Tokio 2017: Die Stars auf zwei Rädern


  • Honda GL 1800 Gold Wing Tour

     

    Honda Monkey 125 - / - Honda Super Cub


    Alle Hersteller in einer einzigen, übersichtlichen Halle. Die 45. Tokyo Motor Show (–5.11.2017) ist für die Fans japanischer Motorräder ein Traum: Honda neben Kawasaki, gegenüber Yamaha neben Suzuki. Das garantiert kurze Wege und gute Vergleichbarkeit. Ausländische Wettbewerber wie BMW, Ducati oder Triumph bleiben der Schau in der Präfektur traditionell fern: Direkt im Anschluss findet die europäische Neuheiten-Messe EICMA in Mailand (5.–12.11.2017) statt. Die ist näher dran. Und man muss sich die Aufmerksamkeit der Besucher nicht auch noch mit Autos teilen.

    Publikumsmagnet in Tokio ist Honda, nicht nur, weil beim Weltmarktführer David gegen Goliath neu inszeniert wird – mit der Monkey und der Gold Wing. Das kultige Mini-Bike Monkey hat mittlerweile 50 Jahre auf den Zwergfelgen. Honda feiert das Jubiläum mit einer zweifarbigen 125er-Version inklusive LED-Lichtanlage und digitalem Cockpit. Gefühlt passt die rasende Asphaltblase in einen der Koffer der neuen GL 1800 Gold Wing. Das legendäre Supertourer-Flaggschiff steht in Tokio komplett modernisiert und rundum erneuert. Weiter entwickelter Sechs-Zylinder-Boxermotor mit 93 kW / 126 PS bei 5500 U/min und bärig-souveränen 170 Newtonmetern bei 4500 U/min, Doppel-Querlenker-Vorderradaufhängung, dazu für die Touring-Ausführung das erste Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe in einem Motorrad, die nächste Evolutionsstufe von Hondas Alleinstellungsmerkmal DCT.


    „Wir wollten die luxuriösen Seiten der Gold Wing beibehalten und ihre universellen Qualitäten noch besser herausarbeiten, sie noch ,runder’ machen“, sagt Projektleiter Yutaka Nakanishi. Erster Schritt dazu: eine knallharte Diät. Bis zu 48 Kilogramm hat die Reisecouch an Gewicht verloren, macht gut zehn Prozent. Damit wiegt sie jetzt „nur noch“ 365 Kilo in der Basisversion. Die Gold Wing Tour (Topbox-Aufbau) kommt vollgetankt auf 379 kg, mit Doppelkupplungsschaltautomat werden es 383 Kilogramm.


    Hondas Flaggschiff soll im Umfeld großer Städte genauso in ihrem Element sein wie bei ausgedehnten Touren. Dafür bekam die Gold Wing alle modernen technischen Zutaten und Features, die der Markt momentan so hergibt: 7-Zoll-TFT-Display für Infotainment und Navigation, Apple Carplay für die Smartphone-Anbindung. Ausgeklügelte Heizsysteme für Sitzbank, Griffe, Spiegel, elektrisch verstellbares Windschild und LED-Beleuchtung rundherum sind eh gesetzt. Genau wie der Rückwärtsgang zum Rangieren. Der Tank wurde auf 21 Liter verkleinert, das sind vier Liter weniger als beim Vorgänger. Dennoch bleibt es bei einer Reichweite von circa 350 Kilometern: Der Verbrauch liegt offiziell bei nur noch 5,6 Litern je 100 Kilometer.


    Hofiert wird bei Honda auch die Super Cub, die es mit unterschiedlichen Hubräumen gibt. 110 Millionen Stück weltweit in knapp 60 Jahren haben die Japaner von dem leichten Moped verkauft. In Asien prägt die Super Cub mit ihren zarten Beinschilden das Straßenbild wie kein zweites motorisiertes Zweirad. Zur Feier gibt es ein Jubiläumsmodell mit zweifarbiger Sitzbank, goldener Lackierung und auffälliger Jubiläumsplakette. Noch strahlender kommt nur die Honda Neo Sports Café Concept rüber – für viele das schönste Bike der Messe. Absolut clean gezeichnet, perfekte Proportionen und Übergänge, kein Zentimeter Blech oder Alu zu viel oder zu wenig. Lange müssen Fans nicht warten, bis aus dem Concept-Bike ein Serienmotorrad wird: Auf der EICMA wird die Kaufversion stehen. Die heißt dann CB 1000 R und tritt gegen Naked-Bikes wie Ducati Monster und Yamaha MT-10 an.

