrädern der Besucher ist eine MV Sonderschau mit einigen ehemaligen Renngrößen zu bestaunen, daneben stellt sich fast die gesamte sudwestdeutsche Klassik Szene zu Schau.




    Der Aufruf für meine Klasse und das zweite Rodeo wird durchgegeben und ich bereue die rote Wurst, die mir, selten erlebt, unangenehm drückend im Magen liegt.



    Wir fahren alle nur 2-mal in jeder Klasse.


    Alle können aber nicht mehr mitfahren, es hat bereits ordentlich gekracht. Ich wundere mich noch, daß mein Nachbar aus Friedrichshafen nicht mehr zu sehen ist, seine Maschinen schon auf dem Hänger stehen. Da taucht er auf, Arm in Gips, Rippen gebrochen, hatte noch nicht einmal Zeit, für das Krankenhaus seinen speckigen Lederkombi auszuziehen. Der Mann, offensichtlich ein alter Haudegen, findet deutliche Worte in ausdrucksstarkem oberschwäbischen Dialekt für seinen Gegner, der ihn offensichtlich im Unverstand von der Strecke gedrückt hat.


    Auch mich erwischt es um Haaresbreite: In der Schikane, bergab in der Einkaufzone, die eigentlich schon für ein Motorrad zu eng ist, quetscht sich eine TZ links vorbei, unsere Lenker nur wenige Millimeter auseinander. Später bemerke ich, daß der Kollege eigentlich gar nicht so schnell ist, sondern lediglich durch solche äußerst riskanten Manöver Boden gut machen will.


    Ich gerate wieder in diesen rauschartigen Taumel, bin aber schon routinierter geworden, habe mich an die Verhältnisse besser angepaßt. Dem frechen TZ Fahrer will ich jetzt auch mal eins auswischen, bis mich meine erneut erschreckend nachlassende Bremse wieder vorsichtiger werden läßt.




    Ich verlasse Böblingen mit dem Gefühl, etwas ganz Besonderes erlebt zu haben, aber auch mit der Gewissheit, so etwas in Zukunft nicht mehr zu erleben zu dürfen. Denn das eine deutsche Behörde, wenngleich auch eine Schwäbische, solch ein politisch völlig unkorrektes Spektakel noch einmal genehmigt, erscheint mir höchst unwahrscheinlich.




    Abends sitze ich mit meiner Frau auf unserer Terrasse bei Bier und Wein, lausche den lautstarken Aktivitäten meiner nahen und fernen Nachbarn und beichte Ihr, daß ich froh bin, mit heilen Knochen aus dem Böblinger Inferno herausgekommen zu sein. Sie fragt, was mir denn nicht gefallen habe, ich antworte, nichts, außer, daß man nur zweimal 15 Minuten fahren darf.




    Gruß




    Stefan

    Es war kein Großergeignis, eher ein Leckerbissen für Autoliebhaber, der "Schwäbische Hill Event". Unter dem sperrigen Namen verbarg sich ein Bergauffahrt am Rande der schwäbischern Alb, kurz vor Tübingen.


    Diese Stadt ist mit einer äußerst reizvollen Altstadt und einer renomierten Universität ausgestattet. Merkmale, die in Deutschland Menschen anziehen, deren Begeisterung für Motorsport sich normalerweise in Grenzen hält. So hat Tübingen demzufolge als einer der wenigen Städte in Deutschland, die sich so etwas leisten können, einen grünen Bürgermeister. Umso höher zu bewerten ist die Tatsache, daß es dem Veranstalter, Herrn Rainer Klink, jahrelang gelungen ist, alljährlich ein wahres PS Spektakel vor den Toren dieser linksalternativen Metropole genehmigt zu bekommen.


    Die Strecke war wenig berauschend: Am Start ein unmöglicher, schlecht einsehbarer Rechtsknick, gefolgt von langen Geraden, unterbrochen von zwei schnellen Linkskurven, eine gefährliche Rechtskurve, bei der die Zuschauer im Falle eines Sturzes unweigerlich zu Schaden kommen, kurz vor dem Ziel eine Lindenalle, von der noch zu sprechen sein wird.


