Von wegen Touristen...!

Bei der German TT auf dem Schleizer Dreieck wurde auch klassisch angegast

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Nur ein Jahr hielt es die German TT auf dem seelenlosen Eurospeedway Lausitz aus, denn als das neue alte Schleizer Dreieck wiedereröffnet wurde, war ein Umzug schnell beschlossene Sache. Der Mai 2005 sah ein phantastisches Event mit aktuellen Zwei- und Vierzylindern, den wildgewordenen Youngtimern der ClassicBEARS-Rennserien und einem Glanzhauch vergangener Tage, auf der jeder schon auf der Anreise vorbei an den Kurbs der alten Strecke Motorsporttradition pur zwangsinhaliert.

 So fand die German TT mit ihrem breiten Spektrum ihr neues Zuhause, und nicht nur diejenigen, die im Vorjahr bei der Premiere mit dabeigewesen waren, fühlten sich bei der Wiederauflage am 19. und 20. August heimisch. Der Termin war angesichts der Schotten-Veranstaltung am selben Wochenende wenig glücklich gewählt, wenn man denn von „wählen“ sprechen kann – denn zahlreiche Veranstalter drängen auf die thüringische Berg- und Tal-Bahn. Doch vor allem dank der Initiative von Wolfgang Schneider und seinem Classic Motorcycles-Team wurde die German TT wieder zu einem illustren Stelldichein.

 In deren Mittelpunkt standen in erster Linie die deutschen Grand Prix Motorräder von BMW über DKW und König bis hin zu NSU, Maico, MZ und Schnell-Horex. Die kunstvoll gedengelten Walverkleidungen der Sport- und Rennmäxe bestimmten denn auch das Bild nicht nur im Fahrerlager, wo Original-Transportfahrzeuge und -Anhänger des ehemaligen NSU-Teams neben den alten Gebäuden das Zeitreise-Bild authentisch malten, sondern auch bei dem Start zu den beiden jeweils pro Tag angesetzten zwanzigminütigen Laps of Honour.

 Wenn die alten Maschinen eine nach der anderen angelassen wurden, drückten sie der Veranstaltung sogleich ihren Stempel auf. Da rückte alles andere bescheiden in den Hintergrund, und nicht nur die Phonkulisse, sondern auch der Geruch in der Schleizer Luft nahm spektakuläre Züge an. Und dann rollten sie hinaus, die alten Meister wie Ernst und Reinhard Hiller, Lothar John, Heiner Butz, Roland Heck, Wolfgang Brand, Anton Anzi und Julius Ilmberger mit ihrer metallorgiastischen Perlenkette von Juwelen der Motorradgeschichte: BMW RS 38, R 50, R 51 und 54, die komplette NSU-Palette von der Bullus 600 mit Thomas Berger und Bullus 500 mit Peter Held, die Sportmäxe von Max Demmel junior und senior, Robert Lohwasser, Günther Schubert, Heiner Butz und Roland Heck, die 125er DKW Werksmaschine und Production Racer von Reinhard Böttcher, der damit sogar seine Wheelie-Künste vorführte, Wolfgang Schneider auf der Kompressor-DKW SS250 und Jens Bischoff, der mit seiner DKW 350, der "singenden Säge“, die akustische Schallmauer locker durchbrach.

 Den Vortritt hatten aber programmgemäß die König 500, von denen nicht weniger als drei Exemplare am Start waren, ihre Fahrer jeweils eng mit dem Schicksal der König verbunden: Julius Ilmberger brachte zwei Maschinen für sich und seinen Sohn an den Start, eine dritte steuerten im Wechsel Mike Florin und Reinhard Hiller. Zweitakter im Gefolge waren die MZ HB 250 von Maik Seifert, und die beiden Maico-Treiber Thomas Körner auf der MD 250 und André Siemon, der eine 125er RS Replika wie auch eine MD 250 mitgebracht hatte.

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 Aber auch einige rare wie interessante Juwelen aus anderen Ländern gingen auf die Schleiz-Reise. So hatte Heiner Butz seine Zweizylinder-Bianchi GP-Maschine nach 38 Jahren wieder zum Laufen gebracht, Reinhard Hiller pilotierte seine Yamaha TZ 350 ebenso wie Mike Florin die TZ seines Vaters Kurt, und die britischen  Fahnen hielten Norbert Prockschi mit der Rob North BSA und der John Player Norton wie auch Franz und Oliver Schleifer mit ihren 500er Norton hoch, wobei die von Franz Schleifer mit ihrem liegenden Zylinder technisch klar die interessantere war, auch wenn die Verkleidung das verbarg.

 Aber dafür gab es ja das offene Fahrerlager mit bestem britischen Open Air- Picknick-Flair. Die doch nicht so wenigen, aber um so enthusiastischeren Schleizer Besucher konnten sich in aller Ruhe auf der Strecke wie im Fahrerlager sattsehen und mit den Aktiven fachkundig plauschen. Einige blieben auch zum Samstagsabend-Kino. Der Film über das Leben und Schaffen Kim Newcombes und die Geschichte der König 500 hatte nur wenige Tage nach seiner Deutschland-Premiere in Berlin auf wundersame Weise (danke, Bert Klude!) als DVD den Weg nach Schleiz gefunden, und die Plätze wurden knapp, als Punkt 20 Uhr der Vorspann über die Wand des Pressezentrums flimmerte. Mehr als eine Stunde konnte man eine Stecknadel fallen hören, als die Zuschauer noch einmal Newcombe, aber auch Read, Ago, John Dodds und andere wiedertrafen. Auch nach Filmende wurde es nicht deutlich lauter, denn der Tod Newcombes unter katastrophalen Bedingungen brauchte keinen Kommentar mehr.

 Den gab dann vielleicht  die Sturmböe, die in der Nacht das Classic Motorcycles-Zelt wegfegte, so dass die Motorradschätze am Sonntag im Abnahmehaus eine zeitgemäße Unterkunft fanden. Da standen sie dann auch geschützt, als am Sonntagmittag der Regen herunterbrach. Die Klassiker hatten ihre ersten Laps of Honour aber bereits absolviert, und zu den zweiten am Nachmittag war die Strecke schon wieder trocken. Vor allem classicBEARS, ThunderBERARS und Classic Superbikes hatten den kürzeren gezogen – für sie war die Strecke pitschnass, was aber nichts daran änderte, dass die Rennen den wasserfesteren unter den Besuchern wie auch den Fahrern Spaß machten. Auf jeden Fall gab´s jede Menge „Thumbs Up!“ und ausgelaugte, aber glückliche Gesichter unter den Helmen bei der Rückkehr ins Fahrerlager nach den Rennen. Bilder und Rennberichte hierzu sind zu finden auf www.art-motor.de.

 Dort wird auch bereits das nächste Art-Motor-event, das BIKEtoberfest in der Motorsport Arena Oschersleben vom 5. bis 8. Oktober angekündigt. Hier zelebrieren neben Sound of Thunder, Sportbike Masters, DMSB-Rundstreckenpokal und Supermoto Open Cup auch die Classic Racing Masters ihr Saisonfinale. So weit wie bei der German TT geht die Zeitreise dabei nicht zurück, den wahrhaft historischen Teil übernehmen diesmal die Klassik-Gespanne mit einem internationalen Feld. Aber die Youngtimer von heute sind die Klassiker von morgen, und hier spielen sie sich bereits herrlich warm. 

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Ergebnisse, Rennberichte
und weitere Infos zur German TT


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Text: Wolf Töns, Fotos: André Siemon

 
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