Erinnerungen an Siegfried Haase
Seine Passion war der Motorsport  
von Thomas Fritzsch

Nach längerer Krankheit verstarb in den frühen Morgenstunden des 22. Oktober 2007 einer der ersten MZ-Werksfahrer: Siegfried Haase. Sein Leben war gekennzeichnet von einer außergewöhnlichen Leidenschaft zum Motorsport.

Schon als kleiner Junge reiste er mit seinem Vater zu zahlreichen national und international bekannten Rennstrecken, um dort mit Begeisterung die Arbeit der Monteure und Rennsportler zu verfolgen. Geboren am 15.12.1925 im sächsischen Grießbach, als drittes von insgesamt vier Kindern des Schlossers und späteren DKW-Rennmonteurs Kurt Haase und dessen Ehefrau Frieda, blieb Siegfried immer tief verwurzelt mit seiner Heimat und seinem Geburtsort.

Von 1932 bis 1940 besucht er die Volkschule im Ort. Anschließend, während der Kriegsjahre, lernt Siegfried Werkzeugmacher im damaligen Auto-Union DKW-Werk in Zschopau. Zwei Jahre später hat er seine Ausbildung erfolgreich absolviert. Als 18-Jähriger wird er zunächst zum Reichsarbeitsdienst und dann zur Wehrmacht eingezogen. Aus dem Krieg zurückgekehrt verschlägt es Siegfried vorerst in die Landwirtschaft eines Bauern in seinem Heimatdorf. Ein Jahr später arbeitet er dort bei der Firma Teubner drei Jahre lang als Kraftfahrer. Anschließend zieht es ihn arbeitsbedingt in die ESDA-Werke ins erzgebirgische Auerbach, wo er auch seine spätere Ehefrau Charlotte kennen lernt. Sein außerordentliches Interesse gilt schon von Kindesbeinen an der Technik und so verwundert es wohl nicht, dass er 1951 in seinen Ausbildungsbetrieb als Versuchsfahrer zurückkehrt. Wenig später wird Siegfried Werksrennfahrer bei DKW-IFA, dem späteren MZ Werk in Zschopau.

Im gleichen Jahr, noch bevor er Werksfahrer wird, beginnt er Rennen zu fahren; mit einer Rennmaschine, die er gemeinsam mit seinem Vater aufgebaut hat. Von da an zieht es ihn von Rennen zu Rennen. Sogar seine Hochzeit mit Charlotte muss 1951 verschoben werden, weil ein Rennen stattfindet. Noch in diesem Jahr fährt Siegfried seinen ersten Sieg in der 125ccm-Nachwuchsklasse bei einem Lauf zur BSG Süd-West Chemnitz Meisterschaft ein, der auf dem Sachsenring ausgetragen wurde.

Im folgenden Jahr bestreitet er die 125er DDR-Meisterschaft, wo er Platzierungen von 3 bis 6 einfährt und Gesamtsechster wird.

1953 siegt er im Lauf um die DDR-Meisterschaft in Schleiz. Ingesamt wird Siegfried Siebter.

1954 startet er in der 125ccm-Klasse, wo er mit 3 dritten Plätzen und weiteren guten Platzierungen Gesamtachter wird. Beim WM-Lauf auf der Solitude in Westdeutschland wird er Elfter - sein bestes WM-Resultat in seiner verhältnismäßig kurzen Rennfahrer-Laufbahn und nicht nur aus damaliger Sicht eine Top-Platzierung.

Erstmals startet er auch in der 250ccm-Klasse, wo Siegfried die brandneue Maschine IFA 250 beim vorletzten Lauf auf dem Sachsenring als Erster überhaupt an den Start bringt. Trotz eines starken Rennens fällt er mit einem Zündungsdefekt aus. Doch man konnte hier bereits erkennen, dass in dieser Neuentwicklung immenses Potential steckte und das Zschopauer Rennkollektiv von IFA mit ihren Zweitaktern auch hier auf dem Vormarsch war.

1955 kann er noch einmal mit Topten-Platzierungen in beiden Klassen glänzen, bevor er im April 1956, noch vor Saisonbeginn, bei einer Versuchsfahrt mit einem Gespann schwer verunglückt.

Eingeklemmt zwischen Seitenwagen und einem Baum, zieht er sich einen Oberschenkel- und Schädelbasisbruch zu, woraufhin Siegfried seine Laufbahn als aktiver Rennfahrer an den Nagel hängen muss.

Im gleichen Jahr kommt auch seine Tochter Petra zur Welt.

Lange Zeit nach seinem Unfall laboriert er noch an dessen Folgen, bevor er als Rennmonteur die Arbeit im Werk wiederaufnehmen kann. Nach seiner Wiedergenesung arbeitet er von nun an als Mechaniker und betreut dabei auch Weltklasse-Rennfahrer wie Mike Hailwood, Gary Hocking und John Hempleman. Nach dieser Zeit wird Siegfried ab 1972 bis zu seinem Ruhestand bei MZ in Zschopau in der Abteilung Versuch als Disponent tätig. Insgesamt war Siegfried trotz seines Gewichtshandicaps - er wog für einen Rennfahrer immer ein paar Pfunde zuviel - ein sehr ausgeglichener und vielseitiger Rennfahrer, der auch in zahlreichen regional-spezifischen Wettbewerben, wie dem Skijöring, vielfach Siege eingefahren hat. 1953 fährt er bei der ADAC Deutschlandfahrt Kiel - München auf einer BK 350 die Silbermedaille ein.

Auch im Ruhestand bleibt seine Leidenschaft für den Rennsport ungebrochen. Siegfried war mit seinem fröhlichen Gemüt und der immer guten Laune bei seinen Mitmenschen beliebt. Gern neckte er Arbeitskollegen und Freunde mit einem Scherz, und so spielte „Sigg“, wie er unter Freunden genannt wurde, seinen Kollegen so manchen Streich und sorgte damit für Erheiterung im Alltag. Hilfsbereit und zuvorkommend in allen Belangen - so kannten ihn alle.

Siegfried, wir werden Dich nicht vergessen!  


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Die Brüder Markus und Siegfried Haase (v.l.)

Siegfried Haase mit Ehefrau Charlotte

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Siegfried Haase (li.) und Erhart Krumpholz:
 zwei IFA-Werksrennfahrer der ersten Stunde

Siegfried Haase
 als Frau verkleidet

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Die Autogramme von Siegfried Haase
 – immer noch begehrt

Siegfried Haase, Hannes Türk und Harald Linke: Ex-Rennfahrer und Freunde bei einem Treffen
 in Thalheim Ende März 2007


Text: Thomas Fritzsch,
Fotos: Archiv Haase,
Thomas Fritzsch


 
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