    Am Schluß ein beherzter Rechtsknick, an dem die massig vorhandenen Zuschauer den Piloten zu Schräglagen antreiben, die dort nicht unbedingt notwendig gewesen wären.


    Das ganze sollte wohl ein wenig an englische Vorbilder erinnern, weshalb das Fahrerlager auch in einem Bauernhof angesiedelt war, dessen Name stolz mit "Hofgut" angegeben wurde und Herr Klink in einem Aufzug umherspazierte, der Ihn mehr als Mitglied eines britischen Adelsgeschlechts auswies, denn als Organisator eines Bergrennens.


    Das Konzept überzeugte, die Zuschauer strömten in Massen, Liebhaber klassischer Automobile kamen voll auf ihre Kosten, aber auch für uns Motorradfreunde gab es genügend Anlaß, hier einen Samstag zu verbringen.


    Nun fuhr vor zwei Jahren ein Vierrad Kollege etwas unvorsichtig zu seinem Start den Berg herunter, kam von der Strecke ab und verletzte eine Zuschauerin, wie man hörte, schwer. Ich befürchtete für diese Veranstaltung das sofortige Ende. Umso mehr war ich überrascht, vom Veranstalter im Jahr darauf erneut eine Einladung zu erhalten.


    Bei diesem "Rennen" jedoch, im September 2008, passierte das Unfaßbare: Erneut kam ein Autofahrer von der Strecke ab, erfaßte keine Menschen, aber touchierte zwei der stolzen Linden am Eingang der besagten Allee. Die Bäume konnten zunächst stehenbleiben, eine genauere Untersuchung durch Experten und Baumchirurgen ergab jedoch den traurigen Befund, daß beide Stämme gefällt werden mußten.


    Die Südzucker AG, Pächter der Einsiedel Anlage und demzufolge Herr der Linden, kündigte daraufhin den Verantwortlichen die Genehmigung für eine neue Veranstaltung. Ferner führt sie noch Prozeße gegen den Unfallverursacher und die Veranstalter, da mit dem Verlust der zwei Planzen offensichtlich unschätzbare Kulturgüter dem Abendland verlustig gingen.



    Herr Klink machte sich noch die Mühe, allen Fahrern in einem persönlichem Schreiben die Absage für 2009 zu erklären und mitzuteilen. Dieses Schreiben beschreibt großes Verständnis für die Entscheidung der Baumfreunde und ist durchsetzt mit Unterlegenheitsgesten gegenüber der Südzucker AG. Ein Schreibstil, ähnlich der "DDR" Oma, die vor 30 Jahren einen Antrag auf Westbesuch stellte.


    Man muß sich das einmal vorstellen: Da kommt 2007 auf Grund eines technischen Versagens oder eines Fahrfehlers ein Mensch zu Schaden und nichts passiert. Ein Jahr später erwischt es wieder ein Lebewesen, diesesmal aber handelt es sich um einen schlichten Baum, und das ganze wird zum Anlaß, diese tradionsreiche und wunderschöne Veranstaltung zu zerstören.


    Ich erfreue mich ja auch über die üppige und kraftvolle Vegetation in unserem Lande, unter Umständen haben ja sogar die Minderheiten Recht, die glauben, auch Pflanzen könnten Sprechen, vielleicht sogar Lesen. Wenn aber überhaupt, hätte ich Verständnis für Konsequenzen auf Grund des verletzten Mädchens gehabt. Niemals aber wegen zweier dusseliger Bäume.




    Gruß




    Stefan

    Unser höchster Moderator persönlich, Peter F., hat die Redeseligen aufgefordert, mehr Beiträge zu verfassen, ja er vermißt Kommentare zu einer der wichtigsten Klassik Veranstaltungen, dem "Kölner Kurs" am Nürburgring. Da hat er uns aber eine schwierige Aufgabe verpaßt, ebenso hätte er von uns verlangen können, über eine 1000er Honda zu schreiben.


    Veranstaltet wird dieses Ereignis vom MSC Porz, einem rechtsrheinischem Anhängsel der Weltstadt Köln. Die Offiziellen sind aus diesem Grunde an Ihrem rheinischen Dialekt leicht erkennbar und nicht zu überhören.


