|
Schon als kleiner Junge
reiste er mit seinem Vater
zu zahlreichen national und international bekannten
Rennstrecken, um dort mit Begeisterung die Arbeit der Monteure
und Rennsportler zu verfolgen. Geboren am 15.12.1925 im sächsischen
Grießbach, als drittes von insgesamt vier Kindern des
Schlossers und späteren DKW-Rennmonteurs Kurt Haase und
dessen Ehefrau Frieda, blieb Siegfried immer tief verwurzelt
mit seiner Heimat und seinem Geburtsort.
Von 1932 bis 1940 besucht
er die Volkschule im Ort. Anschließend, während der
Kriegsjahre, lernt Siegfried Werkzeugmacher im damaligen
Auto-Union DKW-Werk in Zschopau. Zwei Jahre später hat er
seine Ausbildung erfolgreich absolviert. Als 18-Jähriger wird
er zunächst zum Reichsarbeitsdienst und dann zur Wehrmacht
eingezogen. Aus dem Krieg zurückgekehrt verschlägt es
Siegfried vorerst in die Landwirtschaft eines Bauern in seinem
Heimatdorf. Ein Jahr später arbeitet er dort bei der Firma
Teubner drei Jahre lang als Kraftfahrer. Anschließend zieht
es ihn arbeitsbedingt in die ESDA-Werke ins erzgebirgische
Auerbach, wo er auch seine spätere Ehefrau Charlotte kennen
lernt. Sein außerordentliches Interesse gilt schon von
Kindesbeinen an der Technik und so verwundert es wohl nicht,
dass er 1951 in seinen Ausbildungsbetrieb als Versuchsfahrer
zurückkehrt. Wenig später wird Siegfried Werksrennfahrer bei
DKW-IFA, dem späteren MZ Werk in Zschopau.
Im gleichen Jahr, noch
bevor er Werksfahrer wird, beginnt er Rennen zu fahren; mit
einer Rennmaschine, die er gemeinsam mit seinem Vater
aufgebaut hat. Von da an zieht es ihn von Rennen zu Rennen.
Sogar seine Hochzeit mit Charlotte muss 1951 verschoben
werden, weil ein Rennen stattfindet. Noch in diesem Jahr fährt
Siegfried seinen ersten Sieg in der 125ccm-Nachwuchsklasse bei
einem Lauf zur BSG Süd-West Chemnitz Meisterschaft ein, der
auf dem Sachsenring ausgetragen wurde.
Im folgenden Jahr
bestreitet er die 125er DDR-Meisterschaft, wo er Platzierungen
von 3 bis 6 einfährt und Gesamtsechster wird.
1953 siegt er im Lauf um
die DDR-Meisterschaft in Schleiz. Ingesamt wird Siegfried
Siebter.
1954 startet er in der
125ccm-Klasse, wo er mit 3 dritten Plätzen und weiteren guten
Platzierungen Gesamtachter wird. Beim WM-Lauf auf der Solitude
in Westdeutschland wird er Elfter - sein bestes WM-Resultat in
seiner verhältnismäßig kurzen Rennfahrer-Laufbahn und nicht
nur aus damaliger Sicht eine Top-Platzierung.
Erstmals startet er auch
in der 250ccm-Klasse, wo Siegfried die brandneue Maschine IFA
250 beim vorletzten Lauf auf dem Sachsenring als Erster überhaupt
an den Start bringt. Trotz eines starken Rennens fällt er mit
einem Zündungsdefekt aus. Doch man konnte hier bereits
erkennen, dass in dieser Neuentwicklung immenses Potential
steckte und das Zschopauer Rennkollektiv von IFA mit ihren
Zweitaktern auch hier auf dem Vormarsch war.
1955 kann er noch einmal
mit Topten-Platzierungen in beiden Klassen glänzen, bevor er
im April 1956, noch vor Saisonbeginn, bei einer Versuchsfahrt
mit einem Gespann schwer verunglückt.
Eingeklemmt zwischen
Seitenwagen und einem Baum, zieht er sich einen Oberschenkel-
und Schädelbasisbruch zu, woraufhin Siegfried seine Laufbahn
als aktiver Rennfahrer an den Nagel hängen muss.
Im gleichen Jahr kommt
auch seine Tochter Petra zur Welt.
Lange Zeit nach seinem
Unfall laboriert er noch an dessen Folgen, bevor er als
Rennmonteur die Arbeit im Werk wiederaufnehmen kann. Nach
seiner Wiedergenesung arbeitet er von nun an als Mechaniker
und betreut dabei auch Weltklasse-Rennfahrer wie Mike Hailwood,
Gary Hocking und John Hempleman. Nach dieser Zeit wird
Siegfried ab 1972 bis zu seinem
Ruhestand bei MZ in Zschopau in der Abteilung Versuch als
Disponent tätig. Insgesamt war Siegfried trotz seines
Gewichtshandicaps - er wog für einen Rennfahrer immer ein
paar Pfunde zuviel - ein sehr ausgeglichener und vielseitiger
Rennfahrer, der auch in zahlreichen regional-spezifischen
Wettbewerben, wie dem Skijöring, vielfach Siege eingefahren
hat. 1953 fährt er bei der ADAC Deutschlandfahrt Kiel - München
auf einer BK 350 die Silbermedaille ein.
Auch im Ruhestand bleibt
seine Leidenschaft für den Rennsport ungebrochen. Siegfried
war mit seinem fröhlichen Gemüt und der immer guten Laune
bei seinen Mitmenschen beliebt. Gern neckte er Arbeitskollegen
und Freunde mit einem Scherz, und so spielte „Sigg“, wie
er unter Freunden genannt wurde, seinen Kollegen so manchen
Streich und sorgte damit für Erheiterung im Alltag.
Hilfsbereit und zuvorkommend in allen Belangen - so kannten
ihn alle.
Siegfried, wir werden
Dich nicht vergessen!
|