    Future-Fans dürfen die Honda PCX Electric bestaunen: In einem Jahr soll der Elektroroller durch Asien stromern. Leistungsangaben rückt Honda noch nicht heraus: Der Akku ist herausnehmbar und kann extern geladen werden. Weiter geht es solange mit einer Austauschbatterie. Ebenfalls geplant ist eine Hybridvariante mit Benzin- und E-Motor. Letzterer treibt jetzt das weiterentwickelte Experimentalzweirad Honda Riding Assist-e an. Technik-Premiere feierte das selbstständig geradeaus fahrende Concept-Bike Anfang 2017 auf der CES in Las Vegas. Die neue Ausgabe erinnert an die schlanke Honda Rebel. Sie nutzt Balance-Control-Technologien, die Honda sich beim Tüfteln und Forschen an humanoiden Robotern angeeignet hat. Ein spannendes Projekt, bei dem es vor allem um eins geht: nicht mehr umzufallen mit dem Motorrad , weder in Kurven noch beim Parken.


    Den gleichen Ansatz verfolgt auch Yamaha mit seiner Niken. Die gehört zur „Future Garage“, die Yamaha in Tokio zeigt. Das Highspeed-Dreirad stand in einer Vorstufe schon vor zwei Jahren auf der Tokyo Motor Show. Die Niken arbeitet mit Neigetechnik und nennt sich „Leaning Multi-Wheeler“ (LMW). Vier Frontgabeln – zwei pro Vorderrad – sollen für unvergleichliche Stabilität auf Geraden und in Kurven sorgen. „Dieses Motorrad wird das Fahren revolutionieren“, verspricht Yamaha-Präsident Hiroyuki Yanagi bei der Präsentation. Wann es soweit ist, verrät er nicht. Auch zu einem möglichen Starttermin des vierrädrigen Neige-Vehikels MWC-4 hält er sich bedeckt, das mit E-Motor und Range Extender ausgerüstet ist und an den Renault Twizy erinnert.

    Formen-Impressario der Studie Motoroid war vermutlich Motobot, Yamahas spektakulärer autonomer Fahrroboter, der eines schönen Tages Valentino Rossi auf der Rennstrecke schlagen soll. Der automatisierte Rundenabspuler bringt es laut Yanagi auf über 200 km/h Spitze bei der Hatz nach neuen Bestzeiten. Soweit ist der Motoroid noch nicht. Dafür kommt das organisch aussehende E-Motorrad-Konzept auf Kommando zum Fahrer gerollt und huscht zurück auf sein Parkplätzchen, wenn es wieder abtreten darf. Steigt der Fahrer auf, legt der Motoroid fürsorglich eine Art Hüfthalter um ihn. Der Greifarm am Heck soll Mensch und Maschine eins werden lassen. Künstliche Intelligenz soll ermöglichen, dass Bike und Pilot wie Lebewesen miteinander kommunizieren.


    Suzuki kontert so viel Zukunftsvision mit einem sehr realen Fahrspaßkandidaten: Auf der Tokyo Motor Show will die Marke die Reaktionen auf seine SV 650 X testen. Aber der serienreife Zustand des modernen Café Racers zeigt: er kommt. Ob und wann die Maschine es nach Deutschland schafft, verraten die Japaner wohl in Italien auf der EICMA.


    Star des Stands von Kawasaki ist die ebenso stylische Z 900 RS. Das neueste Mitglied der Z-Familie orientiert sich unübersehbar an der legendären 900 Z1 von 1972. Der Tropfentank spricht die Formensprache von damals, der LED-Scheinwerfer (170 mm, Sechskammertechnik) symbolisiert die Technologie von heute. 82 kW / 111 PS bei 8500 Touren leitet das Sechs-Gang-Getriebe an die Antriebskette weiter. Drei Custom-Modelle hat Kawasaki passenderweise gleich im Schlepp. Das zeigt, wo die Reise hingeht: Individualisierung ist Trumpf bei Kawas Classic Bike. Zu sehen gibt es auch die neue Ninja 400 in der Marken-Kultfarbe „Lime Green“. Fahrfertig bringt die Nachfolgerin der Ninja 300 168 Kilogramm auf die Waage und 33 kW / 45 PS mit. (ampnet/rb)


    Kawasaki Z 900 RS


     

    Yamaha Niken



    Text + Fotos: Auto-Medienportal.Net/Ralf Bielefeldt