    Eigentlich eilt ja den Bewohnern der Stadt Köln und deren Stadtteilen der Ruf der Unzuverlässigkeit voraus, Handwerker sollen Ihre Termine nicht einhalten, im Wirtshaus der fremde Gast gerne mal um ein paar Kölsch betrogen werden. So die Legende. Nichts davon zu merken beim Kölner Kurs: Mit geradezu preußischer Disziplin ziehen die Jäcken diese Mammutveranstaltung durch. Papierabnahme erfolgt, trotz des Riesenandrangs, in stoischer Ruhe und Korrektheit. Die technische Abnahme in pedantischer Genauigkeit, gepaart mit dem nötigem Augenzwinkern, um auch Wackelkandidaten das Wochenenden nicht zu zerstören. Zeitpläne werden mit absoluter Pünktlichkeit eingehalten. Letztendlich wird dann auch gefahren, stürzen tut aber niemand, kein Wunder bei dieser Organisation und Gelassenheit.


    Es gibt kein Bierzelt, daß einem nachts den Schlaf raubt. Lediglich vergleichsweise junge Akteure des Roller Sonderlaufs bieten etwas die gewohnte Fahrerlageratmosphäre und machen bis um Mitternacht ein wenig Radau.



    Gratis dazu gibt es das unvergleichliche Gefühl, welches nur der Ring zu bieten hat. Schon als ich vor über 30 Jahren zunächst mit dem Florett und später mit der Max Sonntags blind zum Ring fuhr, galt, hier ist immer was los. Während schon einen Tag nach dem Ende der TT in Douglas die Geschäfte mit Brettern vernagelt werden, herrscht an der Nürburg Rennstimmung das ganze Jahr:
    Als wir ankommen, ist mein Sohn (14) tief beeindruckt von unzähligen Porsche GT und AUDI Sportwagen, die das Fahrerlager bevölkern. Abends, wir essen Pommes mit Schnitzel im altem Fahrerlager, eine simple Köstlichkeit, die nur in Ruhrgebietsnähe überleben konnte, ist technische Abnahme von unzähligen uralt BMW und Asconas, die am nächsten Tag auf die Nordschleife wollen. Immer was zum Gucken, immer was zum Erzählen.


    Schließlich sind wir dann auch gefahren, auf der GP Strecke. Viel Proteste hat sich dieser Kurs gefallen lassen müssen, nach dem Sterben der Nordschleife schien das Abendland in Gefahr. In der Tat, ich stand mal anläßlich eines Grand Prix In einer überhöhten Kurve, wo ich von den Hauptakteuren, Herweh, Wimmer und Mang, nur die Helme erkennen konnte. Da mußte man schon absoluter Hardcore Fan sein, um am Sonntag Abend in der Kneipe noch von einem gelungenem Wochenende zu schwafeln. Mit der Zeit lernte der suchende Fan aber dann auch Stellen kennen, wo man eine ausgezeichnete Übersicht über das Geschehen hatte und ich schloß meinen Frieden mit der Strecke.


    Jetzt selber als Fahrer fasziniert mich dieses für mich nahezu unlernbare Kurvengeschlängel ungemein. Hockenheim und Schleiz, beide wunderbarte Strecken, daß speichert das Gehirn in wenigen Runden. Aber ich war jetzt 2 -mal als Akteur auf dem Ring, und habe das wilde Links-Rechts immer noch nicht im Schädel.


    Noch nicht einmal das berüchtigte Eifel Wetter half mir, meine Vorurteile zu bestätigen. Und die Eifel hat in dieser Hinsicht ja einiges zu bieten. Ich bin noch im Besitz einer Eintrittskarte zur Deutschen TT auf der Start- und Zielschleife am 09.06.1985, wo uns Besuchern mit Streckenkarte der Eintritt zur Haupttribüne gestattet wurde. Grund: einsetzender Schneefall. Ich war eigens von Stuttgart bei strahlendem Sonnenschein zu diesem wichtigem Ereignis, welches kein Rennsportfan vermissen durfte, aufgebrochen und mußte, mitten im Juni, in meinem Zelt frieren wie ein Schneider.


    Dem Klimawandel sei Dank erstrahlte der Sonntag, wie auch im Vorjahr, im gleißenden Sonnenschein und sorgte für einen perfekten Streckenzustand.


    Ein Wochenende ohne Bierzeltstreß, Kater am Morgen, fehlendem Schlaf, Geräuschmessungen oder Unfällen: Völlig unspektakulär, wie einer 1000er Honda eben. Und so bleibt mir nur noch an den MSC Porz zu rufen: Es war schön und laßt mich bitte nächstes Jahr wieder fahren.


    Gruß
    Stefan

    Ich kann wirklich von mir behaupten, in meinem Leben unzählige Motorradrennen gesehen zu haben: Über 20 Jahre war es an jedem Wochenende der Saison mein einziges Bestreben, irgendwo ein Rennen zu sehen, sei es ein OMK Pokal, eine DM auf dem Flugplatz oder ein EM / WM Lauf. Aber eben nur Straßenrennen und so mußte ich 51 Jahre alt werden, um endlich mal eine Sandbahn Veranstaltung zu sehen und zwar in Herxheim in der Pfalz. Ich muß Euch berichten:


    Auffallend bei der Anreise, daß kaum Motorradfahrer da sind, zumindest nicht auf eigener Maschine. Ich war einer der ganz wenigen, die standesgemäß angereist kamen, der Rest nächtigt in Wohnmobilen oder geht gleich ins Hotel.


    Die Besucher auf dem Camping Gelände und eingeborene Herxheimer zeichnen sich durch einen unglaublichen Sachverstand aus, allerdings nur im Bahnsport. Das auf einer geteerten Rennstrecke Motorradrennen gefahren werden könnten, scheinen sie noch nie gehört zu haben, halten das auch für eine wenig spannende Idee.


    Einen Fan, den ich abends beim Wein traf, fährt so gut wie jedes Wochenende zu irgendeinem Bahnrennen, sei es in Bayern, in Norddeutschland oder in der Tschechei. Ich lud ihn nach Walldürn ein, von Herxheim nicht weit, erklärte ihm die dortige Klassik Veranstaltung, bemühte mich, Begeisterung zu wecken: Er sah mich nur lächelnd an, schien mich überhaupt nicht verstanden zu haben und versuchte durch Heben seines halben Liter Weinhumpens, das Thema zu wechseln.


    Überhaupt der Abend: Mir sind anläßlich von Motorradrennen abendliche Gelage ja nicht unbekannt, ich erinnere mich gerne, manches mal auch mit Erschauern, an das Bierzelt in St.Wendel, das preiswerte Gezeche in Brünn zur Ostzeit und an wilden Radau in den verschlammten Wiesen von Spa. Aber Herxheim hat in dieser Hinsicht ebenfalls ein Niveau, daß hervorgehoben gehört. Musikalische Darbietungen für jede Altersklasse, Bier und Weinstände, soweit das Auge reicht, grölende Proleten und frühreife Mädchen in unglaublicher Anzahl, Polizei und Sicherheitsdienste wie bei Schalke gegen Dortmund. Sandbahnrennen scheint für viele ein Anlaß zu sein, in der Provinz mal so richtig die Sau fliegen zu lassen.


    Endlich der Sonntag, das Rennen. Seien wir ehrlich, ganz so spannend war es früher ja auch nicht, wenn der Ballington im Motodrom schon in der ersten Runde uneinholbar führte und wenn die 125er auf der Nordschleife nur 3-4-mal vorbeikamen. Ganz anders auf der Sandbahn, da verlaufen auch viele Rennen wenig aufregend, aber durch die unglaubliche Anzahl von 20 "Heats" passiert immer mal wieder was. Ein Überholmanöver in der letzten Kurve, ein Verlassen der Bahn und wildes Geturne auf der Grasbegrenzung, manchmal fliegt auch einer spektakulär ganz von der Strecke.


    Oder der 9-facher Weltmeister und Star Gerd Riss wird einmal am Tag geschlagen, dann tobt das Publikum.


    Die Zuschauer sind jetzt anders, wie am Abend davor. Immer noch drängeln sich Dickbäuchige mit freiem Oberkörper, Wikinger Keulen auf dem Kopf und bewaffnet mit 1-Liter Bier Krügen grölend durch die Menge, die Mehrzahl sind aber jetzt Familien, die alles notwendige in der Kühltasche dabeihaben. Ihren Platz sichern sich die durch Campingstühle. Auffallend ist, daß die Familienoberhäupter eifrig im Programmheft Buch führen und die Punktestände eintragen. Überhaupt auch hier ein erstaunlicher Sachverstand von Leuten, denen ich das nie zugetraut hätte.


    Bahnsport scheint eine eigene, abgeschlossene Szene zu sein. Keine Minderheit, wie die vielen Plakate mit Hinweisen auf kommende Veranstaltungen bezeugen. Wenn man will, kann man eine ganze Saison an Gras- und Sandbahnen zubringen, ohne viel fahren zu müssen. Hatte ich bis dato auch nicht gewußt.


    Ich fahre auf jeden Fall wieder hin. Das Rahmenprogram hat mir gefallen, obwohl uns da so langsam die Jungen verdrängen, was die Getränke- und Musikauswahl anbetrifft. Zumindest kann ich jetzt auch beim Thema Bahnsport ein wenig mit schwätzen. Die Rennen sind spannend, auch durch die Gespanne sehr abwechslungsreich. Rund um die Strecke scheint die Zeit stehengeblieben zu sein, daß Umfeld erinnert in seiner wilden Unkorrektheit an Zeiten, wo bei Werner Höfers internatiolem Frühschoppen noch Wein und Zigaretten angeboten wurden.


    Jetzt bleibt mir nur noch, eine weitere Motorradsport Lücke zu schließen: Am Pfingsten ist Motoball Sportfest in Kuppenheim. Bin mal gespannt, ob ich Euch diese Abart des Motorsports ebenfalls empfehlen kann.



    Gruß Stefan

    Klassik Szene: Sie lebt


    Also wenn man sich so um seine Termine für das Jahr 2009 kümmert, muß man sagen: Langenburg Klassik an diesem Wochenende, Veterama am kommenden Wochenende, Anfang Mai Kölner Kurs, Pfingsten Fischereihafen, dann Walldürn, Wochenende danach Schleiz, dazwischen irgend wann mal Spa, noch in der Ferne Gaschney und Bösenbiesen, Böblinger City Grand Prix, Schotten: Über mangelnde Möglichkeiten, unser Hobby auszuüben, können wir uns wahrlich nicht beklagen.


    Ich wundere mich, wie viel die Klassik Szene auf die Beine stellt, ohne das große Geldgeber im Hintergrund stehen und wie kläglich Rennveranstaltungen für die Jungen vorhanden sind, obwohl doch da die Hersteller und Importeure ein Interesse dran haben müßten.


    Ich bin ja Gott froh, mit meinen 51 Jahren in Walldürn fahren zu dürfen, aber warum finden dort nicht an einem anderem Wochenende Markencups oder eine Art "OMK-Pokal" statt ? Das ist doch für die dortige Gegend auch einmal eine Attraktion und lockt den Ein oder Anderen an, der dann Montags vielleicht doch mal beim Honda und Aprilia Händler vorbeischaut.


    Eine kleine Serie könnte dann auch in Straubing, Schleiz, Neuhausen/Eck usw. laufen. Geld kann das nicht viel kosten, zu meiner Jugend, 70er-80er Jahre, war die Rennerei mit einer Honda RS oder Yamaha TZ ein unverschämt teures Vergnügen. Heute reicht eine altersschwache GSXR 750, um zumindest mitfahren zu können, wie man bei den 1000km Hockenheim am Ostersamstag bewundern konnte.


    Stattdessen holen sich die "Alten" die Genehmigungen und stellen, ganz ohne Sponsor, in der Klassik Szene ein Jahresprogramm auf, daß seinesgleichen sucht. Während den Herstellern und Importeuren immer noch nicht mehr einfällt, als im Frühjahr einen Samstag lang Würstchen, Bier und Probefahrten anzubieten, hetzen wir Klassik Liebhaber von einer Ausstellung und einem Rennen zum Anderem.


    Das führt dann inzwischen bei mir dazu, daß ich ernsthafte Probleme bekomme, auch mal ein Wochenende mit der Familie und dem Gespann abzweigen zu können.


    Gruß




    Stefan

    Es war eine Freude, was die Veranstalter am erstem Oktober Wochenende auf die Beine gestellt hatten: Eine rundum erstklassig organisierte Veranstaltung auf dem Flugplatz Neuhausen ob Eck bei Tuttlingen. Die Streckenführung ließ wenig von einem Flugplatz übrig, schön flüssig zu fahren, ohne diese endlosen Geraden und ohne diese fürchterlichen Ecken. Angesichts der Affenkälte, Regen und am Samstag morgens auch noch ein Schnee-Graupel Gemisch, war das beheizte Bierzelt auch tagsüber ein beliebter Aufenthaltsort: Lediglich die Musik, am Freitag aus der Konserve, ("Die Fischerin vom Bodensee") , am Samstag vertreten durch eine Posaunenkapelle, konnte meinen mitgegereisten Sohn (13) nicht gänzlich überzeugen.


    Man konnte aber auch eine Ahnung davon bekommen, mit welchen Hürden ein Veranstalter zu kämpfen hat, um überhaupt ein solches Ereignis durchführen zu können. Ohne daß sich im benachbartem Neuhausen die Bewohner nennenswert beschweren, findet auf dem Gelände einmal jährlich ein Rockkonzert mit 50.000 Besuchern statt, ganzjährig erfolgt ein nicht unerheblicher Flugverkehr. Die Motorrad Veranstaltung schien jedoch auf erbitterten Widerstand zu stoßen. Wir Fahrer wurden ermahnt, nur 3/4 Gas zu geben, ein Meßwagen stand, wie eine mobile Radarkontrolle, immer irgendwo an der Strecke. Läufe mußten wegen Überschreitung des Lärmpegels unterbrochen werden, ein Benelli Kollege die Heimreise antreten.


    Obwohl eigentlich für die Besucher Parkplätze vorhanden waren, wurden die Zuschauer mit Bussen an die Strecke gefahren, sicherlich auch der Ausfluß eines übereifrigen Bürokraten, der einer solchen Veranstaltungen das Leben schwer machen will. Ein Wochenende davor erlebte ich in Aalen, wo wegen einer lächerlichen Römer-Veranstaltungen, mit entwürdigenden Schaukämpfen unter Erwachsenen, die halbe Stadt zugeparkt werden durfte.


    Nicht zuletzt durfte der Flugverkehr nicht beeinträchtigt werden: Am Sonntag stand ich geschlagene 25 Minuten am Vorstart, weil ein Privatflieger unbedingt zu dieser Zeit seine Reise antreten mußte.


    Es grenzt für mich letztlich an ein Wunder, daß sich immer wieder Veranstalter finden, die Kraft finden, um diesem behördlichem Gegenwind zu trotzen. Und dabei der geballten Umwelt Lobby so unterwürfig und hündig entgegentreten müssen, wie man es früher nur in der DDR, oder vermutlich beim Hitler, beobachten konnte. Das ist reinste Selbstverleugnung.


    Ob es die Bewohner von Neuhausen ob Eck wirklich gestört hat, daß wir uns an diesem Wochenende in der Nähe austoben durften, glaube ich nicht. Sie wurden auch nicht gefragt, um sie geht es auch gar nicht. Es geht um die Vorurteile irgend eines fernem Bürokraten, der Protestaktionen gegen "Rechts" oder Love-Paraden mit irrsinnigen Schäden für Anwohner und Geschäftsleute lässig abwinkt, beim Motorsport aber seine sorgsam gepflegten Bedenken abruft.


    Wir sollen schon wieder umerzogen werden.



    Meinen Respekt und meine Achtung an die Veranstalter.


    Gruß




    Stefan

    Lieber Wolfgang,


    danke für die Einladung. Das wird sowieso ein perfektes Klassik Wochenende, ich will am Samstag beim "Schwäbischen Hill Event" mit meiner Yamaha selbst fahren, ( Sofern die meine Nennung akzeptieren ) dann direkt weiter nach Hockenheim. Kann das Leben denn wirklich noch schöner sein ?


    Gruß


    Stefan

    In Walldürn und in Schleiz entdeckte ich 4 zylindrige Hondas, die Renmaschinen aus den 60ern nachempfunden sind, aber moderne Motoren tragen. Ich wüßte gerne mehr über diese Maschinen, Technik, Preise und wo konnte oder kann man die eigentlich erwerben ? Gibt es da Web Adressen ?


    Mir ist schon in etwa bekannt, mit welchen Hondas Hailwood und Redmann fuhren, wenn ich aber mit dem Begriff CR 500 / 750 googele, kommen laufend normale CB 750 Umbauten. Was war denn eigentlich genau mir der Baureihe CR gemeint ?


    Mir fällt auf, daß mein Wissen über japanische Rennmaschinen äußerst unterentwickelt ist. Kann mir jemand helfen ?


    Gruß


    Stefan

    Das ist ein Phänomen, daß nicht nur Mäxe betrifft: In den 70ern sah man doch an jeder Ecke BMW /6 oder /7, 500er und 750 er Hondas- Die wurden doch nicht alle zu Brei gefahren, die stehen doch noch irgendwo rum !


    Die Max ist auch auf der Straße eine Seltenheit geworden: Mitte der 70er fiel ich damit am Nürburgring gar nicht auf, da standen immer 4-5 Stck am Start Ziel Turm herum. Meist wurde man aber von ehemaligen Maxfahrern angesprochen, es entstand der Eindruck, jeder habe in den 50ern entweder Max oder eine "schwere BMW" gefahren. Einer fragte mich mal an der Aggertalsperre nach der Höchstgeschwindigkeit, ich log, aus Erfahrung klug, 130 km/h. Das könne aber nicht sein, da müße ich mal bei gucken, seine eigene sei Mitte der 50er immer 200 gelaufen. Ich versprach, zu Hause mal das Ventilsiel zu kontrollierern und die Vergaser einzustellen.


    Gruß


    Stefan

    Liebe Leute,zunächst mal große Entschuldigung: Ich habe, geistig auch nicht mehr so auf der Höhe, den armen Klaus Engelhard mit Werner Schwärzel verwechselt: Letzterer trug maßgeblich durch den Verzicht auf der TT zu fahren, zum Erfolg von Rolf Steinhausen in den Jahren 75 und 76 bei. Danke, Sidecar, für Deine Aufmerksamkeit. Und ich möchte, damit sich keiner auf den Schlips getreten fühlt, die Leistung von Rolf Steinhausen in diesen Jahren, davor und danach keinesfalls herabwürdigen.


    Das Buch, welches mir den Eindruck vermittelte, die Solitude Rennen hätten oftmals an ein Schlachtfest erinnert, heißt: "Solitude 1903-1965, Die Motorradrennen", von Eugen K.Schwarz, ISBN 3-925860-12-6, ADAC Verlag 1989.


    Zu den weiteren Kommentaren: Klar weiß ich auch, daß an einem Pfingstwochende allein in Baden Württemberg mehr Motorradfahrer sterben, als in den ganzen 14 TT Tagen. Ich wollte nur ein wenig das Gefühl ausdrücken, daß man durch seinen Besuch solcher Zirkusveranstaltungen wie TT, irische Straßenrennen oder Horice indirekt die Verletzungen und sogar Todesfälle der Fahrer gezielt fördert und in Kauf nimmt.


    Ansonsten bin ich hier, unter all den unerschrockenen und eisenharten Helden, die klaren Blickes den Tod an der Leitplanke dem Altersheim vorziehen wohl fehl am Platze. Dabei wollte ich zum Tode eines weiteren Straßenrennfahrers eigentlich nur mal was anderes schreiben als das übliche, heuchlerische "Robert ich bin in Gedanken bei Deiner Familie".


    Macht’s Gut



    Euer Stefan

    Ich war mal auf der TT und hatte mich über einen Bekannten mit dem Team von Robert Holden angefreundet. Wir kamen, dummerweise auch noch laut lachend und scherzend zu seinem Transporter im Fahrerlager, da sagte einer leise "Robert ist dead".


    Das ist so ein Scheiss, daß es einen da immer wieder hinzieht und das man solche Rennen auch als Besucher so verehrt.


    Als endlich dem Irrsinn, auf Strecken wie Clemont Ferrond, Isle of Man, Opatja, Nordschleife und Brünn eine WM auszutragen, ein Ende bereitet wurde, wurden die Fahrer von vielen Motorradsport Anhängern als Weichlinge verhöhnt. Ich war Augenzeuge, wie Fans in Spa, außer sich vor Wut, die Strohballen ansteckten, weil die Fahrer auf unsicherem und unzureichendem Grund nicht starten wollten. Einen Bekannten von mir, der übrigens mit Motorrädern überhaupt nichts zu tun hatte, im Hauptberuf Buchhalter an einer Fachhochschule war, beteiligte sich äußerst aggresiv an den abendlichen Exzessen. Und wurde, Jahre später,anläßlich einer Feier von Rolf Steinhausen erkannt und wüst beschimpft, der ihn bei seinem Tun per Zufall beobachtet hatte.


    Und das, obwohl auch der Rolf Steinhausen zum großem Teil seine beiden Titel dem Umstand zu verdanken hat, daß sein größter Konkurrent, Klaus Enders, auf WM Starts in Douglas verzichtete. Aber er war wohl auch inzwischen vernünftig geworden, was ihm vielleicht sein Leben gerettet hat.


    Den Steve Hislop sah ich viel auf der TT, so wie der fuhr, bin ich sicher, er hätte frühzeitiger seinen Tod an irgendeiner Mauer oder an einem Telegrafenmasten auf der Insel oder in Irland gefunden.


    Ich habe ein kleines Bändchen zu Hause, welches die Rennen auf der Solitude in Kurzform beschreibt, bei Lichte betrachtet, muß das ein einziges Schlachtfest gewesen sein.


    St. Wendel, bin ich auch immer hin. Super Stimmung Samstags im Bierzelt, Nervenkitzel Sonntags an der Strecke. Dann starb der Liebigel, kann ja mal passieren, nächstes Jahr der Fischer, dann war Schluß und die Karawane zieht weiter.


    Als endlich, Anfang der 80er, die WM auf normalen Strecken ausgetragen wurde, die Toten und Verletzten rapide abnahmen, tat das der Spannung und dem Erlebnis für uns Zuschauer trotzdem keinen Abbruch. Und dennoch bin ich immer auch zur TT gefahren, konnte und kann mich nie von dem Kitzel und der Faszination lösen, einem Rennen auf ganz normalen Straßen beizuwohnen.


    Jetzt sind wir älter geworden, lassen aber immer noch den Oldtimer Grand Prix in Hockenheim links liegen und pilgern lieber voller Freude nach Bremerhaven, Schotten oder gar nach Horice, wo es, früher oder später, den nächsten erwischen wird. Und natürlich zur IOM, wo wir vorher schon auf der Fähre Einschätzungen abgeben, ob es diesesmal 4 oder 6 Rennfahrer sind, die diese Insel nicht lebend verlassen werden.


    Ich bin so voller Wut.


    Gruß


    Stefan


    P.S. Ob es der Robert Holden oder der Mark Farmer war, mit dem ich dieses Erlebnis in Douglas hatte, weiß ich nicht mehr. Tut aber nichts zur Sache, denn auch Mark Farmer verlor sein Leben auf der TT.

    Einen kleinen Vorteil sehr ich aber doch, wenn der Charly mal an das Bett gefesselt ist: Seine Aktivitäten hier im Forum werden sich in den nächsten Wochen gewaltig ausweiten. Jetzt endlich hat er mal Zeit, noch ein paar Anekdoten ins Forum zu stellen.


    Auch von mir: Gute Besserung


    Gruß


    Stefan